{"id":13068,"date":"2021-09-17T16:42:57","date_gmt":"2021-09-17T14:42:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/zusammenarbeit-mit-afrika-parteipolitische-positionen-im-vergleich\/"},"modified":"2021-09-17T16:42:57","modified_gmt":"2021-09-17T14:42:57","slug":"zusammenarbeit-mit-afrika-parteipolitische-positionen-im-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2021\/09\/17\/zusammenarbeit-mit-afrika-parteipolitische-positionen-im-vergleich\/","title":{"rendered":"Zusammenarbeit mit Afrika: Parteipolitische Positionen im Vergleich"},"content":{"rendered":"<p><strong>In ihren <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/blob\/2204146\/61736c06103e9a28e328371257ee34f7\/afrikaleitlinien-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">afrikapolitischen Leitlinien von 2019<\/a> beschreibt die amtierende deutsche Bundesregierung die Zukunft Europas und Afrikas als \u201euntrennbar verbunden\u201c und strebt an, die Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten zu intensivieren. Abseits der zentralen Themen, die im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 den Wahlkampf dominieren, lohnt demnach auch ein Blick auf jene, die weniger im \u00f6ffentlichen Fokus stehen, darunter zum Beispiel die afrikapolitischen Positionen der Parteien. Wie \u00e4u\u00dfern sich also die Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 mit Blick auf den afrikanischen Kontinent?<\/strong><\/p>\n<p>Ein solcher Blick zeigt nicht nur eine gestiegene Relevanz des Kontinents f\u00fcr die au\u00dfenpolitische Ausrichtung der Parteien, sondern auch eine thematische Ausdifferenzierung der zuk\u00fcnftigen Zusammenarbeit. Im Vergleich zum Wahlkampf 2017 widmen die Parteien heute in ihren Wahlprogrammen afrikapolitischen \u00dcberlegungen tendenziell mehr Platz. Auch inhaltlich stellen sich die Programme deutlich ausdifferenzierter als 2017 dar. Der damals dominante Fokus auf Flucht und Migration ist mit Ausnahme der AfD einer breiteren Palette an Themen gewichen.<\/p>\n<p>Vor dem fiktiven Szenario, dass die jeweiligen Parteien der n\u00e4chsten Bundesregierung angeh\u00f6ren, beleuchtet dieser Blogbeitrag drei Fragen: Welche thematischen Schwerpunkte m\u00f6chten die Parteien zuk\u00fcnftig in ihrer Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten setzen? Welchen Stellenwert r\u00e4umen die Parteien dabei insbesondere der Konfliktbearbeitung und der Friedensf\u00f6rderung ein? Welche Rolle sehen die Parteien f\u00fcr Deutschland im Kontext der Zusammenarbeit von Europ\u00e4ischer und Afrikanischer Union? Dabei st\u00fctzt sich der Beitrag auf die aktuellen Wahlprogramme von <a href=\"https:\/\/online.fliphtml5.com\/kxyi\/eyjg\/#p=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CDU\/CSU<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Beschluesse\/Programm\/SPD-Zukunftsprogramm.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SPD<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/sites\/111\/2021\/06\/20210611_AfD_Programm_2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AfD<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.fdp.de\/sites\/default\/files\/2021-06\/FDP_Programm_Bundestagswahl2021_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FDP<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/download\/wahlen2021\/Wahlprogramm\/DIE_LINKE_Wahlprogramm_zur_Bundestagswahl_2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Linke<\/a> und <a href=\"https:\/\/cms.gruene.de\/uploads\/documents\/Wahlprogramm-DIE-GRUENEN-Bundestagswahl-2021_barrierefrei.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen<\/a> sowie die <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/reihen\/blogreihe-zur-bundestagswahl-2021\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antworten der Parteien<\/a> auf die von der HSFK eingereichten <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Wahlpruefsteine_HSFK_PDF.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wahlpr\u00fcfsteine zu den Wahlprogrammen<\/a>.<\/p>\n<p>Zu Beginn eine allgemeine Beobachtung: W\u00e4hrend SPD, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und Die Linke die Diversit\u00e4t des Kontinents explizit anerkennen, reproduzieren CDU\/CSU und FDP eher ein homogenes und passives Bild eines einheitlichen Kontinents als reiner \u201aEmpf\u00e4nger\u2018 deutscher Au\u00dfenpolitik. Das Anstreben eines \u201emodernen und differenzierten Afrikabildes\u201c, wie es im Wahlprogramm der CDU\/CSU steht, reicht nicht aus, wenn es nicht in konkrete Politik umgesetzt wird. Nur bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und der SPD spielen Dialog und die eigenverantwortliche Definition von Schwerpunktthemen auf Seiten der afrikanischen Partner eine Rolle. Demnach ist es diesen beiden Parteien wichtig, dass, anstatt eines hegemonialen Verst\u00e4ndnisses in der Zukunft die selbstgesteckten Ziele der Partner, wie die <a href=\"https:\/\/au.int\/sites\/default\/files\/documents\/36204-doc-agenda2063_popular_version_en.pdf\">Agenda 2063<\/a> der Afrikanischen Union, als \u201eRichtschnur\u201c einer gemeinsamen Zusammenarbeit fungieren.<\/p>\n<h2>Thematische Schwerpunkte in der Zusammenarbeit: Die derzeitigen Regierungsparteien<\/h2>\n<p>Eine vom Beirat der Bundesregierung f\u00fcr Zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung in Auftrag gegebene <a href=\"https:\/\/www.die-gdi.de\/uploads\/media\/Beirat_Zivile_Krisenpraevention_Friedenspolitische_Kohaerenz_deutscher_Afrikapolitik_WEB.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auswertung der afrikapolitischen Strategiepapiere der Deutschen Bundesregierung<\/a> kommt zu dem Schluss, dass ein Fokus auf wirtschaftliche Entwicklung die aktuelle Afrikapolitik dominiert \u2013 zu Lasten einer differenzierten friedenspolitischen Wirkungslogik. Dies best\u00e4tigt ein Blick in die Wahlprogramme der aktuellen Regierungsparteien:<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend ist, dass die CDU\/CSU in ihrem aktuellen Wahlprogramm den vergangenen Regierungsjahren treu bleibt: Der <a href=\"https:\/\/www.bmz.de\/de\/laender\/marshallplan-mit-afrika\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eMarshallplan mit Afrika\u201c<\/a> ist weiterhin als Rahmen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Ausrichtung der Afrikapolitik vorgesehen, womit ein klarer Wirtschaftsfokus bleibt. So sieht die CDU\/CSU private Investitionen, Zugang zu Kapital, Korruptionsbek\u00e4mpfung und Rechtstaatlichkeit als zentrale Bausteine f\u00fcr nachhaltige Entwicklung.<\/p>\n<p>Dahingegen \u00fcberrascht die SPD gleich mehrfach: W\u00e4hrend im Wahlprogramm nur ein einziges Mal das Stichwort \u201eAfrika\u201c vorkommt, liefert die SPD auf <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Antworten_Wahlpruefsteine_HSFK_SPD.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nachfrage eine detaillierte Antwort<\/a>, die sich an sozialdemokratischen Kernthemen orientiert. Als Referenzrahmen w\u00e4hlt die SPD die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (<a href=\"https:\/\/sdgs.un.org\/goals\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sustainable Development Goals, SDGs; Agenda 2030<\/a>) und bezeichnet die Bek\u00e4mpfung von Hunger und Armut (SDG 1), hochwertige Bildung (SDG 4), gute Arbeitspl\u00e4tze und wirtschaftliches Wachstum (SDG 8), Innovation und Infrastruktur (SDG 9) und reduzierte Ungleichheiten (SDG 10) als Kernst\u00fccke f\u00fcr eine nachhaltige wirtschaftliche Transformation. W\u00e4hrend auch hier der afrikanische Kontinent im Entwicklungskontext begriffen wird, zeigt die SPD ein Verst\u00e4ndnis von nachhaltiger Entwicklung, das \u00fcber den reinen Wirtschaftsfokus der CDU\/CSU hinausgeht.<\/p>\n<h2>Thematische Schwerpunkte in der Zusammenarbeit: Die derzeitige Opposition<\/h2>\n<p>Welche thematische Schwerpunktsetzung l\u00e4sst sich aber bei den aktuell nicht in der Bundesregierung vertretenen Parteien ausmachen? W\u00e4re unter ihrer Regierungsbeteiligung zuk\u00fcnftig eine ver\u00e4nderte Schwerpunktsetzung zu erwarten?<\/p>\n<p>Die FDP folgt grunds\u00e4tzlich der Marktliberalisierung als ihrem Markenkern, auch in afrikapolitischer Hinsicht. W\u00e4hrend die Partei zun\u00e4chst noch die partnerschaftliche St\u00e4rkung von Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft vorsieht, dominiert ein Fokus auf die \u201eIntegration Afrikas in regionale und globale Wirtschaftskreisl\u00e4ufe\u201c. Als Themen in der Zusammenarbeit werden die F\u00f6rderung von Wirtschaftspartnerabkommen, Zugang zum EU-Binnenmarkt und die Unterst\u00fctzung der Afrikanischen Union (AU) bei der Realisierung der kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) genannt. Die beiden Themen &#8220;gute Regierungsf\u00fchrung&#8221; und &#8220;Beteiligungsrechte&#8221; bieten direkte Ankn\u00fcpfungspunkte in Politik und Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Partei Die Linke formuliert einen grunds\u00e4tzlichen Reformbedarf der bisherigen Afrikapolitik: Zum einen fordert die Partei, die Umsetzung des \u201eMarshallplans mit Afrika\u201c einzustellen. Ihre Schwerpunktthemen setzt die Linke in den Bereichen Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t, Gesundheits- und Bildungsinfrastruktur und sozial-\u00f6kologischer Klimaschutz. Daf\u00fcr notwendig seien eine reformierte EU-Handelspolitik, eine agro\u00f6kologische Landwirtschaft, die F\u00f6rderung regionaler Entwicklung sowie die Durchsetzung von unternehmerischen Sorgfaltspflichten. Zum anderen benennt die Linke so deutlich wie keine andere Partei die Notwendigkeit der vollumf\u00e4nglichen Anerkennung des Genozids an den Herero und Nama durch das Deutsche Kaiserreich zwischen 1904 und 1908.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlich breites und nahezu deckungsgleiches Themenspektrum zeigt sich bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen. Gleichzeitig lehnt die Partei die Fl\u00fcchtlings-, Handels- und Agrarpolitik der bisherigen Bundesregierung explizit ab. Stattdessen zieht sich das Narrativ der sozial-\u00f6kologischen Transformation durch das gesamte Wahlprogramm, auch mit Blick auf den afrikanischen Kontinent. Allerdings macht die Partei deutlich, dass vor allem die regionale Schwerpunktsetzung, wie sie in der Agenda 2063 der Afrikanischen Union formuliert ist, die zuk\u00fcnftige Zusammenarbeit definieren soll.<\/p>\n<p>Einzig die AfD<sup><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/sup> verbleibt auch im aktuellen Wahlkampf im Vergleich zu 2017 im monothematischen, negativ konnotierten Framing: F\u00fcr die Partei steht im Kontext des afrikanischen Kontinents das Thema \u201eBev\u00f6lkerungsexplosion\u201c im Fokus und wird direkt verkn\u00fcpft mit Migration und Asyl. Indem die AfD zus\u00e4tzlich von \u201eMigrationsdruck\u201c spricht, der \u201edestabilisiert\u201c, vorverurteilen sie einen ganzen Kontinent.<\/p>\n<h2>Stellenwert der Konfliktbearbeitung und Friedensf\u00f6rderung<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend thematisch eine Ausdifferenzierung stattfand, bleiben Konfliktbearbeitung und Friedensf\u00f6rderung im afrikapolitischen Kontext der aktuellen Wahlprogramme (wie auch 2017) weiterhin unterrepr\u00e4sentiert. Auch auf Nachfrage (siehe die <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/reihen\/blogreihe-zur-bundestagswahl-2021\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antworten der Parteien auf die Wahlpr\u00fcfsteine der HSFK<\/a>) wird die Rolle Deutschlands in diesem Bereich bei den meisten Parteien genauso wenig ausbuchstabiert wie vor der letzten Bundestagswahl. Dies ist nicht nur besorgniserregend angesichts des Anspruchs nach <a href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Joachim-Gauck\/Reden\/2014\/01\/140131-Muenchner-Sicherheitskonferenz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr Verantwortung<\/a> Deutschlands in der Welt, sondern auch mit Blick auf die Zunahme an offenen Konflikten und den langfristigen Unterst\u00fctzungsbedarfen von Post-Konfliktgesellschaften in Afrika.<\/p>\n<p>Im Wahlprogramm von CDU\/CSU wird der Kontinent lediglich im Zusammenhang mit der \u201elangfristigen Sicherheit Europas\u201c in einem Friedens- und Konfliktkontext gesehen, womit sich ein eng definierter Friedensbegriff und eine \u201eVersicherheitlichung\u201c des Diskurses beobachten l\u00e4sst: Mit dem Thema Sicherheit werden die beiden Themen Migration und Terrorismus ins Spiel gebracht, wodurch eine Kriminalisierung von Migration stattfindet. Konkrete Ma\u00dfnahmen\u2013 au\u00dfer der \u201eBef\u00e4higung zur Selbsthilfe\u201c in Form von Verbesserungen der Lebensperspektiven vor Ort \u2013 werden von der Partei weder im Wahlprogramm noch in den Antworten auf die Wahlpr\u00fcfsteine nicht genannt.<\/p>\n<p>B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen sind die einzige Partei, die ausdr\u00fccklich die Themen Frieden und Konflikt auf dem afrikanischen Kontinent mitdenkt, indem zivile Krisenpr\u00e4vention, faire und sichere Migrationswege und die Unterst\u00fctzung regionaler Friedensagenden als m\u00f6gliche Bereiche der Zusammenarbeit genannt werden. Sowohl SPD als auch B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen bringen in der Konfliktbearbeitung regionale Akteure wie die EU und die Afrikanische Union ins Spiel. W\u00e4hrend der Verweis auf die EU-Ebene in herausfordernden Situationen auch als Abw\u00e4lzung von Verantwortung verstanden werden kann, ist der Versuch, die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren zu st\u00e4rken, zun\u00e4chst positiv zu bewerten. Schlie\u00dflich fordern die beiden Parteien damit nichts mehr, als dass die Ausgestaltung von Konfliktbearbeitung in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union und deren Regionalorganisationen auch vor Ort geschehen kann.<\/p>\n<p>Im Wahlprogramm der FDP spielt Konfliktbearbeitung und Friedensf\u00f6rderung auf dem afrikanischen Kontinent keine Rolle. In Sicherheitsfragen will die Partei laut Wahlprogramm den Kontinent nur unterst\u00fctzen, \u201esofern geboten\u201c, und positioniert sich damit zur\u00fcckhaltend; selbst zivile Instrumente der Konfliktbearbeitung werden nicht benannt.<\/p>\n<p>Am entschiedensten positioniert sich die Linke, die \u201esoziale Sicherheit f\u00fcr die Menschen als Grundvoraussetzung zur Vermeidung von Konflikten\u201c begreift und damit als einzige Partei ausdr\u00fccklich den pr\u00e4ventiven Charakter anerkennt, wenn Frieden und Entwicklung zusammengedacht werden. Im Vergleich zu anderen Parteien schlie\u00dft die Partei eine milit\u00e4rische Beteiligung Deutschlands auf dem Kontinent aus. Grunds\u00e4tzlich setzt die Partei ausschlie\u00dflich auf zivile Instrumente in der Konfliktbearbeitung.<\/p>\n<p>Der Vergleich der Parteipositionen mit Blick auf Konfliktbearbeitung und Friedensf\u00f6rderung in Afrika zeigt, dass sich das Spektrum an Instrumentarien in der Konfliktbearbeitung zumindest im Bewusstsein mancher Parteien \u2013 n\u00e4mlich SPD, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und Die Linke \u2013 erweitert hat. \u00dcber deren Einsatz und das Ausma\u00df deutschen Engagements sind sich die Parteien aber uneinig.<\/p>\n<h2><strong>Die Rolle Deutschlands im Kontext von Europ\u00e4ischer und Afrikanischer Union<\/strong><\/h2>\n<p>Was die Parteien mit Ausnahme der AfD und Die Linke eint, ist der Fokus auf eine europ\u00e4isch koordinierte Afrikapolitik. Welche Rolle Deutschland in einer europ\u00e4ischen Afrikapolitik einnehmen sollte, pr\u00e4zisieren aber nur B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen. Gleichzeitig wird bei SPD und B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen deutlich, dass sie die Afrikanische Union als Pendant zur EU verstehen und diese Partnerschaft st\u00e4rken wollen.<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt ist der EU-Fokus bei der SPD, die in ihrem Wahlprogramm Ambition zur Ver\u00e4nderung zeigt, indem sie die Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika \u201edeutlich ausbauen\u201c und \u201eauf ein neues Level\u201c heben will. Die CDU\/CSU ist in ihrer Formulierung \u00e4hnlich, wenn sie eine \u201evertiefte institutionelle Partnerschaft\u201c vorschl\u00e4gt, zum Beispiel in Form eines EU-Afrikarats. \u00c4hnlich positionieren sich B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und fordern zus\u00e4tzlich eine aktivere Rolle Deutschlands innerhalb der EU. W\u00e4hrend SPD und B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcne eine supranational koordinierte europ\u00e4ische Afrikapolitik anstreben, verweist die FDP sowohl im Wahlprogramm als auch in ihren Antworten zwar auch auf Europa, aber meint damit eine auf der Ebene der \u201eeurop\u00e4ischen Mitgliedstaaten abgestimmte Afrikapolitik\u201c, die eher auf die intergouvernementale, also zwischen den Regierungen der Mitgliedstaaten stattfindende, Koordination setzt. Die Linke sieht dies bereits als gegeben und fordert weiterhin Deutschland im \u201a<em>driver\u2019s seat<\/em>\u2018, das bedeutet mehr nationale Selbstbestimmung in der Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern, als Abgabe von Kompetenzen an die Europ\u00e4ische Union.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit Deutschlands mit der Afrikanischen Union dagegen spielt bei der Partei Die Linke eine st\u00e4rkere Rolle, beispielsweise schl\u00e4gt die Partei den Aufbau eines afrikanischen zivilen Friedensdienstes vor. B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen und die SPD sehen in der Afrikanischen Union ebenfalls einen zentralen Partner: Die <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Antworten_Wahlpruefsteine_HSFK_SPD.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SPD strebt in ihren Antworten auf die Wahlpr\u00fcfsteine<\/a> nicht nur eine \u201est\u00e4rkere Kooperation mit den europ\u00e4ischen Partnern\u201c an, sondern auch mit der Afrikanischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS). B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen wollen den afrikanischen Partnern bei der Umsetzung der regionalen Entwicklungs- und Friedensagenden zur Seite stehen. Im Kontrast dazu erw\u00e4hnen CDU\/CSU und FDP die Afrikanische Union nur im Zusammenhang mit der afrikanischen Freihandelszone (<a href=\"https:\/\/afcfta.au.int\/en\">AFCfTA<\/a>), die die Parteien unterst\u00fctzen m\u00f6chten.<\/p>\n<h2>Fazit: Von welchen Parteien ist ein Paradigmenwechsel zu erwarten?<\/h2>\n<p>Im Vergleich zum Wahlkampf 2017 l\u00e4sst sich zwar eine thematische Ausdifferenzierung der Wahlprogramme entlang parteipolitischer Kernthemen beobachten (au\u00dfer bei der AfD). Dennoch begreifen immerhin noch die H\u00e4lfte der Parteien, n\u00e4mlich CDU\/CSU, FDP und AfD, den afrikanischen Kontinent weiterhin vorwiegend im wirtschaftlichen Entwicklungskontext, in dem Frieden als Ausgangspunkt und wirtschaftliche Entwicklung als Ziel verstanden werden. Diese Beobachtung deckt sich mit der eingangs erw\u00e4hnten Auswertung des Beirats zivile Krisenpr\u00e4vention und Friedensf\u00f6rderung der Bundesregierung. Eine friedens- sowie entwicklungspolitische Ausrichtung l\u00e4sst sich aktuell nur bei der Partei Die Linke und punktuell bei B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen sowie der SPD erkennen. Diese w\u00e4re aber notwendig, um den <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/fileadmin\/HSFK\/hsfk_publikationen\/Bericht_FriedenundEntwicklung2020_HSFK.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">komplexen Zusammenh\u00e4ngen zwischen Frieden und Entwicklung<\/a> gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Je nach zuk\u00fcnftiger Regierungskoalition bleibt abzuwarten, ob diese einen Paradigmenwechsel in der Afrikapolitik vollziehen wird. Insgesamt ergeben sich gro\u00dfe Schnittmengen bei den Themen in der Entwicklungszusammenarbeit, wobei von einer m\u00f6glichen Rot-Gr\u00fcn-Roten Koalition eher ein Fokus auf soziale Sicherung im Sinne einer sozio-\u00f6konomischen\/\u00f6kologischen Entwicklung zu erwarten w\u00e4re und eine Regierung unter Beteiligung von CDU\/CSU und FDP vermehrt auf Wirtschaftsf\u00f6rderung setzen d\u00fcrfte. Gr\u00f6\u00dfere Divergenzen sind in den Bereichen Konfliktbearbeitung und Friedensf\u00f6rderung, insbesondere auch in Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren und dem Einsatz milit\u00e4rischen Zwangs zu erwarten.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Da die AfD als einzige Partei nicht auf die gestellten Fragen geantwortet hat und das Wahlprogramm keine weiteren afrikapolitischen \u00dcberlegungen bietet, wird der Partei in diesem Blogartikel weniger Raum als anderen Parteien einger\u00e4umt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihren afrikapolitischen Leitlinien von 2019 beschreibt die amtierende deutsche Bundesregierung die Zukunft Europas und Afrikas als \u201euntrennbar verbunden\u201c und strebt an, die Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten zu intensivieren. 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