{"id":13024,"date":"2022-03-04T12:43:04","date_gmt":"2022-03-04T11:43:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/blick-zurueck-nach-vorn-was-droht-bei-einer-belagerung-ukrainischer-staedte\/"},"modified":"2022-03-04T12:43:04","modified_gmt":"2022-03-04T11:43:04","slug":"blick-zurueck-nach-vorn-was-droht-bei-einer-belagerung-ukrainischer-staedte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2022\/03\/04\/blick-zurueck-nach-vorn-was-droht-bei-einer-belagerung-ukrainischer-staedte\/","title":{"rendered":"Blick zur\u00fcck nach vorn: Was droht bei einer Belagerung ukrainischer St\u00e4dte?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bei ihrem \u00dcberfall auf die Ukraine sind die russischen Truppen auf gr\u00f6\u00dferen Widerstand gesto\u00dfen als von ihrer F\u00fchrung offenbar erwartet. Kiew und andere St\u00e4dte stehen weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Kr\u00e4fte. Wie das russische Milit\u00e4r darauf reagieren wird, ist offen. M\u00f6glicherweise sieht es zun\u00e4chst von Versuchen ab, stark verteidigte St\u00e4dte vollst\u00e4ndig einzunehmen, und setzt stattdessen auf deren Belagerung, die mit massivem Beschuss einhergeht. Was dann den Menschen in Kiew und anderswo in unmittelbarer Zukunft droht, zeigt ein Blick zur\u00fcck auf die Belagerungen von Sarajevo in Bosnien-Herzegowina sowie Ost-Ghouta und Aleppo in Syrien.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nicht ausgemacht, dass die russischen Truppen die von Putin vorgetragenen Ziele mittels Belagerungen zu erreichen suchen. Wom\u00f6glich halten sie weitgehend am Vorgehen der ersten Tage fest, setzen dabei aber noch mehr Menschen und Waffen ein. Ein direktes und umfassendes Vordringen in die St\u00e4dte w\u00fcrde f\u00fcr sie mit dem Risiko eines verlustreichen H\u00e4userkampfes einhergehen. Die russische F\u00fchrung ist vielleicht bereit, diesen Preis zu zahlen. Eine andere Option w\u00e4re, bei anhaltendem Widerstand nicht weiter auf urbane Gebiete vorzur\u00fccken, sondern die St\u00e4dte verst\u00e4rkt aus der Distanz zu beschie\u00dfen. Sie in Schutt und Asche zu legen, k\u00f6nnte aber in Spannung dazu stehen, \u00fcber diese St\u00e4dte herrschen zu wollen. Eine andere schreckliche Option besteht darin, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/kiew-grosny-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die St\u00e4dte zu belagern<\/a> und deren Bewohnerinnen und Bewohner auszuhungern, um sie zur Aufgabe zu zwingen. Die Belagerung kann mit massivem Beschuss aus der Luft oder durch Artillerie einhergehen, aber auch mit Angriffen, die es nicht auf umfassende physische Zerst\u00f6rung anlegen, sondern die Bev\u00f6lkerung vor allem terrorisieren sollen.<\/p>\n<p>Der folgende Beitrag blickt zur\u00fcck auf die Belagerung von Sarajevo, die gro\u00dfes internationales Entsetzen ebenso ausl\u00f6ste wie Anstrengungen, das Leid der Menschen zu lindern. Zudem thematisiert er die Belagerungen von Ost-Ghouta und Aleppo im Zuge des B\u00fcrgerkrieges in Syrien, dem die internationale Friedenspolitik weit hilfloser begegnete als dem Krieg in Bosnien-Herzegowina. Diese R\u00fcckblenden geben Aufschluss dar\u00fcber, was die Menschen in den ukrainischen St\u00e4dten bald erleiden k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2>Die Belagerung von Sarajevo<\/h2>\n<p>Vor fast genau 30 Jahren votierten in einem Referendum die bosniakischen und kroatischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nahezu geschlossen f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Teilrepublik Bosnien-Herzegowina von Jugoslawien. Die meisten Serbinnen und Serben blieben dieser Abstimmung fern. Im Fr\u00fchjahr 1992 eskalierte der Konflikt zum Krieg. Ausger\u00fcstet und unterst\u00fctzt von der Jugoslawischen Volksarmee, brachten serbische Truppen in den ersten Monaten des Krieges rund zwei Drittel des Landes unter ihre Kontrolle. Sie versuchten, auch gro\u00dfe Teile Sarajevos einzunehmen, was ihnen nur teilweise gelang. Daraufhin belagerten sie die Hauptstadt von den umliegenden Bergen aus mit bis zu <a href=\"https:\/\/www.icty.org\/x\/file\/About\/OTP\/un_commission_of_experts_report1994_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1.100 Gesch\u00fctzen<\/a>. An einem Tag schlugen bis zu <a href=\"https:\/\/www.icty.org\/x\/file\/About\/OTP\/un_commission_of_experts_report1994_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1.000 Geschosse<\/a> in Sarajevo ein. In den serbisch kontrollierten Stadtteilen im Talkessel terrorisierten Heckensch\u00fctzen die Bev\u00f6lkerung, die vor dem Krieg <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/1991_population_census_in_Bosnia_and_Herzegovina\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rund eine halbe Million Menschen<\/a> umfasste.<\/p>\n<p>Am 3. Juli 1992 richteten die Vereinten Nationen eine Luftbr\u00fccke nach Sarajevo ein. Ab April 1993 wurde sie von einem Flugverbot \u00fcber ganz Bosnien-Herzegowina abgesichert, mit dessen Durchsetzung die NATO beauftragt wurde. Bis zum 5. Januar 1996 wurden nach <a href=\"https:\/\/www.un.org\/press\/en\/1996\/19960105.ref1130.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UN-Angaben<\/a> Hilfsg\u00fcter im Umfang von 160.677 Tonnen nach Sarajevo geflogen, davon 144.827 Tonnen Nahrung. In vielen Monaten des Kriegs brachte die Luftbr\u00fccke 85% aller Hilfslieferungen nach Sarajevo. Noch vor der Luftbr\u00fccke hatten die Vereinten Nationen begonnen, auf dem Landweg Hilfskonvois nach Sarajevo und in andere Gebiete zu schicken. Blauhelme erhielten etwas sp\u00e4ter das <a href=\"https:\/\/www.humanitarian-military-interventions.com\/case\/bosnia-and-herzegovina-1993-1995\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mandat<\/a>, Zwang einzusetzen, um Hilfslieferungen an ihr Ziel zu bringen, wovon sie oft aber keinen Gebrauch machten.<\/p>\n<p>In einer weiteren Reaktion auf die Belagerung wurde Sarajevo im April 1993 zun\u00e4chst zur \u201esafe area\u201c, sp\u00e4ter zur Schutzzone deklariert. Zur Verteidigung dieser Zone autorisierte der Sicherheitsrat den Einsatz aller notwendigen Mittel, doch bis Ende August 1995 kam es nur zu sporadischen Luftangriffen der NATO. Die Belagerung dauerte bis zum Kriegsende fort.<\/p>\n<p>Nach Angaben des <a href=\"http:\/\/mnemos.ba\/Files\/Books\/TOM%20I%20prelom%20A.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Untersuchungs- und Dokumentationszentrum Sarajevo<\/a> kamen in der belagerten Stadt fast 12.000 Menschen durch direkte Gewalteinwirkung ums Leben. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Hauptstadt mussten eine lange Zeit der Not erleiden. Der Mangel an nahezu allem lie\u00df die Preise explodieren. Laut <a href=\"https:\/\/world-processor.com\/fama\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sarajevo Survival Guide<\/a> kostete 1993 ein Kilo Zwiebeln 20 DM, und f\u00fcr f\u00fcnf Liter Wasser waren 30 DM f\u00e4llig. Die internationale Hilfe hatte einen gro\u00dfen Anteil daran, dass die Einwohnerinnen und Einwohner Sarajevos nicht massenweise an Unterversorgung mit Nahrung oder Medikamenten starben. Damit trug sie auch dazu bei, einen Sieg der serbischen Truppen und eine Zerschlagung von Bosnien-Herzegowina zu verhindern. Im November 1995 setzte der Kompromissfrieden von Dayton dem Krieg ein Ende.<\/p>\n<h2>Belagerungen in Syrien<\/h2>\n<p>Belagerungen von St\u00e4dten und Stadtteilen gab es in Syrien nahezu seit Beginn des B\u00fcrgerkrieges. Beispiele daf\u00fcr sind Homs (2011-2014), Darayya und Muadamiyat (2012-2016), Ost-Ghouta (2013-2018) und Ost-Aleppo (2016). Mit dem Eintritt Russlands in den Krieg auf Seiten der syrischen Regierung im September 2015 wurden Belagerungen noch st\u00e4rker eingesetzt. Zudem lie\u00df die syrische Regierung keine Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen an andere von der Opposition kontrollierte Gebiete zu. Zweieinhalb Millionen Menschen, d.h. 10% der syrischen Vorkriegsbev\u00f6lkerung, wurden laut der Organisationen <a href=\"https:\/\/paxforpeace.nl\/news\/overview\/syria-sieges-still-matter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PAX<\/a> Opfer von Belagerungen. Im Bezirk Ost-Ghouta am Stadtrand von Damaskus wurden etwa 450.000 Menschen <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/1057610X.2020.1816682\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">belagert<\/a>, in Ost-Aleppo bis zu 300.000. Die folgenden Schilderungen beschr\u00e4nken sich auf diese beiden F\u00e4lle in Syrien.<\/p>\n<h2>Ost-Ghouta<\/h2>\n<p>Die syrische Armee belagerte das von Rebellengruppen kontrollierte Ost-Ghouta ab 2013. Im Juli 2017 <a href=\"https:\/\/www.dohainstitute.org\/ar\/PoliticalStudies\/Pages\/De-escalation-Zones-Russian-Strategy-Military-Victory-Syria.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gab das russische Verteidigungsministerium eine Vereinbarung<\/a> mit den syrischen Oppositionsparteien \u00fcber eine Deeskalation in Ost-Ghouta bekannt, dennoch beschoss die syrische Armee das Gebiet weiterhin mit Artillerie. Im November 2017 intensivierten sich russische und syrische Luftangriffe. <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2017\/12\/22\/syria\/russia-airstrikes-siege-killing-civilians\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Allein im November 2017 gab es mehr als 400 Luftangriffe<\/a> auf Ost-Ghouta. Die Kriegsf\u00fchrung setzte auf das Aushungern der Bewohnerinnen und Bewohner. Russische und syrische Luftangriffe zielten mit <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/informieren\/aktuell\/syrien-humanitaere-notlage-ost-ghouta-haelt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ge\u00e4chteten Streubomben auf Zivilisten und zivile Infrastruktur, darunter Krankenh\u00e4user und M\u00e4rkte<\/a>. Dies verknappte Lebensmittel, Medikamente, Strom, Gas und andere G\u00fcter der Grundversorgung. W\u00e4hrend der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Belagerung waren einige Bewohnerinnen und Bewohner auf <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/syrian-children-trapped-besieged-areas-forced-eat-animal-feed\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bl\u00e4tter von B\u00e4umen als Nahrungsersatz<\/a> angewiesen, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Die Belagerung l\u00f6ste zwar international Entsetzen und Solidarit\u00e4tskampagnen mit der Bev\u00f6lkerung aus. Zu einer Flugverbotszone und Luftbr\u00fccke kam es allerdings nicht. Der russisch-syrischen Milit\u00e4roperation gelang es schlie\u00dflich, die Opposition zu besiegen. Das Gebiet Ost-Ghouta wurde vollst\u00e4ndig evakuiert. \u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-mideast-crisis-syria-ghouta\/syrian-rebels-evacuated-from-douma-reach-northwest-monitor-idUSKBN1HH19M\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rund 20.000 oppositionelle K\u00e4mpfer und 100.000 Zivilisten <\/a>wurden in das Grenzgebiet von Idlib im Nordwesten Syriens verbracht. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-mideast-crisis-syria-ghouta\/syrian-rebels-evacuated-from-douma-reach-northwest-monitor-idUSKBN1HH19M\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Etwa die H\u00e4lfte der evakuierten Bewohnerinnen und Bewohnern<\/a> durfte nach einer \u201eSicherheits\u00fcberpr\u00fcfung\u201c in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Einige Kriegsakteure zogen Profit aus der Belagerung von <a href=\"https:\/\/www.regthink.org\/en\/articles\/the-breaking-of-syrias-rebellion\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ost-Ghouta<\/a>. So erhob die m\u00e4chtigste Rebellengruppe Jaysh al-Islam Steuern auf Waren, die \u00fcber den Grenz\u00fcbergang Wafideen und durch Tunnel zwischen Ost-Ghouta und Damaskus geschmuggelt wurden. Zivilisten, die die belagerte Zone verlassen wollten, mussten daf\u00fcr exorbitante Geb\u00fchren zahlen. \u00c4hnliches geschah in Aleppo. Laut einem UN-Bericht war Ost-Ghouta nach Aleppo das am zweitst\u00e4rksten vom Krieg betroffene Gebiet in Syrien. <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/sites\/reliefweb.int\/files\/resources\/reach_thematic_assessment_syrian_cities_damage_atlas_march_2019_reduced_file_size_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">34.000 Geb\u00e4ude wurden zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt<\/a>. In einigen Gebieten, wie <a href=\"https:\/\/unosat-maps.web.cern.ch\/SY\/CE20130604SYR\/UNOSAT_A3_EinTarma_Damage_Density_20171203_Optimized.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jobar, lag die Zerst\u00f6rungsrate<\/a> bei 93%. Es ist unklar, wie viele Menschen durch die Belagerung von Ost-Ghouta ihr Leben verloren haben. Insgesamt sind dem Syrienkrieg bis Ende 2021 <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2021\/09\/1101162\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mindestens 350.000 Menschen zum Opfer<\/a> gefallen.<\/p>\n<h2>Aleppo<\/h2>\n<p>Der Kampf um Aleppo dauerte von Juli 2012 bis Ende 2016 und ging mit Fl\u00e4chenbombardierungen auf milit\u00e4rische und zivile Ziele und einer systematischen Belagerung einher. Im Juli 2016 begannen syrische und verb\u00fcndete Truppen, das von der bewaffneten Opposition kontrollierte Ost-Aleppo von Versorgungslinien in die T\u00fcrkei abzuschneiden. Es fehlte an Treibstoff f\u00fcr Generatoren. Zudem konnten humanit\u00e4re Hilfsorganisationen nicht mehr in den Osten Aleppos gelangen. Antr\u00e4ge auf Hilfslieferungen, gestellt von der UN-OCHA Zentrale in Damaskus, wurden regelm\u00e4\u00dfig von der syrischen Regierung verweigert oder ignoriert. Selbst wenn sie genehmigt waren, wurden Konvois b\u00fcrokratisch oder physisch seitens der Regierung an der Weiterreise gehindert. In den seltenen F\u00e4llen, in denen humanit\u00e4re Hilfskonvois belagerte Gemeinden erreichten, wurden ihre Lieferungen von den Regierungstruppen bei \u201eInspektionen\u201c an den Kontrollpunkten oft entfernt oder <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/sites\/reliefweb.int\/files\/resources\/pax-siege-watch-final-report.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eunbrauchbar gemacht\u201c<\/a>, bevor sie weiterfahren durften. Zudem wurde regelm\u00e4\u00dfig der Gro\u00dfteil der medizinischen Hilfsg\u00fcter aus den Lastwagen entnommen. Das hatte zur Folge, dass Lebensmittel immer knapper wurden, und f\u00fcr die noch vorhandene Nahrung stiegen die Preise drastisch. So kosteten vor dem Konflikt sieben St\u00fcck Fladenbrot 15 Syrische Pfund. W\u00e4hrend der Belagerung wurden sie in Paketen von sechs St\u00fcck geliefert und kosteten im Durchschnitt <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-middle-east-37561618\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">451 Syrische Pfund<\/a>.<\/p>\n<p>Auch Wasser wurde zur <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0967010617716615\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kriegswaffe<\/a>. Pumpstationen wurden bei den Bombardierungen besch\u00e4digt und in den meisten Teilen der Stadt gab es kein flie\u00dfendes Wasser. Dies zwang die Menschen dazu, Wasser aus <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-middle-east-37561618\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brunnen und von privaten Wassertankwagen<\/a> zu kaufen, das oft keine Trinkwasserqualit\u00e4t aufwies. Au\u00dferdem war die medizinische Versorgung betroffen, wichtige Behandlungen konnten nicht vorgenommen werden, und es fehlte an Medikamenten und Blut f\u00fcr Transfusionen. Medizinische Notevakuierungen fanden nur noch sehr eingeschr\u00e4nkt statt. Nach Angaben des <a href=\"https:\/\/vdc-sy.net\/en\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Violations Documentation Center in Syria<\/a> kamen zwischen Juli 2012 und Ende 2016 mehr als 31.000 Menschen in Aleppo ums Leben.<\/p>\n<h2>Fazit: Schreckliche Aussichten<\/h2>\n<p>Wie der Blick zur\u00fcck zeigt, kann eine Luftbr\u00fccke noch gr\u00f6\u00dferes Leid in den belagerten St\u00e4dten verhindern. Ein Flugverbot hilft, eine Luftbr\u00fccke aufrechtzuerhalten. Es ist schwer vorstellbar, dass Russland \u00e4hnliche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Ukraine zul\u00e4sst. In Syrien hat dies Russland im UN-Sicherheitsrat, oft mit chinesischer Unterst\u00fctzung, stets verhindert. Eine Luftbr\u00fccke und ein Flugverbot gegen den Willen Russlands einzurichten, birgt das Risiko einer direkten milit\u00e4rischen Konfrontation, und die wollen westliche Staaten erkl\u00e4rterma\u00dfen vermeiden. Bei Belagerungen ohne eine Luftbr\u00fccke und ohne Korridore f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe auf dem Landweg drohen in der Ukraine Entwicklungen wie in Aleppo und das in einem noch gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Am 3. M\u00e4rz haben die Konfliktparteien <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ukraine-russland-krieg-verhandlungen-105.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">vereinbart, humanit\u00e4re Korridore<\/a> in besonders umk\u00e4mpften Gebieten einzurichten. Die russische Seite kann diese Vereinbarung f\u00fcr ihre Propaganda nutzen, sie wolle Zivilisten schonen. Auch k\u00f6nnte sie den Beschuss von St\u00e4dten mit dem Hinweis darauf intensivieren, dass die Menschen die angegriffenen Gebiete durch die Korridore h\u00e4tten verlassen k\u00f6nnen. Der ukrainischen Seite stellt die Vereinbarung in Aussicht, bedrohte Zivilisten zu evakuieren. Auch widerlegt sie den russischen Vorwurf, sie nutze Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Ob und in welchem Ma\u00df humanit\u00e4re Korridore tats\u00e4chlich eingerichtet werden, bleibt abzuwarten. Daher ist es zu fr\u00fch f\u00fcr eine Einsch\u00e4tzung, inwieweit solche Korridore die Folgen von Belagerungen abmildern w\u00fcrden. Die Erfahrungen aus Syrien mahnen zur Skepsis. Die Syrien-Expertin Emma Beals schrieb auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ejbeals\/status\/1499458607410253832\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Twitter<\/a>: \u201eRussia is likely to agree in principle then propose unviable or unsafe corridors and conditionalize and\/or problematize any movement of goods or assistance. Attacks on aid convoys, fleeing civilians, and infrastructure are all possible and documented.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei ihrem \u00dcberfall auf die Ukraine sind die russischen Truppen auf gr\u00f6\u00dferen Widerstand gesto\u00dfen als von ihrer F\u00fchrung offenbar erwartet. Kiew und andere St\u00e4dte stehen weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Kr\u00e4fte. Wie das russische Milit\u00e4r darauf reagieren wird, ist offen. M\u00f6glicherweise sieht es zun\u00e4chst von Versuchen ab, stark verteidigte St\u00e4dte vollst\u00e4ndig einzunehmen, und setzt stattdessen auf deren Belagerung, die mit massivem Beschuss einhergeht. Was dann den Menschen in Kiew und anderswo in unmittelbarer Zukunft droht, zeigt ein Blick zur\u00fcck auf die Belagerungen von Sarajevo in Bosnien-Herzegowina sowie Ost-Ghouta und Aleppo in Syrien.<\/p>\n","protected":false},"author":53,"featured_media":11286,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1141,1096,1090],"tags":[1160,1076,1157,1162],"coauthors":[262,660,710],"class_list":["post-13024","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-en","category-russia-ukraine-war","category-series","tag-bosnia-herzegovina","tag-russia","tag-syria","tag-ukraine-en"],"acf":[],"views":262,"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.1.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Blick zur\u00fcck nach vorn: Was droht bei einer Belagerung ukrainischer St\u00e4dte? - PRIF BLOG<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Bei ihrem \u00dcberfall auf die Ukraine sind die russischen Truppen auf gr\u00f6\u00dferen Widerstand gesto\u00dfen als von ihrer F\u00fchrung offenbar erwartet. 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