{"id":13599,"date":"2018-12-10T08:31:04","date_gmt":"2018-12-10T07:31:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/warum-gibt-es-den-friedensnobelpreis-auch-fuer-menschenrechtsarbeit\/"},"modified":"2018-12-10T08:31:04","modified_gmt":"2018-12-10T07:31:04","slug":"warum-gibt-es-den-friedensnobelpreis-auch-fuer-menschenrechtsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2018\/12\/10\/warum-gibt-es-den-friedensnobelpreis-auch-fuer-menschenrechtsarbeit\/","title":{"rendered":"Warum gibt es den Friedensnobelpreis auch f\u00fcr Menschenrechtsarbeit?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Friedensnobelpreis wird h\u00e4ufig mit Staatsm\u00e4nnern verbunden, die sich auf dem diplomatischen Parkett bewiesen haben. In diesem Jahr am 10. Dezember geht er jedoch nicht an Politiker oder Diplomaten: Die jesidische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad Basee Taha aus dem Irak und der kongolesische Frauenarzt Dr. Denis Mukwege werden f\u00fcr ihr Engagement f\u00fcr sexuell ausgebeutete und missbrauchte Frauen ausgezeichnet. Doch warum erhalten immer wieder Menschenrechtsaktivisten diese Auszeichnung? Menschenrechte sind doch etwas anderes als Frieden, oder etwa nicht? Im Gegenteil, beides h\u00e4ngt eng zusammen und auch im Nobelpreis kommt ein weitaus breiteres Friedensverst\u00e4ndnis zum Ausdruck, als eines das wir mit h\u00e4ndesch\u00fcttelnden Staatsm\u00e4nnern verbinden.<\/strong><\/p>\n<h2>Enge und weite Friedenskonzepte<\/h2>\n<p>Die reine Abwesenheit von Krieg bzw. von direkter physischer Gewalt zwischen Personen verschiedener Gruppen wird in der Friedens- und Konfliktforschung als \u201enegativer Friede\u201c bezeichnet. Ein solches Verst\u00e4ndnis findet sich etwa in der Duden-Definition von Frieden als \u201e<a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/Friede#Bedeutung1a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zustand des inner- oder zwischenstaatlichen Zusammenlebens in Ruhe und Sicherheit<\/a>\u201c, der gegebenenfalls vertraglich gesichert ist. Dies erinnert an das <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/pdf\/10.1177\/0047117802016001008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedensverst\u00e4ndnis, das im fr\u00fchen 20. Jahrhundert sogenannte \u201eliberale Internationalisten\u201c vertraten<\/a>. Deren auf <a href=\"http:\/\/www.philosophiebuch.de\/ewfried.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Immanuel Kants Ideen<\/a> aufbauendes Konzept eines Friedens durch Verrechtlichung der internationalen Beziehungen fand damals Widerhall in der Gr\u00fcndung der <em>League of Nations<\/em>, des Vorg\u00e4ngers der heutigen Vereinten Nationen. Dieses Friedenskonzept besagte, dass Abwesenheit gewaltsamer Konfliktaustr\u00e4ge durch Kooperation im rechtlichen Rahmen internationaler Organisationen sichergestellt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein positiver Frieden dagegen zeichnet sich zus\u00e4tzlich durch die Abwesenheit struktureller Gewalt aus, die indirekt wirkt und von den politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Strukturen und damit einhergehenden Abh\u00e4ngigkeits-, Unterdr\u00fcckungs- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen ausgeht. Ein solches breites Verst\u00e4ndnis von Frieden wurde von Friedensforschern wie dem Norweger Johan Galtung in den 1960er Jahren verbreitet und stark gemacht. Dieses positive Friedensverst\u00e4ndnis wurde schnell erweitert: So sahen auch deutsche Friedensforscher wie <a href=\"http:\/\/dadalos-d.org\/frieden\/grundkurs_2\/hexagon.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieter Senghaas<\/a> und insbesondere <a href=\"https:\/\/zib-online.org\/2017\/03\/27\/ernst-otto-czempiel-ein-nachruf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ernst-Otto Czempiel den Frieden nicht mehr als Zustand, sondern als Entwicklungsprozess<\/a> weg von organisierter milit\u00e4rischer Gewaltanwendung hin zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung, Kooperation und Herstellung sozialer Gerechtigkeit. Frieden wird nach Czempiel dadurch gekennzeichnet, dass physische Gewalt abnimmt, Gerechtigkeit zunimmt und Konflikte verl\u00e4sslich gewaltfrei bearbeitet werden. Dieses prozedurale Friedensverst\u00e4ndnis ist auch Teil der <a href=\"https:\/\/www.hsfk.de\/die-hsfk\/verfassung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Institutsverfassung der HSFK<\/a>. Nach einem solchen Verst\u00e4ndnis <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?hl=de&amp;lr=&amp;id=F9OkPz_L61MC&amp;oi=fnd&amp;pg=PA160&amp;dq=human+rights+and+peace&amp;ots=HEvg6vaycv&amp;sig=o75VK1zjxAyZOmgFJ9c4L9Y4UxI#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">brauchen Frieden und Menschenrechte einander<\/a>: nachhaltiger Frieden kann nicht ohne den Schutz von Menschenrechten erreicht werden; gleichzeitig ist Frieden eine wichtige Rahmenbedingung f\u00fcr die Verwirklichung der Menschenrechte.<\/p>\n<h2>Wandel des Friedensverst\u00e4ndnisses des Nobelpreiskomitees<\/h2>\n<p>Alfred <a href=\"https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/facts\/facts-on-the-nobel-peace-prize\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nobel legte in seinem Testament fest<\/a>, dass der Friedensnobelpreis j\u00e4hrlich an bis zu drei Personen vergeben werden soll, die im vergangenen Jahr \u201eam meisten oder am besten auf die Verbr\u00fcderung der V\u00f6lker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die F\u00f6rderung von Friedenskongressen hingewirkt\u201c haben. Seit 1901 gab es 99 Friedensnobelpreisverleihungen, an insgesamt 133 Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger, darunter 106 Personen und 24 Organisationen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich legte das Nobelpreiskomitee den Friedensgedanken eher eng aus: Vor allem in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts wurden Bem\u00fchungen um eine Verrechtlichung der internationalen Politik durch Bef\u00f6rderung friedlicher Kooperation ausgezeichnet. Bem\u00fchungen um einen Frieden durch Verrechtlichung, in Form von Friedens- und Vers\u00f6hnungsabkommen, Einsatz f\u00fcr Pazifismus und Abr\u00fcstungsbem\u00fchungen sowie f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe waren bis nach dem zweiten Weltkrieg die Gegenst\u00e4nde der Preisvergabe. Doch dann ver\u00e4nderte sich die Vergabepraxis: Im Jahr 1949 wurde mit dem Preis f\u00fcr den Biologen und ersten Direktor der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) John Boyd Orr erstmals der Einsatz f\u00fcr eine Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen ausgezeichnet. 1951 wurde der Preis an den Gewerkschaftler L\u00e9on Jouhaux verliehen, f\u00fcr seinen Einsatz f\u00fcr Arbeiterrechte, Gleichheit und die deutsch-franz\u00f6sische Auss\u00f6hnung. Seitdem verlieh das Komitee den Preis immer h\u00e4ufiger an Menschen, die sich f\u00fcr Entwicklung, Menschenrechte und Demokratie einsetzten. In der zweiten H\u00e4lfte des 20 Jahrhundert wurde somit das Friedensverst\u00e4ndnis bei der Preisvergabe breiter. Das zeigt auch die folgende Grafik:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2240\" aria-describedby=\"caption-attachment-2240\" style=\"width: 648px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2240\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Hofmann_HSFK_Friedensnobelpreise-nach-Kategorie-1901-2018-1024x688.jpg\" alt=\"Friedensnobelpreise nach Kategorie 1901-2018\" width=\"648\" height=\"435\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Hofmann_HSFK_Friedensnobelpreise-nach-Kategorie-1901-2018-1024x688.jpg 1024w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Hofmann_HSFK_Friedensnobelpreise-nach-Kategorie-1901-2018-300x201.jpg 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Hofmann_HSFK_Friedensnobelpreise-nach-Kategorie-1901-2018-768x516.jpg 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Hofmann_HSFK_Friedensnobelpreise-nach-Kategorie-1901-2018.jpg 1684w\" sizes=\"(max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2240\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: eigene Zusammenstellung auf Grundlage von <a href=\"https:\/\/www.nobelpeaceprize.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.nobelpeaceprize.org\/<\/a> und Bader-Zaar\/Diendorfer\/Reitmair-Ju\u00e1rez (Hg.) 2018: <a href=\"https:\/\/www.studienverlag.at\/buecher\/5662\/friedenskonzepte-im-wandel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedenskonzepte im Wandel, Innsbruck: Studienverlag<\/a>.<br \/>Die Grafik zeigt die die aufsummierte Anzahl der Preise nach Handlungsbereich der Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger \u00fcber die Jahre hinweg. Es wird jeweils die Hauptbegr\u00fcndung f\u00fcr die Vergabe des Preises erfasst.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwar lassen sich die Handlungsfelder der Preistragenden h\u00e4ufig gar nicht so genau eingrenzen. In den Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Preisvergabe \u00fcberlappten sich die ausgezeichneten Handlungsfelder und dahinterstehenden Friedensverst\u00e4ndnisse h\u00e4ufig, wie eine <a href=\"https:\/\/www.studienverlag.at\/buecher\/5662\/friedenskonzepte-im-wandel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie von Brigitte Bader-Zaar, Gertraud Diendorfer und Susanne Reitmair Ju\u00e1rez aus dem Jahr 2017<\/a> zeigt. Nichtsdestotrotz wird deutlich, dass sich die Friedenskonzeption, die der Vergabe der Auszeichnung zugrunde lag, st\u00e4ndig erweiterte, dabei aber auch h\u00e4ufig etwas kleinteilig erschien. Dieser Prozess h\u00e4lt an: Anfang des neuen Jahrtausends wurde der Preis erstmals f\u00fcr Umweltschutz vergeben. Der Friedensnobelpreis unterstreicht somit, dass Frieden auch den Schutz und die F\u00f6rderung der Menschenrechte, die Steigerung von Entwicklungschancen und den Schutz der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen von Menschen umfassen muss, um nachhaltig zu sein. Dies entspricht durchaus einem prozesshaften Friedensverst\u00e4ndnis, wie es in der Friedens- und Konfliktforschung vorherrscht.<\/p>\n<h2>Friedensnobelpreis f\u00fcr Nadia Murad und Denis Mukwege<\/h2>\n<p>Dieses breite Verst\u00e4ndnis von Frieden spiegelt auch die diesj\u00e4hrige Vergabe des Friedensnobelpreises an Nadia Murad und Denis Mukewege wider. Deren Einsatz f\u00fcr die Opfer von sexueller Gewalt zeigt exemplarisch, wie eng Menschenrechtsarbeit und ein Einsatz f\u00fcr den Frieden zusammenh\u00e4ngen. Menschenrechte und humanit\u00e4res V\u00f6lkerrecht finden in vielen Konflikten weltweit schlie\u00dflich wenig Beachtung. Ein Klima in dem Menschen missbraucht und ausgebeutet werden, w\u00e4hrend die T\u00e4ter straflos bleiben, ist ein grunds\u00e4tzliches Friedenshindernis.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2241\" aria-describedby=\"caption-attachment-2241\" style=\"width: 100px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2241\" title=\"Nadia Murad\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/sie.jpg\" alt=\"Nadia Murad\" width=\"100\" height=\"133\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2241\" class=\"wp-caption-text\">UN Photo\/Manuel Elias<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die heute 25-j\u00e4hrige <strong>Nadia Murad<\/strong> wurde 2014 vom sogenannten Islamischen Staat verschleppt und als Sklavin missbraucht. Nach drei Monaten gelang ihr die Flucht. Seitdem sie ihren Peinigern entflohen ist, setzt sie sich f\u00fcr eine Befreiung der nach wie vor vom IS versklavten Frauen ein. Sie tritt international auf und engagiert sich f\u00fcr eine Anerkennung des V\u00f6lkermordes an den Jesiden. Nadia Murad \u2013 <a href=\"https:\/\/www.nobelprize.org\/prizes\/peace\/2018\/prize-announcement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">so hat es auch das Friedensnobelpreiskomitee erkl\u00e4rt<\/a> \u2013 steht als Zeugin stellvertretend f\u00fcr all diejenigen Frauen, die unfassbaren Missbrauch, Leid und grausame Ausbeutung durch den sogenannten Islamischen Staat erleiden mussten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2242\" aria-describedby=\"caption-attachment-2242\" style=\"width: 100px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2242\" title=\"Dr. Denis Mukwege\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/er.jpg\" alt=\"Dr. Denis Mukwege\" width=\"100\" height=\"133\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2242\" class=\"wp-caption-text\">UN Photo\/Eskinder Debebe<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dr. Denis Mukwege<\/strong> ist Gr\u00fcnder und leitender Chirurg des Panzi-Hospitals in Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Herzst\u00fcck des Krankenhauses ist eine gyn\u00e4kologische Abteilung. Diese konzentriert sich auf die medizinische und psychologische Behandlung von Frauen, die sexuelle Kriegsgewalt erlebt haben. Mukwege selbst gilt als weltweit f\u00fchrender Experte f\u00fcr die Behandlung von M\u00e4dchen und Frauen, die durch Gruppenvergewaltigungen sowie durch gezielte physische Unterleibssch\u00e4ndungen verursacht wurden. In seiner Arbeit konzentriert er sich aber nicht ausschlie\u00dflich auf die medizinische Versorgung der Opfer. Er engagiert sich ebenso politisch, indem er die Grausamkeiten dokumentiert und immer wieder verantwortliche T\u00e4tergruppen \u00f6ffentlich benennt.<\/p>\n<h2>Preis als Symbol und Ermunterung<\/h2>\n<p>Der Friedensnobelpreis hat viele Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger darin unterst\u00fctzt, wichtige Themen auf der internationalen Agenda zu verankern. Eine Studie von <a href=\"https:\/\/www.uio.no\/studier\/emner\/hf\/iakh\/HIS4421\/h11\/undervisningsmateriale\/HIS4421_Alford.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roger Alford von der University of Notre Dame (Indiana, USA) aus dem Jahr 2008<\/a> zeigt, dass viele Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger durch den \u201eNobel-Effekt\u201c \u2013 gesteigerte \u00f6ffentliche Wahrnehmung durch den Preis \u2013 wesentlich zur Entwicklung des modernen V\u00f6lkerrechts beigetragen h\u00e4tten. Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit oft nur kurz anh\u00e4lt, wie <a href=\"http:\/\/users.polisci.umn.edu\/~ronkrebs\/Krebs%20PSQ%20(Winter%202009-10).pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ronald Krebs von der University of Minnesota in einem Artikel aus dem Jahr 2009<\/a> aufzeigt, setzt der Preis doch h\u00e4ufig ein wichtiges Zeichen f\u00fcr Hoffnung in die Zukunft: Der Nobelpreis soll Politiker und Aktivisten symbolisch dazu anhalten, \u00fcber sich hinaus zu wachsen und sich f\u00fcr den Frieden einzusetzen.<\/p>\n<p>Mit dem Preis f\u00fcr Nadia Murad und Denis Mukwege lenkt das Nobelpreiskomitee die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auch auf die Tatsache, dass Vergewaltigungen systematisch als Kriegswaffe eingesetzt werden. Vor zehn Jahren hatte dies auch der <a href=\"http:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/sr\/sr_07-08\/sr1820.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UN Sicherheitsrat in Resolution 1820<\/a> zum Ausdruck gebracht: Die Resolution verurteilte sexuelle Gewalt als Kriegswaffe und erkannte Vergewaltigungen als Kriegsverbrechen an. Denn sexuelle Gewalt ist nicht nur eine Nebenerscheinung des Krieges, sondern wird h\u00e4ufig gezielt eingesetzt, um die gegnerische oder Widerstand leistende Bev\u00f6lkerung zu zerm\u00fcrben, gesellschaftliche Strukturen zu zerst\u00f6ren und so den Gegner zu brechen. Sexuelle und geschlechterbasierte Gewalt ist ein Menschenrechtsverbrechen. Sie ist aber auch ein Friedenshindernis, da sie Menschen traumatisiert zur\u00fcckl\u00e4sst und gesellschaftliche Strukturen auf lokaler Ebene zerm\u00fcrbt. Mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/dgvn.de\/fileadmin\/publications\/PDFs\/Zeitschrift_VN\/VN_2015\/Heft_6_2015\/06_Beitrag_Wisotzki_VN_6-15_26-11-2015.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kampf gegen diese Form der Gewalt und mehr Partizipation von Frauen in Friedens- und Vers\u00f6hnungsprozessen<\/a> ist daher dringend notwendig.<\/p>\n<h2>Frieden bedeutet, dass Menschen ihr Potential entfalten k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>Nadia Murads und Denis Mukweges Einsatz f\u00fcr ein Ende von Ausbeutung, sexueller Gewalt, die Verfolgung von T\u00e4tern und den Schutz basaler Menschenrechte bringen somit zum Ausdruck, dass Frieden mehr ist als die reine Abwesenheit von Krieg. Frieden muss in einem positiven, prozessorientierten Sinne verstanden werden, als Entwicklungsprozess, der es Menschen erm\u00f6glicht ihr Potential zu entfalten. Dies muss auch Sicherheit vor sexueller und gender-basierter Gewalt einschlie\u00dfen. Friedensarbeit hei\u00dft auch weiterhin, abzur\u00fcsten oder in bewaffneten Konflikten zu vermitteln. Es hei\u00dft aber auch, sich f\u00fcr Gerechtigkeit, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung einzusetzen. Daher sind Friedensnobelpreise f\u00fcr Menschenrechtsaktivisten vollkommen im Rahmen dessen, was Alfred Nobel im Sinn hatte, als er den Preis stiftete. Denn Frieden im Sinne menschlicher Sicherheit bedeutet Freiheit von Furcht vor Gewalt, aber auch Freiheit von Willk\u00fcr und unn\u00f6tigem Leid durch Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung und Missachtung der Menschenw\u00fcrde. Frieden existiert nicht einfach pl\u00f6tzlich, weil zwei Staatsm\u00e4nner ein Blatt Papier unterschreiben und sich \u00f6ffentlich die H\u00e4nde sch\u00fctteln, sondern muss in einem langen Prozess immer weiter entwickelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Friedensnobelpreis wird h\u00e4ufig mit Staatsm\u00e4nnern verbunden, die sich auf dem diplomatischen Parkett bewiesen haben. In diesem Jahr am 10. Dezember geht er jedoch nicht an Politiker oder Diplomaten: Die jesidische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad Basee Taha aus dem Irak und der kongolesische Frauenarzt Dr. Denis Mukwege werden f\u00fcr ihr Engagement f\u00fcr sexuell ausgebeutete und missbrauchte Frauen ausgezeichnet. Doch warum erhalten immer wieder Menschenrechtsaktivisten diese Auszeichnung? Menschenrechte sind doch etwas anderes als Frieden, oder etwa nicht? Im Gegenteil, beides h\u00e4ngt eng zusammen und auch im Nobelpreis kommt ein weitaus breiteres Friedensverst\u00e4ndnis zum Ausdruck, als eines das wir mit h\u00e4ndesch\u00fcttelnden Staatsm\u00e4nnern verbinden.<\/p>\n","protected":false},"author":47,"featured_media":10686,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1141],"tags":[1178,1290],"coauthors":[219],"class_list":["post-13599","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-en","tag-human-rights","tag-nobel-peace-prize"],"acf":[],"views":254,"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.1.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Warum gibt es den Friedensnobelpreis auch f\u00fcr Menschenrechtsarbeit? - PRIF BLOG<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2018\/12\/10\/warum-gibt-es-den-friedensnobelpreis-auch-fuer-menschenrechtsarbeit\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Warum gibt es den Friedensnobelpreis auch f\u00fcr Menschenrechtsarbeit? - PRIF BLOG\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Friedensnobelpreis wird h\u00e4ufig mit Staatsm\u00e4nnern verbunden, die sich auf dem diplomatischen Parkett bewiesen haben. 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