{"id":12715,"date":"2024-02-23T10:46:43","date_gmt":"2024-02-23T09:46:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/was-in-der-zukunft-der-ukraine-liegt-plaedoyer-fuer-eine-verteidigungs-und-resilienzstrategie\/"},"modified":"2024-02-23T10:46:43","modified_gmt":"2024-02-23T09:46:43","slug":"was-in-der-zukunft-der-ukraine-liegt-plaedoyer-fuer-eine-verteidigungs-und-resilienzstrategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2024\/02\/23\/was-in-der-zukunft-der-ukraine-liegt-plaedoyer-fuer-eine-verteidigungs-und-resilienzstrategie\/","title":{"rendered":"Was in der Zukunft der Ukraine liegt: Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Verteidigungs- und Resilienzstrategie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine vor zwei Jahren setzte auch bei uns am PRIF eine <\/strong><a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/reihen\/die-eskalation-die-ukraine-krise-und-ihre-folgen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>intensive Auseinandersetzung<\/strong><\/a><strong> mit dem Konflikt ein. Nach nunmehr zwei Jahren Krieg, Hunderttausenden von Gefallenen und Verwundeten, Millionen Gefl\u00fcchteten und wohl <\/strong><a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1111\/twec.13336\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u00fcber einer Billion Euro in Wirtschaftssch\u00e4den<\/strong><\/a><strong> stellt sich die Frage, wie es um die Zukunft der Ukraine bestellt ist.<\/strong><\/p>\n<p>Die derzeitige Situation ist f\u00fcr Kyiv schwierig. Die umfangreichen ukrainischen Offensiven des letzten Jahres haben ihre Ziele weitgehend verfehlt. Russland bombardiert weiterhin ukrainische Stellungen sowie zivile Infrastruktur und hat in j\u00fcngerer Zeit auch neues Territorium erobern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Anfang des Jahres wechselte Pr\u00e4sident Selenskyj dann gegen den Willen vieler westlicher Verb\u00fcndeter die ukrainische Milit\u00e4rspitze aus. Die ukrainische Wirtschaft ist schwer belastet, Munitions- und Waffennachschub sind prek\u00e4r und die dauerhafte Mobilisierung f\u00fchrt zu Unmut in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Russland dagegen scheint unvermindert weiterzuk\u00e4mpfen. In den USA sind vor Kurzem Milit\u00e4rhilfen f\u00fcr die Ukraine im Repr\u00e4sentantenhaus geblockt worden und Europa liefert die angek\u00fcndigte Munition und Waffen bei weitem nicht so schnell und umfangreich, wie das versprochen war.<\/p>\n<p>Wird also die Ukraine auf sich alleine gestellt sein? Wird Russland die Ukraine \u00fcberw\u00e4ltigen? Welche politischen Optionen hat die Ukraine \u00fcberhaupt? Und wie kann man ihr Streben nach Frieden, Souver\u00e4nit\u00e4t und Freiheit am besten unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p>Wie es j\u00fcngst an den Prognosen zur Kriegswahrscheinlichkeit kurz vor Beginn der russischen Vollinvasion <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/13523260.2023.2259153\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gezeigt<\/a> wurde, ist es schwierig, verl\u00e4ssliche Vorhersagen zu solchen komplexen Fragen zu treffen und, darauf aufbauend, angemessene Strategien zu entwickeln.<\/p>\n<p>Dennoch kann die M\u00f6glichkeit und Wahrscheinlichkeit verschiedener Zukunftsszenarien seri\u00f6s analysiert und eingegrenzt werden, insofern hier hinreichend sokratische Demut ge\u00fcbt wird. <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/13523260.2023.2259153\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gute Vorhersagen dieser Art<\/a> vermeiden uneingeschr\u00e4nkte Behauptungen und basieren auf Kenntnissen des Konflikts, der Konfliktparteien sowie zu erforschten Regelm\u00e4\u00dfigkeiten von Regimen, Konflikten und au\u00dfenpolitischen Tendenzen, die jenen im russisch-ukrainischen Krieg \u00e4hneln.<\/p>\n<h2><strong>Was wird Russland tun?<\/strong><\/h2>\n<p>Die bestehende Datenlage deutet darauf hin, dass Russland unvermindert versuchen wird, weiteres Territorium in der Ukraine zu erobern, besetztes Gebiet zu behalten und den Widerstandswillen der Ukraine durch andauernde Bombardierung zu brechen.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr gibt es viele miteinander verbundene Gr\u00fcnde. Zum einen hat das russische Regime schon seit Mitte der 2000er immer mehr Bereitschaft gezeigt, zur Verfolgung seiner Ziele <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/13523260.2023.2164974\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hohe Risiken und Kosten zu akzeptieren<\/a>. Obgleich westliche Sanktionen schon seit 2014 die russische Wirtschaft nachhaltig und negativ beeinflusst haben, gibt es keine robusten Hinweise darauf, dass sie den russischen Kriegskurs beeinflusst haben. Durch die formelle Annexion der Krim (2014) und vier weiterer ukrainischer Oblaste (2022) und nach \u00fcber einem Jahrzehnt anti-ukrainischer Propaganda ist das \u00dcberleben des russischen Regimes eng mit der Zukunft dieser Gebiete <a href=\"https:\/\/wissenschaft-und-frieden.de\/artikel\/blutiger-boden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verkn\u00fcpft<\/a>. Auch die j\u00fcngeren Verlautbarungen Putins \u2013 sei es bei der Pressekonferenz zum Jahresende 2023 oder in dem ber\u00fcchtigten Interview mit dem US-amerikanischen Journalisten Tucker Carlson \u2013 deuten keinerlei Gesinnungswandel in der russischen Machtelite an.<\/p>\n<p>Auch gibt es keine Anzeichen f\u00fcr eine anstehende Revolution in Russland. Russische Kriegsgegner*innen sind massiven Repressionen ausgesetzt; vor kurzem wurde gemeldet, dass der prominenteste russische Oppositionelle Alexey Navalni in Haft gestorben ist; die <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2023\/06\/26\/russische-dolchstosslegenden-was-bedeutet-der-wagnermarsch-nach-moskau-langfristig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wagner-Episode<\/a> im letzten Jahr scheint die Stabilit\u00e4t des Regimes nicht ersch\u00fcttert zu haben. In Umfragen relativ verl\u00e4sslicher Institute wie dem Levada-Zentrum spiegelt sich eine hohe Beliebtheit Putins und eine optimistische Stimmung zur Lage des Landes in gro\u00dfen Teilen der russischen Bev\u00f6lkerung wider. Putin wird wohl im M\u00e4rz wenig Widerstand gegen seine Wiederwahl zu erwarten haben.<\/p>\n<h2><strong>Werden die USA der Ukraine weiter zur Seite stehen?<\/strong><\/h2>\n<p>Am 13. Februar wurde im US-Senat ein milit\u00e4risches Hilfspaket f\u00fcr die Ukraine in der H\u00f6he von 60 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Im Repr\u00e4sentantenhaus jedoch, wo die Republikanische Partei die Mehrheit hat, wurde die Entscheidung \u00fcber das Paket f\u00fcr zwei Wochen vertragt und an Forderungen zur Finanzierung von Grenzsicherungsma\u00dfnahmen gegen\u00fcber Mexiko gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Dies tr\u00e4gt die Handschrift des republikanischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Donald J. Trump, der schon lange und heftig gegen die NATO gewettert, seine Sympathien f\u00fcr Putin kundgegeben und seine Skepsis gegen\u00fcber der Ukraine zum Ausdruck gebracht hat.<\/p>\n<p>In der Tat steht im November dieses Jahres nicht nur das Amt des Pr\u00e4sidenten zur Wahl, sondern auch alle Sitze im Repr\u00e4sentantenhaus sowie ein Drittel der Sitze im Senat.<\/p>\n<p>Obgleich die Sorgen hinsichtlich einer republikanischen Regierung unter Trump begr\u00fcndet sind, spricht eine Reihe von Gr\u00fcnden daf\u00fcr, dass sich auch in einem solchen Szenario die gro\u00dfen Linien der US-amerikanischen Politik gegen\u00fcber der NATO, Russland und der Ukraine nicht \u00e4ndern werden.<\/p>\n<p>Zum einen ist der Druck auf die Republikaner gro\u00df, die Ukraine nicht alleine zu lassen. Es gibt <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2024\/02\/19\/politics\/johnson-ukraine-aid-critical-decision\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">viele Republikaner*innen<\/a>, die die Ukrainehilfen allgemein unterst\u00fctzen. Daher kann die derzeitige Aufschiebung wohl eher als ein tempor\u00e4res Zugest\u00e4ndnis an die radikalsten Trump-Anh\u00e4nger in der Partei gelesen werden und zeigt wohl keinen allgemeinen Kurswechsel an.<\/p>\n<p>Wie sich das schon w\u00e4hrend der ersten Trump-Regierung gezeigt hat, ist der US-Pr\u00e4sident einer ganzen Reihe von formellen und informellen \u201echecks and balances\u201c unterworfen, mitunter durch den Senat, die Ministerien, die Tr\u00e4gheit bestehender Prozesse und Verpflichtungen sowie die Mehrheitsmeinung der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Als Trump 2016 zum ersten Mal an die Macht kam, <a href=\"https:\/\/americangerman.institute\/publication\/trump-merkel-and-putin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00e4nderte sich dann auch nichts an der allgemeinen Ausrichtung der US-Politik<\/a> gegen\u00fcber Russland und der Ukraine. Tats\u00e4chlich lieferten die USA in dieser Zeit erstmals Javelin-Raketenwerfer an Kyiv.<\/p>\n<p>Obgleich nat\u00fcrlich eine zweite Trump-Amtszeit nicht einfach eine Wiederholung der ersten sein w\u00fcrde, weisen all diese Faktoren darauf hin, dass auch unter einer republikanischen Regierung die USA nicht aufh\u00f6ren w\u00fcrden, die Ukraine wirtschaftlich und milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen. Aber w\u00fcrde dies der Ukraine zum Sieg verhelfen?<\/p>\n<h2><strong>Wie wird der Krieg weitergehen?<\/strong><\/h2>\n<p>Sowohl Kyiv als auch der Kreml scheinen weiterhin an ihren Kriegszielen festzuhalten und einen milit\u00e4rischen Sieg \u00fcber die jeweils andere Seite anzustreben. Das geht aus den andauernden Kriegsbem\u00fchungen und den Aussagen der Eliten auf beiden Seiten hervor.<\/p>\n<p>Auch scheint der Kampfeswille beider Seiten ungebrochen. Verf\u00fcgbare Informationen \u00fcber die russische Mehrheitsmeinung suggerieren, dass Putin und damit implizit auch seine Kriegspolitik weiterhin von weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung akzeptiert werden. Auf ukrainischer Seite wird eine Kompromissl\u00f6sung vehement und mit deutlicher Mehrheit <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/abs\/10.1111\/ajps.12832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abgelehnt<\/a>.<\/p>\n<p>Jedoch gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die darauf hinweisen, dass keine der Parteien kurz- oder mittelfristig einen strategischen Sieg erringen und seine maximalen Kriegsziele durchsetzen kann.<\/p>\n<p>Zum einen gibt es in Kriegen eine allgemeine Tendenz, die auch und gerade in den letzten beiden Jahren des Ukrainekriegs <a href=\"https:\/\/ecfr.eu\/publication\/beyond-the-counter-offensive-attrition-stalemate-and-the-future-of-the-war-in-ukraine\/#_ftnref1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zum Vorschein getreten ist<\/a>, dass \u2013 wenn alle anderen Faktoren gleich sind \u2013 es leichter ist, Territorium zu verteidigen, als es zu erobern und zu halten.<\/p>\n<p>Auch ist es eine lang andauernde Regelm\u00e4\u00dfigkeit, dass Staaten insbesondere dann mehr Kosten und Risiken in der Kriegsf\u00fchrung akzeptieren, wenn sie den Eindruck haben, dass sie den Konflikt zu verlieren beginnen. Solange daher auf einer Seite weiteres Eskalations- und Mobilisierungspotenzial besteht, ist ein milit\u00e4rischer Sieg der anderen Seite unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Russland verf\u00fcgt \u00fcber ein deutlich h\u00f6heres Mobilisationspotenzial als die Ukraine, sowohl in Bezug auf Menschen, als auch auf Material. Auch k\u00f6nnte das Regime im Zweifelsfall auch weitere Eskalationsschritte unternehmen \u2013 etwa eine Generalmobilmachung oder eine Inkaufnahme sinkender Lebensstandards in der russischen Bev\u00f6lkerung, um mehr in den Krieg zu investieren.<\/p>\n<p>Jedoch weist alles darauf hin, dass die ukrainischen Streitkr\u00e4fte mit h\u00f6herer Motivation k\u00e4mpfen. Auch kann die Ukraine, anders als Russland, Zehntausende ihrer Soldaten in der EU ausbilden lassen. Weiterhin erh\u00e4lt die Ukraine, trotz aller politischen Probleme beim Timing und Umfang, umfangreiche Wirtschaftshilfe und Waffenlieferungen durch die NATO und deren Mitglieder.<\/p>\n<p>In den letzten zehn Jahren hat sich dabei ein deutliches Muster gezeigt, in dem der globale Nordwesten seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine immer dann intensivierte, wenn Russland den Konflikt eskalierte. Das galt f\u00fcr die unmittelbare Zeit nach der Krimannexion und dem Beginn des Donbasskriegs im Jahre 2014 sowie unmittelbar nach Beginn der Vollinvasion 2022. Die westliche Unterst\u00fctzung hielt trotz diverser Schocks an, darunter die <a href=\"https:\/\/americangerman.institute\/publication\/trump-merkel-and-putin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erste Pr\u00e4sidentschaft von Trump<\/a> sowie der <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/european-journal-of-international-security\/article\/bilateral-defence-and-security-cooperation-despite-disintegration-does-the-brexit-process-divide-the-united-kingdom-and-germany-on-russia\/1B21685404B401DACA527DEEFB907E5F\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU<\/a>. Obgleich dies f\u00fcr die Ukraine ein Zeichen der Hoffnung sein sollte, sind diese Tendenzen nat\u00fcrlich keine Naturgesetze, sondern h\u00e4ngen auch immer von konkreten politischen Entscheidungen ab.<\/p>\n<h2><strong>Welche Optionen haben die Ukraine und ihre Verb\u00fcndeten?<\/strong><\/h2>\n<p>Da viele der oben genannten Faktoren es kurz- und mittelfristig unwahrscheinlich machen, dass die Ukraine ihre Ziele milit\u00e4risch durch einen strategischen Sieg erringen wird, und da das Streben nach einem solchen Sieg auch mit enormen Risiken und Kosten behaftet ist, sollten Friedensstrategien jenseits eines solchen ukrainischen Siegs erwogen, erm\u00f6glicht und umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Aber auch, wenn eine alternative Friedensstrategie verfolgt wird, bleibt die milit\u00e4rische Dimension des Krieges von h\u00f6chster Bedeutung. Denn gerade f\u00fcr die Erm\u00f6glichung von Frieden m\u00fcsste zumindest sichergestellt werden, dass die Ukraine weiterhin in der Lage ist, dem andauernden milit\u00e4rischen Druck eines immer noch nach Maximalzielen strebenden Russlands standzuhalten.<\/p>\n<p>Hierdurch w\u00fcrden unmittelbar das Leben, die Freiheit und die Sicherheit der Menschen in der unbesetzten Ukraine weiter verteidigt. Ebenso w\u00fcrde dies den dringend n\u00f6tigen Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft und Gesellschaft erlauben \u2013 auch schon in Kriegszeiten, denn die k\u00f6nnten noch lange andauern.<\/p>\n<p>Weiterhin w\u00fcrden sich durch ukrainische Resilienz die langfristigen Chancen auf Deeskalation oder gar ernsthafte Verhandlungen erh\u00f6hen. Dies w\u00e4re der Fall, wenn Russland durch eine Verteidigungs- und Resilienzstrategie der Ukraine zunehmend die Hoffnung auf einen strategischen Sieg verliert und aufgrund der andauernden Kosten des Krieges zunehmend nicht-kriegerische Alternativen erw\u00e4gen muss. Diese M\u00f6glichkeit besteht: Obgleich das Putin-Regime den Krieg bisher sehr brutal und unerbittlich gef\u00fchrt hat, weist sein Verhalten auch weiter <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/13523260.2023.2164974\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grenzen der Risikobereitschaft<\/a> auf.<\/p>\n<p>Auch w\u00fcrde eine Verteidigungs- und Resilienzstrategie der Ukraine die Chance geben, ihre Ressourcen zu schonen und im Falle von \u00c4nderungen in der russischen Innenpolitik besser handeln (und verhandeln) zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie auch von US-amerikanischen Milit\u00e4rexpert*innen <a href=\"https:\/\/warontherocks.com\/2024\/01\/hold-build-and-strike-a-vision-for-rebuilding-ukraines-advantage-in-2024\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dargelegt<\/a>, w\u00e4re eine solche ukrainische Verteidigungsstrategie nicht passiv, sondern w\u00fcrde effizientes und konservatives K\u00e4mpfen, den Schutz des Gehaltenen, Vermeidung von Risiken und die Kosten f\u00fcr den Aggressor priorisieren.<\/p>\n<p>Eine solche Verteidigungs- und Resilienzstrategie bedeutet nicht die Aufgabe des Fernziels von Frieden und vollst\u00e4ndiger Freiheit f\u00fcr die Ukraine, sondern den vielversprechendsten Pfad dorthin. Sie w\u00fcrde es Kyiv erlauben, an seinen legitimen und von der gro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung gest\u00fctzten Zielen festzuhalten, ohne darauf angewiesen zu sein, diese Ziele kurzfristig erzwingen zu m\u00fcssen und das Risiko eines eventuellen Scheiterns zu tragen. Das betrifft auch die Wiedereingliederung der besetzten Gebiete, russische Reparationen und zuk\u00fcnftige Mitgliedschaft in der EU und in der NATO.<\/p>\n<p>Deutschland und andere Verb\u00fcndete k\u00f6nnten und sollten eine solche Verteidigungs- und Resilienzstrategie durch eine ganze Reihe von Ma\u00dfnahmen flankieren und unterst\u00fctzen. Dies betrifft insbesondere die milit\u00e4rstrategische Notwendigkeit von verl\u00e4sslichen und hinreichenden Wirtschafts- und Milit\u00e4rhilfen, damit die Ukraine sich weiter verteidigen kann und die Kosten des Krieges f\u00fcr das russische Regime weiter steigen. Die Sicherheits- und Kooperationsabkommen, welche die Ukraine j\u00fcngst mit Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Deutschland abgeschlossen hat, sind ein gutes Signal in diese Richtung, m\u00fcssten aber umfassend und effektiv umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Zweitens k\u00f6nnen und sollten die Verb\u00fcndeten der Ukraine weiterhin auch vermehrt Druck auf Russland aus\u00fcben, um die Kosten der andauernden Aggression in die H\u00f6he zu treiben und nicht-kriegerische Strategien attraktiver zu machen. Das beinhaltet die Aufrechterhaltung und auch Intensivierung von Sanktionen und diplomatischen Bem\u00fchungen, um Russlands Verhalten international abzustrafen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland und andere Verb\u00fcndete der Ukraine kann eine solche Verteidigungs- und Resilienzstrategie nicht als Entschuldigung f\u00fcr ein nachlassendes Engagement herhalten. Ganz im Gegenteil: <a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/ukraine\/war-ukraine-not-stalemate\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prognosen<\/a> derzeitiger russischer Nach- und Aufr\u00fcstungsma\u00dfnahmen zeigen, dass der Druck auf die Ukraine 2025 und 2026 wohl noch weiter steigen wird. Dem m\u00fcsste schon jetzt Rechnung getragen werden. Umfangreiche Wirtschafts- und Milit\u00e4rhilfen, Sanktionen, konsequente diplomatische Signale und auch explizite Verpflichtungen w\u00e4ren notwendig, um klarzustellen, dass die Ukraine keine Furcht davor haben muss, dass der Westen sie aufgibt \u2013 und dass das Putin-Regime nicht darauf hoffen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine vor zwei Jahren setzte auch bei uns am PRIF eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konflikt ein. 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