{"id":12909,"date":"2023-03-07T09:41:56","date_gmt":"2023-03-07T08:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/kampfflugzeuge-fuer-die-ukraine-und-das-risiko-der-eskalation-ein-realitaetscheck\/"},"modified":"2023-03-07T09:41:56","modified_gmt":"2023-03-07T08:41:56","slug":"kampfflugzeuge-fuer-die-ukraine-und-das-risiko-der-eskalation-ein-realitaetscheck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2023\/03\/07\/kampfflugzeuge-fuer-die-ukraine-und-das-risiko-der-eskalation-ein-realitaetscheck\/","title":{"rendered":"Kampfflugzeuge f\u00fcr die Ukraine und das Risiko der Eskalation: Ein Realit\u00e4tscheck"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachdem mehrere NATO-Staaten der Ukraine nach monatelangem Ringen die Lieferungen von Panzern zugesagt haben, intensiviert die ukrainische Regierung ihre Forderungen nach Kampfflugzeugen westlicher Bauart. Allerdings w\u00e4re die Ukraine auch mit einigen westlichen Jets kaum in der Lage, die leistungsf\u00e4higen russischen Flugabwehrsysteme zu zerst\u00f6ren. Dar\u00fcber hinaus, und wichtiger, stellen westliche Kampfflugzeuge enorme Anforderungen an Infrastruktur und Ausbildung. Eine Lieferentscheidung w\u00e4re in erster Linie ein politisches Signal f\u00fcr die langfristige Unterst\u00fctzung des Landes. Auswirkungen auf dem Schlachtfeld h\u00e4tte sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht.<\/strong><\/p>\n<p>Kaum ist die Debatte \u00fcber Kampfpanzerlieferungen an die Ukraine beendet, startet schon die n\u00e4chste Diskussion: Soll der Westen modernste Kampfflugzeuge liefern? Westliche Kampfflugzeuge der vierten Generation w\u00fcnscht sich die ukrainische Regierung schon seit Beginn der Kampfhandlungen. Die ukrainische Luftwaffe etwa <a href=\"https:\/\/twitter.com\/KpsZSU\/status\/1509619197290156032?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">forderte auf Twitter<\/a> bereits im M\u00e4rz 2022 US-amerikanische F-15 Eagle und F-16 Falcon. Von diesem Wunsch ist man seitdem nicht abger\u00fcckt: Der ukrainische Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/Selenskyj-bittet-um-Langstreckenraketen-und-Kampfflugzeuge,audio1304808.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolodymyr Selenskyj bat auf seiner Europareise im Februar 2023 erneut um zus\u00e4tzliche Waffenlieferungen<\/a> und nannte neben Raketen mit l\u00e4ngerer Reichweite auch Kampfflugzeuge.<\/p>\n<p>Mit dem Druck auf westliche Staaten, jetzt auch diese Waffensysteme zu liefern, steigen allerdings auch die Bef\u00fcrchtungen vor einer weiteren Eskalation des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. So besteht die Sorge, die Ukraine w\u00fcrde mit westlichen Kampfflugzeugen Ziele auf russischem Staatsgebiet bombardieren \u2013 und das wiederum k\u00f6nnte Wladimir Putin dazu treiben, den Konflikt weiter zu eskalieren. Ungeachtet der Tatsache, dass die Ukraine <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/dec\/05\/strikes-deep-inside-russia-highlight-ukraines-tactical-ingenuity\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bereits Ziele auf russischem Territorium angegriffen hat<\/a>, ohne auf Flugzeuge zur\u00fcckzugreifen, wird dieses spezifische Risiko der Eskalation allerdings \u00fcbersch\u00e4tzt.<\/p>\n<h2>Warum Angriffe auf russisches Kernland unwahrscheinlich sind<\/h2>\n<p>Russland geht schon l\u00e4nger von einer westlichen \u00dcberlegenheit in der Luft aus und hat deshalb signifikante Ressourcen in die Entwicklung von integrierten Luftverteidigungssystemen investiert. Dabei z\u00e4hlen russische Systeme <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/occasional-papers\/modern-russian-and-chinese-integrated-air-defence-systems-nature-threat-growth-trajectory-and\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zu den leistungsf\u00e4higsten der Welt<\/a> und <a href=\"https:\/\/aviationweek.com\/defense-space\/missile-defense-weapons\/us-says-russia-has-almost-complete-sam-coverage-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">decken gro\u00dfe Teile des ukrainischen Luftraums ab<\/a>. An den Frontlinien sieht sich die Ukraine sogar mit mehreren Ebenen verschiedener Flugabwehrsysteme konfrontiert. Um nicht schon aus gro\u00dfer Entfernung abgeschossen zu werden, fliegen ukrainische Kampfflugzeuge deshalb den Gro\u00dfteil ihrer Missionen nur wenige Meter \u00fcber dem Boden, was ihre Leistungsf\u00e4higkeit erheblich einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Trotz <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/special-resources\/russian-air-war-and-ukrainian-requirements-air-defence\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">punktueller Erfolge<\/a> der Ukraine bei der Unterdr\u00fcckung russischer Luftverteidigungssysteme durch von den Vereinigten Staaten gelieferte <a href=\"https:\/\/www.thedrive.com\/the-war-zone\/how-ukraine-couldve-quickly-put-agm-88-anti-radiation-missiles-to-use\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anti-Radar-Raketen<\/a> wird die Bedrohung durch die russische Flugabwehr auch weiterhin ein relevanter Faktor im Ukraine-Krieg bleiben. Denn um feindliche Flugabwehrstellungen auf Dauer erfolgreich zu unterdr\u00fccken und zu zerst\u00f6ren, sind <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/rusi-defence-systems\/getting-serious-about-sead-european-air-forces-must-learn-failure-russian-air-force-over-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gro\u00df angelegte Luftkampagnen<\/a> erforderlich, wie die Operation Allied Force w\u00e4hrend des Kosovo-Kriegs im Jahr 1999 illustriert.<\/p>\n<p>Damals standen den alliierten Luftstreitkr\u00e4ften allein zur <em>Unterdr\u00fcckung<\/em> der feindlichen Luftverteidigungssysteme um die 80 Kampf- und Angriffsflugzeuge zur Verf\u00fcgung. Diese feuerten im Rahmen der 78 Tage langen Milit\u00e4roperation <a href=\"https:\/\/www.rand.org\/pubs\/monograph_reports\/MR1365.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">insgesamt 743 Anti-Radar-Raketen<\/a> auf 44 bekannte Flugabwehrbatterien ab, um Man\u00f6verfreiheit f\u00fcr nachfolgende Jets sicherzustellen. Solche Anti-Radar-Raketen erzielen aber nur selten direkte Treffer, weil die Crew der Batterie ihr Radar im Falle eines Angriffs einfach ausschalten kann und somit in der Regel kein Ziel mehr f\u00fcr die anfliegende Anti-Radar-Rakete bietet. F\u00fcr die <em>Zerst\u00f6rung<\/em> feindlicher Flugabwehrsysteme stellte die NATO deshalb weitere Kampfflugzeuge ab, die beim Erscheinen neuer Boden-Luft-Bedrohungen in den serbischen Luftraum eindringen und diese mit schwerer Munition zerst\u00f6ren sollten. Dies gelang allerdings nur mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg. Von den modernsten Flugabwehrbatterien der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien, insgesamt 25 SA-6 \u201eGainful\u201c, wurden <a href=\"https:\/\/www.rand.org\/pubs\/monograph_reports\/MR1365.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gerade einmal drei zerst\u00f6rt<\/a> \u2013 und das, obwohl die Systeme damals bereits 30 Jahre alt waren.<\/p>\n<p>Trotz des Einsatzes von elektronischen Gegenma\u00dfnahmen und \u00fcber 1.500 <a href=\"https:\/\/man.fas.org\/dod-101\/sys\/ac\/equip\/an-ale-50.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schleppk\u00f6dern<\/a> wurden au\u00dferdem zwei Flugzeuge der Koalitionsstreitkr\u00e4fte abgeschossen sowie etliche weitere besch\u00e4digt. Nicht zuletzt waren Maschinen und Crews <a href=\"https:\/\/www.rand.org\/pubs\/monograph_reports\/MR1365.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bis an die Grenzen von Mensch und Maschine ausgelastet<\/a>, was das U.S.-amerikanische Air Combat Command nach der Operation dazu veranlasste, die geplanten Anschaffungen von f\u00fcr Unterdr\u00fcckungsmissionen geeignete F-16CJ von 30 auf 100 St\u00fcck zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Da <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/rusi-defence-systems\/getting-serious-about-sead-european-air-forces-must-learn-failure-russian-air-force-over-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">selbst die NATO nur dank der Vereinigten Staaten \u00fcber die F\u00e4higkeiten f\u00fcr solche komplexen Luftkampagnen verf\u00fcg<\/a>t, wird auch die Ukraine kaum in der Lage sein, die russischen Flugabwehrsysteme mit einigen wenigen Jets dauerhaft zu unterdr\u00fccken oder gar zu zerst\u00f6ren. Au\u00dferdem w\u00e4ren neben Kampfflugzeugen weitere Flugzeuge zur Luftbetankung und Aufkl\u00e4rung erforderlich, die feindlichen Luftverteidigungssystemen schutzlos ausgeliefert w\u00e4ren. Nicht ohne Grund durften spezielle Flugzeuge zur Bodenaufkl\u00e4rung, die E-8 JSTARS (Joint Surveillance and Target Attack Radar System), schon 1999 <a href=\"https:\/\/warontherocks.com\/2022\/03\/the-dangerous-allure-of-the-no-fly-zone\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nur au\u00dferhalb serbischen Luftraums operieren<\/a>.<\/p>\n<p>In Anbetracht der leistungsf\u00e4higen russischen Luftverteidigungssysteme w\u00e4ren Kampfflugzeuge westlicher Bauart daher <a href=\"https:\/\/www.spectator.co.uk\/article\/why-the-west-is-reluctant-to-give-ukraine-f-16s\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">praktisch ausschlie\u00dflich defensive Waffen<\/a>. Ausgestattet mit modernen Luft-Luft-Lenkwaffen k\u00f6nnten sie russische Jets von den Frontlinien zur\u00fcckdr\u00e4ngen und durch ihre leistungsf\u00e4higen Radarsysteme auch beim Abfangen von Marschflugk\u00f6rpern helfen. \u00c4hnlich wie die bereits gelieferten HIMARS-Raketenwerfer k\u00e4men sie au\u00dferdem f\u00fcr den Angriff auf fixe Bodenziele wie Munitionsdepots nahe der Front in Frage. Angriffe auf russisches Territorium werden die ukrainischen Luftstreitkr\u00e4fte aber kaum fliegen k\u00f6nnen \u2013 weder ohne, noch mit westlichen Jets. Die enorme Reichweite zahlreicher moderner Distanzwaffen fu\u00dft n\u00e4mlich in erster Linie darauf, dass sie aus gro\u00dfen H\u00f6hen abgeworfen werden. Die Situation w\u00e4re nur dann anders, w\u00fcrde der Westen auch gleich Langstrecken-Marschflugk\u00f6rper mit einer Reichweite von bis zu 1.800 Kilometern f\u00fcr die neuen ukrainischen Kampfflugzeuge mitliefern. Selbst diese w\u00e4ren allerdings <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/occasional-papers\/modern-russian-and-chinese-integrated-air-defence-systems-nature-threat-growth-trajectory-and\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verwundbar gegen\u00fcber russischen Flugabwehrsystemen zur Nahbereichsverteidigung<\/a>.<\/p>\n<h2>Ausbildung, Betrieb und Logistik sind eine Herausforderung<\/h2>\n<p>Auch wenn das Eskalationsrisiko durch ukrainische Luftangriffe auf russisches Staatsgebiet gering ist, spricht eine Reihe anderer Faktoren gegen eine baldige Lieferung westlicher Kampfflugzeuge an die Ukraine. Diese sind zwar in erster Linie praktischer und nicht politischer Natur, erschweren aber trotzdem den zeitnahen Neuaufbau der ukrainischen Luftstreitkr\u00e4fte mit modernen Jets der vierten Generation.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal erfordern weit verbreitete Flugzeugmodelle wie die U.S.-amerikanische F-16 Fighting Falcon oder der europ\u00e4ische Eurofighter Typhoon f\u00fcr Betrieb und Wartung hochqualifiziertes fliegerisches und technisches Personal. So gehen erfahrene F-16-Ausbilder:innen davon aus, dass <a href=\"https:\/\/www.thedrive.com\/the-war-zone\/this-is-how-long-it-would-really-take-ukraines-pilots-to-convert-to-f-16s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mindestens zwischen sechs und zw\u00f6lf Monaten hochintensives Training<\/a> erforderlich w\u00e4ren, bevor ukrainische Pilot:innen \u00fcberhaupt in den Kampf geschickt werden k\u00f6nnten. Westliche Kampfflugzeuge m\u00f6gen sich bei der Flugleistung nur geringf\u00fcgig von den sowjetischen Typen der Ukraine unterscheiden, doch technologisch ist der Unterschied riesig \u2013 insbesondere bei den Radarsystemen, Systemen zur elektronischen Kampff\u00fchrung sowie anderen Sensoren.<\/p>\n<p>Ein noch gr\u00f6\u00dferes Problem als die Ausbildung des <em>fliegerischen<\/em> Personals w\u00e4ren allerdings die Instandhaltung und die Ausbildung des <em>technischen<\/em> Personals. Denn w\u00e4hrend Artilleriegesch\u00fctze oder Panzer auf dem Landweg nach Polen oder ein anderes NATO-Land transportiert und dort gewartet werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen Flugzeuge in der Regel dort repariert werden, wo sie nach ihrer Mission gelandet sind \u2013 also in der Ukraine. Die <a href=\"https:\/\/warontherocks.com\/2023\/02\/amateur-hour-part-iii-its-still-not-about-the-airplane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausbildung des technischen Personals ben\u00f6tigt je nach Qualifikationsstufe aber mehrere Jahre bis Jahrzehnte<\/a>, und dar\u00fcber hinaus m\u00fcssten auch noch s\u00e4mtliche Handb\u00fccher \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n<p>Zumindest zu Beginn m\u00fcsste daher wohl eine nicht unerhebliche Zahl an zivilen Auftragsnehmern aus dem Westen das ukrainische Bodenpersonal bei der Wartung unterst\u00fctzen \u2013 und das auf Flugpl\u00e4tzen, die <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/commentary\/giving-raf-typhoons-ukraine-would-be-very-expensive-symbolic-gesture\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sofort zu wichtigen Zielen f\u00fcr russische ballistische Raketen und Marschflugk\u00f6rper<\/a> w\u00fcrden. Daraus ergeben sich auch tats\u00e4chlich Eskalationsrisiken: Wenn bei einem russischen Luftangriff etwa eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl westlicher Staatsangeh\u00f6riger ums Leben k\u00e4me, dann k\u00f6nnte der politische Druck auf die jeweiligen Regierungen steigen, direkt ins Konfliktgeschehen einzugreifen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sind die meisten westlichen Kampfflugzeugmodelle ohnehin nur f\u00fcr den Betrieb auf gut ausgestatteten Flugpl\u00e4tzen mit umfangreicher Infrastruktur zur Wartung und hochwertig asphaltierten Start- und Landebahnen ausgelegt, denn ihre niedrigen Triebwerkseinl\u00e4ufe sind <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/commentary\/giving-raf-typhoons-ukraine-would-be-very-expensive-symbolic-gesture\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anf\u00e4llig f\u00fcr das Einsaugen von Fremdobjekten<\/a>. Da w\u00e4hrend des Krieges mit regelm\u00e4\u00dfigen Angriffen auf ukrainische Flugpl\u00e4tze durch russische Raketen und Marschflugk\u00f6rper gerechnet werden muss, k\u00f6nnte die erforderliche Infrastruktur f\u00fcr den Betrieb der Jets also vermutlich erst nach einem Waffenstillstand errichtet werden \u2013 <a href=\"https:\/\/www.thedrive.com\/the-war-zone\/ukraine-situation-report-kyiv-improving-airfields-anticipating-modern-jets\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auch wenn die Ukraine bereits jetzt damit begonnen hat<\/a>.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme bildet dabei die schwedische Saab JAS-39 Gripen, die <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/special-resources\/russian-air-war-and-ukrainian-requirements-air-defence\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">optimal auf die ukrainischen Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten<\/a> w\u00e4re. So ist die Gripen f\u00fcr den Betrieb auf improvisierten Start- und Landebahnen oder sogar Autobahnen ausgelegt und ben\u00f6tigt f\u00fcr die Wartung lediglich sechs Personen, von denen zudem nur eine hochqualifiziert sein muss. Die anderen f\u00fcnf k\u00f6nnen Wehrpflichtige oder Mannschaften ohne besondere Ausbildung sein. Au\u00dferdem passt s\u00e4mtliches Equipment f\u00fcr grundlegende Wartungsarbeiten in gerade einmal zwei Fahrzeuge.<\/p>\n<h2>Nach vorne blicken<\/h2>\n<p>Aus strategischer Sicht spricht einiges daf\u00fcr, dass Unterst\u00fctzerstaaten zeitnah eine Entscheidung f\u00fcr die Lieferung von Kampfflugzeugen treffen. Denn gerade im Falle eines Waffenstillstands sollte die Ukraine beim Aufbau einer langfristigen und glaubhaften Abschreckungsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Russland unterst\u00fctzt werden. Da die Ausbildung des fliegerischen und technischen Personals \u00e4u\u00dferst zeitaufwendig ist, sollte damit bereits jetzt begonnen werden.<\/p>\n<p>Der Debatte um Kampfjet-Lieferungen st\u00fcnde aber etwas mehr Ehrlichkeit gut zu Gesicht: Mit Kampfflugzeugen der vierten Generation wird die Ukraine weder in der Lage sein, Bodenziele auf russischem Territorium anzugreifen, noch k\u00f6nnten die Jets in wenigen Wochen oder Monaten geliefert sowie in Betrieb genommen werden. Insbesondere lenkt die \u00f6ffentliche Debatte von der Frage ab, zu welchem Zeitpunkt welche Modelle mit welchen Waffensystemen an die ukrainischen Luftstreitkr\u00e4fte geliefert werden k\u00f6nnten und sollten. Dies ist im Hinblick auf die milit\u00e4rische Lage in der Ukraine, die milit\u00e4rischen Anforderungen, aber auch m\u00f6gliche Eskalationsrisiken differenziert zu betrachten.<\/p>\n<p>Da die Lieferung wartungsaufwendiger Flugzeuge wie der U.S.-amerikanischen F-16 erst nach einem Waffenstillstand an die Ukraine Sinn ergibt, k\u00f6nnten die Ukraine, Schweden und westliche Partnerstaaten mittelfristig er\u00f6rtern, unter welchen politischen Bedingungen eine Lieferung von Gripen-Kampfjets an die Ukraine in Frage k\u00e4me. Denkbar w\u00e4re ein \u00e4hnliches Arrangement wie bei den Kampfpanzern: Die Vereinigten Staaten k\u00f6nnten f\u00fcr die Zukunft die Lieferung von F-16 zusichern, w\u00e4hrend Schweden mittelfristig Saab Gripen zur Verf\u00fcgung stellt. Deutschland k\u00f6nnte sich an einer solchen Einigung zumindest finanziell beteiligen, realistisch w\u00e4re sie aber vermutlich erst nach der Aufnahme Schwedens in die NATO. Um die Eskalationsrisiken in Grenzen zu halten, k\u00f6nnte zudem auf die Lieferung von Marschflugk\u00f6rpern mit gro\u00dfer Reichweite verzichtet werden.<\/p>\n<p>Kurzfristig w\u00e4re zu pr\u00fcfen, ob der Westen zumindest MiG-29 an die ukrainischen Luftstreitkr\u00e4fte liefern k\u00f6nnte. Denn ungeachtet <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/mar\/08\/poland-mig-29-jets-us-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">urspr\u00fcnglicher Pl\u00e4ne Polens<\/a> hat die Ukraine <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/04597222.2023.2162717\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bis heute keine Flugzeuge sowjetischer Bauart erhalten<\/a>, obgleich die Vereinigten Staaten im Fr\u00fchjahr 2022 die <a href=\"https:\/\/www.thedrive.com\/the-war-zone\/no-additional-fighter-jets-havent-been-delivered-to-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lieferung wichtiger Ersatzteile<\/a> auf den Weg bringen und damit den Klarstand der bestehenden Flotte verbessern konnten. M\u00f6glich w\u00e4re zudem die rudiment\u00e4re Integration weiterer westlicher Waffensysteme, nachdem die Vereinigten Staaten bereits <a href=\"https:\/\/www.thedrive.com\/the-war-zone\/how-ukraine-couldve-quickly-put-agm-88-anti-radiation-missiles-to-use\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AGM-88-Anti-Radar-Raketen<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.thedrive.com\/the-war-zone\/winged-jdam-smart-bombs-are-now-operational-in-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">JDAM-Pr\u00e4zisionsmunition<\/a> geliefert haben. CBU-97\/105, auch bekannt unter der Bezeichnung Sensor Fuzed Weapon, w\u00e4ren <a href=\"https:\/\/rusi.org\/explore-our-research\/publications\/special-resources\/russian-air-war-and-ukrainian-requirements-air-defence\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aus milit\u00e4rischer Sicht<\/a> hocheffektiv gegen russische Fahrzeugkolonnen auf ukrainischem Territorium, versto\u00dfen trotz geringer Blindg\u00e4ngerquote und technischen Vorrichtungen zur Zielfindung aber vermutlich <a href=\"https:\/\/armamentresearch.com\/us-cbu-97cbu-105-sensor-fuzed-weapon-cluster-munition\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gegen die Streubombenkonvention<\/a>.<\/p>\n<p>Da die Ukraine westliche Kampfflugzeuge ohne die Hilfe von westlichem Wartungspersonal im Land wohl erst in einigen Jahren in Betrieb nehmen und einsetzen k\u00f6nnte, w\u00e4re eine Lieferentscheidung also in erster Linie ein politisches Signal f\u00fcr die langfristige Unterst\u00fctzung des Landes. Auswirkungen auf dem Schlachtfeld h\u00e4tte sie erst einmal nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem mehrere NATO-Staaten der Ukraine nach monatelangem Ringen die Lieferungen von Panzern zugesagt haben, intensiviert die ukrainische Regierung ihre Forderungen nach Kampfflugzeugen westlicher Bauart. Allerdings w\u00e4re die Ukraine auch mit einigen westlichen Jets kaum in der Lage, die leistungsf\u00e4higen russischen Flugabwehrsysteme zu zerst\u00f6ren. Dar\u00fcber hinaus, und wichtiger, stellen westliche Kampfflugzeuge enorme Anforderungen an Infrastruktur und Ausbildung. Eine Lieferentscheidung w\u00e4re in erster Linie ein politisches Signal f\u00fcr die langfristige Unterst\u00fctzung des Landes. 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