{"id":13220,"date":"2020-07-08T12:59:30","date_gmt":"2020-07-08T10:59:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/mitgehangen-mitgefangen-argumente-aus-der-nuklearen-teilhabe-auszusteigen\/"},"modified":"2020-07-08T12:59:30","modified_gmt":"2020-07-08T10:59:30","slug":"mitgehangen-mitgefangen-argumente-aus-der-nuklearen-teilhabe-auszusteigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2020\/07\/08\/mitgehangen-mitgefangen-argumente-aus-der-nuklearen-teilhabe-auszusteigen\/","title":{"rendered":"Mitgehangen, mitgefangen? Argumente, aus der nuklearen Teilhabe auszusteigen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Beschaffungspl\u00e4ne eines Nachfolgers f\u00fcr den Tornado-Kampfjet haben eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Debatte um die nukleare Teilhabe in der NATO und die in Deutschland stationierten Nuklearwaffen ausgel\u00f6st. Milit\u00e4risch sind sie dysfunktional und als Kitt f\u00fcr das auseinanderbr\u00f6ckelnde B\u00fcndnis taugen sie kaum. Doch bieten sie in Zeiten schwelender Hegemonialkonflikte Entladungsziele im Falle einer nuklearen Eskalation. Im Interesse der eigenen Sicherheit und um sich au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Handlungsspielraum in der Tradition der Nichtweiterverbreitung zu \u00f6ffnen, sollte Deutschland die nukleare Teilhabe aufgeben.<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Stationierung von sogenannten substrategischen US-Nuklearwaffen in Europa hatte sich die NATO im Kalten Krieg die M\u00f6glichkeit geschaffen, auf einen konventionellen Angriff der Sowjetunion nuklear zu reagieren. Dies geschah in der Hoffnung, dass der Konflikt nicht auf die globale (strategische) Ebene \u00fcberspringt und damit die Territorien der Superm\u00e4chte hineingezogen werden (flexible response). Mit der Option der begrenzten nuklearen Kriegsf\u00fchrung begegnete die NATO der konventionellen \u00dcberlegenheit der Sowjetunion und der Warschauer-Pakt-Staaten. Man wollte eine umfassende konventionelle Offensive nuklear aufhalten und somit den Verlust West-Europas abwehren k\u00f6nnen. Der Preis dieser Strategie w\u00e4re die Opferung weiter Teile Deutschlands und Mitteleuropas auf dem nuklearen Schlachtfeld gewesen. Um dem Risiko dieses Abschreckungskalk\u00fcls nicht ohnm\u00e4chtig ausgeliefert zu sein und aus Sorge um eine nukleare Abkopplung der USA, versuchten sich die Teilhabestaaten ein Mitspracherecht zu sichern, und zwar durch die Bereitstellung von Tr\u00e4gersystemen, die nur mit der Zustimmung des Gastlandes eingesetzt werden konnten.<br \/>\nSeit drei Jahrzehnten ist der Kalte Krieg vor\u00fcber. Die Tornado-Kampfflugzeuge, die als Tr\u00e4gersysteme dienen, stehen vor der Ausmusterung und k\u00f6nnen Ziele au\u00dferhalb des B\u00fcndnisgebietes kaum erreichen. Auch wenn sie \u00fcber Zwischenstationen oder Luftbetankung weiterk\u00e4men, st\u00fcnden sie einer inzwischen hochentwickelten russischen Luftabwehr gegen\u00fcber. Dass die vom technischen Stand \u00fcberholten Fallschirm- und Freifallbomben der nuklearen Teilhabe in irgendeinem Szenario zum Einsatz kommen k\u00f6nnten, ist kaum vorstellbar. Doch wohin weisen die aktuellen milit\u00e4rischen Entwicklungen? K\u00f6nnen sie der nuklearen Teilhabe neuen Sinn verleihen?<\/p>\n<h2>Neue Systeme, alte Dysfunktionalit\u00e4t<\/h2>\n<p>Das Life-extension-programme im Rahmen der Modernisierung des amerikanischen Nuklearwaffenarsenals beinhaltet den Austausch der in Europa stationierten B61-3 und B61-4 Sprengk\u00f6pfe durch die modernste Variante B61- 12 und soll die Einsatzf\u00e4higkeit erh\u00f6hen. In ihrer Sprengkraft unterscheiden sich die neuen Waffen kaum von den Bomben in B\u00fcchel. Jedoch sollen sie sicherer sein und k\u00f6nnen \u00fcber elektronische Bauteile mit beweglichen Tragfl\u00e4chen pr\u00e4ziser gesteuert werden als die alten Bomben. Inzwischen verf\u00fcgen die USA aber auch \u00fcber andere, kleinere Sprengk\u00f6pfe vom Typ W76-2, die f\u00fcr den sogenannten begrenzten Einsatz im Gefechtsfeld geeignet sind.<\/p>\n<p>Dies ist umso bedeutsamer, wenn man die F\u00e4higkeiten der Tr\u00e4gersysteme ber\u00fccksichtigt, die f\u00fcr die Zukunft der nuklearen Teilhabe diskutiert werden. Denn die f\u00fcr den Tornado-Ersatz vorgesehenen amerikanischen Kampfjets vom Typ F18 sind aufgrund ihrer begrenzten Reichweite ebenso wenig f\u00fcr den Einsatz au\u00dferhalb oder am Rande des B\u00fcndnisgebietes geeignet. Zudem haben sie kaum Tarnkappeneigenschaften (stealthiness) und w\u00e4ren wie der Vorg\u00e4nger durch die gegnerischen Luftverteidigungssysteme leicht verwundbar. Selbst bei der von anderen Teilhabestaaten deshalb pr\u00e4ferierten F35, die sich dem Radar entzieht, kann eine \u00dcberlegenheit der russischen Flugabwehr nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Damit r\u00fccken alternative Tr\u00e4gersysteme f\u00fcr ein solches Szenario in den Vordergrund. F\u00fcr Russland und die USA bilden Tr\u00e4gersysteme mittlerer Reichweite inzwischen einen Schwerpunkt in der Entwicklung ihrer F\u00e4higkeiten zu Land, See und Luft. F\u00fcr einen Einsatz in Europa sind seegest\u00fctzte Tr\u00e4gersysteme besonders relevant. Bei einer Intervention in Syrien hat Moskau 2015 demonstriert, dass es vom Kaspischen Meer aus mit Marschflugk\u00f6rpern Angriffe f\u00fchren kann, die bei anderer Ausrichtung die s\u00fcdliche Peripherie Europas treffen w\u00fcrden. Diese sind konventionell wie nuklear best\u00fcckbar. Die USA wiederum k\u00f6nnen von strategischen U-Booten aus mit Trident Langstreckenraketen den europ\u00e4ischen Teil Russlands weitgehend erreichen und dabei auch W76-2-Sprengk\u00f6pfe einsetzen. Mit der begonnenen Entwicklung neuer Mittelstreckenf\u00e4higkeiten d\u00fcrften sich die M\u00f6glichkeiten der USA zur regional begrenzbaren Kriegsf\u00fchrung erweitern. Somit hat die nukleare Teilhabe gerade auch mit Blick auf die technologischen Entwicklungen und neuen F\u00e4higkeiten kaum einen operativen milit\u00e4rischen Nutzen. Die USA verf\u00fcgen mit den W76-2-Sprengk\u00f6pfen auf seegest\u00fctzten ballistischen Raketen \u00fcber eine neue Option des (Erst-)Einsatzes von Nuklearwaffen geringerer Sprengkraft f\u00fcr das europ\u00e4ische Gefechtsfeld und koppeln sich damit nuklear ab. Denn hierauf haben die Europ\u00e4er auch \u00fcber die Nukleare Planungsgruppe der NATO keinerlei Einfluss. Den Teilhabestaaten entgeht der einzige Bonus, der das Wagnis der nuklearen Teilhabe f\u00fcr manche gerechtfertigt haben mag \u2013 die R\u00fcckversicherung, nicht gegen den eigenen Willen zum nuklearen Spielball zweier Gro\u00dfm\u00e4chte zu werden. So werden die hier stationierten US-Sprengk\u00f6pfe zu potentiell selbstzerst\u00f6rerischem Blendwerk: Als Waffen, die keine sinnvolle Einsatzoption haben, entfalten sie kaum abschreckende Wirkung. Gleichwohl bieten sie wahrscheinliche milit\u00e4rische Angriffsziele im Falle einer nuklearen Eskalation.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Info-Box: Nukleare Teilhabe<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>5 Mitgliedsstaaten der NATO haben US-Nuklearwaffen stationiert<\/li>\n<li>ca. 100\u2013150 Sprengk\u00f6pfe lagern in den Teilhabestaaten Italien, Belgien, Deutschland, den Niederlanden und der T\u00fcrkei<\/li>\n<li>ca. 20 davon auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in B\u00fcchel: Wasserstoffbomben vom Typ B 61, Sprengwirkung variabel<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<h2>Kein Kitt f\u00fcr das B\u00fcndnis<\/h2>\n<p>Bef\u00fcrworter der nuklearen Teilhabe unterstreichen, dass sie integraler Bestandteil der NATO sei und das B\u00fcndnis ohne sie geschw\u00e4cht w\u00fcrde. Die nukleare Teilhabe ist jedoch nicht im Nordatlantik-Pakt enthalten. Zudem ist die NATO heute Russland konventionell \u00fcberlegen und hat daher mehr Spielraum zur Denuklearisierung ihrer Strategie. Der Zusammenhalt des B\u00fcndnisses hingegen ist, unabh\u00e4ngig von den Nuklearwaffen in Europa, fragil. Das zeigen nicht zuletzt die R\u00fcstungskooperationen der T\u00fcrkei mit Russland oder der wegen vermeintlich geringer deutscher Milit\u00e4rausgaben veranlasste Abzug tausender US-Soldaten aus der Bundesrepublik. Die nukleare Teilhabe eignet sich nicht als Kitt f\u00fcr die auseinanderbrechende Allianz. Die Annahme, dass der Abzug der Nuklearwaffen aus Europa eine Destabilisierung neuer Qualit\u00e4t ausl\u00f6sen k\u00f6nnte, \u00fcberh\u00f6ht deren Bedeutung und verkennt die strukturelle Dimension der Identit\u00e4tskrise des B\u00fcndnisses, das seine innere Zerrissenheit mit neuen Feindbildern zu kompensieren sucht \u2013 gegenw\u00e4rtig mit Blick auf China.<\/p>\n<p>Auch Deutschlands Rolle als gewichtiges europ\u00e4isches Mitglied und bevorzugte Zielscheibe des derzeitigen US-Pr\u00e4sidenten d\u00fcrfte sich mit oder ohne Teilhabe kaum ver\u00e4ndern. Einbu\u00dfen eines vermeintlichen Einflussvorteils w\u00fcrden jedenfalls nicht drohen, wenn die Nuklearwaffen aus B\u00fcchel abgezogen w\u00fcrden. Wie andere ehemalige Teilhabestaaten (Kanada 1989, Griechenland 2001) bliebe Deutschland Mitglied in der Nuklearen Planungsgruppe, falls Berlin das w\u00fcnscht. Die darin entwickelten Konsultationsmechanismen sind nicht einmal daran gebunden, dass \u00fcberhaupt amerikanische Nuklearwaffen in Europa stationiert sind.<\/p>\n<p>Manche bef\u00fcrchten, die US-Nuklearwaffen k\u00f6nnten infolge eines deutschen Ausscheidens aus der Teilhabe nach Ost-Europa transferiert werden. Zwar st\u00fcnde zumindest Polen hierf\u00fcr bereit, jedoch d\u00fcrfte ausgeschlossen sein, dass hier\u00fcber im B\u00fcndnis Einigkeit erzielt werden k\u00f6nnte. Die NATO-Russland-Grundakte 1997 verbietet eine Stationierung dort. W\u00fcrden die USA und Polen dies jenseits der NATO entscheiden, w\u00e4re das kaum mit dem Gedanken der B\u00fcndnissolidarit\u00e4t vereinbar. Der Verweis auf eine derartige Risiko- und Eskalationsbereitschaft anderer ist daher auch kein \u00fcberzeugendes Argument f\u00fcr B\u00fcndnistreue. Vielmehr werden damit eigene Schadensabw\u00e4gungen einem Gruppenzwang untergeordnet, der zudem nur einem Teil der B\u00fcndnispartner entgegenkommt.<\/p>\n<h2>Demontage der Sicherheit in Europa<\/h2>\n<p>Es ist vor allem das Auseinanderdriften der sicherheitspolitischen Perspektiven, das gegen die Fortsetzung der nuklearen Teilhabe spricht. Sowohl Russland als auch die USA haben in ihren Verteidigungsstrategien und Nukleardoktrinen die Rivalit\u00e4t der Gro\u00dfm\u00e4chte zum Leitthema gemacht und darin die M\u00f6glichkeit regional begrenzbarer Nuklearschl\u00e4ge verankert, die ihr eigenes Territorium im Ernstfall schonen sollen. In der Nuclear Posture Review 2018 behalten sich die USA vor, auf einen konventionellen Angriff mit einem nuklearen<br \/>\nErstschlag zu reagieren. \u00c4hnlich schlie\u00dft dies auch Russland in seiner j\u00fcngst \u00fcberarbeiteten Nukleardoktrin von 2020 nicht aus. Ein Roll-back, da nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes Ersteinsatzoptionen stark eingeschr\u00e4nkt und damit die Krisenstabilit\u00e4t deutlich erh\u00f6ht wurden.<\/p>\n<p>Deutschland und die meisten europ\u00e4ischen NATO-Staaten sehen die substrategischen Nuklearwaffen nicht als probates Mittel der Kriegsf\u00fchrung. Ihnen geht es im Gegenteil um die Verhinderung eines (Erst)-Einsatzes von Nuklearwaffen. Damit steht das eigene Abschreckungsverst\u00e4ndnis Deutschlands und anderer Verb\u00fcndeter jenem der USA diametral gegen\u00fcber. <span style=\"transform: scaleX(1.03085);\">So engagiert sich die Bundesregierung etwa in der \u201eStockholm-Initiative&#8221;f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung von Entscheidungsphasen, Minimierung nuklearer Risiken und eine reduzierte Rolle von Nuklearwaffen<\/span><span style=\"transform: scaleX(0.969491);\"> (Berliner Erkl\u00e4rung 2019 im Vorfeld zur <\/span><span style=\"transform: scaleX(0.98869);\">\u00dcberpr\u00fcfungskonferenz des Nuklearen Nichtverbrei<\/span><span style=\"transform: scaleX(0.953965);\">tungsvertrages).<\/span><\/p>\n<p>Wie eklatant und strukturell die sicherheitspolitischen Interessen auseinandergehen, manifestiert sich in der systematischen Demontage der v\u00f6lkerrechtlichen Absicherungen des Friedens in Europa in den vergangenen beiden Jahrzehnten. 2002 zogen sich die USA aus dem Vertrag zur Begrenzung der Raketenabwehr (ABM-Vertrag) zur\u00fcck, um nach und nach ein erweitertes System in Europa aufzubauen. Nachdem sich die NATO-Staaten wegen der ungeregelten Territorialkonflikte in Georgien und Moldau weigerten, die aktualisierte Neuauflage des KSE-Vertrages (Vertrag \u00fcber die Konventionellen Streitkr\u00e4fte in Europa) zu ratifizieren, stieg Russland sukzessive aus dem Vertragsregime aus. Nach der Aufk\u00fcndigung des INF-Vertrages durch die USA und kurz darauf durch Russland, trat das Verbot von landgest\u00fctzten Mittelstreckensystemen 2019 au\u00dfer Kraft. Es folgte die Ank\u00fcndigung der USA, auch aus dem Open Skies-Vertrag auszutreten. All dies l\u00e4sst sich durchaus so interpretieren,dass die USA und Russland v\u00f6lkerrechtlich und r\u00fcstungskontrollpolitisch wieder mehr Handlungsspielraum f\u00fcr die milit\u00e4rische Austragung ihrer Konflikte (auch) in Europa zu gewinnen trachten.<\/p>\n<h2>Abr\u00fcstungspolitischer Befreiungsschlag<\/h2>\n<p>Die Bundesregierung sollte dieser bedrohlichen Entwicklung der Nukleardoktrinen, operativen milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten und des ver\u00e4nderten r\u00fcstungskontrollpolitischen Kontextes Rechnung tragen und den Abzug der Nuklearwaffen veranlassen. Sie bringen Europa keinen Einflussvorteil, sondern versetzen es in eine Gefahrenzone. Statt f\u00fcr die Einheit der NATO stehen sie f\u00fcr gegens\u00e4tzliche sicherheitspolitische Interessen zwischen Europ\u00e4ern und den USA. Zwar gibt es unmittelbar keine Anzeichen f\u00fcr eine nukleare Eskalation, Europa darf sich jedoch aus pr\u00e4ventiven Abw\u00e4gungen heraus nicht weiter zu einem der m\u00f6glichen Austragungsorte nuklearer Stellvertreterkriege machen lassen.<\/p>\n<p>Die Beendigung der nuklearen Teilhabe kann ein erster Schritt sein, damit sich die NATO in Zukunft einer konventionellen Strategie verschreibt. Hierzu geh\u00f6rt mit Blick auf einige osteurop\u00e4ische Staaten noch eine Menge \u00dcberzeugungsarbeit. Die von der Bundesregierung geteilte Auffassung, dass eine Denuklearisierung der milit\u00e4rischen Strategien f\u00fcr Europa ein gemeinsames Sicherheitsinteresse darstellt, kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn Wort und Tat \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<p>Der Abzug der Nuklearwaffen w\u00fcrde zudem die Widerspr\u00fcche der deutschen R\u00fcstungskontroll- und Abr\u00fcstungspolitik aufl\u00f6sen und Deutschland neue Spielr\u00e4ume \u00f6ffnen zur Beteiligung an multilateralen Initiativen wie etwa dem Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen, oder f\u00fcr ein verst\u00e4rktes Engagement zur Reform des Abr\u00fcstungsapparates der Vereinten Nationen. Die Einbindung der Nichtnuklearwaffenstaaten f\u00fcr den Aufbau einer zukunftsf\u00e4higen multilateralen R\u00fcstungskontrollarchitektur wird immer wichtiger, je mehr sich die Nuklearwaffenstaaten ihrer Verantwortung entziehen. Um hier eine treibende Rolle spielen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt Berlin gr\u00f6\u00dfere diplomatische Unabh\u00e4ngigkeit und abr\u00fcstungspolitische Integrit\u00e4t. Diese sind mit der nuklearen Teilhabe nicht gegeben. Denn letztere ist nicht nur mit Blick auf das Nichtverbreitungsregime umstritten. Sie dient heute den USA und mittelbar auch Russland zur politischen Legitimierung und letztlich Festigung des Status quo ihrer nuklearen Dominanz.<\/p>\n<p>Deutschland hat dagegen das n\u00f6tige Ansehen und Vernetzungspotential, um den erforderlichen Wandel voranzutreiben. Um zu verhindern, dass sich die internationale Ordnung unter dem Vorzeichen neuer Machtgef\u00e4lle wieder dem Paradigma der nuklearen Lagerspaltung unterordnet, m\u00fcssten sich die Europ\u00e4er aus den sich abzeichnenden Hegemonialkonflikten heraushalten und alle Anstrengung europ\u00e4ischer Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik auf die St\u00e4rkung des Multilateralimus und der Friedensordnung der Vereinten Nationen konzentrieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4393 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Hach_Spotlight_Cover-1-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/>Download (pdf): <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/publikationen\/publikationssuche\/publikation\/mitgehangen-mitgefangen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hach, Sascha (2020): Mitgehangen, mitgefangen? Argumente, aus der nuklearen Teilhabe auszusteigen, PRIF Spotlight 6\/2020, Frankfurt\/M.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Cover-Spotlight-10_2020.jpg\" width=\"225\" height=\"319\" \/>Der Gegenstandpunkt: Dembinski, Matthias (2020): Entspannungspolitik 2.0: R\u00fcstungskontrolle als der bessere Weg zur Reduzierung atomarer Risiken, PRIF Spotlight 10\/2020, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Hier im <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2020\/08\/26\/entspannungspolitik-2-0-ruestungskontrolle-als-der-bessere-weg-zur-reduzierung-atomarer-risiken\/\">PRIF Blog<\/a> oder zum <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/publikationen\/publikationssuche\/publikation\/entspannungspolitik-20\/\">Download (pdf)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beschaffungspl\u00e4ne eines Nachfolgers f\u00fcr den Tornado-Kampfjet haben eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Debatte um die nukleare Teilhabe in der NATO und die in Deutschland stationierten Nuklearwaffen ausgel\u00f6st. 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