{"id":13657,"date":"2018-06-06T11:18:28","date_gmt":"2018-06-06T09:18:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/radikalisierung-als-flucht-und-kommunale-praeventionsarbeit-als-chance\/"},"modified":"2018-06-06T11:18:28","modified_gmt":"2018-06-06T09:18:28","slug":"radikalisierung-als-flucht-und-kommunale-praeventionsarbeit-als-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2018\/06\/06\/radikalisierung-als-flucht-und-kommunale-praeventionsarbeit-als-chance\/","title":{"rendered":"Radikalisierung als Flucht und kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit als Chance"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist zu einem Gemeinplatz geworden festzustellen, dass Radikalisierungspr\u00e4vention eine \u201egesamtgesellschaftliche Aufgabe\u201c ist. Das liegt an der Unbestimmtheit des Begriffs und daran, dass die damit auf den Begriff gebrachte Idee noch nicht hinreichend eingel\u00f6st wurde. So werden Schule, Jugendarbeit oder Moscheegemeinden regelm\u00e4\u00dfig als Handlungsfelder bzw. Akteure von Pr\u00e4ventionsarbeit identifiziert. Andere wichtige gesellschaftliche Institutionen hingegen, wie Kommunen, wurden h\u00e4ufig \u00fcbersehen. In j\u00fcngerer Zeit scheint sich dies zu \u00e4ndern, Gemeinden, Landkreise und St\u00e4dte werden zunehmend als Orte von Pr\u00e4vention wahrgenommen, gute Praktiken lokaler Ans\u00e4tze ausgetauscht. Der Beitrag pl\u00e4diert f\u00fcr ein st\u00e4rkeres Engagement von Kommunen in der universellen und selektiven Radikalisierungspr\u00e4vention, skizziert den zu beobachtenden Trend hin zu kommunaler Radikalisierungspr\u00e4vention und endet mit Empfehlungen guter Praktiken. <\/strong><\/p>\n<p>In Prozessen der Radikalisierung hin zu Rechtsextremismus oder religi\u00f6s begr\u00fcndetem Extremismus spielt h\u00e4ufig \u00a0die Suche nach Identit\u00e4t eine Rolle. Angesichts der Vielfalt an Entwicklungs- und Identit\u00e4ts<em>angeboten<\/em> (\u00e0 la \u201eDu kannst sein, wer du willst\u201c) auf der einen und Identifikations- und Verhaltens<em>geboten <\/em>(\u00e1 la \u201eAls gute\/r xy, hast du \u2026 zu sein\u201c) auf der anderen Seite, kann f\u00fcr manche junge Menschen die Flucht in (vermeintlich) eindeutige Prim\u00e4ridentit\u00e4ten eine Selbstsicherheit gebende Alternative darstellen. Verst\u00e4rkt werden kann dies durch best\u00e4tigende oder diskriminierende Fremdzuschreibungen.<\/p>\n<p>Radikalisierung, hier verstanden als ein sozialer Prozess, in dessen Verlauf sich ein Mensch bzw. eine Gruppe Auffassungen aneignet, die sich gegen die Prinzipien einer pluralistischen Gesellschaft richten und\/oder Menschen die Gleichwertigkeit absprechen\u201c, wird damit zu einer Flucht vor der Komplexit\u00e4t gesellschaftlicher Realit\u00e4ten in als homogen, rein und \u00fcberlegen imaginierte Kollektive, beispielsweise <em>das <\/em>deutsche Volk oder die weltweite Gemeinschaft der <em>wahrhaft<\/em> gl\u00e4ubigen Muslime (<a href=\"http:\/\/www.ufuq.de\/lokale-identitaet-ein-thema-fuer-die-praeventionsarbeit-auf-kommunaler-ebene\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe auch mein Beitrag auf ufuq.de<\/a>). Die Betroffenen ziehen sich zunehmend aus der als fremd, unrein oder diskriminierend wahrgenommenen Umwelt zur\u00fcck. Ihre identit\u00e4re Vielfalt r\u00fcckt in den Hintergrund und der Bezug zur fr\u00fcheren sozialen Umgebung schwindet. \u201eDas Lokale\u201c kann aus der Sicht des Beobachters in diesen Prozessen eine ambivalente Rolle spielen: Entweder ist es der Ort, vor dem Betroffene aufgrund von Entfremdungs-, Diskriminierungserfahrungen oder Perspektivlosigkeit fliehen oder es ist der Ort, der als Keimzelle eines homogenen, reinen und \u00fcberlegen imaginierten Kollektivs verkl\u00e4rt wird.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den M\u00f6glichkeiten lokaler Ans\u00e4tze in der Radikalisierungspr\u00e4vention und der Rolle kommunaler Akteure.<\/p>\n<h2><strong>Ansatzpunkte kommunaler Radikalisierungspr\u00e4vention<\/strong><\/h2>\n<p>Mit Blick auf den aktuellen internationalen Wissensstand lassen sich drei Ansatzpunkte identifizieren: Erstens fallen <a href=\"http:\/\/terratoolkit.eu\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/TERRATOOLKIT_POLICY_LOCALGOVERNMENT_web_26.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anzeichen von Radikalisierung in der Regel zuerst im lokalen Sozialraum der Betroffenen<\/a><u> auf<\/u>, bspw. in der Schule, im Sportverein oder beim Gang ins Amt (siehe auch den Beitrag von Schubert <a href=\"https:\/\/www.sicherheitspolitik-blog.de\/files\/2016\/02\/Salafismus_Band.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Es sind demnach Eltern, Freunde oder \u201e<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/home-affairs\/sites\/homeaffairs\/files\/what-we-do\/networks\/radicalisation_awareness_network\/about-ran\/ran-local\/docs\/ran_local_action_plan_academy_04-05_10_2017_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">first-line practitioners<\/a>\u201c wie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Lehrerinnen und Lehrer, Trainerinnen und Trainer oder \u201eJobcoaches\u201c und Beraterinnen und Berater in der Kommunalverwaltung, die Radikalisierung erkennen und auf lokaler Ebene Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner suchen k\u00f6nnen. Diese m\u00fcssen weitergebildet werden. Und sie bed\u00fcrfen einer Anlaufstelle im Kreis- oder Rathaus, die Expertise und Erfahrungen vorh\u00e4lt, in Verdachtsf\u00e4llen von Radikalisierung eine erste Beratung anbietet und sie, falls notwendig, an die zust\u00e4ndigen zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen oder die Sicherheitsbeh\u00f6rden vermittelt.<\/p>\n<p>Zweitens fallen die Folgen von Radikalisierung auf die lokale Ebene zur\u00fcck, durch die Bildung extremistischer \u201eHotspots\u201c, die Ausreise und ggf. R\u00fcckkehr von Extremistinnen und Extremisten sowie Prozesse gesellschaftlicher Polarisierung in einer Kommune. \u00a0Diese \u201eHotspots\u201c entstehen beispielsweise dort, wo sich Radikalisierungsprozesse in Cliquen vollziehen und mehrere Mitglieder einer Clique ausreisen. In diesem Zusammenhang wurde Dinslaken-Lohberg zu einem \u201e<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/panorama\/gesellschaft\/dinslaken-lohberg--vom-ruhrpott-in-den-heiligen-krieg-7200272.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zentrum der deutschen Islamisten-Szene<\/a>\u201c. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Gemeinden, in denen Rechtsextreme massiv auftreten, andere Menschen bedrohen und damit auch das \u00f6ffentliche Bild der Kommune beeintr\u00e4chtigen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen Gemeinden oder Stadtteile Entstehungsorte f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.ibtauris.com\/books\/society%20%20social%20sciences\/politics%20%20government\/political%20activism\/terrorism%20armed%20struggle\/the%20rage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">reziproke Radikalisierungsprozesse rechtsextremistischer und religi\u00f6s-extremistischer Akteure<\/a> werden. Kommunen sollten daher Pr\u00e4ventionsarbeit gegen Radikalisierung aus Eigeninteresse als eigene Aufgabe begreifen.<\/p>\n<p>Drittens bietet kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit die Chance an das oben skizzierte Verst\u00e4ndnis von Radikalisierung als Flucht anzusetzen und Fluchtursachen zu bek\u00e4mpfen. Dies kann bedeuten Menschen in der Herausbildung identit\u00e4rer Vielfalt zu unterst\u00fctzen und sich mit Fragen lokaler Identit\u00e4t zu besch\u00e4ftigen. Nur zwei Beispiele: <a href=\"http:\/\/www.ufuq.de\/lokale-identitaet-ein-thema-fuer-die-praeventionsarbeit-auf-kommunaler-ebene\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wie an anderer Stelle beschrieben<\/a>, wurde im Rahmen des Projekts PRO Pr\u00e4vention des Landkreises Offenbach mit jungen Menschen die Auseinandersetzung mit ihrer konkreten und komplexen lokalen Lebenswelt gesucht. Ziel dieser Arbeit war, plurale Identit\u00e4ten und lokale Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchle als individuelle Resilienzfaktoren zu st\u00e4rken. Auf diese Weise fand ein positiver Zugriff auf Fragen des Ichs im heterogenen gesellschaftlichen Wir statt und junge Menschen wurden \u201eempowered\u201c, f\u00fcr ein friedliches und demokratisches Zusammenleben aktiv zu werden. Auch in der belgischen Gemeinde Mechelen wird die Idee verfolgt, das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern zu st\u00e4rken, in dem u.a. die Entwicklung eines \u201enew narratives of diversity\u201c unterst\u00fctzt wird. Diese und andere Ans\u00e4tzen folgen der Idee, dass neben Bildungs-, Beratungs- und Netzwerkarbeit auch die Arbeit an der Ausbildung lokaler Identit\u00e4t wichtiger Bestandteil von Pr\u00e4ventionsarbeit sein kann, um <a href=\"https:\/\/www.cidob.org\/en\/articulos\/monografias\/resilient_cities\/who_leads_and_who_does_what_multi_agency_coordination_community_engagement_and_public_private_partnerships\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gef\u00fchle von (lokaler) Zugeh\u00f6rigkeit bei gleichzeitiger Anerkennung von Diversit\u00e4t zu st\u00e4rken<\/a>.<\/p>\n<h2><strong>Kommunen treten zunehmend als Akteure von Pr\u00e4ventionsarbeit auf<\/strong><\/h2>\n<p>Insgesamt hat sich das Feld der Pr\u00e4ventionsarbeit gegen Radikalisierung und Extremismus in den letzten Jahren rasant entwickelt. Es gibt eine nur schwer zu \u00fcberschauende Vielzahl von Programmen etablierter und neuer Tr\u00e4ger, die jeweils unterschiedliche (teils lokale) Zuschnitte aufweisen (f\u00fcr eine Systematisierung, siehe <a href=\"https:\/\/www.kriminalpraevention.de\/files\/DFK\/dfk-publikationen\/2016_systematisierung_islamismuspr\u00e4vention_langfassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Trautmann\/Zick<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bka.de\/nn_205956\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Publikationen\/Publikationsreihen\/SonstigeVeroeffentlichungen\/2016ExtremismuspraeventionInDeutschland.html?__nnn=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gruber\/L\u00fctzinger<\/a>). Das Gros wird von zivilgesellschaftlichen Akteuren getragen, die nicht selten von EU, Bund, L\u00e4ndern oder Kommunen gef\u00f6rdert werden. Hinzu kommen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die teils auch in der Pr\u00e4ventionsarbeit t\u00e4tig sind. Kommunale Akteure traten urspr\u00fcnglich nicht als Projekttr\u00e4ger auf, Fachabteilungen wie Jugend\u00e4mter oder Integrationsstellen wurden und werden aber als Netzwerkpartner einbezogen. Ausnahmen sind die Kommunen, die als \u201efederf\u00fchrendes Amt\u201c einer <a href=\"https:\/\/www.demokratie-leben.de\/partnerschaften-fuer-demokratie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Partnerschaft f\u00fcr Demokratie<\/a> im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.demokratie-leben.de\/partnerschaften-fuer-demokratie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesprogramms Demokratie Leben<\/a> auftreten.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit deutet sich ein neuer Trend an: Kommunen nehmen Pr\u00e4ventionsarbeit gegen Radikalisierung selbst in die Hand. Die Stadt Augsburg engagiert sich seit mehreren Jahren in der Netzwerkarbeit und in der \u201ekleinr\u00e4umigen Pr\u00e4ventionsarbeit\u201c (zum Augsburger Konzept, siehe <a href=\"https:\/\/www.forum-kriminalpraevention.de\/files\/1Forum-kriminalpraevention-webseite\/pdf\/2017-01\/augsburg.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Mit Unterst\u00fctzung des Landes Bayern ziehen <a href=\"https:\/\/www.antworten-auf-salafismus.de\/unser-netzwerk\/kommunale\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weitere Kommunen<\/a> nach. Im Amt f\u00fcr Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt gibt es eine Koordinationsstelle f\u00fcr \u201eAntiradikalisierung, pr\u00e4ventive Jugendarbeit und Politische Bildung\u201c, die unter anderem das so genannte <a href=\"http:\/\/www.praeventionstag.de\/nano.cms\/vortraege\/id\/3149\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankfurter \u00c4mternetzwerk<\/a> koordiniert. Der Landkreis Offenbach hat, gef\u00f6rdert vom Innere Sicherheitsfonds der EU und dem Landesprogramm \u201e<a href=\"https:\/\/hke.hessen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hessen \u2013 aktiv f\u00fcr Demokratie und gegen Extremismus<\/a>\u201c das Projekt \u201e<a href=\"https:\/\/www.kreis-offenbach.de\/Pro-Pr\u00e4vention\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PRO Pr\u00e4vention \u2013 gegen (religi\u00f6s begr\u00fcndeten) Extremismus<\/a>\u201c im Fachdienst Integrationsb\u00fcro eingerichtet. Es dient als Fachstelle f\u00fcr Fragen von Radikalisierungspr\u00e4vention, moderiert regionale Multi-Akteur-Netzwerke und bietet unter anderem Projekte f\u00fcr Jugendliche und Weiterbildungen f\u00fcr Fachkr\u00e4fte an. Einige St\u00e4dte in NRW sind Tr\u00e4ger von <a href=\"https:\/\/www.im.nrw\/wegweiser\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wegweiser<\/a>-Projekten. Im europ\u00e4ischen Ausland gilt beispielsweise neben <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/public-leaders-network\/2017\/jun\/14\/belgium-mechelen-not-defenseless-terror-world-mayor-bart-somers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mechelen<\/a> auch die belgische Gemeinde <a href=\"http:\/\/strongcitiesnetwork.org\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/The-Vilvoorde-model-as-a-response-to-radicalism.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vilvoorde<\/a> als Vorbild. Dies sind nur einige Beispiele.<\/p>\n<h2><strong>Kommunen als \u201eOrte der Pr\u00e4vention\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>In den einschl\u00e4gigen politischen Strategiepapieren spiegelt sich diese Entwicklung wider. Im Jahr 2014 wurde die \u201e<a href=\"http:\/\/data.consilium.europa.eu\/doc\/document\/ST-9956-2014-INIT\/en\/pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Revised EU Strategy on preventing radicalisation and recruitment<\/a>\u201c verabschiedet, in der betont wird, dass Ma\u00dfnahmen auf nationaler Ebene zu kurz greifen und eine Einbindung der lokalen Ebene notwendig sei.<\/p>\n<p>Auch im <a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/themen\/sicherheit\/praeventionsprogramm-islamismus.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nationalen Pr\u00e4ventionsprogramm gegen islamistischen Extremismus<\/a> des Bundesministerium des Innern von 2017 wird festgestellt, dass die L\u00e4nder und die Kommunen \u201eprim\u00e4r zust\u00e4ndig\u201c f\u00fcr Radikalisierungspr\u00e4vention seien. Kommunen seien \u201eOrte der Pr\u00e4vention\u201c, die von Seiten des Bundes mit Mitteln f\u00fcr kommunale und lokale Ans\u00e4tze gef\u00f6rdert werden w\u00fcrden. In \u00e4hnlicher Weise betont die <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/blob\/109002\/5278d578ff8c59a19d4bef9fe4c034d8\/strategie-der-bundesregierung-zur-extremismuspraevention-und-demokratiefoerderung-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strategie der Bundesregierung zur Extremismuspr\u00e4vention und Demokratief\u00f6rderung<\/a> (federf\u00fchrend BMFSJ und BMI) von 2016, dass Kommunen und Landkreise \u201eentscheidende Orte\u201c f\u00fcr Pr\u00e4ventionsarbeit sein. Niedergeschlagen hatte sich dies bereits zuvor in der Konzeption des aktuellen <a href=\"https:\/\/www.demokratie-leben.de\/partnerschaften-fuer-demokratie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesprogramms Demokratie Leben!<\/a> des BMFSJ, das lokale Partnerschaften f\u00fcr Demokratie unter Einbindung kommunaler Akteure (als \u201efederf\u00fchrende \u00c4mter\u201c) f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Eine politische Forderung der St\u00e4rkung (und Vernetzung) kommunaler Pr\u00e4ventionsarbeit hat schlie\u00dflich unl\u00e4ngst der deutsche St\u00e4dte- und Gemeindebund aufgestellt. In einer <a href=\"https:\/\/www.dstgb.de\/dstgb\/Homepage\/Aktuelles\/2017\/Sicherheit%20als%20Standortfaktor\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung von 2017<\/a> wird die Notwendigkeit des Aufbaus von <u>\u201e<\/u>lokalen Pr\u00e4ventionszentren, in denen gemeinsam mit den Kommunen m\u00f6gliche Radikalisierungstendenzen analysiert, Gegenstrategien entwickelt und in einem bundesweiten Netzwerk zusammengearbeitet wird\u201c, betont.<\/p>\n<h2><strong>Ausblick und Empfehlungen<\/strong><\/h2>\n<p>Wird Radikalisierung als Flucht vor der komplexen, lokalen Lebenswelt verstanden, bietet universelle und selektive kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit eine Chance, Radikalisierungsprozessen vorzubeugen. Die skizzenhaften Ausf\u00fchrungen zeigen, dass es aus guten Gr\u00fcnden einen Trend der Kommunalisierung von Pr\u00e4ventionsarbeit gibt. Zu betonen ist aber, dass kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit keine Alternative, sondern eine Erg\u00e4nzung zivilgesellschaftlicher Angebote sein kann. Zivilgesellschaftliche Tr\u00e4ger bleiben unverzichtbare S\u00e4ulen in der bestehenden Pr\u00e4ventionsarchitektur.<\/p>\n<p>Damit kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit aber gelingt, bedarf es erstens des Willens der politischen Entscheiderinnen und Entscheider. Wo dieser politische Wille nicht bereits besteht, kann er durch einen Prozess der Erstellung eines Aktionsplans u.a. unter Beteiligung der Entscheiderinnen und Entscheider in Stadtverwaltung und Kreisbeh\u00f6rde entwickelt werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Pr\u00e4ventionsarbeit R\u00fcckhalt genie\u00dft und die Beteiligten gemeinsame Ziele von kommunaler Pr\u00e4ventionsarbeit formulieren. Der Aktionsplan kann in der Folge zu einem konkreteren Konzept weiterentwickelt werden.<\/p>\n<p>Zweitens bedarf es einer konzisen Analyse des Ist-Zustands. Schlie\u00dflich hat jeder lokale Kontext seine eigene Spezifik. Auch die Identifizierung des Pr\u00e4ventionsgegenstands, der Zielformulierung und die Entscheidung, an welcher Stelle Pr\u00e4ventionsarbeit kommunal angedockt wird, h\u00e4ngen davon ab. Die Analyse sollte dabei auf empirischen Daten und nicht auf \u201eBauchempirie\u201c beruhen. Eine lesenswerte Handreichung zur Entwicklung lokaler Programme und Strategien findet sich <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/home-affairs\/sites\/homeaffairs\/files\/what-we-do\/networks\/radicalisation_awareness_network\/about-ran\/ran-local\/docs\/ran_local_action_plan_academy_04-05_10_2017_en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Drittens sollten Ma\u00dfnahmen kommunaler Pr\u00e4ventionsarbeit einen ph\u00e4nomen\u00fcbergreifenden Ansatz verfolgen. Auch wenn der lokale Bedarf zum Beispiel darin bestehen sollte, der Radikalisierung hin zu religi\u00f6s begr\u00fcndetem Extremismus vorzubeugen, hat es sich als gute Praxis erwiesen, Ph\u00e4nomene von Rechtsextremismus, Einstellungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung (bspw. von Musliminnen und Muslimen) mit zu bearbeiten, unter anderem weil diese Ph\u00e4nomene interagieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viertens ist es notwendig, dass kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit einen vernetzten Ansatz verfolgt, also mit den zust\u00e4ndigen Sicherheitsbeh\u00f6rden kooperiert und nicht zuletzt die Zivilgesellschaft vor Ort einbindet. Beispielsweise kann eine Kommune die Koordination eines lokalen oder regionalen Pr\u00e4ventionsnetzwerks \u00fcbernehmen, wie das Beispiel Augsburgs oder die <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/bremen-stadt_artikel,-kodex-gegen-gefaehrder-_arid,1698291.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Planungen der Stadt Bremen<\/a> zeigen. Die Vernetzung mit Kommunen im Ausland, beispielsweise in Rahmen des <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/home-affairs\/what-we-do\/networks\/radicalisation_awareness_network\/about-ran_en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Radicalisation Awareness Network<\/a> (RAN) der Europ\u00e4ischen Union, dem <a href=\"https:\/\/efus.eu\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">European Forum for Urban Security<\/a> (EFUS; deutscher Ableger: <a href=\"https:\/\/www.defus.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DEFUS<\/a>) und dem <a href=\"http:\/\/strongcitiesnetwork.org\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/The-Vilvoorde-model-as-a-response-to-radicalism.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strong Cities Network<\/a>, bieten \u00fcberdies die M\u00f6glichkeit gute Praktiken auszutauschen und F\u00f6rdermittel einzuwerben. Hilfreiche Ausf\u00fchrungen zur Relevanz und zur Entwicklung eines solchen Multiakteurs-Netzwerks auf lokaler Ebene finden sich <a href=\"https:\/\/www.cidob.org\/en\/articulos\/monografias\/resilient_cities\/who_leads_and_who_does_what_multi_agency_coordination_community_engagement_and_public_private_partnerships\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.cidob.org\/en\/articulos\/monografias\/resilient_cities\/local_strategy_elements_of_an_effective_local_action_plan_to_prevent_radicalisation_and_violent_extremism\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens und abschlie\u00dfend m\u00fcssen Fragen der Bedarfsorientierung, Funktionsweise und Wirksamkeit eines kommunalen Pr\u00e4ventionsprojekts bereits in der Projektplanung, aber auch in der Durchf\u00fchrung stets im Blick behalten werden. Dies kann unter anderem durch eine bedarfsangemessene Evaluation (siehe lesenswerte Beitr\u00e4ge <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2018\/05\/24\/funktionsweise-und-wirkung-von-ansaetzen-der-extremismuspraevention\/\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2018\/04\/23\/ein-plaedoyer-fuer-gegenstandsangemessene-evaluationsforschung\/\">hier<\/a>) sichergestellt werden. Notwendig w\u00e4re \u00fcberdies eine st\u00e4rkere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit lokalen Dimensionen von Radikalisierungsprozessen und den M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen kommunaler Pr\u00e4ventionsarbeit, um in Zukunft <a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2018\/04\/25\/radikalisierungspraevention-alles-da-wo-es-sein-muss\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">noch st\u00e4rker wissensbasiert<\/a> kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist zu einem Gemeinplatz geworden festzustellen, dass Radikalisierungspr\u00e4vention eine \u201egesamtgesellschaftliche Aufgabe\u201c ist. Das liegt an der Unbestimmtheit des Begriffs und daran, dass die damit auf den Begriff gebrachte Idee noch nicht hinreichend eingel\u00f6st wurde. So werden Schule, Jugendarbeit oder Moscheegemeinden regelm\u00e4\u00dfig als Handlungsfelder bzw. Akteure von Pr\u00e4ventionsarbeit identifiziert. Andere wichtige gesellschaftliche Institutionen hingegen, wie Kommunen, wurden h\u00e4ufig \u00fcbersehen. In j\u00fcngerer Zeit scheint sich dies zu \u00e4ndern, Gemeinden, Landkreise und St\u00e4dte werden zunehmend als Orte von Pr\u00e4vention wahrgenommen, gute Praktiken lokaler Ans\u00e4tze ausgetauscht. Der Beitrag pl\u00e4diert f\u00fcr ein st\u00e4rkeres Engagement von Kommunen in der universellen und selektiven Radikalisierungspr\u00e4vention, skizziert den zu beobachtenden Trend hin zu kommunaler Radikalisierungspr\u00e4vention und endet mit Empfehlungen guter Praktiken.<\/p>\n","protected":false},"author":93,"featured_media":10656,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1141,1109],"tags":[1124,1351,1266],"coauthors":[395],"class_list":["post-13657","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch-en","category-extreme-society","tag-germany","tag-prevention-of-radicalization","tag-radicalization"],"acf":[],"views":201,"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.1.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Radikalisierung als Flucht und kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit als Chance - PRIF BLOG<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2018\/06\/06\/radikalisierung-als-flucht-und-kommunale-praeventionsarbeit-als-chance\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Radikalisierung als Flucht und kommunale Pr\u00e4ventionsarbeit als Chance - PRIF BLOG\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Es ist zu einem Gemeinplatz geworden festzustellen, dass Radikalisierungspr\u00e4vention eine \u201egesamtgesellschaftliche Aufgabe\u201c ist. 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