{"id":12848,"date":"2023-11-13T10:15:00","date_gmt":"2023-11-13T09:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/scheitern-in-afghanistan-wenn-es-sich-ursachenforschung-zu-einfach-macht\/"},"modified":"2023-11-13T10:15:00","modified_gmt":"2023-11-13T09:15:00","slug":"scheitern-in-afghanistan-wenn-es-sich-ursachenforschung-zu-einfach-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2023\/11\/13\/scheitern-in-afghanistan-wenn-es-sich-ursachenforschung-zu-einfach-macht\/","title":{"rendered":"Scheitern in Afghanistan: Wenn es sich Ursachenforschung zu einfach macht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages befasst sich mit den letzten anderthalb Jahren des Einsatzes in Afghanistan und vor allem mit dem desastr\u00f6s verlaufenen Abzug. Zudem beleuchtet eine Enquete-Kommission des deutschen Parlaments das gesamte internationale Engagement von 2001 bis 2021 und formuliert Lehren f\u00fcr die Zukunft. W\u00e4hrend die Befunde dieser beiden Gremien abzuwarten bleiben, gibt es bereits zahlreiche Publikationen zum Scheitern des internationalen Einsatzes in Afghanistan. Ein Teil dieser Ursachenforschung legt Folgerungen nahe, die ein kritisches Abw\u00e4gen des Ob und Wie k\u00fcnftiger Eins\u00e4tze erschweren.<\/strong><\/p>\n<p>Das Ende des Einsatzes in Afghanistan und die erneute Macht\u00fcbernahme der Taliban f\u00fchrten zu zahlreichen Versuchen, das Geschehene aufzuarbeiten. Dass der internationale Einsatz fehlschlug, ist weithin unbestritten. Allerdings gibt es Kon\u00adtroversen dar\u00fcber, wie sich dieser Befund erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Die meisten Beitr\u00e4ge sehen ein Zusammenspiel von inner- und au\u00dferafghanischen Faktoren, und viele verorten das Scheitern nicht nur im Milit\u00e4rischen oder Zivilen, sondern pr\u00e4sentieren \u00fcbergreifende Erkl\u00e4rungen. Insgesamt f\u00fchrt die Literatur mehr als 70 verschiedene Ursachen an. Diese gro\u00dfe Zahl kommt dadurch zustande, dass viele Beitr\u00e4ge einen spezifischen Fokus w\u00e4hlen und etwa die afghanischen Sicherheitskr\u00e4fte und deren Ert\u00fcchtigung von au\u00dfen diskutieren oder die Legitimit\u00e4t der nach dem Sturz der Taliban errichteten politischen Ordnung. Die Erkl\u00e4rungsangebote sind auch deshalb so zahlreich, weil viele einander widersprechen. Eine prominente Kontroverse diskutiert, wieweit es die politische Neuordnung Afghanistans belastete, dass jene Warlords viel Macht erhielten, die sich zwar mit der US-gef\u00fchrten Koalition gegen die Taliban verb\u00fcndeten, doch Jahre zuvor, nach dem R\u00fcckzug der sowjetischen Truppen, einen weiteren Krieg begonnen hatten.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>1<\/sup><\/a> Hier stellt sich die Frage, ob ohne dieses B\u00fcndnis der internationale Einsatz mit einem noch breiteren Aufstand konfrontiert worden w\u00e4re. Eine verwandte Kontroverse thematisiert, ob die im Dezember 2001 bei Bonn eingeleitete Neuordnung Afghanistans die Taliban h\u00e4tte einbeziehen sollen. Dabei unterscheiden sich die Einsch\u00e4tzungen darin, ob gro\u00dfe Teile der Taliban zu einer Machtteilung \u00fcberhaupt bereit gewesen w\u00e4ren und wie gut ein gemeinsames Regieren der Taliban mit ihren fr\u00fcheren Feinden funktioniert h\u00e4tte.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>2<\/sup><\/a> In einem anderen Streit meint die eine Seite, bereits das Vorhaben der Demokratisierung sei aussichtslos und sogar gef\u00e4hrlich gewesen, und das aufgrund extrem ung\u00fcnstiger Ausgangsbedingungen und des zu erwartenden Widerstands gegen eine solche politische Umw\u00e4lzung.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>3<\/sup><\/a> Die andere Seite hingegen sieht Chancen auf und durch Demokratisierung und kritisiert die konkrete Ausgestaltung der demokratischen Institutionen, so das Pr\u00e4sidialsystem, zu viel Zentralismus und ein unpassendes Verfahren f\u00fcr Parlamentswahlen.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>4<\/sup><\/a> Der Einmarsch im Irak 2003 l\u00f6ste die Diskussion aus, ob er dem Einsatz in Af\u00ad\u00adghanistan schadete, indem er von dort Ressourcen und Aufmerksamkeit abzog.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n<div class=\"su-box su-box-style-default\" id=\"\" style=\"border-color:#216220;border-radius:3px;\"><div class=\"su-box-title\" style=\"background-color:#549553;color:#ffffff;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px\">Der Einsatz<\/div><div class=\"su-box-content su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px\">Ausganspunkt: Terroranschl\u00e4ge am 11. September 2001; die Taliban regieren Afghanistan und wollen Osama bin Laden nicht ausliefern; US-gef\u00fchrte Koalition st\u00fcrzt zusammen mit afghanischen Verb\u00fcndeten die Taliban.<\/p>\n<p>Ab Dezember 2001: umfassender Versuch der politischen Neuordnung nach Vorgaben einer internationalen Konferenz bei Bonn, Ziel unter anderem gender-sensible, multi-ethnische repr\u00e4sentative Regierung.<\/p>\n<p>August 2021: Die Taliban \u00fcbernehmen erneut die Macht.<\/div><\/div>\n<p>Auf diese und andere Kontroversen geht ein frei zug\u00e4nglicher Literaturbericht n\u00e4her ein, den ich in der Politischen Vierteljahresschrift ver\u00f6ffentlicht habe. Dieser wertet mehr als 120 englische und deutsche Beitr\u00e4ge aus, die bis zum Sommer 2023 erschienen waren und das Scheitern in Afghanistan im Ganzen oder in einem Teilaspekt er\u00f6rtern. Im Folgenden geht es um zwei Erkl\u00e4rungsangebote, denen ich gro\u00dfe Resonanz zutraue, die aber problematische Lehren f\u00fcr Entscheidungen \u00fcber Eins\u00e4tze in der Zukunft implizieren. Das eine Angebot f\u00fchrt den Fehlschlag in Afghanistan auf den aus seiner Sicht zu geringem Umfang zur\u00fcck. Das andere, das ich als erstes er\u00f6rtere, argumentiert, der Afghanistan-Einsatz sei erst mit seinem Ende gescheitert. Je mehr die politisch Verantwortlichen einer dieser beiden Erkl\u00e4rungen folgen, desto eher sch\u00e4tzen sie die m\u00f6glichen Wirkungen eines etwaigen Einsatzes falsch ein.<\/p>\n<h2>Der Abzug als Ursache des Scheiterns?<\/h2>\n<p>Diese Sicht h\u00e4lt die Folgen des internationalen Abzugs nach dem Doha-Abkommen f\u00fcr entscheidend. In diesem hatten am 29. Februar 2020 die USA mit den Taliban den Abzug der internationalen Truppen vereinbart. Im Gegenzug sicherten die Aufst\u00e4ndischen zu, innerafghanische Friedensgespr\u00e4che zu beginnen und keine Angriffe von Afghanistan aus auf die Vereinigten Staaten und deren Verb\u00fcndeten zuzulassen.<a href=\"https:\/\/www.state.gov\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Agreement-For-Bringing-Peace-to-Afghanistan-02.29.20.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>6<\/sup><\/a> Der Abzug, so das hier zu er\u00f6rternde Argument, habe den materiellen F\u00e4higkeiten und der Moral der afghanischen Sicherheitskr\u00e4fte den entscheidenden Schlag versetzt. Ohne diesen h\u00e4tte die Regierungsseite trotz aller Probleme noch lange durchhalten k\u00f6nnen.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>7<\/sup><\/a> Der Abzug nahm den afghanischen Sicherheitskr\u00e4ften Luftunterst\u00fctzung durch die internationalen Truppen und auch durch die eigene Luftwaffe, da diese von ausl\u00e4ndischen Unternehmen instandgehalten wurde, die das Land verlie\u00dfen. Viele St\u00fctzpunkte boten ohne Versorgung aus der Luft den Aufst\u00e4ndischen ein leichtes Ziel.<sup><a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">8<\/a><\/sup> Das Doha-Abkommen gilt nicht nur in seinen Inhalten, sondern auch in seinem Zustandekommen als problematisch. Die afghanische Regierung wurde an seiner Aushandlung nicht beteiligt und so als \u00fcbergehbare Gr\u00f6\u00dfe vorgef\u00fchrt. Das spornte den Aufstand der Taliban an und demoralisierte die afghanischen Sicherheitskr\u00e4fte, die im Auftrag ihrer Regierung k\u00e4mpfen sollten.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung, der Einsatz sei erst durch seine Beendigung gescheitert, halten andere Beitr\u00e4ge f\u00fcr zu kurz gegriffen. Ich teile diesen Vorbehalt, bedenkt die skizzierte Erkl\u00e4rung doch zu wenig, dass in zeitgen\u00f6ssischen innerstaatlichen Kriegen nur selten die Aufst\u00e4ndischen siegen<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>10<\/sup><\/a>, die afghanischen Sicherheitskr\u00e4fte von den Vereinigten Staaten mit rund 90 Mrd. US-$ ert\u00fcchtigt wurden<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>11<\/sup><\/a> und den Taliban in Zahl und Ausr\u00fcstung \u00fcberlegen waren.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>12<\/sup><\/a> Eine geringe Moral in den Sicherheitskr\u00e4ften bereitete schon lange vor dem Abzug Probleme, wie sich etwa 2015 in Kundus zeigte, wo 3.000 Soldaten und Polizisten vor 500 angreifenden Taliban flohen.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>13<\/sup><\/a> Es fehlte offenbar an Motivation, die seit 2001 geschaffene politische Ordnung zu verteidigen. Darin zeigte sich deren unzureichende Legitimit\u00e4t, woran auch die anl\u00e4sslich von Mandatsverl\u00e4ngerungen gerne angef\u00fchrten verbesserten Lebensbedingungen vieler Afghan*innen nichts \u00e4nderten. Wahlen, die immer weniger demokratischen Kriterien gen\u00fcgten, zuletzt unter extrem geringer Beteiligung litten und zu dysfunktionalen Regierungen f\u00fchrten, verschafften der neuen Ordnung ebenso wenig die erforderliche Unterst\u00fctzung.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>14<\/sup><\/a><\/p>\n<h2>Zu wenig Mittel, zu wenig Personal?<\/h2>\n<p>Die Erkl\u00e4rung, die das Scheitern des Einsatzes auf dessen Beendigung reduziert, \u00fcberschneidet sich mit der verbreiteten Annahme, nach der Auslandseins\u00e4tze dann Erfolge erzielten, wenn sie nicht nur Geduld bewiesen, sondern zudem ausreichend Ressourcen und Personal einsetzten. Scheitern folge demnach auf mangelnde Entschlossenheit. \u201e[T]he\u00ad main problem is the lack of political will\u201d, beklagte Jean-Marie Gu\u00e9henno, einst Untergeneralsekret\u00e4r der Vereinten Nationen f\u00fcr friedens\u00aderhaltende Operationen.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>15<\/sup><\/a> Eine entsprechende Position findet sich auch in Beitr\u00e4gen zum Fehlschlag in Afghanistan. Sie f\u00fchren etwa an, dass sich der internationale Milit\u00e4reinsatz mit rund 140.000 Soldat*innen auf seinem H\u00f6hepunkt doch gering ausnehme, wenn man ihn in Relation zur Fl\u00e4che oder Bev\u00f6lkerung Afghanistans setze.<a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/articles\/afghanistan\/2021-08-30\/afghanistan-was-lost-long-ago\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>16<\/sup><\/a> Eine h\u00f6here Truppendichte verspreche genauere Informationen \u00fcber die Lage vor Ort, weniger Freir\u00e4ume f\u00fcr Gewaltakteure und damit mehr Sicherheit.<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/ajps.12036\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>17<\/sup><\/a> Auch der Umfang des zivilen Engagements sei eher gering ausgefallen, vergleicht man es etwa mit der Hilfe nach den Kriegen im zerfallenden Jugoslawien.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>18<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ein konkurrierender Strang der Literatur betont zum einen, dass sich milit\u00e4rische und zivile Anstrengungen nicht beliebig ausdehnen lassen, unter anderem weil fachlich qualifiziertes Personal mit den erforderlichen Sprachkenntnissen und interkulturellen Kompetenzen nur begrenzt zur Verf\u00fcgung stehe.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>19<\/sup><\/a> Wie dieser Teil der Literatur zum anderen festh\u00e4lt, helfe viel nicht immer viel und mehr Engagement bringe nicht unbedingt mehr Erfolg. So bilanzierte der US-Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction, je mehr Ressourcen in ein Land mit schwachen staatlichen Institutionen flie\u00dfen, desto schwerer falle es, die Mittelverwendung zu beaufsichtigen: \u201eBy spending money faster than it could be accounted for, the U.S. government ultimately achieved the opposite of what it intended: it fueled corruption, delegitimized the Afghan government, and increased insecurity\u201d.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>20<\/sup><\/a> Ein umfangreicherer Einsatz gew\u00e4hrleistet auch keinen gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die Regierung des Ziellands, um diese zu einer Politik zu bewegen, die der politischen Ordnung mehr Legitimit\u00e4t verschafft. Die unterst\u00fctzte Regierung f\u00fcrchtet, mit Umsetzung der geforderten Schritte ihre Chancen auf Machterhalt zu schm\u00e4lern. Zudem erkennt sie, wie auch die tragenden Kr\u00e4fte des internationalen Einsatzes von ihr abh\u00e4ngen. Daher kommt sie deren Forderungen nicht nach.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>21<\/sup><\/a><\/p>\n<h2>Vorsicht vor falschen Lehren<\/h2>\n<p>Die These, der Einsatz in Afghanistan sei erst durch seine Beendigung gescheitert, k\u00f6nnte in Politik, Forschung und interessierter \u00d6ffentlichkeit einigen Anklang finden. Ihre knappe Argumentation hebt sie von weit ausholenden, un\u00fcbersichtlichen Erkl\u00e4rungsangeboten ab, die viele verschiedene Ursachen zusammenf\u00fchren und lange Zeitr\u00e4ume ber\u00fccksichtigen. Der katastrophal verlaufene Abzug, markiert durch die dramatischen Bilder vom Flughafen Kabul, l\u00e4sst es erst einmal plausibel erscheinen, dass der internationale Einsatz durch seine Beendigung fehlgeschlagen sei. Diese These erlaubt es zudem, die politische Verantwortung vor allem den US-Pr\u00e4sidenten Trump und Biden zuzuschieben, die den internationalen Abzug vorangetrieben hatten. Damit entlastet sie das vorherige Engagement und die anderen daran Beteiligten. Doch bereits vor dem Abzug waren internationale Anstrengungen, Afghanistan neuzuordnen und zu stabilisieren, fehlgeschlagen. Es w\u00e4re ein Vers\u00e4umnis, daraus keine Lehren f\u00fcr k\u00fcnftige Eins\u00e4tze abzuleiten. Bei der Entscheidung \u00fcber einen Einsatz gilt es unbedingt, auch auf dessen m\u00f6gliche Enden zu sehen. Ein sorgf\u00e4ltiges Abw\u00e4gen muss aber weiter ausgreifen. Ungeeignete Exit-Strategien k\u00f6nnen vorherige Erfolge des Einsatzes zunichtemachen, doch macht auch die beste Exit-Strategie nicht alle vorangegangenen Fehlentwicklungen wett.<a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2021\/11\/11\/ausweglose-exit-strategien-beginn-fortdauer-und-ende-von-auslandseinsaetzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>22<\/sup><\/a><\/p>\n<div class=\"su-box su-box-style-default\" id=\"\" style=\"border-color:#216220;border-radius:3px;\"><div class=\"su-box-title\" style=\"background-color:#549553;color:#ffffff;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px\">Weiterlesen<\/div><div class=\"su-box-content su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px\">Die Politische Vierteljahresschrift hat den Literaturbericht zum Scheitern des Einsatzes in Afghanistan frei zug\u00e4nglich ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11615-023-00508-9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gromes, Thorsten: Zum Scheitern des internationalen Einsatzes in Afghanistan, in: Politische Vierteljahresschrift, DOI 10.1007\/s11615-023-00508-9.<\/a><\/div><\/div>\n<p>Auch der Erkl\u00e4rung, das Scheitern resultiere aus dem zu geringen Umfang des Einsatzes und daher aus der mangelnden Entschlossenheit der Verantwortlichen, traue ich zahlreichen Zuspruch zu. Sie verspricht Entscheider*innen Kontrolle der Lage, b\u00fcrdet ihnen damit aber die vollst\u00e4ndige Verantwortung f\u00fcr Fehlschl\u00e4ge auf. Im besten Fall f\u00fchrt das bei Entscheidungen \u00fcber Eins\u00e4tze zu einem besonders besonnenen Abw\u00e4gen. F\u00fcr wahrscheinlicher halte ich allerdings, dass Chancen und Risiken eines potentiellen Einsatzes falsch eingesch\u00e4tzt werden. Denn k\u00e4me es nur auf den Umfang des Einsatzes an, w\u00fcrden die geographischen, demographischen und sozio-\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse im Zielland ebenso wenig einen Unterschied machen wie die Interessen und Strategien der Konfliktparteien oder die Politik anderer externer M\u00e4chte. Diese Annahme mutet extrem gewagt an, auch im Lichte der oben angerissenen Kontroversen zum Scheitern in Afghanistan, in denen oft beide Seiten innerafghanische Faktoren und deren Zusammenspiel mit dem internationalen Einsatz heranziehen. Formuliert also die Enquete-Kommission des Bundestages Lehren aus Afghanistan f\u00fcr etwaige Eins\u00e4tze in der Zukunft, dann sollte sie Abstand halten zur Annahme, Erfolg oder Scheitern resultiere vor allem oder allein aus dem Umfang des eigenen Engagements.<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8997 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Spotlight-Cover-klein.jpg\" alt=\"Cover PRIF Spotlight 11\/2023\" width=\"200\" height=\"283\" \/>Download (pdf): <a href=\"https:\/\/www.prif.org\/publikationen\/publikationssuche\/publikation\/scheitern-in-afghanistan-wenn-es-sich-ursachenforschung-zu-einfach-macht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gromes, Thorsten (2023): Scheitern in Afghanistan: Wenn es sich Ursachenforschung zu einfach macht, PRIF Spotlight 11\/2023, Frankfurt\/M.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight1123-fn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zu den Fu\u00dfnoten<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages befasst sich mit den letzten anderthalb Jahren des Einsatzes in Afghanistan und vor allem mit dem desastr\u00f6s verlaufenen Abzug. Zudem beleuchtet eine Enquete-Kommission des deutschen Parlaments das gesamte internationale Engagement von 2001 bis 2021 und formuliert Lehren f\u00fcr die Zukunft. W\u00e4hrend die Befunde dieser beiden Gremien abzuwarten bleiben, gibt es bereits zahlreiche Publikationen zum Scheitern des internationalen Einsatzes in Afghanistan. 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