{"id":12980,"date":"2022-08-15T09:47:55","date_gmt":"2022-08-15T07:47:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/new-york-kiew-havanna\/"},"modified":"2022-08-15T09:47:55","modified_gmt":"2022-08-15T07:47:55","slug":"new-york-kiew-havanna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2022\/08\/15\/new-york-kiew-havanna\/","title":{"rendered":"New York, Kiew, Havanna: Wir brauchen den Erstschlagverzicht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im August tagt in New York die Zehnte \u00dcberpr\u00fcfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrags (Non-Proliferation Treaty, NPT). Das Staatentreffen, das urspr\u00fcnglich im April 2020 stattfinden sollte, wurde wegen der Corona-Pandemie viermal verschoben. In dieser Zeit hat sich mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine die politische Gro\u00dfwetterlage so verschlechtert, dass Fortschritte in der Abr\u00fcstung und Nichtverbreitung von Nuklearwaffen kaum m\u00f6glich scheinen. Der Krieg und die nuklearen Drohungen Russlands bef\u00f6rdern eine Renaissance der nuklearen Abschreckung und Aufr\u00fcstung und vertiefen bestehende Risse im NPT. Um der drohenden Erosion dieses Grundpfeilers der globalen R\u00fcstungskontrolle etwas entgegenzusetzen, m\u00fcssen wir gerade jetzt die Schattenseiten der nuklearen Abschreckung anerkennen, die der Ukraine-Krieg offenlegt. Die gegenw\u00e4rtige Krise der Abschreckungspolitik als solche zu begreifen, kann \u2013 wie schon bei der Kuba-Krise im Kalten Krieg \u2013 Chancen f\u00fcr Deeskalation, Abr\u00fcstung und R\u00fcstungskontrolle er\u00f6ffnen.<\/strong><\/p>\n<h2>NPT in der Dauerkrise<\/h2>\n<p>Trotz seiner <a href=\"https:\/\/watermark.silverchair.com\/sqw013.pdf?token=AQECAHi208BE49Ooan9kkhW_Ercy7Dm3ZL_9Cf3qfKAc485ysgAAAvcwggLzBgkqhkiG9w0BBwagggLkMIIC4AIBADCCAtkGCSqGSIb3DQEHATAeBglghkgBZQMEAS4wEQQMBOyg9C4r1KD8kb-6AgEQgIICqnjkAIBylWHB7KDD8ROYOtfU-DhIohs7PagpG9L14DKPl1_2xSxVsVsVgUyncew3WHhgGCJopGKmTpA-4ik_o-rMS-2Jf_MAbgaOHBdltmcxMwZ21Mkf3gBHMFOTFd-J7KKIRfyQKViAT3E4yMbw3eAKQeGuZ3Xv15PPD7w3Fxrdeotpn-gNoIrXp9Ax_DduYJdK2OOeqCH2YlM11Dujmv0Lo3Cwc0aPf7w0C4mAv8h-7qEOuzi2FyH3OfdGteLia3JRhfp0qsq4lBAEnJnMS40eEG01yldB4q-ot37sm8FmkeUzfngZRIVG5G9vyTKoW6feovdxV79Bw6l0QVLXH_gg2rxfOTuRCRkUCglaz4rDAfjD6CaWe84X19TdfqUIcJq-4mqrzuXu8PQvD2o_w1wqJM9mGJHcQPdLKsxKqHzYLTJhnfvJAF409HyZlk9xLHA1sh2qagKXNDvp5sKDThNaBM2DLT82LJ0THsWbCubZYHmrC3pgjHYoVDCSS7glIiJ9LimovFqM0OeMms6lc_foBPs5CUDIW1T-sw5RWd-xjZYEueh2x1d_39r6GBCmVhnVLLNS5qLC1p-QEgU_SyiNNZ3a5abd25O32sy3zonwP5ZZCMDcEfBNpHwCobRH3VpzeP99vzd6ri3_hAQhzBLU0D6U5biARQ3hOlV2_ouJyzmT0BqQDWDEJNvV8E9l6Wpt9imZtdvcgjPIJvzsTLN-MgkpjAGhmwmmG9Izdh-r2CS4uZ2e8pa_AiFRI4mWv51ayuQbj_Zrd4i_0TVTnHU6U3XDdnb-0GiPmFotOaR9iPo1H1N_wWyWxi14rOSURPX7TJBsD-WHP-wegx6wGl6futAL3W_T3TlGt34Sdg6mstNxFPFrf2_--6AGzAaGsXdXv809katT_YQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erfolgsbilanz<\/a> war der NPT seit seiner Unterzeichnung 1968 auch immer Schauplatz von Streit und Krisen. Dazu geh\u00f6rten zum einen regionale Proliferationskrisen. Nordkorea und Iran trieben ihre nukleare Bewaffnung voran, obwohl sie den NPT ratifiziert hatten. Zum anderen gab es keine substanziellen Fortschritte bei der nuklearen Abr\u00fcstung (Art. VI des NPT). W\u00e4hrend des Kalten Krieges, besonders in den 80er Jahren, r\u00fcsteten die Nuklearm\u00e4chte drastisch auf. Zwar wurden die Arsenale danach wieder verkleinert. Jedoch blieb die Zahl der Sprengk\u00f6pfe weiter sehr hoch (<a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/media\/press-release\/2022\/global-nuclear-arsenals-are-expected-grow-states-continue-modernize-new-sipri-yearbook-out-now\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuell gesch\u00e4tzt 12.705<\/a> Sprengk\u00f6pfe weltweit). Aus diesem Grund drohte die unbegrenzte Verl\u00e4ngerung des urspr\u00fcnglich auf 25 Jahre befristeten Vertrags <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?hl=de&amp;lr=&amp;id=ha5HEAAAQBAJ&amp;oi=fnd&amp;pg=PT4&amp;dq=onderco+networked+nonproliferation&amp;ots=8NdCWsqtl6&amp;sig=MxzHjImrEMrZpk8TvAbcxXq_n8M#v=onepage&amp;q=onderco%20networked%20nonproliferation&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Jahr 1995 beinahe zu scheitern. <\/a>Heute verfolgen alle NPT-Nuklearwaffenstaaten umfassende Modernisierungsprogramme ihrer Arsenale und entwickeln neue Tr\u00e4gersysteme. Einige (China und Gro\u00dfbritannien) erh\u00f6hen sogar die Zahl ihrer Sprengk\u00f6pfe.<\/p>\n<h2>Der Ukraine-Krieg als Stresstest<\/h2>\n<p>Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine versch\u00e4rft diese Probleme. Aus Sicht vieler westlicher Entscheidungstr\u00e4ger:innen und Kommentator:innen belegen die Ereignisse seit dem 24. Februar die <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/archiv\/2022\/Sicherheitsexpertin-Major-NATO-Atomwaffen-sind-die-ultimative-Lebensversicherung,atombombe114.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zuverl\u00e4ssigkeit der nuklearen Abschreckung<\/a>. Schlie\u00dflich greife der Westen nicht direkt in Russlands Krieg ein. Andere <a href=\"https:\/\/www.realcleardefense.com\/articles\/2022\/07\/06\/countering_putins_nuclear_threats_840988.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bezweifeln<\/a> die Glaubw\u00fcrdigkeit der nuklearen Abschreckung der NATO und meinen, Russland sei dadurch zu seinem aggressiven Verhalten ermutigt worden. Beide Einsch\u00e4tzungen m\u00fcnden in <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/ukraine-krieg-und-die-folgen-braucht-die-eu-eigene-atomwaffen-a-c07572cf-537f-41eb-b997-69b302164987\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forderungen nach nuklearer Aufr\u00fcstung<\/a>. In Deutschland unterst\u00fctzt erstmals eine <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/archiv\/2022\/umfrage1310.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehrheit der Bev\u00f6lkerung<\/a> die nukleare Teilhabe und Abschreckungspolitik der NATO.<\/p>\n<p>Zugleich ist eine <a href=\"https:\/\/thebulletin.org\/2022\/06\/why-putins-betrayal-of-ukraine-could-trigger-nuclear-proliferation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Versch\u00e4rfung und Vermehrung regionaler Proliferation<\/a> zu bef\u00fcrchten. In sozialen Netzwerken und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-03\/atomwaffen-aufruestung-ukraine-iran-israel?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medien<\/a> wird h\u00e4ufig argumentiert, die russische Aggression gegen die Ukraine w\u00e4re nicht erfolgt, h\u00e4tte die Ukraine \u00fcber Nuklearwaffen verf\u00fcgt. Zwar hatte die Ukraine tats\u00e4chlich nie die Kommandogewalt \u00fcber das nach dem Zerfall der Sowjetunion auf ihrem Territorium stationierte Arsenal. Dennoch haben Kernwaffen f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/opinion\/iran-nuclear-ambitions-will-ukraine-conflict-fuel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einige Staaten<\/a> angesichts des russischen \u00dcberfalls an Attraktivit\u00e4t gewonnen. Der Bruch des Budapester Memorandums hat das <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2022\/04\/06\/world\/asia\/ukraine-south-korea-nuclear-weapons.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vertrauen in negative Sicherheitsgarantien<\/a> ersch\u00fcttert.<\/p>\n<h2>Die Krise der Abschreckung<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Atomwaffenstaaten und ihre Alliierten dient die gegenseitige Androhung der totalen Vernichtung dazu, Kriege zu verhindern und damit Frieden und Sicherheit zu garantieren (s. z.B. <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefing-room\/statements-releases\/2022\/01\/03\/p5-statement-on-preventing-nuclear-war-and-avoiding-arms-races\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">P5<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/topics_50068.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nato<\/a>). In der aktuellen Krise werden aber vor allem die Schattenseiten der nuklearen Abschreckung sichtbar. Russland treibt im Krieg gegen die Ukraine die nukleare Drohung auf die Spitze, indem es Nuklearwaffen gezielt zur Kriegserm\u00f6glichung einsetzt. Sie dienen nicht mehr prim\u00e4r der Verteidigung oder Verhinderung konventioneller milit\u00e4rischer Eskalation. Stattdessen werden sie von Moskau genutzt, um die Chancen eines f\u00fcr Russland g\u00fcnstigen Ausgangs des Krieges zu steigern und seine imperialistischen Bestrebungen abzusichern. Damit werden sowohl das in der UN-Charta verankerte Verbot eines Angriffskrieges und Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung unterminiert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.reaganlibrary.gov\/archives\/speech\/joint-soviet-united-states-statement-summit-meeting-geneva\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1985<\/a> und Anfang <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefing-room\/statements-releases\/2021\/06\/16\/u-s-russia-presidential-joint-statement-on-strategic-stability\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2021<\/a> erkl\u00e4rten die amerikanischen und sowjetischen\/russischen Pr\u00e4sidenten, dass ein Nuklearkrieg nicht zu gewinnen sei und daher nicht ausgefochten werden sollte. Das Verst\u00e4ndnis von Nuklearwaffen als letztes Mittel im Falle eines Nuklearangriffs der Gegenseite wird jedoch schon lange nicht mehr von allen Nuklearm\u00e4chten geteilt. Taktische Nuklearwaffen und Szenarien \u201ebegrenzter\u201c nuklearer Kriegsf\u00fchrung haben f\u00fcr Russland aber auch die USA schon l\u00e4nger an Bedeutung gewonnen. Diese Ausweitung der nuklearen Abschreckung, das zeigen die russischen Drohgeb\u00e4rden, f\u00fchrt zum Bruch des <a href=\"https:\/\/www.economist.com\/briefing\/2022\/06\/02\/russias-invasion-of-ukraine-has-eroded-the-nuclear-taboo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nuklearen Tabus,<\/a> das eigentlich durch die Nukleardoktrinen gest\u00e4rkt werden soll. Dies offenbart ein Paradox der nuklearen Abschreckung: je st\u00e4rker sie genutzt, je weiter nukleare Drohungen gefasst werden, desto wahrscheinlicher eine nukleare Eskalation.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig ist bei NATO und Russland ein beidseitiges Interesse erkennbar, den Krieg nicht \u00fcber die Grenzen der Ukraine auszuweiten. Sollte Moskau jedoch im weiteren Kriegsverlauf eine umfassende Niederlage f\u00fcrchten, k\u00f6nnte es auf den Einsatz taktischer Nuklearwaffen zur\u00fcckgreifen. Der Ukraine-Krieg legt die Fragilit\u00e4t der nuklearen Abschreckung offen. Denn wenn das notwendige gemeinsame Verst\u00e4ndnis fehlt, unter welchen Bedingungen Nuklearwaffen eingesetzt w\u00fcrden, geht ihre Berechenbarkeit verloren.<\/p>\n<h2>Risiken der Abschreckung reduzieren<\/h2>\n<p>Was bedeutet all das f\u00fcr die anstehende NPT-\u00dcberpr\u00fcfungskonferenz? Wenn sich die 191 NPT-Mitgliedstaaten in New York versammeln, tun sie das in einem langen Schatten, den der Krieg im fernen Kiew wirft. Hier lohnt sich f\u00fcr die Delegierten der Blick zur\u00fcck in die Geschichte und in eine dritte Stadt: Havanna. Die \u201eKubakrise\u201c vor knapp 60 Jahren war wie der Ukraine-Krieg ein Stresstest der nuklearen Abschreckung. Im Herbst 1962 f\u00fchrten die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba und die daraufhin verh\u00e4ngte US-amerikanische Seeblockade die Welt an den Rand eines Atomkriegs. Nach 13 Tagen endete die Krise mit dem Abzug der sowjetischen Nuklearwaffen im Gegenzug f\u00fcr (\u00f6ffentliche und nicht \u00f6ffentliche) US-Konzessionen. Auch damals werteten westliche Analyst:innen und Entscheidungstr\u00e4ger:innen dies als Beleg f\u00fcr das Funktionieren (US-amerikanischer) nuklearer Abschreckung. Auch damals rechtfertigte man damit <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2022\/03\/15\/nuclear-arms-control-race-russia-ukraine-america\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nukleare Aufr\u00fcstung<\/a>.<\/p>\n<p>Dennoch war die Kubakrise als \u201e<a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/publications\/prologue\/2012\/fall\/cuban-missiles.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">transformatives Ereignis<\/a>\u201c <em>auch<\/em> entscheidend f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/2018\/04\/17\/farewell-to-arms-.-.-.-control-pub-76088\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufbau vertrauensbildender und risikominimierender Ma\u00dfnahmen<\/a> zwischen den beiden Nuklearm\u00e4chten. Hierzu geh\u00f6ren die Einrichtung direkter Kontakte auf h\u00f6chster milit\u00e4rischer und politischer Ebene sowie Dialoge zur strategischen Stabilit\u00e4t. Auf globaler Ebene kooperierten Russland und die USA, um die nukleare Ordnung \u2013 freilich zu ihrem Vorteil \u2013 stabil zu halten. Beispiele hierf\u00fcr waren der Ausbau der Rolle der IAEA und \u2013 eben jener Nukleare Nichtverbreitungsvertrag, dessen Mitglieder im August 2022 in New York tagen.<\/p>\n<p>Auch der Ukraine-Krieg birgt eine solche transformative Chance, wenn die aus der nuklearen Abschreckung erwachsenen Eskalationsgefahren ernst genommen werden. Die nukleare Deeskalationspolitik der Biden-Administration und der NATO war ein richtiger Schritt. Auch die Nutzung h\u00f6chster milit\u00e4rischer Kontaktpunkte, um Fehlwahrnehmungen zu vermeiden, haben dabei geholfen, dass bisher eine unbeabsichtigte Ausweitung oder gar nukleare Eskalation des Ukraine-Krieges verhindert wurden. Diese Bem\u00fchungen um Risikominimierung m\u00fcssen weiter verst\u00e4rkt und konsolidiert werden \u2013 auch im Rahmen des NPT. Die USA, Frankreich, Gro\u00dfbritannien und ihre Verb\u00fcndeten sollten auf der \u00dcberpr\u00fcfungskonferenz Initiative zur St\u00e4rkung des Nuklearen Tabus ergreifen. Am \u00fcberzeugendsten w\u00e4re eine gemeinsame Erkl\u00e4rung zum Verzicht auf Ersteinsatz, verbunden mit einer v\u00f6lkerrechtlich verbindlichen Zusicherung, Staaten nicht nuklear anzugreifen, die dem NPT und dem Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen oder einer nuklearwaffenfreien Zone angeh\u00f6ren. Eine Reduzierung der Abschreckung auf ein Minimum \u2013 nukleare Wehrhaftigkeit im Falle eines nuklearen Angriffs \u2013 ist n\u00f6tig, um die riskante Entgrenzung der Abschreckung der vergangenen Jahre zu beenden. Da ein NATO-Ersteinsatz ohnehin ausgeschlossen sein d\u00fcrfte, w\u00fcrde eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung keinen Verlust milit\u00e4rischer Optionen bedeuten. Vielmehr k\u00f6nnte der Westen so auf globaler Ebene eine Anti-Atomkriegs-Allianz schmieden, ohne andere Staaten vor die Wahl zu stellen, Partei in diesem Krieg zu ergreifen. Andere Gro\u00dfm\u00e4chte (China, Indien, Brasilien, S\u00fcdafrika) und zahlreiche Nichtnuklearwaffenstaaten unterst\u00fctzen eine Politik der nuklearen Zur\u00fcckhaltung, wollen sich aber nicht in einen neuen Ost-West-Konflikt hineinziehen lassen. Mit einem breiten B\u00fcndnis gegen den Einsatz von Nuklearwaffen k\u00f6nnte der Druck auf Russland erh\u00f6ht werden, von weiteren nuklearen Drohungen abzusehen, um sich nicht zu isolieren. Zugleich sollten die westlichen Nuklearwaffenstaaten das von Russland zerst\u00f6rte Vertrauen in negative Sicherheitsgarantien wiederherstellen und das nukleare Nichtverbreitungsregime damit st\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><i>Dieser Beitrag erschien zuerst am 11. August 2022 auf der Debattenplattform<\/i> <a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/rubriken\/aussen-und-sicherheitspolitik\/artikel\/ueberpruefungskonferenz-erstschlagverzicht-6123\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ipg-journal<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August tagt in New York die Zehnte \u00dcberpr\u00fcfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrags (Non-Proliferation Treaty, NPT). Das Staatentreffen, das urspr\u00fcnglich im April 2020 stattfinden sollte, wurde wegen der Corona-Pandemie viermal verschoben. In dieser Zeit hat sich mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine die politische Gro\u00dfwetterlage so verschlechtert, dass Fortschritte in der Abr\u00fcstung und Nichtverbreitung von Nuklearwaffen kaum m\u00f6glich scheinen. Der Krieg und die nuklearen Drohungen Russlands bef\u00f6rdern eine Renaissance der nuklearen Abschreckung und Aufr\u00fcstung und vertiefen bestehende Risse im NPT. 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