{"id":13455,"date":"2025-05-08T09:29:47","date_gmt":"2025-05-08T07:29:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/80-jahre-nach-1945-umstrittene-erinnerung-und-der-noetige-wertekompass\/"},"modified":"2025-06-06T17:20:31","modified_gmt":"2025-06-06T15:20:31","slug":"80-jahre-nach-1945-umstrittene-erinnerung-und-der-noetige-wertekompass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2025\/05\/08\/80-jahre-nach-1945-umstrittene-erinnerung-und-der-noetige-wertekompass\/","title":{"rendered":"80 Jahre nach 1945: Umstrittene Erinnerung und der n\u00f6tige Wertekompass"},"content":{"rendered":"<p><strong>Acht Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg stehen Erinnerungskultur und -politik vor vielen Herausforderungen: Zeitzeugen werden rar, zumal solche, die 1945 nicht erst Kinder waren. Die Europ\u00e4ische Union und die gewachsene Diversit\u00e4t ihrer Gesellschaften haben die Pluralit\u00e4t von Erinnerung und Geschichtsperspektiven pr\u00e4senter gemacht. Zugleich sind offen geschichtsrevisionistische Akteure zahlreicher geworden, die sich ohne Scham mit nationalsozialistischer Politik, dem faschistischen Italien oder Frankos Spanien identifizieren. Rechtsextreme Parteien sind keine Randerscheinungen mehr. Die Forderung eines \u201eSchlussstrichs\u201c unter den Menschheitsverbrechen, die Nazideutschland begangen hat, findet einer     <\/strong><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/13\/erinnerungskultur-nationalsozialismus-umfrage-rechtsruck-afd\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Umfrage<\/strong><\/a><strong> zufolge in Deutschland erstmals eine Mehrheit \u2013 h\u00f6chste Zeit, \u00fcber die umstrittenen Bedeutungen des 8. Mai zu reden!<\/strong><\/p>\n<h2>Deutsches Gedenken am 8. Mai \u2013 keine Stunde Null<\/h2>\n<p>Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht war der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 in Europa zwar beendet. Trotz der Erleichterung, die das f\u00fcr viele in erster Linie bedeutet hat, unterschieden sich die Beurteilungen und konkreten pers\u00f6nlichen Erfahrungen in Deutschland aber erheblich: Das Kriegsende war sowohl eine Niederlage als auch eine Befreiung vom NS-Regime und dessen immer t\u00f6dlicheren R\u00fcckzugsgefechten. Der deutsche Staat war zusammengebrochen, hatte Gebiete verloren, wurde geteilt. Es begann die Zeit der politischen Neuordnung in Europa. Eine Befreiung im echten Sinne war das Ende der Nazi-Diktatur zun\u00e4chst vor allem f\u00fcr deren Verfolgte, f\u00fcr die Gegner und \u00fcberlebenden Opfer in Konzentrations-, Vernichtungs-, Zwangsarbeits- und Strafgefangenenlagern. F\u00fcr die allermeisten Menschen in Deutschland bedeutete das Kriegsende vor allem Unsicherheit dar\u00fcber, wie es weitergehen w\u00fcrde. Die Gefl\u00fcchteten und Ausgebombten waren um das Notwendigste besorgt, brauchten eine Bleibe und Lebensmittel, versuchten herauszufinden, wo Angeh\u00f6rige waren, wer \u00fcberlebt hatte, und wie man sich wiederfinden k\u00f6nne. Zeitzeugenberichte lassen erkennen, dass die gesch\u00e4ftige Aufmerksamkeit den eigenen Problemen galt \u2013 z. B. als \u201eVertriebene\u201c \u2013 und nicht den Konsequenzen verbrecherischer NS-Politik \u2013 etwa in Gestalt der <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/nachkriegsjahre\/befreiung-und-besatzung\/displaced-persons.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber 10 Millionen <em>Displaced Persons<\/em><\/a>, die sich 1945 in Deutschland befanden: \u201eDie Mehrheit der geschlagenen Deutschen nahm die Abschneidung von Zukunft und Vergangenheit und damit den Sturz in die Zeitlosigkeit aus der Perspektive des erlittenen, aber nicht des zugef\u00fcgten Verlustes wahr\u201c, <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/308182\/der-8-mai-ein-deutscher-feiertag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">res\u00fcmiert der Historiker Martin Sabrow<\/a>.       <\/p>\n<p>In der Bundesrepublik war die Erinnerungskultur zum 8. Mai lange von Schweigen gepr\u00e4gt. 1945 war eben <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/291762\/zwischen-amnesie-und-erinnerungskultur-die-deutschen-und-der-8-mai-1945\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">keine Stunde Null<\/a>, zu der alle Deutschen sich einig gewesen w\u00e4ren, den politischen Neuanfang zu wollen \u2013 einige h\u00e4tten den Krieg durchaus lieber gewonnen. Auch die neue demokratische Verfassung im Westen war nicht durch ein gemeinsames Einstehen f\u00fcr Freiheit und Demokratie errungen worden, sondern schlicht das System, das die westlichen Alliierten einf\u00fchrten; w\u00e4hrend Josef Stalin Ostdeutschland zur sozialistischen Republik machte. So wurde der 8. Mai in den westdeutschen L\u00e4ndern auch lange prim\u00e4r als ein Tag betrachtet, der Zusammenbruch, Vertreibung und Teilung markierte. Zwar lenkte schon der erste Bundespr\u00e4sident, <a href=\"https:\/\/www.theodor-heuss-haus.de\/forschung\/theodor-heuss-archiv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theodor Heuss<\/a>, die Aufmerksamkeit auf die Ambivalenz des verlorenen Krieges, als er 1949 zur Verabschiedung des Grundgesetzes sprach: \u201eIch wei\u00df nicht, ob man das Symbol greifen soll, das in solchem Tag liegen kann. Im Grund genommen bleibt dieser 8. Mai 1945 die tragischste und fragw\u00fcrdigste Paradoxie der Geschichte f\u00fcr jeden von uns. Warum denn? Weil wir erl\u00f6st und vernichtet in einem gewesen sind.\u201c Es war auch Theodor Heuss, der 1949, kurz nachdem Konrad Adenauer daf\u00fcr pl\u00e4diert hatte, sich bei der Aufarbeitung des NS-Unrechts auf die \u201ewirklich Schuldigen\u201c zu konzentrieren, von einer n\u00f6tigen <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/rede-von-theodor-heuss-vom-mut-sich-zu-schaemen-93449958.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kollektivscham<\/a> sprach \u2013 statt von einer Kollektiv<em>schuld <\/em>der Deutschen, die allzu leicht zur\u00fcckgewiesen werden k\u00f6nne. Heuss versuchte, einen Weg aus der Scham zum positiven Engagement f\u00fcr ein Gemeinwesen nach den Verbrechen aufzuzeigen. Zu einer solchen Haltung waren aber wohl wenige Zeitgenoss*innen bereit. Adenauers Politik des Schweigens, die nicht zur\u00fcck, sondern nur nach vorn blickte, fand mehr Anklang: \u201eDas Schweigen war der Kokon, in dem sich die Deutschen erneuern, sprich: demokratisieren sollten\u201c, so <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/der-blick-auf-das-ende-des-zweiten-weltkriegs-den-mai-1945-in-ost-und-west-damals-und-spaeter-tag-der-befreiung-wovon-11-93715822.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aleida Assmann<\/a>.        <\/p>\n<p>Der 8. Mai wurde in der fr\u00fchen Bundesrepublik nicht gro\u00df gefeiert, und Deutungen, die im politischen Neubeginn nach 1945 etwas ausdr\u00fccklich Positives und Befreiendes sahen, kamen in der Bundesrepublik erst in den 1960er Jahren auf; anders als in der DDR, wo der Tag der Kapitulation unter sowjetischer \u00c4gide stets als \u201eTag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus&#8221; \u00f6ffentlich gefeiert wurde und die Rolle der Roten Armee ins Zentrum stellte.<\/p>\n<h2>Perspektivenwechsel im Westen: Selbstkritik statt Selbstmitleid<\/h2>\n<p>In der BRD vollzog sich ein nennenswerter Wandel ab den 1960\/70er Jahren. Erstmals sprach Gustav Heinemann als Bundespr\u00e4sident 1970 \u00f6ffentlich zum 8. Mai, und die darauffolgende Regierungserkl\u00e4rung von Willy Brandt betonte den Tag als Chance zum Neubeginn, zur Schaffung rechtsstaatlicher und demokratischer Verh\u00e4ltnisse. Die Befreiung sah aber auch Brandt (noch) nicht als die vorherrschende Perspektive der Deutschen: \u201eWas in jenen Tagen vor 25 Jahren von unz\u00e4hligen Deutschen neben der pers\u00f6nlichen als nationale Not empfunden wurde, war f\u00fcr andere V\u00f6lker die Befreiung von Fremdherrschaft, Trauer und Angst,\u201c formulierte <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2025\/kw19-de-gedenkstunde-rede-brandt-1062290\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brandt in der Sondersitzung des Bundestages<\/a> am 8. Mai 1970. Erstmals kam in Brandts Rede auch die Rolle des Erinnerns zur Sprache: Ein Volk m\u00fcsse bereit sein, \u201en\u00fcchtern auf seine Geschichte zu blicken; denn nur wer sich daran erinnert, was gewesen ist, erkennt auch, was heute ist, und vermag zu \u00fcberschauen, was morgen sein kann\u201c.   <\/p>\n<p>Einen noch deutlicheren, vielbeachteten Wendepunkt markierte Richard von Weizs\u00e4cker, <a href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Richard-von-Weizsaecker\/Reden\/1985\/05\/19850508_Rede.html?nn=129626\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dessen Rede<\/a> zum 40. Jubil\u00e4um im Plenarsaal des Bundestages den 8. Mai als Tag der Befreiung \u201evon dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft\u201c w\u00fcrdigte. Er verband dabei den 8. Mai so mit der Macht\u00fcbernahme der NSDAP 1933, dass er den Fokus auf die historische Verantwortung der Deutschen f\u00fcr die NS-Erm\u00e4chtigung verlagerte: \u201eWir d\u00fcrfen nicht im Ende des Krieges die Ursache f\u00fcr Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg f\u00fchrte. Wir d\u00fcrfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.\u201c Weizs\u00e4cker stie\u00df auf breite Zustimmung, aber selbst 1985 auch noch auf die Kritik, er mache sich zum Sprachrohr einer von den Siegerm\u00e4chten erzwungenen Sicht auf die j\u00fcngere deutsche Geschichte, so beispielsweise der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1986\/50\/das-laestige-leitbild\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vorwurf des hessischen CDU-Abgeordneten Alfred Dregger<\/a>. Als gr\u00f6\u00dferes Stimmungsbild war 1985 indessen klar, dass Richard von Weizs\u00e4cker zusammenfasste, was in der BRD \u00fcber Zeit, durch Generationswechsel, juristische und historische Aufarbeitung und politischen Streit als Grundkonsens entwickelt worden war: Die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die seit 1949 galt, stand in der Mitte der bundesdeutschen Gesellschaft nicht mehr in Frage. Die politische Bindung an die Westalliierten hatte mit dem europ\u00e4ischen Einigungsprozess eine zus\u00e4tzliche Perspektive bekommen, die nicht mehr zum Jargon von Siegerm\u00e4chten und Besatzern passte.    <\/p>\n<p>Bei der politischen Bildung, in der bundesdeutschen Innen- und in der Au\u00dfenpolitik war die kritische Distanzierung vom NS-Regime bis Mitte der 1980er Jahre die Richtschnur geworden. Die selbstkritische Befassung mit dem Nationalsozialismus, seinen Voraussetzungen und den Funktionsbedingungen dieser konkreten Diktatur l\u00f6ste allerdings weiterhin Kontroversen aus. Der <a href=\"https:\/\/docupedia.de\/zg\/Historikerstreit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Historikerstreit<\/a> der 1980er und die geschichtspolitisch konservativen Mobilisierungen gegen die <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/53181\/der-bildersturm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wehrmachtsausstellung<\/a> in den 1990er Jahren stehen f\u00fcr Streitlinien, die in den \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen eine Art <a href=\"https:\/\/lisa.gerda-henkel-stiftung.de\/historikerstreit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bundesdeutsche \u201aNationalidentit\u00e4t\u2018<\/a> schufen.  <\/p>\n<p>Mit der deutschen Wiedervereinigung traten Kontroversen zur Bewertung des 8. Mai beim staatlichen Gedenken zun\u00e4chst in den Hintergrund. Das wiedervereinigte Deutschland war bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie erstmals am 6. Juni 2004 mit Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der vertreten, um gemeinsam des Auftaktes zur Befreiung Westeuropas von der Nazi-Herrschaft zu gedenken. Die in den letzten Jahren stetig gewachsenen Angriffe rechter Parteien auf diese Sicht der Geschichte zeigen jedoch, dass die Erinnerung weiterhin umstritten ist. Mit seinen \u00c4u\u00dferungen, Hitler und die Nazis seien \u201e<a href=\"https:\/\/afdbundestag.de\/wortlaut-der-umstrittenen-passage-der-rede-von-alexander-gauland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nur ein Vogelschiss in unserer \u00fcber 1000-j\u00e4hrigen Geschichte<\/a>\u201c, und man k\u00f6nne <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2017-09\/afd-alexander-gauland-nazi-zeit-neubewertung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf die Leistungen der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg stolz sein<\/a>, setzte der damalige AfD-Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland gezielt Tabubr\u00fcche ein und verharmloste NS-Verbrechen. Wie er haben sich auch andere Vertreter*innen seiner Partei dagegen ausgesprochen, im 8. Mai einen befreienden Tag f\u00fcr Deutschland zu sehen: Er sei f\u00fcr das deutsche Volk <a href=\"https:\/\/afd-sh.de\/2024\/05\/08\/der-8-mai-kein-grund-zum-feiern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kein Anlass zum Feiern<\/a>.    <\/p>\n<h2>Warum kein Feiertag?<\/h2>\n<p>Die Angriffe auf die Erinnerungskultur zeigen, dass deren Bedeutung als Mittel der Verankerung grundlegender moralischer und politischer Werte quer durch die politischen Lager unstrittig ist. Damit steht umso mehr die Frage im Raum, warum der 8. Mai kein gesetzlicher Feiertag ist. Das \u00f6ffentliche Gedenken zum Kriegsende wird im wiedervereinigten Deutschland seit nunmehr \u00fcber 30 Jahren im Zeichen des Befreiungs-Narrativs begangen. In der DDR war der 8. Mai ein Feiertag, wenn auch nicht durchg\u00e4ngig. Warum wurde er nicht zum gesamtdeutschen Feiertag, an dem die Niederlage Nazi-Deutschlands als Kristallisationspunkt einer erinnerungspolitischen Identifikation gew\u00fcrdigt wird, die in die Zukunft weist?    <\/p>\n<p>Die Auschwitz-\u00dcberlebende <a href=\"https:\/\/www.fluter.de\/feiertag-zum-kriegsende-online-petition\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Esther Bejarano forderte 2020 in einem offenen Brief, den 8. Mai als bundesweiten Feiertag anzuerkennen<\/a> \u2013 wegen seiner symbolischen Bedeutung als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, wie es in vielen L\u00e4ndern bereits \u00fcblich sei. Auch in Deutschland kam Bewegung auf. Zahlreiche Institutionen, Vereine und Einzelpersonen stellten sich hinter die Forderung. 2020 war der 8. Mai in Berlin einmalig Feiertag, aber die Debatte um einen dauerhaften Feiertag ist verhalten geblieben. Die Zur\u00fcckhaltung seitens ostdeutscher L\u00e4nder (wie auch in Ostmittel- und S\u00fcdosteuropa) r\u00fchrt daher, dass der 8. Mai nicht nur f\u00fcr das Ende des Zweiten Weltkriegs steht, sondern ebenso f\u00fcr den Beginn sozialistischer Herrschaft, die sich \u2013 entgegen der offiziellen Lesart \u2013 f\u00fcr viele Menschen nicht mit dem Narrativ der Befreiung verbindet. Das vereinigte Deutschland ist daf\u00fcr ein Brennglas: In der ehemaligen BRD wurde im Wechsel der Generationen die Erinnerung an NS-Zeit und Weltkrieg so mit dem demokratischen Neuanfang verkn\u00fcpft, dass die Perspektive der Niederlage immer weniger relevant wurde. In der sowjetischen Besatzungszone war das Credo zum 8. Mai zwar die Befreiung, die gelebte Erfahrung aber sehr viel pr\u00e4gnanter, besiegt worden zu sein. Die Zuspitzung auf das Kriegsende als Befreiung geht \u00fcber diese vielschichtigen Bedeutungen hinweg und bleibt insofern zumindest ambivalent.       <\/p>\n<p>Die verschiedenen Sinngebungen, Erfahrungskontexte und Widerspr\u00fcche werden nivelliert, wenn nicht auch der Begriff der Befreiung selbst kritisch befragt wird. Die Unterscheidung empirischer und normativer Perspektiven ist daf\u00fcr nur ein Anfang. Esther Bejarano betonte in ihrer Forderung nach dem <a href=\"https:\/\/www.auschwitz-komitee.de\/1147\/offener-brief-an-die-regierenden-und-alle-menschen-die-aus-der-geschichte-lernen-wollen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">8. Mai als Feiertag<\/a>, dass er Gelegenheit g\u00e4be, \u201e\u00fcber die gro\u00dfen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken: \u00dcber Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit \u2013 und Schwesterlichkeit\u201c, mit anderen Worten, den Tag als einen Anlass zur Reflektion \u00fcber Werte und das politische Selbstverst\u00e4ndnis zu nutzen. Diese Anregung ist bislang zu wenig aufgegriffen und weitergedacht worden. Die fortgeschrittene historische Forschung zu Nationalsozialismus und Vernichtungskrieg hat die Vorstellung einer s\u00e4uberlichen Trennung zwischen T\u00e4tern, Opfern, Widerstand und Mitl\u00e4ufertum vielfach durch komplexere Erkenntnisse ersetzt \u2013 ohne dadurch die Diktatur oder ihre menschenfeindliche Politik zu relativieren. Auch f\u00fcr das Erinnern an das Kriegsende ist die Einsicht wichtig, dass ein Wertekompass unabdingbar ist, der sich an gleichen Menschen- und Freiheitsrechten ausrichtet, dass der abstrakte Appell daran aber nicht hinreicht. Somit bleibt immer wieder zu diskutieren, was die Freiheit von Diktatur im Einzelnen und Grundwerte im konkreten Kontext bedeuten.      <\/p>\n<figure id=\"attachment_12014\" aria-describedby=\"caption-attachment-12014\" style=\"width: 1440px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12014 size-full\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/rz1-mitten-unter-uns-kz-katzbach-adlerwerke-frankfurt-kunst-aktion-frankfurt-foto-4.jpg\" alt=\"Eine Reihe B\u00e4ume an denen Zettel angebracht sind. Die meisten Zettel sind gestreift und es stehen Nummern drauf, es erinnert an H\u00e4ftlingskleidung aus den KZs. Auf dem vordersten Papier steht: \"Mitten unter uns waren von August 1944 bis M\u00e4rz 1945 etwa 1600 M\u00e4nner im KZ-Au\u00dfenlager Adlerwerke Interniert. Die meisten von ihnen waren Polen aus dem Warschauer Aufstand. Bis auf wenige wurden sie nach dem Prinzip Vernichtung durch Arbeit get\u00f6tet. Zu ihrem Gedenken sind 1600 Stofbinden an diesen B\u00e4umen angebracht. Ein Projekt der Stadt Frankfurt am Main, realisiert durch Stefanie Grohs 2015. \" width=\"1440\" height=\"1080\"><figcaption id=\"caption-attachment-12014\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"http:\/\/www.mittenunteruns.de\/kuenstlerin\/\">Eine Form konkreter Erinnerungsarbeit im Stadtraum: Die K\u00fcnstlerin Stefanie Grohs erinnerte 2015 mit einer Kunstinstallation im Rahmen des Projekts \u201eMitten Unter Uns\u201c in der Frankfurter Innenstadt an die Opfer des KZ-Au\u00dfenlager Katzbach in den Frankfurter Adlerwerken. <\/a> | Foto: <a href=\"https:\/\/www.stadtkindfrankfurt.de\/mitten-unter-uns-fotos-adlerwerke-kz-katzbach\/\">Roberto Zambotti <\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die deutsche Gesellschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel diverser geworden. Auch deshalb ist die Konkretisierung erinnerungspolitischer Glaubenss\u00e4tze notwendig. Es geht heute weniger darum, f\u00fcr wen der 8. Mai vor 80 Jahren mehr oder weniger Befreiung gebracht hat, sondern um die Selbstaufkl\u00e4rung unserer Gesellschaft im Lichte historischer Wahrheiten. Mit der Schaffung eines gesetzlichen Feiertags, der an die \u201e<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutschlandarchiv\/308182\/der-8-mai-ein-deutscher-feiertag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">befreiende Niederlage<\/a>\u201c von 1945 als Markierung politischer Neuausrichtung erinnert, kann ein Raum geschaffen werden f\u00fcr \u201edie normative wie intellektuelle Herausforderung, das Soziale neu zu denken und sich \u00fcber das politische Selbstverst\u00e4ndnis der Bundesrepublik in einem erweiterten Europa und einer n\u00e4her heranger\u00fcckten Welt auseinanderzusetzen\u201c, wie der <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/pluralitaet-erinnerung-11725049.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Historiker Michael Wildt<\/a> die Chance der Pluralisierung f\u00fcr unsere Erinnerungskultur beschreibt.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Acht Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg stehen Erinnerungskultur und -politik vor vielen Herausforderungen: Zeitzeugen werden rar, zumal solche, die 1945 nicht erst Kinder waren. Die Europ\u00e4ische Union und die gewachsene Diversit\u00e4t ihrer Gesellschaften haben die Pluralit\u00e4t von Erinnerung und Geschichtsperspektiven pr\u00e4senter gemacht. Zugleich sind offen geschichtsrevisionistische Akteure zahlreicher geworden, die sich ohne Scham mit nationalsozialistischer Politik, dem faschistischen Italien oder Frankos Spanien identifizieren. Rechtsextreme Parteien sind keine Randerscheinungen mehr. Die Forderung eines \u201eSchlussstrichs\u201c unter den Menschheitsverbrechen, die Nazideutschland begangen hat, findet einer Umfrage zufolge in Deutschland erstmals eine Mehrheit \u2013 h\u00f6chste Zeit, \u00fcber die umstrittenen Bedeutungen des 8. 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