{"id":13533,"date":"2019-06-21T11:05:09","date_gmt":"2019-06-21T09:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/kein-frieden-ohne-menschenrechte\/"},"modified":"2019-06-21T11:05:09","modified_gmt":"2019-06-21T09:05:09","slug":"kein-frieden-ohne-menschenrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2019\/06\/21\/kein-frieden-ohne-menschenrechte\/","title":{"rendered":"Kein Frieden ohne Menschenrechte. Die Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2018 an \u015eebnem Korur Fincanc\u0131"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 28. November 2018 wurde \u015eebnem Korur Fincanc\u0131 mit dem Hessischen Friedenspreis 2018 der Albert-Osswald-Stiftung ausgezeichnet. Der Preis w\u00fcrdigt die t\u00fcrkische Staatsb\u00fcrgerin und Gerichtsmedizinerin f\u00fcr ihren engagierten Einsatz f\u00fcr die Aufarbeitung von Folter und Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei. Sie ist Mitverfasserin des \u201eIstanbul-Protokolls\u201c, das weltweit als Standardwerk zur Untersuchung und Dokumentation von Folter anerkannt ist. Wir pr\u00e4sentieren Ausz\u00fcge aus den Reden des Pr\u00e4sidenten des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, des hessischen Ministerpr\u00e4sidenten Volker Bouffier, des Laudators Wolfgang Huber sowie der Preistr\u00e4gerin \u015eebnem Korur Fincanc\u0131.<\/strong><\/p>\n<h2>Der Pr\u00e4sident des Hessischen Landtags, Norbert Kartmann, in seiner Rede:<\/h2>\n[\u2026]\nMeine sehr geehrten Damen und Herren, die Preistr\u00e4gerin ist eine Pers\u00f6nlichkeit, die in einer, wie wir wissen, konfliktreichen Region dieser Welt lebt und wirkt [\u2026]. Unsere Preistr\u00e4gerin kommt aus der T\u00fcrkei.\u00a0 Meine Damen und Herren, der Preis zeichnet sich dadurch aus, dass wir durch ihn verpflichtet sind, weltweit Pers\u00f6nlichkeiten zu finden, die sich um den Frieden verdient gemacht haben. [&#8230;] Kriege und innere<br \/>\nKonflikte in L\u00e4ndern sind Ursachen vielf\u00e4ltigster Repressionen gegen Einzelne oder Mehrere; und in diesem Umfeld wachsen Pers\u00f6nlichkeiten wie Frau Prof. Fincanc\u0131 auf, die sich dagegen wehren und ein Beispiel daf\u00fcr sind, wie man \u2013 hierf\u00fcr wird viel Mut gebraucht \u2013 f\u00fcr andere Menschen viel erreicht. Insofern ist das [\u2026] ein Zeichen von Beharrlichkeit, von Mut und von Unbeirrbarkeit in der Verfolgung des Ziels, f\u00fcr andere Gerechtigkeit zu erk\u00e4mpfen. Meine Damen und Herren, wir ehren eine Frau, die mit der Menschenrechtsstiftung der T\u00fcrkei Folter dokumentiert und Folteropfern hilft. Die Protokolle, die sie erstellt hat, sind Beispiel und Grundlage f\u00fcr die weltweite Aufdeckung und \u00c4chtung von Folter durch die UN, die diese auch anerkannt hat. Sehr geehrte Frau Prof. Fincanc\u0131, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich und bedanke mich, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben. Ich hoffe sehr, dass dieser Preis Ihnen sowie denjenigen hilft, die Sie unterst\u00fctzen, ihre Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen. [\u2026]\n<h2>Volker Bouffier, Hessischer Ministerpr\u00e4sident, in seiner Rede:<\/h2>\n[\u2026]\nVerehrte Frau Prof. Fincanc\u0131! Ich darf Ihnen im Namen der Hessischen Landesregierung unsere besten Gl\u00fcckw\u00fcnsche zur Verleihung des Hessischen Friedenspreises \u00fcberbringen. [\u2026] Meine Damen und Herren, es passt in diese Zeit: Am 10. Dezember j\u00e4hrt sich die Deklaration der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen zum 70. Mal. Vor 70 Jahren war dies zum ersten Mal der Versuch, sich supranational zu bekennen und festzulegen, welche Regeln unver\u00e4u\u00dferlich gelten m\u00fcssen \u2013 und zwar \u00fcberall auf der Welt. In Art. 5 dieser Menschenrechtsdeklaration, wenn ich das richtig erinnere, steht auch das Verbot der Folter. Das Verbot der Folter hat viele Begr\u00fcndungen, aber man kann es auch einfach ausdr\u00fccken: Es ist ein Kernst\u00fcck der Achtung der Menschenrechte. Ohne Achtung der Menschenrechte l\u00e4sst sich Frieden weder im Innern noch im \u00c4u\u00dfern auf Dauer erhalten. Deshalb ist das f\u00fcr mich eine Kette. Als elementarer Teil der Menschenrechte und als Verpflichtung aller, diese einzuhalten, ist dies die Grundbedingung, um Frieden zu halten.<\/p>\n<p>Deshalb ist Ihre Arbeit, verehrte Frau Prof. Fincanc\u0131, so wichtig. Sie reihen sich ein in die Reihe der Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger, die diesem gro\u00dfen, dauerhaften Auftrag nicht nur Gen\u00fcge tun, sondern daf\u00fcr in beispielhafter und herausragender Weise arbeiten. Als \u00c4rztin und Gerichtsmedizinerin, als Wissenschaftlerin und Pers\u00f6nlichkeit von internationaler Beachtung haben Sie sich bleibende Verdienste erarbeitet. [\u2026]\nVielleicht ist die bekannteste Publikation in diesem Bereich das sogenannte \u201eIstanbul-Protokoll\u201c, welches ganz wesentlich auf Sie zur\u00fcckgeht. Es ist ein Standardwerk, es ist wahrscheinlich sogar das Standardwerk der Welt zur Erforschung und Dokumentation von Folter. Unter Ihrer F\u00fchrung ist ein breites Kompendium internationaler Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen entstanden, die sich mit diesem Sachverhalt auseinandersetzen; und der Umstand, dass sich nicht zuletzt auch die UN dieses \u201eIstanbul-Protokoll\u201c als Grundlage ihrer Arbeit zu eigen gemacht hat, ist sicherlich ein St\u00fcck weit eine Belohnung dessen, was Sie getan haben, denn es ist weltweit anerkannt, es wird wahrgenommen, es ist eben nicht nur im verborgenen, wissenschaftlichen Bereich verblieben, sondern hat gro\u00dfe Wirkkraft entfaltet.<\/p>\n<p>Diese Arbeit, die Sie mit anderen leisten, braucht [\u2026] Mut. Diejenigen, die die Finger in die Wunde legen, sind selten beliebt, insbesondere dort, wo es um die Menschenrechte nicht gut bestellt ist. [\u2026] Sie sind B\u00fcrgerin eines Landes [\u2026] das uns Sorge bereitet. Wir haben einerseits traditionell enge, freundschaftliche Beziehungen mit der T\u00fcrkei. [\u2026] Auf der anderen Seite haben wir zu beklagen, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus Deutschland und auch aus Hessen nach wie vor inhaftiert sind, ohne dass Anklage erhoben wird und ohne irgendeine M\u00f6glichkeit zu haben, sie zu besuchen. Es sind Verh\u00e4ltnisse, die das, was wir \u00fcberall als unver\u00e4u\u00dferliche Menschenrechte einfordern, zumindest bedroht.<br \/>\nIn diesem Land, das wir mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit und einer gro\u00dfen Grundsympathie versehen, sind eigentlich alle irgendwie in Gefahr, entweder als Terroristen oder als G\u00fclen-Anh\u00e4nger bezeichnet zu werden mit der Folge, dass sie ihre Arbeit von heute auf morgen verlieren, dass sie ins Gef\u00e4ngnis gesteckt werden, dass ihre Angeh\u00f6rigen bedroht werden. Sich in einem solchen Umfeld f\u00fcr Frieden und f\u00fcr die Einhaltung der Menschenrechte zu engagieren bedeutet au\u00dfergew\u00f6hnlichen Mut und Kraft. Deshalb m\u00f6chte ich Ihnen heute zu diesem Preis nicht nur gratulieren, sondern Ihnen auch w\u00fcnschen, dass Sie diese Kraft beibehalten und ihre Arbeit weiterhin in einer sehr schwierigen Situation erfolgreich gestalten \u2013 im Interesse der Opfer und der vielen, die m\u00f6glichst erst gar nicht Opfer werden.<\/p>\n<p>Wenn Sie jemanden in einem Umfeld auszeichnen, wo dies der Staat h\u00e4ufig als Angriff auf seine Staatsautorit\u00e4t versteht, gibt es eine Ambivalenz: International bekannte Pers\u00f6nlichkeiten genie\u00dfen aufgrund ihrer Internationalit\u00e4t Schutz; sie st\u00f6ren manche Regime aber ganz besonders. Deshalb hoffe ich f\u00fcr Sie und f\u00fcr die Arbeit, die Ihnen anvertraut ist, dass dies die jetzige t\u00fcrkische Regierung richtig versteht: Wir wollen uns mit diesem Preis nicht in ein anderes Land einmischen. Wir akzeptieren, dass jedes Land seine Regeln hat, aber wir wollen uns schon einmischen und sagen: \u00dcberall sollen die Menschenrechte gelten! \u2013 Und wir m\u00f6chten uns einmischen und auszeichnen, dass diejenigen, die sich daf\u00fcr einsetzen, egal wo sie leben, unseren Respekt, unsere Hochachtung und unseren Dank verdienen! In diesem Sinne: Seien Sie hier bei uns herzlich willkommen gehei\u00dfen. Ich begl\u00fcckw\u00fcnsche Sie noch einmal zu dieser hohen Auszeichnung. F\u00fcr Sie pers\u00f6nlich und f\u00fcr Ihre Arbeit w\u00fcnsche ich Ihnen von Herzen alles Gute. \u2013 Danke.<\/p>\n<div class=\"su-box su-box-style-default\" id=\"\" style=\"border-color:#b3b3b3;border-radius:3px;\"><div class=\"su-box-title\" style=\"background-color:#e6e6e6;color:#555;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px\">Der Hessische Friedenspreis<\/div><div class=\"su-box-content su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px\">Der Hessische Friedenspreis wurde am 16. Oktober 1993 vom ehemaligen Hessischen Ministerpr\u00e4sidenten Albert Osswald und der von ihm begr\u00fcndeten Stiftung ins Leben gerufen. Er ist mit 25\u2009000 Euro dotiert und wird seit 1994 in der Regel j\u00e4hrlich verliehen. Der Preis wird international vergeben und zeichnet Menschen aus, die sich um die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und um den Frieden verdient gemacht haben. Die Auswahl obliegt dem Kuratorium Hessi\u00adscher Friedenspreis.<\/div><\/div>\n<h2>Der Laudator, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, emerit. Bischof und fr\u00fcherer Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), in seiner Rede:<\/h2>\n[\u2026]\nDie Praxis der Folter geh\u00f6rt zu den ersch\u00fctternden Kapiteln in der Geschichte der Menschenrechte. Ersch\u00fctternd ist beispielsweise, dass es in der Geschichte des Westens trotz aller Humanit\u00e4t, die er sich zu Gute h\u00e4lt, erst im 18. Jahrhundert dazu kam, dass der Schutz vor Folter als ein Menschenrecht anerkannt wurde \u2013 trotz der Berufung darauf, der Mensch sei als Ebenbild Gottes erschaffen \u2013, wenigstens zuerst einmal in Amerika und Frankreich. Doch die Geschichte, die darauf folgte, war eine Geschichte der Ausnahme von der Regel. Nicht nur im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren, sondern ebenso in Verbindung mit der Abh\u00e4ngigkeit von Arbeitssklaven oder im Zusammenhang von Kolonialismus und Kolonialkriegen war die Dem\u00fctigung durch Folterma\u00dfnahmen weiterhin verbreitet.<\/p>\n<p>Erst die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte von 1948 statuierte das Folterverbot und verband damit einen universalen Anspruch [\u2026]: \u201eNiemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.\u201c Wir erinnern uns daran, dass dies vor 70 Jahren erkl\u00e4rt wurde, doch l\u00e4ngst sind wir mit der Umsetzung dieses Grundsatzes bei weitem nicht ans Ziel gekommen. W\u00e4hrend des Algerienkriegs kam es in franz\u00f6sischen Polizeirevieren zu Folterungen. Guantanamo und Abu Ghraib sind Namen f\u00fcr Folterorte, die mit dem islamistischen Terrorismus und seiner Bek\u00e4mpfung zu tun haben.<\/p>\n<p>Inzwischen ist das Folterverbot nicht nur durch die Konvention der Vereinten Nationen \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte von 1966 mit v\u00f6lkerrechtlicher Verbindlichkeit ausgestattet worden, vielmehr haben die Vereinten Nationen im Jahr 1984, am Jahrestag der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, das Folterverbot durch die Konvention gegen Folter und andere grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlungen oder Strafen konkretisiert. Sie haben verdeutlicht, dass dieses Verbot ausnahmslos gilt. Weder zur Herbeif\u00fchrung eines Gest\u00e4ndnisses noch zur Ermittlung des Aufenthaltsorts einer von Lebensgefahr bedrohten Person, weder in Kriegen noch in B\u00fcrgerkriegen, weder bei revolution\u00e4ren Umw\u00e4lzungen noch nach einem Putschversuch kann und darf es von dem Verbot der Folter Ausnahmen geben.[\u2026]\n<p>Wer Folterungen \u00fcberlebt, tr\u00e4gt deren Spuren ein Leben lang an Leib und Seele. Wie Jean Am\u00e9ry aus eigener Erfahrung schilderte, richtet die Folter das Weltvertrauen in einer Weise zu Grunde, f\u00fcr die es keinen Ausgleich geben kann. Das ist so evident, dass man fassungslos fragen mag, warum solche Verletzungen der menschlichen Integrit\u00e4t nach wie vor in hundert \u2013 oder mehr \u2013 L\u00e4ndern dieses Globus an der Tagesordnung sind. Neben Staaten treten parastaatliche Organisationen, terroristische Gruppierungen und andere Akteure, die von Foltermethoden einen oft grauenerregenden Gebrauch machen. Geschlechtsspezifische Gewaltsamkeit, der Einsatz sexualisierter Gewalt, die brutale Dem\u00fctigung von Angeh\u00f6rigen religi\u00f6ser Minderheiten zeigen beispielhaft, in welche Bereiche sich diese Art der Gewalt von Menschen gegen Menschen hineinfrisst.<\/p>\n<p>Warum \u2013 so fragt man ratlos \u2013 hat es der Folterschutz nach wie vor so schwer? Warum l\u00e4sst sich diese Art der Verbrechen gegen die Menschlichkeit bisher nicht b\u00e4ndigen? Warum dulden Staaten in angeblich privaten Bereichen derartige Torturen, obwohl sie wissen, dass eine solche Gewaltanwendung zum Tod f\u00fchren kann und f\u00fcr den, der sie \u00fcbersteht, lebenslange, traumatische Folgen nach sich zieht? \u2013 Ein Grund liegt darin, dass Folter in aller Regel im Verborgenen geschieht und sich oft nur au\u00dferordentlich schwer nachweisen l\u00e4sst. Das f\u00fchrt nicht nur dazu, dass wir nur unvollst\u00e4ndig, ja, bruchst\u00fcckhaft \u00fcber das Ausma\u00df der Folter in unserer Welt informiert sind. Es hat vielmehr zugleich zur Folge, dass die einzelnen Taten sehr oft nicht aufgekl\u00e4rt und die T\u00e4ter nur allzu selten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer werden auf diese Weise doppelt gedem\u00fctigt. Aus diesen Gr\u00fcnden ist der Einsatz f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung von Folterungen ein entscheidender Beitrag zum Schutz der Menschenrechte und zur B\u00e4ndigung von Gewalt gegen Menschen. Die Aufkl\u00e4rung von Folterungen ist ein direkter und kaum hoch genug zu sch\u00e4tzender Beitrag zum Frieden.<\/p>\n<p>In seinem gro\u00dfen Entwurf \u201eZum ewigen Frieden\u201c, einem der bedeutendsten Friedensentw\u00fcrfe der Neuzeit, aus dem Jahr 1795, hat Immanuel Kant die Kenntnis von Menschenrechtsverletzungen als eine entscheidende Voraussetzung f\u00fcr einen dauerhaften, auf das Recht gest\u00fctzten Frieden beschrieben. Wenn es unter den V\u00f6lkern der Welt einmal so weit gekommen sei \u2013 so schrieb er vor weit mehr als 200 Jahren \u2013, dass die Verletzung elementarer menschlicher Rechte an einem Platz der Erde von allen wahrgenommen werde, sei die Vorstellung von einem f\u00fcr alle Menschen geltenden \u201eWeltb\u00fcrgerrecht\u201c keine, so sagt er w\u00f6rtlich, \u201efantastische und \u00fcberspannte Vorstellungsart des Rechts\u201c mehr, sondern darin liege der entscheidende Schritt dazu, dass sich das Staats- und V\u00f6lkerrecht \u201ezum \u00f6ffentlichen Menschenrechte \u00fcberhaupt und so zum ewigen Frieden\u201c entwickeln k\u00f6nne. Nur unter dieser Voraussetzung k\u00f6nne man hoffen, zu einem solchen Frieden wirklich auf dem Weg zu sein. Soweit der K\u00f6nigsberger Philosoph.<\/p>\n<p>In einer Hinsicht sind wir Kants Hoffnung deutlich n\u00e4her gekommen: Wir verf\u00fcgen \u00fcber die technischen Mittel, um die Rechtsverletzungen an einem Ort der Erde an allen Orten wahrnehmen zu k\u00f6nnen. Im Fall der Folter reichen allerdings moderne Kommunikationsmedien allein nicht aus. Denn keine Menschenrechtsverletzung ist so schwer zu beweisen wie die Folter. F\u00fcr sie gibt es in aller Regel keine unbeteiligten Zeugen. Die Opfer bleiben oft so lange von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten, bis die \u00e4u\u00dferen Zeichen ihrer Torturen abgeklungen sind. Ihre Aussagen finden nur schwer Geh\u00f6r, stehen sie doch h\u00e4ufig im Verdacht, die Wahrheit zu verschweigen, ihre Taten zu vertuschen, gegen die staatliche Ordnung aufzubegehren. Die T\u00e4ter dagegen haben oft die staatliche Autorit\u00e4t im R\u00fccken. Wer das Dunkel erhellen will, das viele Folterungen umgibt und der Gerechtigkeit im Wege steht, der muss dieses Dunkel durchbrechen.<\/p>\n<p>Die Dokumentation von Folter als unentbehrlicher Teil des Folterschutzes verbindet sich mit dem Namen der Stadt Istanbul sowie mit dem Namen unserer heutigen Preistr\u00e4gerin, der t\u00fcrkischen Medizinprofessorin \u015eebnem Korur Fincanc\u0131. Der wichtigste, international anerkannte Leitfaden zur Erkennung und Dokumentation von Folterverbrechen ist das \u201eIstanbul-Protokoll\u201c. Dieses umfangreiche Dokument wurde von vierzig international t\u00e4tigen Organisationen aus dem Bereich der Menschenrechtsarbeit erstellt. Zu den Hauptautorinnen geh\u00f6rt die Gerichtsmedizinerin \u015eebnem Korur Fincanc\u0131.<\/p>\n<p>Das \u201eIstanbul-Protokoll\u201c hat Standards daf\u00fcr entwickelt, wie Verst\u00f6\u00dfe gegen das Verbot der Folter ermittelt und gerichtsfest dokumentiert werden k\u00f6nnen. Neben der Verh\u00fctung der Folter durch transparente, faire Untersuchungen sowie durch unangek\u00fcndigte Besuche in allen Haftanstalten ist die m\u00f6glichst fr\u00fchzeitige und objektiv dokumentierte Untersuchung jedes Foltervorwurfs oder Folterverdachts ein zentrales Mittel zur Bek\u00e4mpfung dieser unmenschlichen Handlungsweise. Vor allem anderen kommt es darauf an, die k\u00f6rperlichen Spuren von Folterungen so bald wie m\u00f6glich nach der Tat zu dokumentieren, die Darstellung der Vorg\u00e4nge durch Opfer und T\u00e4ter festzuhalten und die Aussagen miteinander zu vergleichen und den T\u00e4tern aufgrund innerer Unstimmigkeiten auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p>Das \u201eIstanbul-Protokoll\u201c hat ein breites Echo gefunden. Es wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 2000 angenommen und in den sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen ver\u00f6ffentlicht. Auch die Europ\u00e4ische Union sowie die afrikanische Menschenrechts- und V\u00f6lkerrechtskommission haben dieses Protokoll als wirksames Mittel zur Aufkl\u00e4rung von Foltervorw\u00fcrfen und zur Dokumentation von Folterungen anerkannt. Die amerikanische Bewegung \u201ePhysicians for Human Rights\u201c \u2013 \u00c4rzte f\u00fcr Menschenrechte \u2013 hat auf der Grundlage des \u201eIstanbul-Protokolls\u201c ein Handbuch zur Untersuchung von Fl\u00fcchtlingen erstellt; die darin vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen sollen unter anderem zur Klarheit dar\u00fcber beitragen, ob Fl\u00fcchtlinge in ihrem Heimatland oder auf ihrer Flucht Opfer von Folterungen geworden sind. Auch in Deutschland spielt das \u201eIstanbul-Protokoll\u201c im Rahmen von Asylverfahren bereits eine wichtige Rolle. So verbindet sich die Istanbul-Initiative mit einem der anderen gro\u00dfen Menschenrechtsprobleme unserer Zeit, n\u00e4mlich mit dem Thema von Flucht und Asyl.<\/p>\n<p>Die Initiative zur Erstellung des \u201eIstanbul-Protokolls\u201c ging von der Menschenrechtsstiftung der T\u00fcrkei sowie der Bewegung t\u00fcrkischer \u00c4rzte f\u00fcr die Menschenrechte aus. In beiden Initiativen spielt \u015eebnem Korur Fincanc\u0131 eine entscheidende Rolle. Denn die Bek\u00e4mpfung der Folter ist ihr Lebensthema; der Umsetzung des \u201eIstanbul-Protokolls\u201c widmet sie sich mit gro\u00dfem Einsatz; und das hat sie mit erheblichen pers\u00f6nlichen Anfeindungen und Nachteilen bezahlt. Bei Frau Fincanc\u0131, die als Professorin f\u00fcr Gerichtsmedizin in Istanbul t\u00e4tig ist, begegnet uns eine evidenzbasierte Medizin, die nicht nur an Daten, sondern auch an den Menschen orientiert ist, in diesem Fall an Menschen, die m\u00f6glicherweise Opfer von Folterhandlungen geworden sind. Damit den Opfern geholfen wird und die T\u00e4ter zur Rechenschaft gezogen werden, damit Traumatisierungen angemessen behandelt und die Wiederholung solcher Taten unterbunden werden, wird nach Evidenz gesucht. Im Grunde geht es nicht allein um die Evidenz einer wissenschaftlichen Ableitung, sondern um die Evidenz eines Menschenrechts und seiner Verletzung. Folgerichtigerweise hat sich Frau Prof. Fincanc\u0131 in der t\u00fcrkischen Menschenrechtsstiftung engagiert, der sie seit 2009 als Pr\u00e4sidentin vorsteht. Sie hat in dieser Arbeit viele pers\u00f6nliche Risiken auf sich genommen.<\/p>\n<p>Im Jahr 1997 hat sie erstmals die Vergewaltigung einer Frau in Polizeigewahrsam attestiert und damit ein Verfahren ausgel\u00f6st, das bis vor den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte f\u00fchrte. Sie hat Folterf\u00e4lle \u00f6ffentlich enth\u00fcllt und damit den Widerstand der Beh\u00f6rden ihres eigenen Landes hervorgerufen. Mehrfach wurde ihr aus diesem Grund der gerichtsmedizinische Lehrstuhl entzogen; durch Gerichtsentscheidung wurde sie jedoch jedes Mal wieder in ihre akademische Position eingesetzt. M\u00f6ge es auch in Zukunft in der T\u00fcrkei unabh\u00e4ngige Richter geben, die zu solchen Entscheidungen bereit und in der Lage sind.<\/p>\n<p>Im Jahr 2016 kritisierte sie die t\u00fcrkische Regierung wegen des milit\u00e4rischen Eingreifens im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei und forderte nichtmilit\u00e4rische Bem\u00fchungen um eine friedliche Beilegung des Konflikts. Im Februar 2018 beteiligte sie sich an dem Aufruf der Istanbuler \u00c4rztekammer gegen den Einmarsch der t\u00fcrkischen Armee in Syrien und trat f\u00fcr eine dialogorientierte L\u00f6sung ein. Wegen dieses Aufrufs wurde der Vorstand der \u00c4rztekammer der T\u00fcrkei festgenommen. Immer wieder hat sich Frau Fincanc\u0131 als eine ungew\u00f6hnlich mutige Frau erwiesen, die ihre hohe berufliche Kompetenz in den Dienst der Menschenrechte und des Friedens stellt. Sie ist ein leuchtendes Beispiel f\u00fcr eine Medizin, die sich gesellschaftlicher Verantwortung stellt; sie ist eine Medizinerin, die ihre Professionalit\u00e4t, ihre Einsatzbereitschaft und ihren Mut daf\u00fcr einsetzt, Gewalt zu verhindern, die W\u00fcrde des Menschen zu sch\u00fctzen und den Frieden zu f\u00f6rdern. [\u2026]\n<p>\u015eebnem Korur Fincanc\u0131 steht in der beeindruckenden Tradition des Einsatzes f\u00fcr die Menschenrechte in der T\u00fcrkei. Unter den vielen Auszeichnungen, die sie erhielt, ist auch der Hrant-Dink-Preis zu nennen. Er erinnert an den unerschrockenen t\u00fcrkisch-armenischen Herausgeber und Chefredakteur der Zeitung \u201eAgos\u201c, der 2007 vor der T\u00fcr seines Redaktionsgeb\u00e4udes auf offener Stra\u00dfe erschossen wurde. F\u00fcr mich wird umgekehrt auch Hrant Dink geehrt, indem Frau Fincanc\u0131 den Hessischen Friedenspreis erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wenn man diese Tradition des Eintretens f\u00fcr die Menschenrechte in der T\u00fcrkei im Blick hat, muss man auch an die Menschen in diesem Land denken, die heute in ihren Menschenrechten bedroht und beeintr\u00e4chtigt sind. Wenn das aus deutscher Perspektive geschieht, reicht es in meinen Augen nicht aus, so wichtig es ist, f\u00fcr diejenigen deutschen Staatsb\u00fcrger einzutreten, die in der T\u00fcrkei wegen vermeintlicher staatsfeindlicher Umtriebe inhaftiert wurden. So wichtig das ist, so muss auch von der gro\u00dfen Zahl t\u00fcrkischer Staatsb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrger die Rede sein, die nach dem Putsch von 2016 inhaftiert wurden, die zu Tausenden ihren Beruf verloren oder denen es an der M\u00f6glichkeit zur freien Meinungs\u00e4u\u00dferung und zur fairen Beteiligung am politischen Prozess fehlt. Dass sich auch in Zukunft mit dem Namen der Stadt Istanbul das Bild einer tragf\u00e4higen, an den Menschenrechten orientierten Br\u00fccke zwischen der T\u00fcrkei und Europa verbindet, geh\u00f6rt zu den gro\u00dfen Hoffnungen, die sich f\u00fcr mich mit der heutigen Preisverleihung verbinden. M\u00f6ge die Br\u00fccke der Menschenrechte zwischen Europa und der T\u00fcrkei auch in Zukunft tragf\u00e4hig und begehbar bleiben.<\/p>\n<p>Mit dieser Hoffnung begl\u00fcckw\u00fcnsche ich die Mitglieder des Kuratoriums des Hessischen Friedenspreises zu ihrer ermutigenden Wahl; der Preistr\u00e4gerin gegen\u00fcber dr\u00fccke ich meine Bewunderung f\u00fcr ihren geradlinigen Weg aus, der eine hohe fachliche und berufliche Kompetenz mit gro\u00dfer Verantwortungsbereitschaft \u00fcber die Grenzen des eigenen Faches hinaus verbindet. M\u00f6gen sich viele an ihr ein Beispiel nehmen \u2013 in unserem Land wie in der T\u00fcrkei und dar\u00fcber hinaus. \u2013 Herzliche Gl\u00fcckw\u00fcnsche, Frau Fincanc\u0131.<\/p>\n<h2>Frau Prof. Dr. \u015eebnem Korur Fincanc\u0131 in ihrer Dankesrede:<\/h2>\n<p>Liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren! Jeden von Ihnen einzeln zu nennen, w\u00fcrde ich mir wirklich w\u00fcnschen, aber, ich denke, dann wird es recht sp\u00e4t f\u00fcr uns alle. Ich wei\u00df, dass es sich bei Ihnen, die hier f\u00fcr mich zusammengekommen sind, um Freundinnen und Freunde handelt; und Sie teilen diesen ganz besonderen Moment mit mir. Sie fanden mich f\u00fcr diesen Preis w\u00fcrdig; und bitte nehmen Sie meinen Dank an. Dieser Preis hat f\u00fcr mich eine ganz besondere Bedeutung \u2013 nicht nur f\u00fcr mich, sondern f\u00fcr alle Verteidigerinnen und Verteidiger von Menschenrechten, die sich mit diesem Thema abm\u00fchen. Alle Menschen sind Verteidiger, die gro\u00dfe M\u00fchen auf sich nehmen; und sie bezahlen daf\u00fcr einen hohen Preis. Ich m\u00f6chte mich herzlich bei Ihnen allen daf\u00fcr bedanken, dass Sie uns st\u00e4rken, dass Sie mit Ihrer Solidarit\u00e4t daf\u00fcr sorgen, dass wir sehen und f\u00fchlen, dass unsere M\u00fchen nicht \u00fcbergangen und \u00fcbersehen werden.<\/p>\n<p>Wir leben in schwierigen Zeiten \u2013 wir haben es in den vorhergegangenen Reden mehrmals geh\u00f6rt \u2013: Es ist das 70. Jahr nach der ersten Bekanntgabe von Menschenrechten. Hat sich denn in der Zwischenzeit etwas ver\u00e4ndert? \u2013 Nicht ganz; innerhalb dieser 70 Jahre fanden unz\u00e4hlige Kriege statt. Noch immer sterben Kinder an Hunger; und Menschen verlieren ihr Leben im Krieg. In so einer Welt m\u00fcssen wir im Moment leben.<\/p>\n<p>Gab es denn \u00fcberhaupt leichtere Zeiten? Oder wie leicht sind die Zeiten jemals gewesen? \u2013 Ich denke, zurzeit handelt es sich bei den Problemen, die wir haben, wirklich um schwerwiegende. Ich lebe in der T\u00fcrkei; ich lebe in Istanbul; und in sehr vielen L\u00e4ndern der Welt erleben wir Rassismus, Diskriminierung und Gewalt. Und das Wichtigste ist: Vielerorts wird versucht, vom Staat ausge\u00fcbte Gewalt zu legitimieren. Dies jedoch macht gerade die Menschen, die daf\u00fcr k\u00e4mpfen, all diese Probleme sichtbar zu machen, die Menschenrechtsverteidiger, zur Zielscheibe. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen marginalisiert und stigmatisiert werden, in der Menschen die Freiheit entzogen, ihr Recht auf Leben angetastet wird und die angesichts vielf\u00e4ltiger Bedrohungen vereinsamen.<\/p>\n<p>Gibt es denn gar keine Hoffnung? Wir haben dieser Tage z. B. wieder an die Ermordung von Tahir El\u00e7i erinnert. Es ging um ein Minarett, das auf vier F\u00fc\u00dfen ruhte; er wurde vor aller Augen ermordet; und viele Menschenrechtsverteidiger haben auf diesem Weg ihr Leben verloren. Gibt es denn gar keine Hoffnung? \u2013 Im Gegenteil: Der gr\u00f6\u00dfte Gewinn in diesen schweren Zeiten ist die St\u00e4rkung von Solidarit\u00e4t und Freundschaft zwischen Menschenrechtsverteidigern und denjenigen, die in der \u00dcberzeugung handeln, Verantwortung f\u00fcr die Menschheit zu tragen, und dass sich diese Solidarit\u00e4t in Wellenbewegungen ausbreitet; und dazu haben Sie mir verholfen. Ich konnte das wirklich noch einmal f\u00fcr all die Menschen f\u00fchlen, die ihre Jobs verlieren, die im Gef\u00e4ngnis landen, von einem Gef\u00e4ngnis ins andere geschleppt werden, Akademiker, Rechtsanw\u00e4lte \u2013 f\u00fcr die vielen Menschen, die oft mit der Todesstrafe bedroht werden, einschlie\u00dflich meiner hochgesch\u00e4tzten Freundin, Eren Keskin. Sie sind von diesen Vorg\u00e4ngen alle betroffen; und f\u00fcr all diese Menschen nehme ich diesen Preis entgegen.<\/p>\n<p>Der Hessische Friedenspreis der Albert-Osswald-Stiftung macht mich wirklich sehr stolz. Ich pers\u00f6nlich f\u00fchle mich zwar hoch geehrt; ich f\u00fchle mich aber auch in einem Zwiespalt. Dieses Gef\u00fchl bef\u00e4llt mich bei jeder Preisverleihung: Stolz auf der einen und Verlegenheit auf der anderen Seite. Ich bin \u00c4rztin und habe immer daf\u00fcr gestanden, dass Arzt zu sein, viel mehr ist als ein Beruf, dass es sich um eine Lebensform handelt, f\u00fcr die Menschheit zu k\u00e4mpfen, sich auf die Seite der Menschen zu schlagen. Wie schon Kant sagte: Wenn wir die Wahrheit nicht beim Namen nennen, k\u00f6nnen wir die Menschenrechte niemals verteidigen. Deshalb brachten mich Ihre Reden dazu, auch diesen Vergleich heranzuziehen. Auch bringt es mich nun tats\u00e4chlich in Verlegenheit: Ich habe meine Aufgabe getan. Das ist eigentlich nicht preisw\u00fcrdig. Das sollte im \u201enormalen\u201c Leben doch etwas ganz Normales sein.<\/p>\n<p>Ein guter Freund von mir hat vor Gericht in seiner Einlassung ein Gedicht zitiert. Das w\u00fcrde ich Ihnen hier gern vortragen wollen, denn in der Literatur wird ja oft das Leben, die Welt, viel besser zum Ausdruck gebracht, als wir das hier so ohne Weiteres k\u00f6nnen. Sie alle sind nun hier; und das mit einem K\u00fcnstler\/mit einer K\u00fcnstlerin zu teilen, denke ich, ist sehr wichtig. In dem Gedicht mit dem Titel \u201eWarten auf den Krieg\u201c, sagt G\u00fclten Ak\u0131n Canko\u00e7ak Folgendes:<br \/>\n<em>Ich sei nicht verantwortlich f\u00fcr die Narzisse, so hatte ich es gelernt. Der Schnee kann unerwartet kommen, Wind kann aufkommen. Es kann lange dauern, Schlimmes kann passieren. Vielleicht erwacht auch die Narzisse nicht wieder. Frag nicht nach dem Rhabarber, nicht nach dem Zweig oder nach der Knospe. Meine Gedanken wurden gebrochen. Die alten Erwartungen sind irritiert. Angst vor Chemikalien, blutige Nachthemden, Sirenen in Wellen. Lasst die Kinder gehen, wohin sie wollen. Lasst sie tun, was sie wollen, denn die Raketen, die Bomben finden sie ohnehin. Ich war verantwortlich f\u00fcr die Narzisse, den Rhabarber und f\u00fcr die Kinder. Hatte ich es falsch verstanden? \u2013 Menschheit bedeutet Verantwortung.<\/em><\/p>\n<p>Ich bin verlegen, denn ich versuche lediglich, meiner Verantwortung als Mensch gerecht zu werden, neben dem Gef\u00fchl des Geehrtwerdens. In diesem endlosen Kampf habe ich mich immer unter Freunden gef\u00fchlt und die Kraft, die St\u00e4rke, kam von diesen Freundschaften. Folter beseitigt das Gef\u00fchl der N\u00e4he. Sie versucht, uns von der Menschheit zu entfernen. Wir m\u00fcssen Freunde sein \u2013 im Namen der Humanit\u00e4t; und wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass Freundschaft ausgebreitet wird. Ich danke Ihnen noch einmal daf\u00fcr, dass Sie mich dieses Preises f\u00fcr w\u00fcrdig erachten und uns mit dieser Ehrung st\u00e4rken. Wie gut, dass wir alle zusammen sind. \u2013 Vielen Dank.<\/p>\n<div class=\"su-box su-box-style-default\" id=\"\" style=\"border-color:#b3b3b3;border-radius:3px;\"><div class=\"su-box-title\" style=\"background-color:#e6e6e6;color:#555;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px\">Urteil gegen die Preistr\u00e4gerin<\/div><div class=\"su-box-content su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px\">Im Dezember 2018, nur wenige Wochen nach der Preisverleihung, wurde Sebnem Korur Fincanci in der T\u00fcrkei zu einer Haftstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Ihr wird \u201eTerrorpropaganda\u201c vorgeworfen, weil sie im Jahr 2016 die Friedenspetition \u201eWe will not be a party to this crime\u201c unterschrieben hat. Mit der Petition forderten \u00fcber 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine friedliche L\u00f6sung des Konflikts in den kurdischen Gebieten der T\u00fcrkei.<br \/>\nDie HSFK und der Hessische Landtag haben sich daraufhin mit Sebnem Korur Fincanci solidarisiert und unterst\u00fctzen ihren friedlichen Einsatz f\u00fcr Menschenrechte.<br \/>\nAktuell ist die Preistr\u00e4gerin in der T\u00fcrkei, aber nicht im Gef\u00e4ngnis. Es besteht noch die M\u00f6glichkeit, dass Fincanci vom Berufungsgericht freigesprochen wird, allerdings steht derzeit noch kein Termin f\u00fcr die Verhandlung fest.<\/div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"su-note\"  style=\"border-color:#cccccc;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;\"><div class=\"su-note-inner su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"background-color:#e6e6e6;border-color:#ffffff;color:#333333;border-radius:3px;-moz-border-radius:3px;-webkit-border-radius:3px;\"><a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/fileadmin\/HSFK\/hsfk_publikationen\/Spotlight0519.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3064 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Cover-Fincanci-Spotlight-211x300.jpg\" alt=\"Spotlight 9\/2019: Kein Frieden ohne Menschenrechte. Die Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2018 an \u015eebnem Korur Fincanc\u0131.\" width=\"150\" height=\"212\" \/><\/a>Download (pdf): <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/fileadmin\/HSFK\/hsfk_publikationen\/Spotlight0919.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">HSFK\/PRIF (2019): Kein Frieden ohne Menschenrechte. Die Verleihung des Hessischen Friedenspreises an \u015eebnem Korur Fincanc\u0131, PRIF Spotlight 9\/2019, Frankfurt\/M.<\/a><\/p>\n<p>Link: <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/fileadmin\/HSFK\/hsfk_SonstigeDoks\/Hessischer_Friedenspreisverleihung_2018_Reden.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Reden der Preisverleihung in voller L\u00e4nge<\/a><\/div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 28. November 2018 wurde \u015eebnem Korur Fincanc\u0131 mit dem Hessischen Friedenspreis 2018 der Albert-Osswald-Stiftung ausgezeichnet. 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