{"id":12986,"date":"2022-07-28T11:31:36","date_gmt":"2022-07-28T09:31:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/rechte-repraesentanz-ressourcen-diversitaet-wie-koennte-eine-feministische-aussenpolitik-fuer-deutschland-aussehen\/"},"modified":"2022-07-28T11:31:36","modified_gmt":"2022-07-28T09:31:36","slug":"rechte-repraesentanz-ressourcen-diversitaet-wie-koennte-eine-feministische-aussenpolitik-fuer-deutschland-aussehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2022\/07\/28\/rechte-repraesentanz-ressourcen-diversitaet-wie-koennte-eine-feministische-aussenpolitik-fuer-deutschland-aussehen\/","title":{"rendered":"Rechte, Repr\u00e4sentanz, Ressourcen, Diversit\u00e4t: Wie k\u00f6nnte eine feministische Au\u00dfenpolitik f\u00fcr Deutschland aussehen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Koalitionsvertrag zur Idee einer feministischen Au\u00dfenpolitik. Deutschland folgt damit den Beispielen Schwedens, Kanadas und insgesamt neun anderer L\u00e4nder, die verschiedene Formen feministischer Au\u00dfenpolitik eingef\u00fchrt haben. Aktuell steht Deutschland vor der Aufgabe, einen eigenen Ansatz zu formulieren, der Anfang 2023 vorgestellt werden soll. Bislang hat das Ausw\u00e4rtige Amt bekannt gegeben, dass sich die deutsche feministische Au\u00dfenpolitik am schwedischen Modell der Rechte, Ressourcen und Repr\u00e4sentanz, erweitert um ein <u><a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/baerbock-cffp\/2522322\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">D f\u00fcr Diversit\u00e4t<\/a><\/u>, orientiert. In diesem Blog argumentieren wir, dass eine feministische Au\u00dfenpolitik Aspekte von Sicherheits-, Friedens, Entwicklungs- und Handelspolitik zusammendenken und geschlechtergerecht ausbuchstabieren muss.<\/strong><\/p>\n<p>Das schwedische Modell 3R + D bildet eine Grundlage daf\u00fcr, die feministische Au\u00dfenpolitik f\u00fcr Deutschland aus intersektionaler und postkolonialer Sicht zu beschreiben. Das Konzept der Intersektionalit\u00e4t hilft dabei, das Ausma\u00df und verschiedene Formen der Gewalt zu erkennen. Intersektionalit\u00e4t beschreibt, wie Machtstrukturen wie Rassifizierung, soziale Herkunft, Sexualit\u00e4t, Behinderung, Alter, Gender, oder Nationalit\u00e4t sich auf unsere Gesellschaft und vor allem politische Entscheidungsprozesse auswirken \u2013 und auch, wie diese historisch durch Kolonialismus und Kapitalismus entstanden sind. Machtverh\u00e4ltnisse in der internationalen Politik werden sichtbar und k\u00f6nnen ver\u00e4ndert werden. Eine postkoloniale Perspektive blickt auf die Unrechtsverh\u00e4ltnisse und das geschichtliche Gewordensein zwischen globalem Norden und S\u00fcden. Eine feministische Au\u00dfenpolitik muss sich jedoch nicht nur auf Au\u00dfen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Handelspolitik beziehen, sondern dieselben Prinzipien auch im eigenen Land einfordern und umsetzen. Der oben skizzierte theoretische Rahmen bildet die Grundlage unserer Betrachtung, doch wir schauen im Folgenden auch auf die feministische Au\u00dfenpolitik anderer Staaten und \u00fcberlegen, inwieweit diese Vorbildfunktion f\u00fcr Deutschland haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>R <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u2013<\/span> Rechte<\/strong><\/h2>\n<p>Geschlechtersensible Menschenrechte zu realisieren, sollte ein zentrales Anliegen feministischer Au\u00dfenpolitik sein. Dabei geht es darum, gleiche Rechte im Sinne von Geschlechtergleichheit zu schaffen, aber sensibel f\u00fcr vorhandene Diskriminierung und R\u00fcckschritte zu sein. Blickt man auf andere L\u00e4nder, so ist deren feministische Au\u00dfenpolitik nicht immer inklusiv und divers ausgerichtet. Schweden konzentriert sich etwa auf Frauenmenschenrechte und definiert diese als Abwesenheit physischer, psychologischer und sexualisierter Gewalt, als \u00f6konomisches Empowerment und sexuelle\/reproduktive Rechte. Kanada setzt auf Entwicklungszusammenarbeit und Peacekeeping. Ziele sind Geschlechtergleichheit und menschliche W\u00fcrde, die Zug\u00e4nge zur Gesundheitsversorgung, Bildung, Ern\u00e4hrung und zu humanit\u00e4rer Hilfe umfassen sollen. Mexiko spricht in Bezug auf seine <em>Feminist Foreign Policy (FFP)<\/em> davon, strukturelle Ungleichheit und Ungerechtigkeit beseitigen zu wollen. Die mexikanische Variante einer feministischen Au\u00dfenpolitik will auch patriarchale Machtstrukturen und Geschlechterstereotype sichtbar machen.<\/p>\n<p>Lange vor staatlichen Bekenntnissen zu feministischer Au\u00dfenpolitik hat die transnational organisierte Zivilgesellschaft Forderungen nach Frauenmenschenrechten erhoben. Sie sind im Ergebnis etwa in der <u><a href=\"https:\/\/www.un.org\/womenwatch\/daw\/beijing\/platform\/human.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aktionsplattform der vierten Weltfrauenkonferenz<\/a><\/u> von Peking 1995 niedergeschrieben. Auch in der Konvention zur Eliminierung aller Diskriminierungen von Frauen (1979) sowie der Istanbul-Konvention gegen Gewalt gegen Frauen (2011) sind geschlechtersensible Menschenrechte kodifiziert worden. Ein Vierteljahrhundert nach Peking fiel der \u00dcberpr\u00fcfungsprozess im Jahr 2020 jedoch ern\u00fcchternd aus. Zwar konnte mehr als eine Milliarde Menschen seit 1990 der Armutsfalle entfliehen, doch hat Armut noch immer ein \u00fcberwiegend \u201eweibliches Gesicht\u201c. Mehr als 32 Millionen M\u00e4dchen wird weltweit weiterhin der Zugang zu Schulen und Bildung verwehrt. Der <u><a href=\"https:\/\/www.unwomen.org\/sites\/default\/files\/Headquarters\/Attachments\/Sections\/Library\/Publications\/2020\/Gender-equality-Womens-rights-in-review-en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht des UN-Generalsekret\u00e4rs<\/a><\/u> verweist auch auf die weltweite Zunahme von Misogynie und Fremdenhass. Geschlechtersensible Menschenrechte werden angefeindet und von Regierungen zur\u00fcckgenommen, gerade auch im Zusammenhang mit reproduktiven Rechten und Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist f\u00fcr Deutschland eine feministische Au\u00dfenpolitik, die sich zu einem intersektionalen und postkolonialen Verst\u00e4ndnis von geschlechtersensiblen Menschenrechten bekennt. Eine solche Politik muss es vermeiden, dass Geschlechterstereotype und Rassismen reproduziert werden. In der Agenda \u201eFrauen, Frieden, Sicherheit\u201c aus dem Jahr 2000 (WPS-Agenda) oder bei der Strafverfolgung von sexualisierter geschlechtsspezifischer Gewalt im Internationalen Strafgerichtshof werden Frauen als \u201eOpfer\u201c gefasst. Eine deutsche feministische Au\u00dfenpolitik sollte zun\u00e4chst die Akteur*innenrolle von Frauen, LGTBIQ-Personen und ethnischen Minderheiten betonen und in praktisches Handeln umsetzen. Geschlechtersensible Menschenrechte sollten neben den b\u00fcrgerlichen Freiheitsrechten auch sozial-\u00f6konomische Rechte umfassen. Dazu z\u00e4hlt etwa die Gleichstellung im Hinblick auf Arbeit, Einkommen, Gesundheitsversorgung, Bildung, Machtzugang und Zeit (Care-Arbeit). Solche Rechte m\u00fcssen in der Au\u00dfen- <em>und<\/em> Innenpolitik realisiert werden. Nicht zuletzt sind geschlechtersensible Menschenrechte vielerorts durch Widerst\u00e4nde und R\u00fcckschritte bedroht, beispielsweise in den Verhandlungsforen der Vereinten Nationen, aber auch durch einzelne Staaten der europ\u00e4ischen Union. Auch dagegen muss sich eine feministische Au\u00dfenpolitik positionieren.<\/p>\n<h2><strong>R <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u2013<\/span> Repr\u00e4sentanz<\/strong><\/h2>\n<p>Repr\u00e4sentanz spielt bei feministischen Au\u00dfenpolitiken weltweit eine zentrale Rolle \u2013 nicht zuletzt deswegen, weil sie leicht erfasst werden kann. Oftmals steht die Erh\u00f6hung der Anzahl von Frauen in Entscheidungsprozessen im Vordergrund, obwohl einzelne Staaten wie Schweden auch den Abbau patriarchaler Machtstrukturen in den Blick nehmen. In diesem Sinne hat beispielsweise das <u><a href=\"https:\/\/www.icrw.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/FFP-2021Update_v4.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schwedische Au\u00dfenministerium<\/a><\/u> nahezu Geschlechterparit\u00e4t in F\u00fchrungspositionen erreicht. <u><a href=\"https:\/\/www.icrw.org\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/FFP-2021Update_v4.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Luxemburg<\/a><\/u> und <u><a href=\"https:\/\/live-amnesty.pantheonsite.io\/sites\/default\/files\/Feminist%20Foreign%20Policy%20-%20%20Scene%20Setter%20%28002%29.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kanada<\/a><\/u> hingegen fokussieren sich neben Frauen auch auf LGBTIQ-Personen und heben deren Bedeutung f\u00fcr die Bereiche Verteidigung, Diplomatie, Wirtschaft und Entwicklung hervor. Doch Repr\u00e4sentanz von Frauen und LGBTIQ-Personen allein bedeutet noch keinen strukturellen Wandel. Hierf\u00fcr ben\u00f6tigt es nicht nur die Einbindung <em>aller<\/em> marginalisierter Gruppen einer Gesellschaft, sondern auch deren substanzielle Teilhabe. Eine feministische Au\u00dfenpolitik muss sich also fragen: F\u00fcr wen ist Au\u00dfenpolitik? Und darauf aufbauend: Wer repr\u00e4sentiert welche Gruppen und Bed\u00fcrfnisse und in welchen politischen Prozessen?<\/p>\n<p>Das Erfordernis der Repr\u00e4sentanz richtet sich dabei nach au\u00dfen und innen. Nach au\u00dfen bedeutet es, dass vor allem die Personen zentriert werden, auf die die deutsche Au\u00dfenpolitik ausgerichtet ist bzw. die von ihr betroffen sind. Dazu z\u00e4hlen nicht nur Frauen, sondern je nach Kontext auch andere marginalisierte Menschen. Deren Bed\u00fcrfnisse, Lebensrealit\u00e4ten und Einsichten m\u00fcssen in einer feministisch-intersektionalen Au\u00dfenpolitik zentral sein. Bei der Friedensf\u00f6rderung bedeutet das, nicht nur die extrem niedrige Partizipationsrate von Frauen bei Friedensverhandlungen zu erh\u00f6hen (zwischen 1992 und 2019 stellten Frauen lediglich <u><a href=\"https:\/\/www.unwomen.org\/en\/what-we-do\/peace-and-security\/facts-and-figures\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">6% der Mediator*innen, 13% der Verhandlungsf\u00fchrer*innen und 6% der Unterzeichner*innen<\/a><\/u>). Auch andere friedensschaffende Akteur*innen sollten unterst\u00fctzt werden: Etwa die afghanische feministische Zivilgesellschaft, die gegen die Taliban protestiert, oder die LGBTIQ-Community im Libanon, die sich trotz <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2022\/07\/04\/lebanon-unlawful-crackdown-lgbti-gatherings\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">starker Repressionen<\/a> f\u00fcr eine bessere Zukunft einsetzt.<\/p>\n<p>Damit richtet sich eine feministische Au\u00dfenpolitik auch nach innen, um Mitwirkung an Entscheidungsprozessen sicherzustellen. Das beinhaltet zum einen, den Stimmen marginalisierter Gruppen ohne institutionelle Plattformen zuzuh\u00f6ren, diese finanziell zu f\u00f6rdern und R\u00e4ume der Beteiligung zu schaffen. Dies k\u00f6nnte durch die Einrichtung von Koordinierungsstellen an deutschen Botschaften f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der lokalen feministischen Zivilgesellschaft erreicht werden. Aber auch das Ausw\u00e4rtigen Amt und andere relevante Ministerien und Beh\u00f6rden m\u00fcssen die Diversit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung widerspiegeln. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, auch dank Bediensteten-Initiativen wie <em>Diplomats of Color<\/em>, <u><a href=\"https:\/\/www.diversitry.com\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Diversitry<\/em><\/a><\/u> und <em>frauen@diplo<\/em>. Dennoch bleiben Frauen im Ausw\u00e4rtigen Amt in F\u00fchrungspositionen <u><a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/blob\/2499644\/9c5cd81de71419cb894c56f4b0a78c4e\/211206-diversitaetsstrategie-auswaertiges-amt---download-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unterrepr\u00e4sentiert<\/a><\/u>. Und der Anteil der Besch\u00e4ftigten mit einem sogenannten Migrationshintergrund liegt bei <u><a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/blob\/2499644\/9c5cd81de71419cb894c56f4b0a78c4e\/211206-diversitaetsstrategie-auswaertiges-amt---download-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">14,7%<\/a><\/u> \u2013 deutlich geringer als in der Gesamtbev\u00f6lkerung.\u00a0Es braucht strukturellen Wandel, um die feministische Au\u00dfenpolitik auch nach innen umzusetzen. Die <u><a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/blob\/2499644\/9c5cd81de71419cb894c56f4b0a78c4e\/211206-diversitaetsstrategie-auswaertiges-amt---download-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Diversit\u00e4tsstrategie<\/a><\/u> f\u00fcr das Ausw\u00e4rtige Amt ist hier ein wichtiger Schritt.<\/p>\n<h2><strong>R <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u2013<\/span> Ressourcen<\/strong><\/h2>\n<p>Das dritte <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201e<\/span>R<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201c<\/span> steht f\u00fcr bereitgestellte Ressourcen f\u00fcr Geschlechtergerechtigkeit in au\u00dfenpolitischen Ma\u00dfnahmen. Schweden <u><a href=\"https:\/\/www.government.se\/492c36\/contentassets\/fc115607a4ad4bca913cd8d11c2339dc\/handbook---swedens-feminist-foreign-policy---english.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">versteht<\/a><\/u> darunter die Bereitstellung von <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201e<\/span>Mittel[n] zur F\u00f6rderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Chancengleichheit f\u00fcr alle Frauen und M\u00e4dchen bei der Verwirklichung der Menschenrechte<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201c<\/span> und <u><a href=\"https:\/\/www.government.se\/49e41f\/globalassets\/government\/dokument\/utrikesdepartementet\/summary---new-strategy-for-global-gender-equality-and-womens-and-girls-rights-20182022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sieht<\/a><\/u> hierf\u00fcr \u00fcber 90 Mio. Euro f\u00fcr den Zeitraum von 2018<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u2013<\/span>2022 vor. Kanada \u00fcbertrifft Schweden sogar noch in der Finanzierung von gender-bezogenen Entwicklungsma\u00dfnahmen, unter anderem durch die Unterst\u00fctzung des <u><a href=\"https:\/\/equalityfund.ca\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Equality Fund<\/a><\/u>. Gemeinsam mit Island steht Kanada damit an erster Stelle der Finanzierung f\u00fcr <u><a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/dac\/Gender_ODA_2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschlechtergerechtigkeit in der Entwicklungspolitik<\/a><\/u>. <u><a href=\"https:\/\/www.icrw.org\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Defining-Feminist-Foreign-Policy-2021-Update.pdf\">Luxemburg<\/a><\/u> geht \u00fcber finanzielle Ressourcen hinaus und betont Land- und Eigentumsrechte von Frauen.<\/p>\n<p>Auch die Umsetzung feministischer Au\u00dfenpolitik in Deutschland ist abh\u00e4ngig von den bereitgestellten finanziellen und personellen Ressourcen. Eine konsequente Umsetzung bedarf einer Verstetigung und strukturellen Verankerung finanzieller Mittel im Haushalt f\u00fcr Ma\u00dfnahmen feministischer Au\u00dfenpolitik. Konkret hie\u00dfe das auch ein Budget f\u00fcr den Nationalen Aktionsplan der Agenda \u201eFrauen, Frieden, Sicherheit\u201c. Neben der generellen Bereitstellung von Ressourcen ist aber auch die gerechte, transparente und inklusive Verteilung finanzieller Ressourcen innerhalb der Bundesregierung, aber auch in der Zivilgesellschaft in Deutschland und weltweit zentral. Hier setzt die Bundesregierung noch zu sehr auf <u><a href=\"https:\/\/www.swisspeace.ch\/assets\/publications\/Policy-Briefs\/2022\/PB-2-2022-Centring-Care-in-Women-Peace-and-Security-.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unbezahlte Care-Arbeit<\/a><\/u> und Ehrenamt, sowie kurzzeitige und projektbezogene Finanzierungen. Care-Arbeit stellt eine H\u00fcrde f\u00fcr politische Partizipation dar. Deutschland sollte gezielt diverse Beteiligungen aus der Zivilgesellschaft finanzieren, zum Beispiel durch institutionelle F\u00f6rderungen und Projektgelder an verschieden gro\u00dfe und kleine Tr\u00e4gerorganisationen, Vereine und Graswurzel-Initiativen mit intersektionalen Arbeitsschwerpunkten. Ein unb\u00fcrokratischer Sofort-Hilfefonds f\u00fcr feministische Organisationen in Konflikt- und Krisengebieten w\u00fcrde die lokale Arbeit feministischer Au\u00dfenpolitik unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Um das Feld <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201e<\/span>Ressourcen<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201c<\/span> auch aus einer globalen und postkolonial-feministischen Perspektive umzusetzen, muss feministische Au\u00dfenpolitik die Verteilung von Ressourcen etwa bei internationalen Handelsbeziehungen und Lieferketten in den Blick nehmen. Globale Handelsbeziehungen schaffen immer noch <a href=\"https:\/\/www.fes.de\/themenportal-gender-jugend-senioren\/gender-matters\/the-future-is-feminist-archive\/artikelseite\/schutz-von-frauen-in-globalen-lieferketten-nur-mit-geschlechtergerechten-gesetzen?chash=c22eaaf9038934fc11b5fb2bd560206a&amp;cHash=96da31b4fe34b750171162f6f756e2f5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ausbeuterische Arbeitsbedingungen vor allem f\u00fcr Frauen im Globalen S\u00fcden oder ignorieren Klimaschutzma\u00dfnahmen<\/a>. Asymmetrische Handelsbeziehungen f\u00fchren zu Verdr\u00e4ngungen und Landraub und vertiefen koloniale Abh\u00e4ngigkeiten bis heute. Frauen sind davon besonders betroffen. Denn zus\u00e4tzlich zu unsicheren Arbeitsbedingungen, etwa in der Bekleidungsindustrie, leisten sie meist unbezahlte Care-Arbeit. Es bedarf grunds\u00e4tzlich fairer Handelsabkommen, die kolonialen Abh\u00e4ngigkeiten entgegenwirken sowie der Verankerung expliziter Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung von Geschlechtergerechtigkeit. Dazu z\u00e4hlen Mindestl\u00f6hne und sichere Arbeitsbedingungen sowie explizite Verweise auf <u><a href=\"https:\/\/archive.globalpolicy.org\/images\/pdfs\/Papier_Geschlechtergerechtigkeit_in_globalen_Lieferketten_WEB.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Care-Arbeit und Arbeitsrecht im deutschen Lieferkettengesetz<\/a><\/u>.<\/p>\n<h2><strong>D <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u2013<\/span> Diversit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n<p>Die Bundesregierung hat die drei <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201e<\/span>R<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201c<\/span> um ein <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201e<\/span>D<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201c<\/span> erweitert: Diversit\u00e4t. Damit reagiert sie auf Kritik an liberalen Frauenmenschenrechten, wie sie in der schwedischen oder franz\u00f6sischen Au\u00dfenpolitik verankert worden sind. Stattdessen sollen, \u00e4hnlich wie in Kanada oder Luxemburg, marginalisierte Gruppen ber\u00fccksichtigt werden. Dazu z\u00e4hlen etwa LGBTIQ-Personen oder auch People of Colour. Diversit\u00e4t er\u00f6ffnet dar\u00fcber hinaus die M\u00f6glichkeit, feministische Au\u00dfenpolitik intersektional zu denken. So berufen sich etwa <u><a href=\"https:\/\/www.gob.mx\/sre\/prensa\/mexico-anuncia-la-adopcion-de-su-politica-exterior-feminista\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mexiko<\/a><\/u> und <u><a href=\"https:\/\/rm.coe.int\/2021-02-politica-exterior-feminista-eng\/1680a287c3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spanien<\/a><\/u> auf einen intersektionalen Feminismus als Grundlage f\u00fcr ihre Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p>Auch im deutschen au\u00dfenpolitischen Diskurs wird Diversit\u00e4t h\u00e4ufig mit Intersektionalit\u00e4t <u><a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/lindner-ffp\/2522998\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verkn\u00fcpft<\/a>,<\/u> die beiden Konzepte sollten aber nicht synonym verwendet werden. Diversit\u00e4t beschreibt unterschiedliche Merkmale von Menschen und Gruppen und bildet deren Vielfalt ab. Obwohl der Fokus hier auf Menschen mit Migrationsgeschichte und LGBTIQ-Personen liegt, umfassen Diversit\u00e4tsdimensionen auch Kategorien wie Alter, soziale Herkunft oder Behinderung. Hier geht es also um gleichberechtigte Repr\u00e4sentanz. Intersektionalit\u00e4t nimmt Machtstrukturen in den Blick. Hier gilt es, die Auswirkungen au\u00dfenpolitischer Entscheidungen auf verschiedene Gruppen zu ber\u00fccksichtigen und verschiedene Lebensrealit\u00e4ten, ihre Handlungsmacht und die damit einhergehenden Unsicherheiten wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig beinhaltet eine intersektional-feministische Au\u00dfenpolitik immer auch das Ziel, Machtstrukturen zu ver\u00e4ndern. Dabei geht es auch um Ursachenforschung: Woher kommen diskriminierende Strukturen und soziale Ungleichheits- und Unrechtsnormen? Die Bedeutung solcher Fragen sind teilweise schon in politische Leitlinien umgesetzt. So <u><a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/blob\/2444682\/1f19e1ba21d80879c81f77baa6824062\/210226-inklusionskonzept-pdf-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">begreift<\/a><\/u> beispielsweise das LSBTI-Inklusionskonzept f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit die Kolonial- und Missionsgeschichte als <span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201e<\/span>wesentliche, zu ber\u00fccksichtigende Aspekte<span class=\"bigglyphs__row bigglyphs__row--glyph\">\u201c<\/span>. Auf internationaler Ebene geht es darum, (post)koloniale Machtstrukturen zwischen Norden und S\u00fcden aufzubrechen. Konkret bedeutet dies eine Reformierung globaler Institutionen wie dem UN-Sicherheitsrat sowie die Schaffung fairer internationaler Gremien, die nicht wie etwa G7 oder G20 auf Wirtschaftsleistung und Macht, sondern auf gerechter Repr\u00e4sentation beruhen.<\/p>\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Eine feministische Au\u00dfenpolitik muss Aspekte von Sicherheits-, Friedens, Entwicklungs- und Handelspolitik zusammendenken und geschlechtergerecht ausbuchstabieren. Aus der Perspektive feministischer Au\u00dfenpolitik sollte die k\u00fcnftige deutsche Nationale Sicherheitsstrategie menschliche statt staatlicher Sicherheit in den Mittelpunkt stellen und menschliche Sicherheit geschlechtersensibel-divers und inklusiv verstehen. Im R\u00fcstungsexportkontrollgesetz m\u00fcssen sexualisierte Kriegsgewalt und die Verletzung gendersensibler Menschenrechte zum Ausschlusskriterium von Waffenlieferungen werden. Aber auch ungleiche Beziehungen in Wirtschaft, Handel und globaler Gesundheit m\u00fcssen adressiert werden. So sollte die Bundesregierung endlich der vor\u00fcbergehenden Freigabe von Patenten f\u00fcr Covid-Impfstoffe zustimmen, die eine effiziente und effektive Pandemiebek\u00e4mpfung im Globalen S\u00fcden m\u00f6glich machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Konkret hei\u00dft das f\u00fcr die Bundesregierung auf der einen Seite, feministische Ma\u00dfnahmen in der staatlichen Au\u00dfen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik zu finanzieren, Handelsbeziehungen nach geschlechtersensiblen Menschenrechten und der Beendigung kolonialer Abh\u00e4ngigkeiten auszurichten und auf der anderen Seite, die feministische Zivilgesellschaft national wie international zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Koalitionsvertrag zur Idee einer feministischen Au\u00dfenpolitik. Deutschland folgt damit den Beispielen Schwedens, Kanadas und insgesamt 9 anderer L\u00e4nder, die verschiedene Formen feministischer Au\u00dfenpolitik eingef\u00fchrt haben. Aktuell steht Deutschland vor der Aufgabe, einen eigenen Ansatz zu formulieren, der Anfang 2023 vorgestellt werden soll. Bislang hat das Ausw\u00e4rtige Amt bekannt gegeben, dass sich die deutsche feministische Au\u00dfenpolitik am schwedischen Modell der Rechte, Ressourcen und Repr\u00e4sentanz, erweitert um ein D f\u00fcr Diversit\u00e4t, orientiert. In diesem Blog argumentieren wir, dass eine feministische Au\u00dfenpolitik Aspekte von Sicherheits-, Friedens, Entwicklungs- und Handelspolitik zusammendenken und geschlechtergerecht ausbuchstabieren muss.<\/p>\n","protected":false},"author":45,"featured_media":12675,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1141,1091],"tags":[1177,1151,1209,1379],"coauthors":[213,774,850],"class_list":["post-12986","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-en","category-feminist-peace-research","tag-feminism","tag-foreign-policy","tag-gender-en","tag-wps-en"],"acf":[],"views":442,"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.1.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Rechte, Repr\u00e4sentanz, Ressourcen, Diversit\u00e4t: Wie k\u00f6nnte eine feministische Au\u00dfenpolitik f\u00fcr Deutschland aussehen? - PRIF BLOG<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Die Bundesregierung bekennt sich in ihrem Koalitionsvertrag zur Idee einer feministischen Au\u00dfenpolitik. 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