{"id":13023,"date":"2022-03-07T14:13:51","date_gmt":"2022-03-07T13:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/buergerkriege-beenden-militaerische-siege-und-friedensabkommen-im-vergleich\/"},"modified":"2022-03-07T14:13:51","modified_gmt":"2022-03-07T13:13:51","slug":"buergerkriege-beenden-militaerische-siege-und-friedensabkommen-im-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2022\/03\/07\/buergerkriege-beenden-militaerische-siege-und-friedensabkommen-im-vergleich\/","title":{"rendered":"B\u00fcrgerkriege beenden. Milit\u00e4rische Siege und Friedensabkommen im Vergleich"},"content":{"rendered":"<p class=\"Vorspann\"><strong>\u201eEs gibt keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts\u201c, hei\u00dft es gerne in der internationalen Diplomatie. Anders sehen das nicht nur die Taliban in Afghanistan oder die Regierung Aserbaidschans, die im Herbst 2020 im Konflikt um Berg-Karabach triumphierte. In Studien zum Wiederausbruch von B\u00fcrgerkriegen dominiert der Befund, dass milit\u00e4rische Siege besser als Friedensabkommen f\u00fcr dauerhaften Frieden sorgen. Sind Friedensvertr\u00e4ge nur die zweitbeste Weise, einen B\u00fcrgerkrieg zu beenden?<\/strong><\/p>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Viele B\u00fcrgerkriege brechen innerhalb weniger Jahre wieder aus, und erneut eskalierte Konflikte stellen einen gro\u00dfen Teil des derzeitigen Kriegsgeschehens. Viele Merkmale eines B\u00fcrgerkrieges und der von ihm betroffenen Gesellschaft entziehen sich dem direkten Zugriff seitens der Konfliktparteien und externen Akteure, die die verfeindeten Seiten zum Niederlegen der Waffen bewegen wollen. Das gilt etwa f\u00fcr die Beziehung der Streitparteien in der Vergangenheit oder das Wohlstandsniveau. Anders verh\u00e4lt es sich mit der Form der Kriegsbeendigung. Es liegt bei den Beteiligten, ob der Krieg mit einem milit\u00e4rischen Sieg, Friedensabkommen, auf milit\u00e4rische Fragen beschr\u00e4nkten Waffenstillstand oder dadurch endet, dass die Gewalt unter den Schwellenwert bewaffneter Konflikte rutscht. Die Forschung konzentriert sich auf die beiden prominentesten Formen der Kriegsbeendigung \u2013 milit\u00e4rische Siege und Friedensvertr\u00e4ge. Die meisten empirischen Studien kommen zum Schluss, dass milit\u00e4rische Siege besser als Friedensabkommen einen R\u00fcckfall in den B\u00fcrgerkrieg verhindern.<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\"><sup>1<\/sup><\/a> W\u00fcrde die Krisendiplomatie diesem Befund folgen und andere Erw\u00e4gungen beiseitelassen, m\u00fcsste sie auf den milit\u00e4rischen Sieg einer Konfliktpartei hinarbeiten. Die Daten aus einem <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/forschung\/projekte\/projekt\/einseitig-oder-ausgewogen-welche-nachkriegsordnung-wahrt-den-innerstaatlichen-frieden\">PRIF-Projekt zu Nachb\u00fcrgerkriegsgesellschaften seit 1990<\/a><sup>2<\/sup>\u00a0erlauben aber eine andere Folgerung. Friedensabkommen sind milit\u00e4rischen Siegen mindestens ebenb\u00fcrtig darin, dauerhaft einen weiteren B\u00fcrgerkrieg zu verhindern. Zudem laufen viele Erkl\u00e4rungsversuche f\u00fcr die vermeintliche \u00dcberlegenheit von milit\u00e4rischen Siegen ins Leere.<\/p>\n<div>\n<h2 class=\"Zwischenberschrift\" align=\"left\">Stabiler Frieden nach milit\u00e4rischen Siegen und Friedensabkommen<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Florian Ranft und der Autor untersuchen alle der 48 B\u00fcrgerkriege, die zwischen 1990 und 2009 endeten und in denen jeweils mindestens 1.000 Menschen durch K\u00e4mpfe oder Angriffe auf Zivilpersonen ums Leben gekommen sind. Anders als viele fr\u00fchere Analysen beschr\u00e4nken wir uns auf die Zeit nach dem Ost-West-Konflikt, da sich seither das B\u00fcrgerkriegsgeschehen und der Umgang externer M\u00e4chte mit solchen Konflikten stark ver\u00e4ndert haben, was sich in k\u00fcrzeren B\u00fcrgerkriegen und mehr Friedensabkommen niedergeschlagen hat.<sup><a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\">3<\/a><\/sup> Von 1946 bis 1989 wurden die meisten B\u00fcrgerkriege durch milit\u00e4rische Siege beendet; seit 1990 dominieren Kriegsbeendigungen durch Friedensabkommen. Alle B\u00fcrgerkriege nach 1945 einzubeziehen, w\u00fcrde daher F\u00e4lle aus zwei unterschiedlichen Epochen miteinander vermengen und so Fehlschl\u00fcsse zu den gegenw\u00e4rtigen Dynamiken von B\u00fcrgerkriegen riskieren.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Die Zeit nach den jeweiligen B\u00fcrgerkriegen verfolgen wir bis zum Wiederausbruch des Krieges, l\u00e4ngstens aber bis Ende 2012, falls der Frieden bis dahin erhalten blieb. Die Frage scheint unverf\u00e4nglich, ob ein B\u00fcrgerkrieg mit einem milit\u00e4rischen Sieg, Friedensvertrag, Waffenstillstand oder mit \u201egeringer Aktivit\u00e4t\u201c endete, einem Andauern der Gewalt unterhalb des Schwellenwerts f\u00fcr bewaffnete Konflikte. Doch in vielen F\u00e4llen besteht dar\u00fcber kein Konsens. Daher setzen wir auf eine zweifache Analyse, einmal mit den Daten zum Kriegsende vom Uppsala Conflict Data Program (UCDP), dem f\u00fchrenden Datenanbieter zum Konfliktgeschehen seit 1989, und einmal mit der Einsch\u00e4tzung zur Form der Kriegsbeendigung, die in der Fallliteratur zum jeweiligen Konflikt vorherrscht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Wie die Abbildung zeigt, brachen B\u00fcrgerkriege nach Kriegsbeendigungen durch \u201egeringe Aktivit\u00e4t\u201c oder ein Waffenstillstandsabkommen viel h\u00e4ufiger wieder aus als nach milit\u00e4rischen Siegen oder Friedensvertr\u00e4gen. Friedensabkommen weisen eine etwas geringere R\u00fcckfallquote als milit\u00e4rische Siege auf. Das Schaubild ber\u00fccksichtigt allerdings nur, ob die B\u00fcrgerkriege bis Ende 2012 \u00fcberhaupt wiederausgebrochen sind. Manche Kriege endeten 1990, andere erst 2009; manche Kriege brachen nach wenig mehr als einem Jahr wieder aus, andere erst nach f\u00fcnf oder mehr Jahren. Es greift daher zu kurz, nur die R\u00fcckfallquoten zu ermitteln.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Zur skizzierten Datenstruktur passt eine \u201e\u00dcberlebensdaueranalyse\u201c. Endete beispielsweise ein Krieg 2008 und blieb der Frieden bis Ende 2012 erhalten, ber\u00fccksichtigt diese Methode nur diese Jahre, ohne anzunehmen, der Frieden habe auch danach \u00fcberdauert. Im Falle eines Wiederausbruchs wertet sie den Zeitraum bis dahin aus und geht so \u00fcber die simple Information hinaus, ob es \u00fcberhaupt zum R\u00fcckfall in den B\u00fcrgerkrieg kam.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7028\" aria-describedby=\"caption-attachment-7028\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7028 size-large\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Grafik-final-1024x602.jpeg\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Grafik-final-1024x602.jpeg 1024w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Grafik-final-300x176.jpeg 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Grafik-final-768x451.jpeg 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Grafik-final-1536x903.jpeg 1536w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Grafik-final.jpeg 1630w\" sizes=\"(max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7028\" class=\"wp-caption-text\">Daten: eigene Zusammenstellung.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p class=\"Flietext\">Die \u00dcberlebensdaueranalyse zeigt Folgendes: Im Vergleich zu Kriegsbeendigungen durch einen Waffenstillstand oder \u201egeringe Aktivit\u00e4t\u201c senkten milit\u00e4rische Siege die Wahrscheinlichkeit eines Wiederausbruchs um 42% bis 93%. Die Effektrichtung erweist sich als stabil, aber die Effektgr\u00f6\u00dfe variiert mit dem jeweiligen Modell. Unterschiedliche Modelle ergeben sich unter anderem aus der Datenquelle f\u00fcr die Form der Kriegsbeendigung und einem unterschiedlichen Mix einbezogener Einflussgr\u00f6\u00dfen jenseits des Kriegsendes. Die genannten Zahlen sehen nach einem starken Argument zugunsten milit\u00e4rischer Siege aus. Doch es zeigt sich auch: Im Vergleich zu Kriegsbeendigungen durch einen Waffenstillstand oder \u201egeringe Aktivit\u00e4t\u201c reduzierten Friedensabkommen die Wahrscheinlichkeit eines R\u00fcckfalls in den B\u00fcrgerkrieg um 77% bis 94%. Nach Friedensabkommen erwies sich der Frieden als \u00e4hnlich dauerhaft wie nach milit\u00e4rischen Siegen, in den meisten Modellen sogar als noch stabiler.<\/p>\n<div>\n<h2 class=\"Zwischenberschrift\">Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis der Konfliktparteien<\/h2>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Die meisten Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den vermeintlich st\u00e4rkeren friedensf\u00f6rdernden Effekt von milit\u00e4rischen Siegen umfassen zwei Teile. Der erste Teil behauptet einen substantiellen Unterschied zwischen Siegen und Friedensabkommen mit Blick auf eine bestimmte Gr\u00f6\u00dfe, etwa die Verteilung milit\u00e4rischer Macht zwischen den Konfliktparteien nach dem Krieg. Der zweite Teil geht davon aus, dass diese Differenz die Chancen auf dauerhaften Frieden pr\u00e4gt. Nur wenn sich beide Teile best\u00e4tigen, erweist sich ein Erkl\u00e4rungsversuch als tauglich.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Einem Erkl\u00e4rungsversuch zufolge f\u00fchren milit\u00e4rische Siege zu einem dauerhaften Frieden, indem sie die organisatorischen F\u00e4higkeiten der unterlegenen Seite zerst\u00f6ren. Nach einem ausgehandelten Kriegsende hingegen seien alle Konfliktparteien in der Lage, ihr milit\u00e4risches Potenzial aufrechtzuerhalten.<sup><a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\">4<\/a><\/sup> Wir pr\u00fcfen daher, ob nach dem Krieg beide Seiten dauerhaft \u00fcber eigene Streitkr\u00e4fte verf\u00fcgten. War das der Fall, zeigte sich eine vielfach erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit eines R\u00fcckfalls in den B\u00fcrgerkrieg. Zudem behielten beide Konfliktparteien nach Friedensabkommen h\u00e4ufiger eigene Streitkr\u00e4fte als nach milit\u00e4rischen Siegen. Diese Differenz war aber statistisch nicht signifikant.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Eine andere Erkl\u00e4rung beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Verf\u00fcgbarkeit eigener Streitkr\u00e4fte, sondern nimmt das milit\u00e4rische Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis systematischer in den Blick. Als Ursache f\u00fcr Kriege gilt, dass die beteiligten Seiten von unterschiedlichen Erwartungen ausgehen, wer von ihnen einen Waffengang gewinnen w\u00fcrde. Je ausgeglichener das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis, desto mehr divergierten die Erwartungen und desto gr\u00f6\u00dfer sei die Kriegsgefahr.<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\"><sup>5<\/sup><\/a> Endet ein B\u00fcrgerkrieg mit dem klaren milit\u00e4rischen Sieg einer Seite, h\u00e4tten f\u00fcr lange Zeit die Beteiligten \u00fcbereinstimmende Einsch\u00e4tzungen des Machtungleichgewichts, was den Frieden stabilisiere.<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\"><sup>6<\/sup><\/a> Um das milit\u00e4rische Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zu ermitteln, ber\u00fccksichtigen wir eine Vielzahl von Gr\u00f6\u00dfen und nehmen an, dass milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten vor allem auf Umfang und Ausr\u00fcstung von Streitkr\u00e4ften und der Kontrolle von Territorium basieren. Bei einem asymmetrischen milit\u00e4rischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zeigte sich tats\u00e4chlich eine geringere Wahrscheinlichkeit eines Wiederausbruchs des B\u00fcrgerkrieges. Zudem trat ein solches Ungleichgewicht nach milit\u00e4rischen Siegen h\u00e4ufiger auf als nach Friedensabkommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7033\" aria-describedby=\"caption-attachment-7033\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7033 size-large\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/UN-PhotoRick-Bajornas-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/UN-PhotoRick-Bajornas-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/UN-PhotoRick-Bajornas-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/UN-PhotoRick-Bajornas-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/UN-PhotoRick-Bajornas-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/UN-PhotoRick-Bajornas-2048x1363.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7033\" class=\"wp-caption-text\">Juan Manuel Santos Calder\u00f3n (rechts), Pr\u00e4sident von Kolumbien, \u00fcberreicht UN-Generalsekret\u00e4r Ban Ki-moon am 26.9.2016 einen Stift, der dem Stift \u00e4hnelt, der zur Unterzeichnung des kolumbianischen Friedensabkommens verwendet wurde. Die Stifte sind aus recycelten Kugeln hergestellt und tragen die Aufschrift: \u201eKugeln haben unsere Vergangenheit geschrieben. Bildung unsere Zukunft.\u201c | Foto: UN Photo\/Rick Bajornas, Lizenz: <a href=\" https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/2.0\/\">CC BY-NC-ND 2.0<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Laut fr\u00fcheren Studien legen Siege nicht nur milit\u00e4rische Asymmetrien offen, sondern vertiefen diese nach dem Krieg noch, was den Frieden stabilisiere.<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\"><sup>7<\/sup><\/a> Zwar stellt unsere Analyse nach milit\u00e4rischen Siegen h\u00e4ufiger ein wachsendes Ungleichgewicht fest als nach Friedensabkommen. Allerdings trat dieser Unterschied nur mit den UCDP-Daten f\u00fcr die Form der Kriegsbeendigung auf. Zudem zeigt sich kein klarer Zusammenhang zwischen einer nach dem Krieg zunehmenden milit\u00e4rischen Asymmetrie und einem l\u00e4nger anhaltenden Frieden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Manche sehen in Machtverschiebungen eine Gefahr f\u00fcr den Frieden. Wer von einem deutlichen Zuwachs seiner relativen Macht profitiere, k\u00f6nne der anderen Seite nicht garantieren, seine st\u00e4rkere Position nicht auszunutzen. Daher mache es eine gro\u00dfe Verschiebung im Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis wahrscheinlicher, dass Verhandlungen scheitern und es erneut zum Krieg kommt.<sup><a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\">8<\/a>\u00a0 <\/sup>Wie unser Vergleich ermittelt, verschob sich das milit\u00e4rische Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis nach Friedensabkommen h\u00e4ufiger als nach Siegen. Jedoch gingen diese Verschiebungen nicht mit einer erh\u00f6hten Wahrscheinlichkeit eines weiteren B\u00fcrgerkrieges einher.<\/p>\n<div>\n<h2 class=\"Zwischenberschrift\">Effektives Regieren<\/h2>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Wie fr\u00fchere Studien darlegen, f\u00fchrten milit\u00e4rische Siege zu effektiveren Regierungen, die eher f\u00fcr das \u00dcberleben des Friedens erforderliche Strukturreformen anpackten. Im Gegensatz dazu verschaffe eine ausgehandelte Regelung allen Konfliktparteien Veto-Positionen, die effektives Regieren verhinderten und so den Frieden destabilisierten.<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\"><sup>9<\/sup><\/a> Wir pr\u00fcften dies mit den Daten zur \u201egovernment effectiveness\u201c in den <a href=\"https:\/\/documents1.worldbank.org\/curated\/en\/630421468336563314\/pdf\/WPS5430.pdf\">Worldwide Governance Indicators<\/a>.<sup>10<\/sup> Eine effektivere Regierung ging in der Tat mit einer stark gesenkten Wahrscheinlichkeit eines R\u00fcckfalls in den B\u00fcrgerkrieg einher. Doch arbeiteten nach milit\u00e4rischen Siegen Regierungen nicht effektiver als nach Friedensabkommen.<\/p>\n<div>\n<h2 class=\"Zwischenberschrift\">Signalwirkung von Siegen<\/h2>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Zugunsten von milit\u00e4rischen Siegen wird auch argumentiert, sie stabilisierten den Frieden, indem sie andere potenzielle Kriegsparteien abschreckten. Siege f\u00fchrten diesen vor Augen, dass sie es mit einer starken und entschlossenen Regierung zu tun bek\u00e4men. Friedensvertr\u00e4ge signalisierten hingegen, dass sich Rebellion auszahle, was unbeteiligte Gruppen dazu ermutige, zu den Waffen zu greifen.<a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\"><sup>11<\/sup><\/a> Wir pr\u00fcfen daher, wie oft es zu einem neuen B\u00fcrgerkrieg zwischen der Regierung und einer Konfliktpartei kam, die mit dem vorherigen Krieg nichts zu tun hatte. Nach keinem einzigen Friedensabkommen gab es einen Krieg in neuer Konstellation, wohl aber nach einigen milit\u00e4rischen Siegen.<\/p>\n<div>\n<h2 class=\"Zwischenberschrift\">Frieden schaffen mit den Waffen des Kompromisses<\/h2>\n<div>\n<p class=\"Flietext\">Eine Konfliktpartei w\u00fcnscht sich den eigenen milit\u00e4rischen Sieg und sieht in der Regel ein Friedensabkommen als allenfalls zweitbeste Option. Folgt man dem g\u00e4ngigen Befund, stellen sich Friedensabkommen auch solchen als zweitbeste Option dar, die von au\u00dfen die Konfliktparteien zur Beendigung des Krieges bringen wollen. In dieser Sicht sollten Friedensvertr\u00e4ge nur angestrebt werden, wenn der milit\u00e4rische Sieg einer Seite in absehbarer Zeit unm\u00f6glich erscheint oder unerw\u00fcnscht ist, etwa weil er die Aggression der siegreichen Konfliktpartei belohnen oder Nachbarl\u00e4nder destabilisieren w\u00fcrde. Im Lichte unserer Studie bieten Friedensabkommen mehr als eine Notl\u00f6sung. Auf eine Kompromissregelung k\u00f6nnen sich in vielen F\u00e4llen die ma\u00dfgeblichen externen Akteure leichter einigen als darauf, eine Konfliktpartei milit\u00e4risch gewinnen zu lassen oder dieser zum Sieg zu verhelfen. Einen B\u00fcrgerkrieg vorzeitig durch ein Friedensabkommen zu beenden, erfolgt im Allgemeinen nicht zum Preis der erh\u00f6hten Wahrscheinlichkeit eines schnellen Wiederausbruchs. Einen Krieg bis zum Sieg einer Seite oder bis zur Ersch\u00f6pfung aller Beteiligten ausbluten zu lassen, ist nicht geboten, um ein dauerhaftes Ende der milit\u00e4rischen Gewalt zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7037 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/SpotlightCover_0322_small-1-210x300.png\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/SpotlightCover_0322_small-1-210x300.png 210w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/SpotlightCover_0322_small-1.png 551w\" sizes=\"(max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/>Download (pdf): <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/publikationen\/publikationssuche\/publikation\/buergerkriege-beenden\"><strong>Gromes, Thorsten (2022): B\u00fcrgerkriege beenden. Milit\u00e4rische Siege und Friedensabkommen im Vergleich, PRIF Spotlight 3\/2022, Frankfurt\/M.<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/anhang-zum-prif-spotlight-03\/2022\">Anhang<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs gibt keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts\u201c, hei\u00dft es gerne in der internationalen Diplomatie. Anders sehen das nicht nur die Taliban in Afghanistan oder die Regierung Aserbaidschans, die im Herbst 2020 im Konflikt um Berg-Karabach triumphierte. In Studien zum Wiederausbruch von B\u00fcrgerkriegen dominiert der Befund, dass milit\u00e4rische Siege besser als Friedensabkommen f\u00fcr dauerhaften Frieden sorgen. 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