{"id":13263,"date":"2020-04-21T12:38:29","date_gmt":"2020-04-21T10:38:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/mit-der-corona-krise-in-eine-autoritaer-individualistische-zukunft-fuenf-dimensionen-gesellschaftlicher-transformation\/"},"modified":"2020-04-21T12:38:29","modified_gmt":"2020-04-21T10:38:29","slug":"mit-der-corona-krise-in-eine-autoritaer-individualistische-zukunft-fuenf-dimensionen-gesellschaftlicher-transformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2020\/04\/21\/mit-der-corona-krise-in-eine-autoritaer-individualistische-zukunft-fuenf-dimensionen-gesellschaftlicher-transformation\/","title":{"rendered":"Mit der Corona-Krise in eine autorit\u00e4r-individualistische Zukunft? F\u00fcnf Dimensionen gesellschaftlicher Transformation"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Corona-Krise hat Deutschland fest im Griff. Das Alltags- und Berufsleben sind auf den Kopf gestellt und selten war politisch so schnell so viel m\u00f6glich wie in den letzten Wochen. Auch wenn es sich wohl viele w\u00fcnschen, ein Zur\u00fcck zur alten Normalit\u00e4t wird es nicht geben. Die kollektive Erfahrung der Pandemie wird Spuren hinterlassen und die Wirtschaftskrise wird neue Herausforderungen schaffen<\/strong><strong>. Krisen sind Momente der Verunsicherung, aber auch der Produktion von Neuem und der Vertiefung von Bekanntem. Umso wichtiger ist es, sich die aktuellen Tendenzen zu vergegenw\u00e4rtigen. Denn, so richtig und wichtig der Kampf gegen die Pandemie mittels Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens auch ist, dem Regierungshandeln und den erlassenen Restriktionen sind Tendenzen immanent, die mittelfristig die demokratische Gesellschaft bedrohen, soziale Polarisierung vertiefen und Solidarit\u00e4t erodieren. <\/strong><\/p>\n<p>Die Corona-Krise hat Politik und gesellschaftliche Transformation enorm beschleunigt. Seit einem Monat werden auf einem <a href=\"https:\/\/cryptpad.fr\/pad\/#\/2\/pad\/edit\/QARyRXC6QxCL6LDJAFe8c4w-\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Online-Pad<\/a> entsprechende Ereignisse, Debatten und Analysen dokumentiert. Auf der Datengrundlage geht nun die Homepage <a href=\"http:\/\/coronamonitor-projekt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Corona Monitor<\/a> online. Den Start der Seite m\u00f6chte ich f\u00fcr eine erste Bilanz nutzen und f\u00fcr Deutschland f\u00fcnf Prozesse skizzieren. Ich beginne erstens mit postdemokratischen, nationalistischen und autorit\u00e4ren Tendenzen in der Pandemiebek\u00e4mpfung. Zu beobachten ist zudem eine Selektivit\u00e4t der Ma\u00dfnahmen, zum einen sozial und zum anderen, was die Geschlechter angeht. Dies werde ich als zweiten und dritten Punkt diskutieren. Viertens, d\u00fcrfte die Vereinzelung \u2013 trotz der vielen solidarischen Initiativen \u2013 mittelfristig dahingehende Konsequenzen haben, dass ein regressiver Individualismus sowie konservative Familienmodelle erstarken. Und f\u00fcnftens ist es die kommende Wirtschaftskrise sowie der Streit \u00fcber die Verteilung der Kosten zu deren Milderung, die Br\u00fcche in der Gesellschaft mutma\u00dflich weiter vertiefen.<\/p>\n<h2>1. Postdemokratisches Regieren &amp; autorit\u00e4re Tendenzen<\/h2>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen sind bekannt. Auch wenn sie nun <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/coronavirus-einschraenkungen-lockerungen-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sukzessive gelockert werden<\/a>, betroffen sind noch l\u00e4ngerfristig Grundrechte wie \u201e<a href=\"https:\/\/www.zeitschrift-luxemburg.de\/in-der-krise-die-weichen-stellen-die-corona-pandemie-und-die-perspektiven-der-transformation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Religions-, Berufs- und Gewerbefreiheit, die Bewegungs- oder Versammlungsfreiheit<\/a>\u201c. Die soziale Distanzierung ist Gebot der Stunde und dies zurecht. Problematisch jedoch sind zumindest drei Dimensionen: die unreflektierte Macht von Expert*innen, der pr\u00e4sente Nationalismus sowie die Abschottungstendenzen und drittens autorit\u00e4re Elemente innerhalb des staatlichen Agierens und der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Es ist die Stunde der Experten \u2013 und ja, es sind meist M\u00e4nner. Die Entscheidungen der letzten Wochen wurden zwar transparent in einer gro\u00dfen F\u00fclle an Ansprachen und Pressekonferenzen kommuniziert, politisch begr\u00fcndet wurden sie aber kaum je. Gehandelt wird stets nach einem Gebot der Stunde, die einzig wirklich sichtbare G\u00fcterabw\u00e4gung findet zwischen Interessen der Wirtschaft und der Leistungsgrenze des Gesundheitswesens statt. Andere m\u00f6gliche Abw\u00e4gungen wie etwa den Schutz des Lebens an sich, Effekte von Isolation oder Stress von Eltern bleiben marginal. \u201e<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/kommentar-die-neue-macht-der-virologen\/25684390.html?ticket=ST-3719017-bcQte7cWAoTnZ07InW9e-ap3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die neue Macht der Virologen<\/a>\u201c titelte das Handelsblatt Ende M\u00e4rz. Auch den Weg aus der Krise soll nun ein <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/bin\/Leopoldina-Corona-Krise_bn-207230477.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ad-hoc Gutachten der Leopoldina<\/a> weisen. Formuliert wurde es von einem Gremium zusammengesetzt <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/kritik-an-leopoldina-empfehlung-das-wohlergehen-der-frauen-wird-nicht-adressiert\/25739444.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aus 24 M\u00e4nnern und zwei Frauen<\/a>, wobei nur zwei der Autor*innen <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2020-04\/kitaschliessung-coronavirus-alleinerziehende-pandemie-lockerung\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">einen Migrationshintergrund<\/a> haben. Zu beobachten ist in gesteigerter Form, was <a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/postdemokratie-colin_crouch_12540.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Colin Crouch<\/a> schon vor einigen Jahren als zentralen Aspekt einer post-demokratischen Ordnung beschrieb: Die Verlagerung von Politik in das quasi unpolitische Feld der Meinungen von Expert*innen. Demokratie werde unterlaufen, indem gesellschaftlicher Streit um Positionen in der Tendenz verunm\u00f6glicht werde. Problematisch ist dabei nicht der Umstand, dass Expert*innen geh\u00f6rt werden, sondern dass Uneinigkeit im Bereich der Wissenschaften selbst auf dem politischen Parkett verkannt wird. So bestehen Differenzen innerhalb der Virologie \u2013 wie dies im \u00dcbrigen <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/id_87639980\/coronavirus-professor-christian-drosten-hat-immer-recht-nein-.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Christian Drosten<\/a>, \u201e<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/panorama\/Virologe-Drosten-ist-die-Stimme-der-Krise-article21647568.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Stimme der Krise<\/a>\u201c, selbst betont \u2013 und noch deutlicher sind sie etwa hinsichtlich der unterst\u00fctzenden Voten der Leopoldina zum grunds\u00e4tzlichen Fortbestand der Schuldenbremse. Die eigentlich politische Entscheidung, n\u00e4mlich die Frage \u201awelche Expert*innen als relevant gelten\u2018, wird weder transparent gemacht noch demokratisch verhandelt.<\/p>\n<p>Was wir aktuell beobachten, ist, so <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/-a7cd\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stefan Lessenich<\/a>, eine post-demokratische Politik \u201edie keine Interessenskonflikte\u201c duldet und \u201edie Einheit der Nation\u201c beschw\u00f6rt. So erstaunt nicht, dass die Ma\u00dfnahmen eine nationalistische Schlagseite haben. In ganz Europa \u2013 und dar\u00fcber hinaus \u2013 sind die Schlagb\u00e4ume zur\u00fcck und freier Personenverkehr, anders als der Warenverkehr, faktisch eingestellt. Dies jedoch ist kein Resultat eines europ\u00e4ischen Entscheides, sondern <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-juncker-kritisiert-grenzschliessungen-innerhalb.1939.de.html?drn:news_id=1121633\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ergebnis nationaler Alleing\u00e4nge<\/a>. Treibende Kr\u00e4fte waren nicht selten Politiker*innen, die seit dem Sommer 2015 Grenzen ohnehin engmaschiger kontrollieren und Migration unterbinden wollten. Es ist nachvollziehbar, dass Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt wird; da das Pandemiegeschehen innerhalb der Staaten aber sehr ungleich voranschreitet, ist jedoch nicht nachvollziehbar warum Bewegungsfreiheit entlang nationaler Grenzen eingeschr\u00e4nkt wird. Noch problematischer ist, dass die Grenzen auch <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/-focus---asylbewerber-werden-an-deutschen-grenzen-wegen-corona-krise-abgewiesen-9200360.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">f\u00fcr Menschen auf der Flucht<\/a> geschlossen sind, auf dem Mittelmeer jegliche amtlichen Aktivit\u00e4ten der <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-juncker-kritisiert-grenzschliessungen-innerhalb.1939.de.html?drn:news_id=1121633\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Seenotrettung eingestellt<\/a> sind und selbst die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/fluechtlinge-2185.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">humanit\u00e4re Aufnahme von Gefl\u00fcchteten<\/a> aus Nicht-EU-Staaten ausgesetzt wurde, w\u00e4hrend <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/wdr\/abschiebung-corona-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abschiebefl\u00fcge<\/a> auch in Corona-Risikogebiete weiter stattfinden. Die Pandemie dient hier offenbar als willkommene Gelegenheit, um den Anfang M\u00e4rz gewachsenen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/konflikte-tuerkei-laesst-zehntausende-migranten-richtung-eu-durch-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200301-99-138810\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Druck auf die europ\u00e4ische Grenze<\/a> in Griechenland national zu beenden. Menschenrechte und das Recht auf Asyl sind in Zeiten von Corona offensichtlich Verhandlungsmasse.<\/p>\n<p>Aber auch im Inneren ist die \u00fcbergeb\u00fchrliche Aussetzung von Grundrechten, die Ausweitung polizeilicher Befugnisse und eine autorit\u00e4re Blockwartmentalit\u00e4t zu beobachten. So sind die Landesverordnungen unn\u00f6tig unpr\u00e4zise formuliert, was den Polizeibeh\u00f6rden ein hohes Ma\u00df an Interpretationsspielraum l\u00e4sst, die diese bisweilen auch nutzen. In vielen Bundesl\u00e4ndern <a href=\"https:\/\/taz.de\/Corona-Bussgeldkatalog\/!5672756\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gelten Bu\u00dfgeldkataloge<\/a>, um Verst\u00f6\u00dfe gegen die Einschr\u00e4nkungen mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohen Strafen zu sanktionieren. Im Extremfall droht gar <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/coronavirus-mann-aus-bamberg-kommt-wegen-mehrerer-corona-partys-ins-gefaengnis-a-829f860e-a236-46fe-b0e8-fdc849dad880\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">polizeilicher Gewahrsam<\/a>. Insgesamt finden die erlassenen Ma\u00dfnahmen, wie <a href=\"https:\/\/coronamonitor.noblogs.org\/umfragen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Umfragen<\/a> verdeutlichen, gro\u00dfe Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung. Es bleibt jedoch nicht bei der blo\u00dfen Zustimmung; B\u00fcrger*innen melden selbst \u201e<a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/buerger-melden-eifrig-verstoesse-gegen-corona-regeln,RuGXp1h\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eifrig Verst\u00f6\u00dfe<\/a>\u201c. Hier wird offenbar, was die Einstellungsforschung als latenten \u201eAutoritarismus\u201c schon seit mehreren Jahren in der Breite der Bev\u00f6lkerung konstatiert. Den Erhebungen von <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2018\/11\/07\/flucht-ins-autoritaere-rechtsextreme-dynamiken-der-mitte-der-gesellschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Oliver Decker und Elmar Br\u00e4hler<\/a> zufolge stimmten schon vor der aktuellen Pandemie 65% der Befragten der Aussage zu, dass \u201eUnruhestifter [..] deutlich zu sp\u00fcren bekommen\u201c sollen, dass sie in der Gesellschaft \u201eunerw\u00fcnscht sind\u201c und etwas mehr als 23% wollen \u201ewichtige Entscheidungen [\u2026] F\u00fchrungspersonen \u00fcberlassen\u201c. In Zeiten des Corona-Krisenmanagements zeigt sich diese \u201eFlucht ins Autorit\u00e4re\u201c st\u00e4rker als zuvor in allen politischen Milieus. Wilhelm Heitmeyer stellt folglich fest: \u201e<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2020-04\/wilhelm-heitmeyer-coronavirus-verschwoerungstheorien-finanzmarkt-rechtsradikalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In der Krise w\u00e4chst das Autorit\u00e4re<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3973\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-1_web-300x197.jpg\" alt=\"Transparent mit dern Aufschrift \u201eHier ist Platz!&quot;\" width=\"548\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-1_web-300x197.jpg 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-1_web-768x504.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 548px) 100vw, 548px\" \/>Seebr\u00fccke Aktionstag 5.4.2020 | <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/tolinke\/49738515771\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Foto: Tonny Linke\/flickr.com<\/a> (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc\/2.0\/\">CC BY-NC 2.0<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/versammlungsfreiheit-in-der-krise\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Besonders schwer<\/a> wiegt der Umstand, dass die verf\u00fcgten Versammlungsverbote <a href=\"https:\/\/lexcorona.de\/doku.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in den meisten L\u00e4ndern<\/a> auch das Demonstrationsrecht betreffen. Mittlerweile besch\u00e4ftigt die Frage die Gerichte mit sehr unterschiedlichem Ausgang. J\u00fcngst <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-grundrechte-bundesverfassungsgericht-kippt.1939.de.html?drn:news_id=1121945\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kippte das Bundesverfassungsgericht<\/a> jedoch ein Demonstrationsverbot in Stuttgart. So oder so, die Auflagen f\u00fcr Demonstrationen sind so eng gehalten, dass wirksame \u00f6ffentliche Willensbekundung faktisch nicht m\u00f6glich ist. Dies zeigte sich deutlich bei bundesweiten Protesten der Seebr\u00fccke-Bewegung am Wochenende vom 4. und 5. April, als Aktivist*innen auf die drohende Corona-Epidemie in den Fl\u00fcchtlingslagern in Griechenland sowie in den Sammelunterk\u00fcnften in Deutschland aufmerksam machten und deren Aufl\u00f6sung forderten.<\/p>\n<p>Die Polizei schritt jeweils rigoros ein. In <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/frankfurt\/polizei-loest-menschenkette-fluechtlingsaktivisten-frankfurt-zr-13641468.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frankfurt am Main etwa, wo ca. 400 Menschen<\/a> unter Einhaltung der Sicherheitsabst\u00e4nde und ausger\u00fcstet mit Atemschutzmasken eine Menschenkette bildeten, wurde die \u201aVersammlung\u2018 bisweilen rabiat von Beamt*innen \u2013 die teilweise keinen<a href=\"https:\/\/twitter.com\/DaenuMullis\/status\/1246831069061668864?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Mundschutz<\/a> trugen \u2013 aufgel\u00f6st. \u00c4hnliche Szenen waren in Berlin, Hamburg und Hannover sowie L\u00fcchow zu beobachten. Selbst Protest-Schilder und Kunstinstallationen wurden von der Polizei <a href=\"https:\/\/taz.de\/Corona-und-Demonstrationsrecht\/!5674623\/?goMobile2=1583712000000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">entfernt<\/a>, bisweilen war nicht einmal das <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Chronik_ge_Re\/status\/1246512793622372358?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tragen von T-Shirts<\/a> mit politischen Botschaften gestattet. W\u00e4hrend diese Proteste zumindest medial Beachtung fanden, ging der von der Stra\u00dfe ins Internet verlagerte europaweite Housing Action Day am 28. M\u00e4rz v\u00f6llig unter: Ohne die einge\u00fcbten Rituale im \u00f6ffentlichen Raum findet Protest offensichtlich kaum medialen Widerhall. Hier w\u00fcrde es an den Presseh\u00e4usern liegen, ihre Aufmerksamkeit st\u00e4rker den Umst\u00e4nden anzupassen, wollen sie nicht den <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/polizei-loest-querfront-demo-in-berlin-auf-li.81530\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">kruden Verschw\u00f6rungsdenker*innen<\/a>, die sich um alle Auflagen scheren, \u00fcberproportional Gewicht geben und letztlich selbst Teil der Erosion von demokratischer Kultur sein.<\/p>\n<h2>2. Die soziale Selektivit\u00e4t der Ma\u00dfnahmen<\/h2>\n<p>In ihrem Video-Podcast vom 14. M\u00e4rz betonte <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/video\/2020-03\/6141606371001\/covid-19-jeder-einzelne-ist-betroffen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Angela Merkel<\/a>, \u201ejeder einzelne Mensch ist betroffen\u201c, weshalb die Bek\u00e4mpfung der Pandemie die Beteiligung aller bed\u00fcrfe. Die Art und Weise des Betroffenseins ist aber <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2020-03\/soziale-ungleichheit-coronavirus-pandemie-versorgung-covid-19\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in hohem Ma\u00dfe ungleich<\/a> und dies hinsichtlich sozialer Lage, was ich nun darlege, und Geschlecht, was ich anschlie\u00dfend diskutiere. Wichtig ist hierbei, dass die nach Ostern beschlossenen Schritte in Richtung Lockerung die soziale Selektivit\u00e4t der Ma\u00dfnahmen eher noch versch\u00e4rfen als mildern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.assoziation-a.de\/dokumente\/Davis_Vogelgrippe.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mike Davis<\/a> verweist in seiner sozialwissenschaftlichen Analyse viraler Pandemien eindr\u00fccklich auf den evidenten Zusammenhang zwischen Krankheit, Wohnverh\u00e4ltnissen, sozialer Lage und ungen\u00fcgender Ern\u00e4hrung. Es sind die ohnehin <a href=\"https:\/\/krautreporter.de\/3288-das-ungleichvirus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">marginalisierten und prekarisierten<\/a> Gruppen in der Gesellschaft, die den <a href=\"https:\/\/www.visualcapitalist.com\/the-front-line-visualizing-the-occupations-with-the-highest-covid-19-risk\/?fbclid=IwAR1PGQgCRm9zB9oTyloJUOfaCuij5ZY9buKisMp9wn9PXD8HYSfS0VKCpew\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Risiken der Pandemie<\/a> am st\u00e4rksten ausgesetzt sind. Dies gilt f\u00fcr Deutschland, noch mehr aber aus globaler Perspektive. Aus Brasilien wird berichtet, dass die Mittel- und Oberschicht das Virus ins Land brachte, die Pandemie insbesondere aber \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/coronakrise-das-virus-trifft-favelas-in-brasilien-a-9859597d-3733-40a8-b370-51ab3caf419e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hausangestellten<\/a> in die Armenvierteln getragen wird. In <a href=\"https:\/\/newyork.cbslocal.com\/2020\/04\/03\/coronavirus-communities-of-color-inequality\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">New York<\/a> sind es die schwarzen Viertel von Queens und der Bronx, wo sich das Virus am st\u00e4rksten ausbreitet und im ganzen Land liegt die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/coronavirus-in-den-usa-afroamerikaner-sind-haerter-betroffen-a-60bfea78-dc87-482d-8fb9-151a50a3ee20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Todesrate<\/a> der schwarzen Bev\u00f6lkerung signifikant \u00fcber dem Durschnitt. In L\u00e4ndern wie <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-686183.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ecuador<\/a>, die von gro\u00dfer sozialer Ungleichheit gepr\u00e4gt und mit schwachen Gesundheitssystemen ausgestattet sind, w\u00fctet die Pandemie fast ungebremst. Eine solche Entwicklung ist in Europa nicht zuletzt in den Fl\u00fcchtlingslagern auf den griechischen Inseln oder auf der <a href=\"https:\/\/balkaninsight.com\/2020\/03\/23\/migrants-in-bosnia-more-vulnerable-to-infection-despite-lockdown\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Balkanroute<\/a> zu bef\u00fcrchten, wo es fundamental an ad\u00e4quatem Schutz und Versorgung mangelt. Aber auch in den Sammelunterk\u00fcnften in Deutschland sind die Maxime von #WirBleibenZuhause und #SocialDistancing nicht umzusetzen. In <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/thueringen\/sued-thueringen\/suhl\/quarantaene-nach-corona-fall-in-fluechtlingsheim-suhl-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Suhl, Th\u00fcringen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/sachsen-anhalt\/magdeburg\/harz\/corona-zast-hungerstreik-halberstadt-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Halberstadt, Sachsen-Anhalt<\/a> wurden Sammelunterk\u00fcnfte bereits unter Quarant\u00e4ne gestellt, in letzterem sind Anfang April aus Protest gegen die Zust\u00e4nde einige Bewohner*innen in den Hungerstreik getreten \u2013 die mediale Fokussierung bleibt dennoch aus.<\/p>\n<p>Zuhause bleiben ist ein Privileg der Oberschicht und der Wissensarbeiter*innen. Die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/2020\/03\/15\/business\/economy\/coronavirus-worker-risk.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">New York Times<\/a> ver\u00f6ffentlichte Zahlen, wonach das einkommensst\u00e4rkste Viertel der Bev\u00f6lkerung zu 61,5% aus dem Home Office arbeiten kann, w\u00e4hrend es im untersten Viertel gerade 9,2% sind. Gem\u00e4\u00df einer Studie der <a href=\"https:\/\/www.akkon-hochschule.de\/files\/akkon\/downloads\/publikationen\/2020-04-02-Zwischenbericht_Akkon_Studie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Akkon Hochschule<\/a> geben in Deutschland 29% an, nun \u201evermehrt oder vollst\u00e4ndig von zu Hause aus\u201c zu arbeiten. So verteilt sich auch das <a href=\"https:\/\/www.visualcapitalist.com\/the-front-line-visualizing-the-occupations-with-the-highest-covid-19-risk\/?fbclid=IwAR1PGQgCRm9zB9oTyloJUOfaCuij5ZY9buKisMp9wn9PXD8HYSfS0VKCpew\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Risiko einer Ansteckung sozial selektiv<\/a>. Das h\u00f6chste Risiko liegt bei Pflegekr\u00e4ften und Angestellten im Bildungssektor, bei Sicherheitsbeh\u00f6rden, Logistik- und Lieferdienstarbeiter*innen sowie bei Angestellten von Superm\u00e4rkten. Anstatt den Schutz der Menschen in diesen Sparten zu erh\u00f6hen, wurden in strategisch relevanten Sektoren <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/ticker\/Pflege-TUV-wird-wegen-Corona-Krise-ausgesetzt-article21655060.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Qualit\u00e4tsstandards aufgeweicht<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1135340.hubertus-heil-ausgequetscht-wie-zitronen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Arbeitszeitenregelungen<\/a> gelockert \u2013 hier drohen Menschen \u00fcber ihre Belastungsgrenzen hinaus gefordert zu werden.<\/p>\n<p>Aber nicht nur das Risiko zur Infektion ist sozial ungleich, sondern auch die Belastungen der Kontaktsperre und Schulschlie\u00dfungen. Wer zu f\u00fcnft mit Kindern in einer Zweiraumwohnung ohne Balkon und Garten wohnt, was in den Gro\u00dfst\u00e4dten des Landes auf Grund der Krise des Wohnungssektors keine Seltenheit ist, kann faktisch nicht dauerhaft zuhause bleiben. Lernen und Arbeiten sind ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, zudem fehlt es nicht selten an der digitalen Infrastruktur, um die schulischen Onlineangebote zu nutzen. Gerade f\u00fcr Kinder aus weniger privilegierten Familien steht damit langfristig der schulische Erfolg, der \u00dcbertritt in das Gymnasium oder der Einstieg ins Berufsleben auf dem Spiel. Der Stillstand der Wirtschaft tr\u00e4gt seinen Teil zur Vertiefung der Ungleichheit bei. Prim\u00e4r die Scheinselbstst\u00e4ndigen, Leiharbeiter*innen und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/schwarzarbeiter-und-corona-reportage-ueber-tageloehner-in-gefahr-a-44e141af-6ccd-436a-8220-f3cced1513fc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">undokumentierten Arbeiter*innen im Bausektor<\/a> stehen nun ohne Arbeit da. Hart trifft es auch Menschen, die in m\u00fchsamer Arbeit Kleingewerbe aufgebaut haben und nun von Insolvenz bedroht sind. Wenn auch die Bundesregierung in <a href=\"https:\/\/twitter.com\/BMAS_Bund\/status\/1244641747155779585?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Social-Media-Kampagnen<\/a> verspricht, allen zu helfen, verdeutlicht doch die Bildauswahl, <em>wer<\/em> alle ist: wei\u00df, verheiratet, blond, Familie, Mittelstand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.bmas.de\/DE\/Schwerpunkte\/Informationen-Corona\/informationen-corona.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3975\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-2-297x300.jpg\" alt=\"Kampagne des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales. Die Grafik zeigt Eltern mit Kind.\" width=\"390\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-2-297x300.jpg 297w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-2-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-2-60x60.jpg 60w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-2.jpg 540w\" sizes=\"(max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/a><br \/>\nSocial-Media-Kampagne des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales | Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bmas.de\/DE\/Schwerpunkte\/Informationen-Corona\/informationen-corona.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bmas.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die neuen Vorgaben vom 15. April versch\u00e4rfen diese soziale Ungleichheit zus\u00e4tzlich, wenn nun gerade im Billiglohnsegment mehr Pr\u00e4senzpflicht eingefordert wird. Ohne Absicherung trifft die Pandemie auch Wohnungslose: \u201e<a href=\"https:\/\/taz.de\/Obachlosigkeit-in-Corona-Krise\/!5672464\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kaum noch Spenden, Tafeln dicht, Angst vor Ansteckung in engen Notunterk\u00fcnften<\/a>\u201c. Hinzu kommt die gesteigerte Exponiertheit im \u00f6ffentlichen Raum, was ein Mehr an polizeilichen Kontrollen mit sich bringt. Nur langsam werden die leeren Hotels f\u00fcr Menschen ohne Obdach ge\u00f6ffnet. Von einer gesteigerten Bedrohungslage berichten aber auch People of Colour. In den leeren Stra\u00dfen mangle es an Schutz vor rassistischen \u00dcbergriffen durch die \u00d6ffentlichkeit. Insbesondere zugenommen h\u00e4tten Anfeindungen gegen vermeintlich asiatisch aussehende Menschen. Alarm schl\u00e4gt auch der <a href=\"https:\/\/sinti-roma-hessen.de\/?p=3563\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hessische Landesverband des Verbandes deutscher Sinti &amp; Roma<\/a>. Die Lage in Europa sei ernst und spitze sich zu. Dis strukturelle Dimension von Rassismus und sozialer Ausgrenzung wirken in der Corona-Krise t\u00f6dlich; hinzukommen die rassistischen Ressentiments und die beruflichen Mehrbelastungen.<\/p>\n<h2>3. Die Geschlechterpolarisierung<\/h2>\n<p>Neben der sozialen Selektivit\u00e4t ist der Corona-Krise aber auch ein selektives Betroffensein der Geschlechter eingeschrieben. Schon in \u201anormalen\u2018 Zeiten leisten Frauen in Deutschland, gem\u00e4\u00df einer Studie von <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/2020_oxfam_ungleichheit_studie_deutsch_schatten-der-profite.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Oxfam<\/a>, 52% bzw. 1,5 Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit pro Tag als M\u00e4nner. Rund 80% der Haushalts-, F\u00fcrsorge- und Pflegearbeiten <a href=\"https:\/\/editionf.com\/warum-die-corona-krise-ein-feministisches-thema-ist\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wird von Frauen geleistet<\/a>. Aber auch in den Pflegeberufen, Grundschulen und Kinderbetreuungseinrichtungen arbeiten vor allem Frauen. In Krankenh\u00e4usern sind gem\u00e4\u00df des <a href=\"https:\/\/www-genesis.destatis.de\/genesis\/online?sequenz=tabelleErgebnis&amp;selectionname=23621-0001&amp;zeitscheiben=10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">statistischen Bundesamtes<\/a> \u00fcber 75% des Personals weiblich, in der ambulanten Pflege \u00fcber 80%. Gleichzeitig erfahren gerade diese systemrelevanten Berufe, so <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.743872.de\/publikationen\/diw_aktuell\/2020_0028\/systemrelevant_und_dennoch_kaum_anerkannt__das_lohn-_und_prestigeniveau_unverzicxhtbarer_berufe_in_zeiten_von_corona.html?fbclid=IwAR2qAoTBpvX8K_YFOoNJlHwCj8BNheqLJtAG8bBFsrgMeOsaoeRHOjjoONI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Josefine Koebe et al.<\/a>, wenig gesellschaftliche Wertsch\u00e4tzung und sind unterdurchschnittlich bezahlt. Der gesteigerte betriebswirtschaftliche Druck auf das Gesundheitswesen seit Ende der 1990er Jahre versch\u00e4rft die Situation zus\u00e4tzlich, so <a href=\"https:\/\/de.labournet.tv\/die-oekonomisierung-des-gesundheitswesens?fbclid=IwAR3zmvm8l-e_9m_rc4TZSmSYqfWRcd4g2j27K3pwP5GKW_6KfdV1qyEPJ9c\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kalle Kunkel<\/a> von ver.di. Angesichts der Lage ist es verst\u00e4ndlich, dass der \u00f6ffentliche Dank und die zugesagten <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/111771\/Pflegekraefte-sollen-1-500-Euro-Praemie-bekommen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sonderzahlungen<\/a> an die \u201eHelden\u201c zwar wohlwollend aufgenommen, die <a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/jens-spahn-corona-krise-gemeinsamer-aufruf-von-pflegefachkr%C3%A4ften-an-jens-spahn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">unzufriedenen Stimmen<\/a> aber lauter werden: \u201e<a href=\"https:\/\/www.focus.de\/gesundheit\/news\/corona-krise-pflegekraefte-frustriert-wir-brauchen-keine-klatscherei-wir-brauchen-4000-euro-brutto_id_11798600.html?utm_source=facebook&amp;utm_medium=social&amp;utm_campaign=facebook-focus-online-panorama&amp;fbc=facebook-focus-online-panorama&amp;ts=202003212054&amp;cid=21032020&amp;fbclid=IwAR2f3Bd0v4uKpqZUZFg7twx0LRbT2mxV8uHt3UCV49qsTJa1jWj3iQh7-4Q\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wir brauchen keine Klatscherei, wir brauchen 4.000 Euro brutto!<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Werden die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr\/corona-aerzte-pflegekraefte-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erh\u00f6hten Infektionszahlen<\/a> in den Branchen der Sorgearbeit in Rechnung gestellt, wird deutlich, dass die Pandemie an sich Frauen st\u00e4rker bedroht. Die Krise ist aber auch hinsichtlich der Rollenteilung zuhause eine weibliche und auch hier versch\u00e4rfen die j\u00fcngsten Neuregelungen die Situation. Es sind <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/leben\/corona-systemrelevant-care-arbeit-1.4852560\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">meist Frauen<\/a>, die zuhause die Kinderbetreuung, Aufgabenhilfe und den Haushalt vollumf\u00e4nglich auffangen und nicht selten mit Home Office vereinen m\u00fcssen. Die sukzessive \u00d6ffnung der Gesch\u00e4fte ohne aber ein Angebot f\u00fcr Kinderbetreuung zu machen, f\u00fchrt zu unhaltbaren Zust\u00e4nden, der Gef\u00e4hrdung von Risikogruppen sowie zur Steigerung von Kontakten: denn, wer anders als Gro\u00dfeltern und Bekannte mit Kindern, soll nun in die Betreuung einspringen? F\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/schule\/2020-04\/oeffnung-kitas-coronavirus-familien-kinder-betreuung\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mareike Kunter<\/a>, die sich zusammen mit 43 Wissenschaftlerinnen gegen den einsilbigen Vorschlag des Leopoldina Gutachtens wendet , Kitas bis nach den Sommerferien geschlossen zu halten, wird eines deutlich: \u201eIn s\u00e4mtlichen Ma\u00dfnahmen, die gerade \u00fcberlegt und angek\u00fcndigt werden, fehlt der Blick auf die Familien mit j\u00fcngeren Kindern.\u201c<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass f\u00fcr Frauen und Kinder zuhause allzu oft kein sicherer Ort ist. Wie <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/international\/archive\/2020\/03\/feminism-womens-rights-coronavirus-covid19\/608302\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studien<\/a> belegen und wie es <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/coronavirus-massnahmen-in-berlin-kriminalitaet-sinkt-insgesamt-aber-haeusliche-gewalt-nimmt-zu\/25687188.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in Zeiten von Corona auch immer deutlicher wird<\/a>, steigert Quarant\u00e4ne h\u00e4usliche sowie sexuelle Gewalt. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/corona-frankreich-haeusliche-gewalt-hilfe-1.4862729\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In Frankreich<\/a> sind die Fallzahlen zuletzt derart in die H\u00f6he geschossen, dass Frauen nun mit dem Codewort \u201eMaske 19\u201c in Apotheken die Polizei alarmieren k\u00f6nnen und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/corona-frankreich-haeusliche-gewalt-hilfe-1.4862729\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in Superm\u00e4rkten erste Beratungsstellen ge\u00f6ffnet werden<\/a>, da der Gang zum Einkauf teilweise die einzige Chance ist, der h\u00e4uslichen Gefahr zu entgehen. In Deutschland <a href=\"https:\/\/www.autonome-frauenhaeuser-zif.de\/de\/content\/frauenh%C3%A4user-zeiten-der-corona-pandemie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">schlagen Frauenh\u00e4user Alarm<\/a> und berichteten bereits vor Wochen von <a href=\"https:\/\/www.hessenschau.de\/gesellschaft\/corona-pandemie-mehr-haeusliche-gewalt-gegen-frauen-befuerchtet,gewalt-an-frauen-corona-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gestiegenen Zahlen<\/a> und unzureichenden Kapazit\u00e4ten in den Schutzeinrichtungen.<\/p>\n<h2>4. Neue Solidarit\u00e4ten, aber vor allem Vereinzelung<\/h2>\n<p>Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier appellierte in seiner <a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2020\/04\/200411-TV-Ansprache-Corona-Ostern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Osteransprache<\/a> an die Solidarit\u00e4t, die nun alle erfahren w\u00fcrden. Bereits am <a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Frank-Walter-Steinmeier\/Reden\/2020\/03\/200316-Videobotschaft-Coronakrise.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">16. M\u00e4rz<\/a> betonte er: \u201eWir haben es in der Hand, ob Solidarit\u00e4t nach innen und au\u00dfen die Oberhand gewinnt \u2013 oder aber der Egoismus des Jeder-f\u00fcr-sich.\u201c In der Tat finden sich dieser Tage eine Vielzahl solidarischer Initiativen von Kirchen, Unternehmen und sozialen Bewegungen. Unterst\u00fctzt werden Menschen, die auf Grund ihrer h\u00f6heren Gef\u00e4hrdung ihren Besorgungen nicht nachkommen k\u00f6nnen. Dabei gilt, dass \u201e<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/wissen\/netzwerke-lebens-13640296.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Distanz halten eine Weise des F\u00fcreinander-Daseins sein<\/a>\u201c darstelle. Diese Initiativen sind zweifelsohne erstaunlich, weil an einzelnen Punkten etabliertes <a href=\"https:\/\/www.op-online.de\/offenbach\/corona-krise-offenbach-solidarisch-trotz-corona-unterstuetzt-nachbarn-13642575.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Misstrauen \u00fcberwunden<\/a> wird und Menschen zusammenkommen, was bleibende Erfahrungen stiftet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3976\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-5_web-300x214.jpg\" alt=\"Flyer f\u00fcr ein Solidarit\u00e4tsprojekt in Corona-Zeiten.\" width=\"529\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-5_web-300x214.jpg 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-5_web-1024x729.jpg 1024w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-5_web-768x547.jpg 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-5_web.jpg 1114w\" sizes=\"(max-width: 529px) 100vw, 529px\" \/><br \/>\nWerbeplakat f\u00fcr solidarische Initiative in Frankfurt am Main | Foto: Daniel Mullis<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn auch an der einen oder anderen Stelle aus den Initiativen langfristig neue gesellschaftliche Bande entstehen k\u00f6nnen, ist insgesamt aber Skepsis \u00fcber den transformativen Gehalt dieser Praxen angebracht. Dies auf Grund immanenter Restriktionen, aber auch weil die vereinzelnden Mechanismen der Krisenbearbeitung mittelfristig den neoliberalen und regressiven Individualismus bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die Initiativen selbst kommen in Zeiten von Corona an ihre Grenzen, da die Praxis zwangsl\u00e4ufig von Distanz gepr\u00e4gt ist und die sonst im Prozess der Solidarit\u00e4t gebotene Einbindung der Unterst\u00fctzten in die Struktur der Unterst\u00fctzenden kaum m\u00f6glich ist. In der Tendenz bleibt die Hilfe eine Einbahnstra\u00dfe. Im Kern ist Solidarit\u00e4t wohl gar der falsche Begriff f\u00fcr die Initiativen, es handelt sich eher um Wohlt\u00e4tigkeit. Das ist nicht falsch, aber eine produktive Konfrontation zwischen den Menschen findet nicht statt. <a href=\"https:\/\/kritisch-lesen.de\/interview\/wohltatigkeit-ist-das-ersaufen-des-rechts-im-mistloch-der-gnade\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thomas Gebauer<\/a>, langj\u00e4hriger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von medico international, brachte es im Januar diesen Jahres in einem Interview auf den Punkt: \u201eWenn es darum geht, Not und Unm\u00fcndigkeit nachhaltig zu \u00fcberwinden, dann hilft pure Wohlt\u00e4tigkeit nicht weiter. Wenn wir am Ziel der Schaffung sozialer Gerechtigkeit festhalten wollen, bedarf es auch der politischen Intervention.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Vereinzelung der Menschen darf in ihrer langfristigen transformativen Wirkung nicht vernachl\u00e4ssigt werden. In <a href=\"https:\/\/www.akkon-hochschule.de\/files\/akkon\/downloads\/publikationen\/2020-04-02-Zwischenbericht_Akkon_Studie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutschland geben rund 70% der Menschen<\/a> an, verunsichert zu sein. Auch soziale Standards der Interaktion mit anderen Menschen haben sich rapide ver\u00e4ndert. \u00dcber 90% geben anderen nicht mehr die Hand, private Treffen vermeiden rund drei Viertel und ca. die H\u00e4lfte meidet \u00f6ffentliche Verkehrsmittel. Die immer noch umstrittene, aber wohl kommende Einf\u00fchrung der Gesichtsmasken ist gem\u00e4\u00df RKI nicht nur ein medizinisches Gebot, sondern soll \u201e<a href=\"https:\/\/www.rki.de\/SharedDocs\/FAQ\/NCOV2019\/FAQ_Mund_Nasen_Schutz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">das Bewusstsein f\u00fcr \u201aphysical distancing\u2018 und gesundheitsbewusstes Verhalten unterst\u00fctzen<\/a>\u201c. Gewohnte Alltagsrhythmen sowie soziale Kontakte sind ausgesetzt. Menschen werden in der Krise in der ultima ratio auf sich alleine gestellt. Im Extremfall sterben die Menschen alleine, ohne Begleitung ihrer N\u00e4chsten. Diese Isolation betrifft alle, wiegt aber f\u00fcr Alleinerziehende, Kleinkinder, Menschen mit Behinderung, \u00e4ltere Menschen und Singlehaushalte besonders schwer. Je l\u00e4nger der Stillstand dauert, desto gr\u00f6\u00dfer wird das Risiko f\u00fcr psychische Folgeerkrankungen, so eine <a href=\"https:\/\/m.tagesspiegel.de\/politik\/isolationsmuedigkeit-in-coronavirus-krise-innenministerium-befuerchtet-verrohung-der-gesellschaft\/25732632.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.fr.de%2Fpanorama%2Fcoronavirus-deutschland-covid-19-angela-merkel-keine-rueckkehr-normalitaet-zr-13634697.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie des Innenministeriums<\/a>, die gar von einer \u201eVerrohung von Gesellschaft\u201c warnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3977\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-3-300x217.jpg\" alt=\"Drei M\u00e4nner sitzen mit Abstand auf Parkb\u00e4nken.\" width=\"550\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-3-300x217.jpg 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-3-1024x740.jpg 1024w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-3-768x555.jpg 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-3-1536x1110.jpg 1536w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild-3-2048x1480.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><br \/>\nMittagspause in Zeiten von Corona | Foto: Daniel Mullis<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohin nun, Solidarit\u00e4t oder Egoismus? Eine erste Antwort liefert <a href=\"https:\/\/www.akkon-hochschule.de\/files\/akkon\/downloads\/publikationen\/2020-04-02-Zwischenbericht_Akkon_Studie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Befragung zur Wahrnehmung<\/a>. Der Anteil der Menschen, die in der Krise ein Mehr an egoistischem Handeln erkennt, liegt bei ca. 50%, w\u00e4hrend lediglich ein Drittel verst\u00e4rkt kooperatives Verhalten beobachtet. Wer Recht hat, ist zweitrangig. Die Wahrnehmung selbst hat wahrheitsbildenden Charakter und wirkt performativ. Verhaltensweisen werden verinnerlicht, Deutungen fixiert, und es ist zu erwarten, dass sich einige Praxen des Distanzhaltens in der Gesellschaft festsetzen werden. Dies nicht zuletzt, weil die gegenw\u00e4rtige Vereinzelung auf eine Gesellschaft trifft, die autorit\u00e4re, konkurrenzorientierte und individualistische Maxime bereits verinnerlicht hat, in der traditionelle Sozialbeziehungen, Familien und lokale Gemeinschaften schon l\u00e4nger an Bedeutung verloren haben. F\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.diegrosseregression.de\/entzivilisierung-ueber-regressive-tendenzen-in-westlichen-gesellschaften\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Oliver Nachtwey<\/a> hat \u201edie nachlassende Bedeutung der Gemeinschaft und der intermedi\u00e4ren Assoziationen zur Folge, dass das Individuum angesichts gesellschaftlicher Zw\u00e4nge und Wandlungsprozesse h\u00e4ufig auf sich allein gestellt ist.\u201c Im kontempor\u00e4ren Individualismus geht es <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/fileadmin\/HSFK\/hsfk_downloads\/PRIF0519.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">l\u00e4ngst nicht mehr um gesellschaftliche Freiheiten<\/a>, die gegen einen starken Staat kollektiv als Einzelne in Stellung gebracht werden, sondern prim\u00e4r darum, erfolgreich an dem eigenen Gl\u00fcck zu arbeiten. In der Mittestudie von <a href=\"https:\/\/www.fes.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=40928&amp;token=04be4a700d52812b4645874741ba3fde5f381a9a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Andreas Zick et al.<\/a> 2016 wird explizit auf den Zusammenhang solch eines \u201emarktf\u00f6rmigen Extremismus\u201c mit dem Erstarken der Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) hingewiesen.<\/p>\n<p>In der aktuellen Krise resultiert dieser wettbewerbsorientierte Individualismus in seiner radikalsten Form in der Forderung, der Wirtschaft den Vorrang vor dem Leben zu geben. Selten geschieht dies so offen wie im Falle des <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/coronavirus-texanischer-gouverneur-fordert-grosseltern-auf-fuer-ihre-enkel-zu-sterben-a-5d7724af-e3d8-4ba0-a561-ecb8af0f402d\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Texanischen Vize-Gouverneurs<\/a>, der betonte, dass alle Opfer erbringen m\u00fcssten, notfalls gar das eigene Leben. Aber solche Tendenzen finden sich auch hierzulande, wenn etwa beruhigend ins Feld gef\u00fchrt wird, dass vor allem Alte und Menschen mit Vorerkrankungen sterben. Wirtschaftlich induziert, wird eine Trennung zwischen n\u00fctzlichem und unn\u00fctzlichem Leben eingezogen, womit das Leben <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/video\/nzz-standpunkte\/die-schweiz-im-wuergegriff-von-corona-ld.1549929?mktcid=smsh&amp;mktcval=Twitter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wirtschaftlichen Maximen<\/a> unterworfen wird. Die Corona-Krise droht daher, bereits bestehende Prozesse der konkurrenzorientierten Individualisierung zu verst\u00e4rken und das Misstrauen gegen\u00fcber Kollektivit\u00e4t weiter zu erh\u00f6hen. Verst\u00e4rkt wird dies auch dadurch, dass die Kleinfamilie zum sicheren Hafen vor Corona stilisiert wird, was <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/dmehler\/sich-organisieren-um-zu-ueberleben\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">konservative Modelle der Normalfamilie privilegiert<\/a>. Wenn auch die <a href=\"https:\/\/www.infratest-dimap.de\/umfragen-analysen\/bundesweit\/sonntagsfrage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AfD auf dem Abschwung<\/a> ist, hei\u00dft dies noch lange nicht, dass regressive Tendenzen, autorit\u00e4re W\u00fcnsche und rassistische Ressentiments verschwunden w\u00e4ren; es hei\u00dft lediglich, dass Teile der W\u00e4hler*innenschaft ihre W\u00fcnsche nach einer solchen Lebensf\u00fchrung wieder bei CDU\/CSU oder SPD erf\u00fcllt sehen. Der Verbreitung autorit\u00e4rer, rassistischer und anti-demokratischer Einstellungen tut dies keinen Abbruch.<\/p>\n<h2>5. Wirtschaftskrise im Anmarsch<\/h2>\n<p>Es gilt zu vergegenw\u00e4rtigen, dass die Pandemie erst der Anfang des Ungemachs ist und die wirtschaftlichen Konsequenzen des Stillstandes dramatisch ausfallen (werden). Die Direktorin des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, spricht von einer \u201eKrise wie keiner anderen\u201c und \u201eeiner dunklen Stunde der Menschheit\u201c. Weltweit <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/prognose-des-iwf-weltwirtschaft-koennte-um-drei-prozent-schrumpfen\/25739638.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">droht 2020 gem\u00e4\u00df IWF<\/a> ein Einbruch der Wirtschaft von rund 3% und dies auch nur, wenn die Pandemie sich nicht noch lange hinzieht. Gem\u00e4\u00df des Anfang April ver\u00f6ffentlichten Fr\u00fchlingsgutachtens \u201e<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-fruehjahrsgutachten-forscher-erwarten-wegen.1939.de.html?drn:news_id=1118830\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">f\u00fchrender deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute<\/a>\u201c wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland dieses Jahr um 4,2% schrumpfen und die Arbeitslosenquote auf knapp 6% steigen. Regional d\u00fcrfte dies jedoch sehr unterschiedlich sein und schon jetzt zeigt sich, dass der <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/wirtschaft\/inland\/coronakrise-trifft-ostfirmen-staerker-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Osten des Landes st\u00e4rker betroffen<\/a> ist als die alten Bundesl\u00e4nder. Gem\u00e4\u00df des Gutachtens wird die Wirtschaft bereits 2021 wieder um 5,8% wachsen und Deutschland alsbald das Vor-Corona-Niveau erreichen.<\/p>\n<p>An dieser mittelfristig optimistischen Einsch\u00e4tzung sind jedoch Zweifel angebracht. Zum einen befinden wir uns in einer weltweit im hohen Ma\u00dfe kontingenten Situation \u2013 viele Variablen sind nicht vorherzusagen \u2013 und zum andern gilt, dass ohne Impfstoff oder effektive Medikation die Pandemie global immer wieder aufflammen und f\u00fcr Unterbrechungen sorgen kann. Der internationale Handel d\u00fcrfte laut Welthandelsorganisation (<a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/news_e\/pres20_e\/pr855_e.htm\">WTO<\/a>) alleine in diesem Jahr zwischen 13% und 32% einbrechen und sich wohl nur langsam erholen. Lieferketten, internationale Wirtschaft und Exportvolumen bleiben auf l\u00e4ngere Zeit unberechenbar. Zur Erinnerung: Die spanische Grippe trat zwischen 1918 und 1920 in drei gro\u00dfen Wellen auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3978\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild4-300x207.png\" alt=\"\" width=\"538\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild4-300x207.png 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild4-768x529.png 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild4.png 1000w\" sizes=\"(max-width: 538px) 100vw, 538px\" \/><br \/>\nWelthandel in der Krise, Szenarien der WTO | Quelle: <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/news_e\/pres20_e\/pr855_e.htm\">wto.org<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lang ausgedehnte Krisen, Massenarbeitslosigkeit und schwindende Perspektiven haben gravierende Auswirkungen auf eine Gesellschaft, dies zeigt etwa die <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/35097406\/2017_Krisenproteste_in_Athen_und_Frankfurt._Raumproduktionen_der_Politik_zwischen_Hegemonie_und_Moment._M%C3%BCnster_Westf%C3%A4lisches_Dampfboot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Entwicklung in Griechenland<\/a> oder Spanien in den Jahren der europ\u00e4ischen Schuldenkrise nach 2010: Verarmung, Obdachlosigkeit, Entsicherung, verlorene Tr\u00e4ume, Resignation, steigende Suizidraten und politische Verwerfungen. Gerade f\u00fcr die L\u00e4nder des europ\u00e4ischen S\u00fcdens gilt, dass sie seit 2010 nie wirklich aus dem Krisenmodus herausgekommen sind und die aktuelle Pandemie Gesellschaften trifft, die durch jahrelange <a href=\"https:\/\/hcommons.org\/deposits\/download\/hc:29376\/CONTENT\/938-stuetzle.pdf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Austerit\u00e4tspolitik<\/a> angeschlagen sind. So ist auch die aus Br\u00fcssel vorgegebene Haushalts- und Sparpolitik mitverantwortlich f\u00fcr Einsparungen im Gesundheitssektor. In der Folge fehlt es heute insbesondere in<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/austeritaet-ist-toedlich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Griechenland, Italien und Spanien<\/a> in den Gesundheitssystemen strukturell an Kapazit\u00e4ten, um der Corona-Krise zu begegnen.<\/p>\n<p>Um der Wirtschaftskrise in Deutschland vorerst entgegenzuwirken und soziale H\u00e4rten abzufangen, wurde in gro\u00dfer Einigkeit die in der Verfassung verankerte Schuldenbremse ausgesetzt und einer Neuverschuldung im Umfang <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2020\/kw13-de-corona-generalaussprache-688948\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">von 156 Milliarden Euro <\/a>zugestimmt. Wenn auch dies vor wenigen Wochen undenkbar schien, bedeutet dies noch keinen Bruch mit der Schuldenbremse und die Politik der Schwarzen Null ist keineswegs Geschichte. <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2020\/kw13-de-corona-infektionsschutz-688952\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gest\u00e4rkt wurde<\/a> im Rahmen der Corona-Gesetzgebung der K\u00fcndigungsschutz im Mietrecht, Antr\u00e4ge auf Hartz IV erleichtert und Familien, die auf Grund der Pandemie Einkommenseinbr\u00fcche hinnehmen m\u00fcssen, finanzielle Unterst\u00fctzung zugesagt. F\u00fcr Unternehmen und Krankenh\u00e4user wurden Sicherungsleistungen in Milliardenh\u00f6he vereinbart. Und das ist l\u00e4ngst nicht alles. In Aussicht gestellt wurden bereits Programme zur langfristigen St\u00fctzung der Wirtschaft und aktuell wird \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-arbeitsminister-heil-stellt-wegen-coronavirus.1939.de.html?drn:news_id=1122021\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Anhebung des Kurzarbeitergelds<\/a> gerungen.<\/p>\n<p>In der EU ist in den Verhandlungen um eine gemeinsame Antwort Solidarit\u00e4t zwar ebenfalls ein gefl\u00fcgeltes Wort, im Kern herrscht aber Uneinigkeit \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/coronakrise-darum-konnten-finanzminister-der-euro-gruppe-sich-nicht-einigen-a-f0e97cd6-cfa7-4d61-9216-2c2e72b14d47\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">das langfristige Vorgehen<\/a>. Gestritten wird dar\u00fcber ob, die EU mittels Eurobonds selbst kollektiv zum Schuldner werden soll, oder ob der 2012 im Zuge der europ\u00e4ischen Schuldenkrise geschaffene Europ\u00e4ische Stabilit\u00e4tsmechanismus (ESM) zum Zuge kommt. Schulden w\u00fcrden dabei weiter staatliche bleiben und im Regelfall Aufnahme von Kapital an Verpflichtungen zu Strukturanpassungen gekoppelt bleiben. <a href=\"https:\/\/www.prokla.de\/index.php\/PROKLA\/issue\/view\/PROKLA166\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wie schon zu Zeiten der europ\u00e4ischen Schuldenkrise<\/a> sind es allen voran Deutschland, \u00d6sterreich, Finnland und die Niederlande, die sich <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/coronakrise-darum-konnten-finanzminister-der-euro-gruppe-sich-nicht-einigen-a-f0e97cd6-cfa7-4d61-9216-2c2e72b14d47\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gegen ein gemeinschaftliches Tragen der Schuld<\/a>en wenden. Die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/coronavirus-eu-finanzminister-einigen-sich-auf-500-milliarden-paket-a-1326eacf-aeb8-4714-a2f5-84ed6373d8d0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Einigung \u00fcber Sofortma\u00dfnahmen vom 9. April <\/a>\u00a0beinhaltet sodann Mittel im Umfang von rund 500 Mrd. Euro. Darunter Hilfen f\u00fcr kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen, ein europ\u00e4isches Kurzarbeit-Programm sowie 240 Milliarden Euro im Rahmen des ESM. Im Gegenzug wurde auf strenge haushaltspolitische Vorgaben f\u00fcr Kredite verzichtet. Beschl\u00fcsse zu langfristigen Ma\u00dfnahmen wurden jedoch vertagt.<\/p>\n<p>Damit ist vorerst das Zerw\u00fcrfnis zwischen Nord- und S\u00fcdeuropa, anders als in den Jahren zwischen 2010 und 2015 zwar ausgeblieben, die L\u00f6sung birgt dennoch Fallstricke. ESM-Schulden bleiben nationale Schulden. Mittelfristig werden damit finanzstarke Staaten auf Grund ihrer besseren F\u00e4higkeit, die Pandemie mit ihren funktionsf\u00e4higeren Gesundheitssystemen einzud\u00e4mmen und die Wirtschaft zu st\u00fctzen, schneller und besser aus der Krise kommen als weniger starke. Die Ungleichheit innerhalb der EU und die Vormacht des europ\u00e4ischen Nordens \u00fcber den S\u00fcden wird weiter vertieft. F\u00fcr die EU bedeutet dies nichts Gutes. Auf globaler Ebene droht letztlich dasselbe Szenario; ein global abgestimmtes Vorgehen ist jedoch noch weniger in Sicht als ein europ\u00e4isches. Kampf gegen die Krise ist letztlich auch das Ringen um Vorherrschaft und politische Ordnung nach der Krise \u2013 wirkliche Solidarit\u00e4t ist seitens der starken Nationen wom\u00f6glich gar nicht erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Aber auch in Deutschland d\u00fcrfte \u00fcber kurz oder lang die Einigkeit der Parteien enden, wenn die Frage, wer f\u00fcr die Krise bezahlt, lauter gestellt wird. Werden die Ausgaben wie in der Finanzkrise faktisch auf die Allgemeinheit \u00fcbertragen, oder wird es diesmal Sonderabgaben auf Verm\u00f6gen geben, wie dies etwa die SPD Co-Vorsitzende <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/coronavirus-krise-spd-chefin-saskia-esken-fordert-vermoegensabgabe-a-0210360b-673b-46a4-bb95-4998e452f1a4?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Saskia Esken<\/a> ins Spiel gebracht hat? Seitens des <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/covid-19-staedte-und-gemeindebund-will-corona-soli.1939.de.html?drn:news_id=1119393\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">St\u00e4dte- und Gemeindebundes<\/a> wird ein \u201eCorona-Soli\u201c vorgeschlagen, w\u00e4hrend aus der CDU Stimmen laut werden, die die <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/plan-fuer-grundrente-unionspolitiker-will-zeitplan.1939.de.html?drn:news_id=1119284\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Einf\u00fchrung der Grundrente in Frage stellen<\/a> oder fordern, \u201eSonderbelastungen\u201c im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz, \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/coronavirus-klimawandel-nachhaltigkeit-1.4873975!amp?__twitter_impression=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die einer Erholung und einer Ankn\u00fcpfung an unsere bisherige St\u00e4rke im Wege stehen<\/a>\u201c, zu \u00fcberpr\u00fcfen. Entschieden ist noch nichts, die Akteur*innen bringen sich aber schon in Stellung und die Auseinandersetzungen werden folgen. F\u00fcr das \u201ewie weiter\u201c in Sachen sozialer Gerechtigkeit und Klimaschutz werden diese Auseinandersetzungen k\u00fcnftig zentral sein.<\/p>\n<h2>Schluss<\/h2>\n<p>Wir stecken mitten in einer Pandemie, aber die Krise ist eine gesellschaftliche. Mike Davis weist eindr\u00fccklich darauf hin, dass Wirkung und Ausbreitung von Pandemien im <a href=\"https:\/\/unhabitat.org\/world-cities-report\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">urbanen Zeitalter <\/a>eng mit gesellschaftlichen Prozessen des Warenaustausches, der Umweltzerst\u00f6rung, Urbanisierung und des Reiseverhaltens zusammenh\u00e4ngen. Sie sind in ihrer kontempor\u00e4ren Form Resultat von auf Kapitalverwertung orientierten Mensch-Natur-Verh\u00e4ltnissen. Die Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen, die Art und Weise des Wirtschaftens an sich sowie das Reiseverhalten betreffen daher nicht nur \u2013 wie Fridays for Future uns allen im letzten Jahr in Erinnerung gerufen hat \u2013 die Klimapolitik, sondern auch, wie wir k\u00fcnftig von Pandemien betroffen sein werden. Eine Verkn\u00fcpfung der Debatten um soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Klimawandel und Gesundheit ist dringend geboten, wollen wir in den kommenden Jahren nicht von einem Krisenmanagement ins n\u00e4chste stolpern.<\/p>\n<p>Im Hier und Jetzt bergen die f\u00fcnf skizzierten Dimensionen erheblich Risiken f\u00fcr eine solche Politik. Es sind autorit\u00e4re Tendenzen auf der Ebene von Staatlichkeit, aber auch je individuelle, die Demokratie belasten. Auch das Aussetzen von Grundrechten f\u00fcr Menschen, die bereits hier leben sowie f\u00fcr Menschen auf der Flucht, stellt grundlegende Normen zur Disposition. Die soziale Polarisierung, die in der Pandemie selbst zum Tragen kommt, droht sich angesichts der massiven Wirtschaftskrise langfristig zu vertiefen, womit bestehende Polarisierungen verst\u00e4rkt werden k\u00f6nnten. Postdemokratie, autorit\u00e4re Staatlichkeit, soziale Ungleichheit und Individualismus sind auch in Deutschland keine neuen Ph\u00e4nomene, aber sie scheinen in der Krise modifiziert und bisweilen beschleunigt zu werden. Eines muss aber klar sein: Zwischen Demokratie und Gesundheit passt kein oder. Der Schutz der Schw\u00e4cheren geh\u00f6rt zur Demokratie, insofern sind die strengen Ma\u00dfgaben angebracht. An manch Stelle, wie dem Demonstrationsverbot, schie\u00dfen die Ma\u00dfnahmen aber \u00fcber das Ziel hinaus; an anderen multiplizieren sie bestehende soziale, rassistische und geschlechterbezogene Ungleichheiten. Gleichzeitig haben legitime Ma\u00dfnahmen, wie die soziale Distanzierung, Folgen f\u00fcr die Menschen. Dass soziale Gerechtigkeit, kollektives Handeln und Demokratie nicht die eigentlichen Opfer der Pandemie und der folgenden Wirtschaftskrise werden, daf\u00fcr gilt es in den kommenden Monaten einzustehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise hat Deutschland fest im Griff. Das Alltags- und Berufsleben sind auf den Kopf gestellt und selten war politisch so schnell so viel m\u00f6glich wie in den letzten Wochen. Auch wenn es sich wohl viele w\u00fcnschen, ein Zur\u00fcck zur alten Normalit\u00e4t wird es nicht geben. Die kollektive Erfahrung der Pandemie wird Spuren hinterlassen und die Wirtschaftskrise wird neue Herausforderungen schaffen. Krisen sind Momente der Verunsicherung, aber auch der Produktion von Neuem und der Vertiefung von Bekanntem. Umso wichtiger ist es, sich die aktuellen Tendenzen zu vergegenw\u00e4rtigen. Denn, so richtig und wichtig der Kampf gegen die Pandemie mittels Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens auch sind, dem Regierungshandeln und den erlassenen Restriktionen sind Tendenzen immanent, die mittelfristig die demokratische Gesellschaft bedrohen, soziale Polarisierung vertiefen und Solidarit\u00e4t erodieren.<\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":10878,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1105,1141],"tags":[1181,1273],"coauthors":[209],"class_list":["post-13263","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-corona-crises","category-deutsch-en","tag-coronavirus","tag-social-justice"],"acf":[],"views":322,"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.1.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Mit der Corona-Krise in eine autorit\u00e4r-individualistische Zukunft? 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