{"id":15117,"date":"2026-02-20T09:32:03","date_gmt":"2026-02-20T08:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/?p=15117"},"modified":"2026-02-23T14:38:53","modified_gmt":"2026-02-23T13:38:53","slug":"von-regeln-der-ausnahme-wo-humanitaere-militaerische-interventionen-auftreten-oder-ausbleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2026\/02\/20\/von-regeln-der-ausnahme-wo-humanitaere-militaerische-interventionen-auftreten-oder-ausbleiben\/","title":{"rendered":"Von Regeln der Ausnahme: Wo humanit\u00e4re milit\u00e4rische Interventionen auftreten oder ausbleiben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sogenannte humanit\u00e4re milit\u00e4rische Interventionen verfolgen den erkl\u00e4rten Anspruch, Menschen im Zielland vor Gewalt zu sch\u00fctzen. Viele halten dieses Schutzverspechen f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig, erleben doch die meisten Konflikte keine humanit\u00e4re Intervention. Dieses Spotlight er\u00f6rtert, wo solche Operationen stattfinden oder ausbleiben. N\u00e4he zu westlichen Staaten und Vorkommen von Rohstoffen geben nicht den Ausschlag. Vielmehr treten humanit\u00e4re Interventionen verst\u00e4rkt auf, wenn ein gro\u00dfer Interventionsbedarf, angezeigt durch hohe Opferzahlen, einhergeht mit plausiblen Chancen darauf, mit dem Eingreifen die Gewalt zu stoppen oder einzud\u00e4mmen.<\/strong><\/p>\n<p>Bei einer humanit\u00e4ren milit\u00e4rischen Intervention schickt ein Staat, eine Koalition von Staaten oder eine internationale Organisation Truppen in einen Gewaltkonflikt im Ausland. Mit angedrohtem oder ausge\u00fcbtem Zwang sollen sie, so das erkl\u00e4rte Ziel, die Menschen im Zielland vor K\u00e4mpfen oder \u00dcbergriffen sch\u00fctzen. Zu den bekanntesten F\u00e4llen z\u00e4hlen Somalia und Kosovo in den 1990ern und Libyen 2011. Ein Blick auf das j\u00fcngste Konfliktgeschehen l\u00e4sst den Ausnahmecharakter humanit\u00e4rer Interventionen erkennen. Im aktuellen Konflikt im Sudan gibt es keine solche Intervention, und die Kriege in \u00c4thiopien und im Jemen zogen ebenso wenig eine humanit\u00e4re Intervention auf sich. Angesichts der Schreckensbilanz dieser Konflikte kommt die Frage auf, warum hier eine humanit\u00e4re Intervention ausblieb. Auch der Krieg in Syrien z\u00e4hlte zu den verheerendsten Konflikten der j\u00fcngeren Vergangenheit. Hier gab es 2018 nach dem wiederholten Einsatz von Chemiewaffen punktuelle Luftangriffe, die sich als humanit\u00e4re Kurzintervention klassifizieren lassen, aber keine gr\u00f6\u00dfer angelegte Operation, um den Krieg zu beenden.<\/p>\n<p>Abbildung 1 auf der n\u00e4chsten Seite setzt die Zahl humanit\u00e4rer Interventionen ins Verh\u00e4ltnis zum Aufkommen \u201estaatsbasierter\u201c bewaffneter Konflikte, bei denen es sich zumindest bei einer Konfliktpartei um einen staatlichen Akteur handelt. In keinem Jahr fanden mehr als acht humanit\u00e4re Interventionen statt, und durchweg lag der Anteil von bewaffneten Konflikten mit einem solchen Einsatz bei unter 20%.<\/p>\n<h2>Wie glaubw\u00fcrdig ist das humanit\u00e4re Motiv?<\/h2>\n<p>Das seltene Auftreten humanit\u00e4rer Interventionen wirft die Frage auf, wie glaubw\u00fcrdig deren erkl\u00e4rte Ziele sein k\u00f6nnen, wenn die meisten Gewaltkonflikte kein solches Eingreifen erleben. Ob die behaupteten Motive der Intervenierenden als authentisch gelten, entscheidet mit \u00fcber die Legitimit\u00e4t und Unterst\u00fctzung und damit \u00fcber die Erfolgschancen einer Mission.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight0126-fn#c9015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Eine Studie der Autoren dieses Spotlights f\u00fchrt das geringe Aufkommen humanit\u00e4rer milit\u00e4rischer Interventionen darauf zur\u00fcck, dass potenzielle Interventen den Bedarf des Eingreifens gegen die erwarteten Risiken und Erfolgschancen der Mission abw\u00e4gen. Hingegen findet sie keine Anzeichen f\u00fcr eine erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit einer humanit\u00e4ren Intervention, wenn das Konfliktland \u00fcber nat\u00fcrliche Ressourcen wie \u00d6l oder Uran verf\u00fcgt oder in geographischer N\u00e4he zu westlichen Staaten liegt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15121\" aria-describedby=\"caption-attachment-15121\" style=\"width: 914px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15121\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert-1024x508.png\" alt=\"Diagramm mit zwei Graphen, die die Anzahl der 1. staatsbasierten Konflikte und 2. die Anzahl der Humanit\u00e4ren Interventionen von 1989 bis 2023 abbilden.\" width=\"914\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert-1024x508.png 1024w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert-300x149.png 300w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert-768x381.png 768w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert-1536x761.png 1536w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert-1320x654.png 1320w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Grafik-extrahiert.png 1715w\" sizes=\"(max-width: 914px) 100vw, 914px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15121\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Staatsbasierte Konflikte und humanit\u00e4re Interventionen seit 1989, Quellen: <a href=\"https:\/\/ucdp.uu.se\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ucdp.uu.se\/<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.humanitarian-military-interventions.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.humanitarian-military-interventions.com<\/a>.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>28 aus 314<\/h2>\n<p>Um Muster im Auftreten humanit\u00e4rer Interventionen herauszuarbeiten, untersuchten wir 314 innerstaatliche bewaffnete Konflikte zwischen 1989 und 2022 mit Beteiligung eines staatlichen Akteurs.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight0126-fn#c9015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>2<\/sup><\/a> Zwischenstaatliche Konflikte blieben au\u00dfen vor, weil es bei ihnen keine humanit\u00e4ren Interventionen gab. Das zeigt ein am PRIF erstellter Datensatz, auf den wir unsere Analyse st\u00fctzen.<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/03050629.2019.1638374\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>3<\/sup><\/a> F\u00fcr den genannten Untersuchungszeitraum z\u00e4hlten wir 28 humanit\u00e4re Interventionen.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight0126-fn#c9015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>4<\/sup><\/a> Die Vereinten Nationen f\u00fchrten zehn davon, in acht F\u00e4llen waren andere internationale Organisationen der wichtigste Akteur, und nur zweimal intervenierte ein Staat allein. In elf humanit\u00e4ren Interventionen traten westliche Staaten, Koalitionen oder Organisationen als Protagonisten auf.<\/p>\n<p>Die 314 bewaffneten Konflikte werteten wir mit einer quantitativen Methode aus, die darauf fokussiert, ob es im Laufe des Konflikts oder bis zum Ende des Untersuchungszeitraums zu einer humanit\u00e4ren Intervention kam, und falls ja, nach welcher Konfliktdauer sie erfolgte.<\/p>\n<h2>Interventionsbedarf<\/h2>\n<p>Spielt das Schutzmotiv tats\u00e4chlich eine Rolle, dann sollten Konflikte mit mehr Todesopfern eher zu humanit\u00e4ren Interventionen f\u00fchren als weniger blutige Konflikte. In besonders intensiven Konflikten k\u00f6nnen solche Operationen einen gr\u00f6\u00dferen Unterschied machen. Auch heben sich gro\u00dfe Gewaltlagen st\u00e4rker vom sonstigen Konfliktgeschehen ab und gewinnen eher internationale Aufmerksamkeit, auch weil sie st\u00e4rker ihre Nachbarschaft belasten. Wie unsere Studie ermittelte, macht eine h\u00f6here Zahl von Todesopfern eine humanit\u00e4re Intervention wahrscheinlicher, und dieser Effekt erreicht statistische Signifikanz.<\/p>\n<p>Es liegt die Annahme nahe, dass sich die Zahl der Gefl\u00fcchteten und Vertriebenen ebenso auf die Interventionsneigung auswirkt. Auch sie steht f\u00fcr das Ausma\u00df des Leids. Da jedoch Flucht und Vertreibung stark an das Ausma\u00df t\u00f6dlicher Konfliktgewalt gekoppelt sind, konnten wir hier keinen statistisch signifikanten Effekt feststellen. Zudem beziehen sich Daten zu Gefl\u00fcchteten und Vertriebenen auf das ganze Land und lassen sich nicht f\u00fcr die Konfliktregion aufschl\u00fcsseln.<\/p>\n<h2>Erfolgsaussichten<\/h2>\n<p>Haben potenzielle Eingreifende angesichts gro\u00dfen Leids vieler Menschen einen Bedarf f\u00fcr eine humanit\u00e4re Intervention ausgemacht, stellt sich ihnen die Frage der Chancen, mit einem Einsatz dazu beizutragen, die Gewalt zu beenden oder wenigstens einzud\u00e4mmen. Zudem pr\u00e4gen bef\u00fcrchtete Kosten und Risiken die Bereitschaft zur humanit\u00e4ren Intervention. Ein solcher Einsatz verschlimmert wom\u00f6glich noch die Lage der Menschen im Zielland, setzt die eigenen Truppen den Gefahren eines bewaffneten Konflikts aus, f\u00fchrt zu finanziellen Lasten und kann den Verantwortlichen politische Zustimmung und somit ihr Amt kosten.<\/p>\n<p>Eine humanit\u00e4re Intervention steht vor gr\u00f6\u00dferen Risiken, wenn Drittstaaten Truppen im Konfliktland stationieren und dabei Ziele verfolgen, die der humanit\u00e4ren Intervention entgegenstehen. Die konkurrierende Intervention st\u00e4rkt Akteure, die keine Deeskalation wollen, und w\u00fcrde den Handlungsspielraum der humanit\u00e4r motivierten Eingreifenden einschr\u00e4nken. Entsprechend beobachten wir, dass eine Truppenstationierung durch Dritte eine humanit\u00e4re Intervention unwahrscheinlicher macht.<\/p>\n<p>Ein gr\u00f6\u00dferer Umfang der Regierungsstreitkr\u00e4fte im Konfliktland senkt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer humanit\u00e4ren Intervention. Offenkundig z\u00f6gern potenzielle Interventen umso mehr mit einem Eingreifen <em>gegen die Regierung<\/em>, je umfangreicher deren Streitkr\u00e4fte sind. Diese Gr\u00f6\u00dfe reduziert aber auch die Bereitschaft zu einer unparteiischen humanit\u00e4ren Intervention, da dann mehr Truppen zu stationieren w\u00e4ren, um sowohl die Regierung als auch die Rebellen im Zaum zu halten. Auch eine Intervention <em>gegen die Aufst\u00e4ndischen<\/em> geht mit geringeren Erfolgsaussichten einher, wenn sich diese bereits gegen umfangreiche Regierungsstreitkr\u00e4fte behaupten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit steigender Gr\u00f6\u00dfe des Gebiets, in dem K\u00e4mpfe oder gezielte Angriffe auf Zivilpersonen stattfinden, schrumpft die Bereitschaft zu einer humanit\u00e4ren Intervention. F\u00fcr die gleichen Erfolgschancen verlangt ein gr\u00f6\u00dferes Konfliktgebiet mehr Interventionstruppen. Daraus ergeben sich f\u00fcr Eingreifende h\u00f6here finanzielle Kosten und wachsende Risiken, eigene Truppen zu verlieren. Der negative Effekt des Konfliktgebiets auf die Wahrscheinlichkeit einer humanit\u00e4ren Intervention zeigt sich jedoch weniger robust als der einer konkurrierenden Intervention und der Gr\u00f6\u00dfe der Regierungstruppen.<\/p>\n<h2>Interventionsbedarf und Erfolgsaussichten zusammengedacht<\/h2>\n<p>Humanit\u00e4re Interventionen gibt es allenfalls, wenn potenzielle Eingreifende einen Bedarf der Intervention und zugleich belastbare Chancen auf Erfolg sehen. Das m\u00f6gen die Worte illustrieren, mit denen US-Pr\u00e4sident George Bush 1992 den Einsatz in Somalia rechtfertigte:<\/p>\n<p><em>&#8220;Milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung ist notwendig, um die sichere Lieferung der lebensnotwendigen Nahrungsmittel f\u00fcr die Somalier zu gew\u00e4hrleisten \u2026 Die Menschen in Somalia, insbesondere die Kinder, brauchen unsere Hilfe. Wir k\u00f6nnen ihr Leid lindern \u2026 Wir werden unsere Mission erf\u00fcllen \u2026 Wir werden nicht scheitern.\u201c<a href=\"https:\/\/www.presidency.ucsb.edu\/documents\/address-the-nation-the-situation-somalia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>5<\/sup><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Stimmt es, dass potenzielle Eingreifende den Bedarf an Intervention gegen die Schwierigkeit der Intervention abw\u00e4gen, dann sollten humanit\u00e4ren Interventionen vor allem dort geschehen, wo blutige Konflikte mit f\u00fcr die Eingreifenden begrenzten Kosten und Risiken einhergehen. Tats\u00e4chlich fanden drei Viertel der humanit\u00e4ren Interventionen in solchen Konstellationen statt, darunter die Eins\u00e4tze in Sierra Leone von 1997 bis 2001 und in Burundi in den 2000ern.<\/p>\n<p>Was wir in unseren Daten auch sehen: Liegt bereits eine hohe Konfliktintensit\u00e4t vor, dann macht eine weitere Steigerung der Opferzahl eine Intervention nicht noch wahrscheinlicher. Das weist darauf hin, dass hier potenzielle Interventen Kosten und Risiken in den Blick nehmen. Bei zwei Konflikten mit gleicher Intensit\u00e4t ist eine humanit\u00e4re Intervention in dem Land wahrscheinlicher, wo es kleinere Regierungsstreitkr\u00e4fte oder keine konkurrierende Intervention gibt.<\/p>\n<div class=\"su-box su-box-style-default\" id=\"\" style=\"border-color:#004039;border-radius:3px;\"><div class=\"su-box-title\" style=\"background-color:#00736c;color:#fefefe;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px\">DATENSATZ<\/div><div class=\"su-box-content su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px\">Der PRIF-Datensatz zu humanit\u00e4ren milit\u00e4rischen Interventionen umfasst derzeit 43 dieser Eins\u00e4tze seit 1946. Er beruht auf Fallbeschreibungen, die alle Kodierentscheidungen dokumentieren und sich \u00fcber eine interaktive Weltkarte abrufen lassen: <a href=\"https:\/\/www.humanitarian-military-interventions.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.humanitarian-military-interventions.com<\/a>. Die im September 2025 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen autorisierte humanit\u00e4re Intervention in Haiti erfasst der Datensatz noch nicht.<\/div><\/div>\n<h2>Keine Muster ohne Wert<\/h2>\n<p>Humanit\u00e4re milit\u00e4rische Interventionen treten verst\u00e4rkt dort auf, wo hoher Interventionsbedarf auf plausible Aussichten auf Erfolg trifft. In solchen Konstellationen kommt es nicht immer zu einer Intervention. Auch gibt es vereinzelt humanit\u00e4re Interventionen in Konflikten mit relativ wenigen Todesopfern, so in Ost-Timor 1999 oder Haiti 2004-2005, oder bei geringen Erfolgsaussichten. In einigen dieser F\u00e4lle f\u00fchrte ein vorheriges milit\u00e4risches Engagement in der gleichen Konfliktregion zu einer ansonsten nicht zu erwartenden Interventionsbereitschaft, etwa in Bosnien-Herzegowina in den 1990ern oder gegen den Islamischen Staat im Irak 2014.<\/p>\n<div class=\"su-box su-box-style-default\" id=\"\" style=\"border-color:#004039;border-radius:3px;\"><div class=\"su-box-title\" style=\"background-color:#00736c;color:#fefefe;border-top-left-radius:1px;border-top-right-radius:1px\">STUDIE<\/div><div class=\"su-box-content su-u-clearfix su-u-trim\" style=\"border-bottom-left-radius:1px;border-bottom-right-radius:1px\">Die ausf\u00fchrliche Studie ist frei zug\u00e4nglich unter: Gromes, Thorsten &amp; Leonhard, Lucas Kori 2026: Saving strangers selectively: Conditions affecting the occurrence of humanitarian military interventions, International Peacekeeping, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/13533312.2025.2608853\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/13533312.2025.2608853<\/a>. Sie ist Teil eines Projekts zu Wirkungen humanit\u00e4rer milit\u00e4rischer Interventionen, das von der Deutschen Stiftung Friedensforschung gef\u00f6rdert wird.<\/div><\/div>\n<p>Im Lichte dieser Ergebnisse t\u00e4te es der politischen Debatte \u00fcber F\u00fcr und Wider von humanit\u00e4ren Interventionen gut, sich weniger auf die verbreitete, aber empirisch nicht fundierte Erz\u00e4hlung zu fixieren, dass diese Eins\u00e4tze vor allem dort erfolgten, wo die Eingreifenden sich Zugriff auf Rohstoffe sichern wollten.<\/p>\n<p>Damit man unsere Befunde richtig einordnet: Bleibt bei einer humanit\u00e4ren Intervention die erhoffte Deeskalation des Konflikts aus, widerlegt das keineswegs die Relevanz der wahrgenommenen Erfolgsaussichten f\u00fcr den Entschluss zum Eingreifen. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es Fehlkalkulationen. Zudem hinterfragen die zugrunde gelegten Daten durchaus die bei einem Milit\u00e4reinsatz vorgetragenen humanit\u00e4ren Motive. Der PRIF-Datensatz nutzt eine ganze Reihe von Pr\u00fcfkriterien, die es verbieten, etwa den Angriff Russlands auf die Ukraine als humanit\u00e4re milit\u00e4rische Intervention einzustufen.<\/p>\n<p>Die vorgestellten Ergebnisse zum Ausnahmecharakter humanit\u00e4rer Interventionen sind relevant, weil der Erfolg einer Mission auch davon abh\u00e4ngt, f\u00fcr wie glaubw\u00fcrdig die Eingreifenden wahrgenommen werden und wie sehr daher die Konfliktparteien und Dritte bereit sind, mit ihnen zu kooperieren. Die Regeln der Ausnahmen zu kennen, hilft dar\u00fcber hinaus, Erfolg und Scheitern humanit\u00e4rer milit\u00e4rischer Interventionen zu bilanzieren. Es f\u00fchrt zu irref\u00fchrenden Befunden, vergleicht man Konflikte mit einer solchen Intervention einfach mit allen Konflikten ohne dieses Eingreifen. So zieht eine Studie zu humanit\u00e4ren Interventionen der USA, Frankreichs und Gro\u00dfbritanniens eine Bilanz des Scheiterns, ohne zu bedenken, dass sich diese Operationen ungleich \u00fcber die Konflikte verteilen.<a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight0126-fn#c9015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>6<\/sup><\/a> Hingegen l\u00e4sst sich der Effekt humanit\u00e4rer Interventionen auf das Ausma\u00df der Gewalt besser einsch\u00e4tzen, wenn die Analyse unter anderem ber\u00fccksichtigt, dass solche Eins\u00e4tze verst\u00e4rkt in Konflikten mit vielen Todesopfern erfolgen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-15108 alignleft\" src=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Spotligt_Von_Regeln_der_Aufnahme-213x300.png\" alt=\"Cover der PDF- und Print- Version von Spotlight 01\/2026\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Spotligt_Von_Regeln_der_Aufnahme-213x300.png 213w, https:\/\/blog.prif.org\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Spotligt_Von_Regeln_der_Aufnahme.png 579w\" sizes=\"(max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/>Download (pdf): <a href=\"https:\/\/www.prif.org\/fileadmin\/Daten\/Publikationen\/PRIF_Spotlights\/2026\/Spotlight_1_2026_Thorsten_Lucas.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gromes, Thorsten; Leonhard, Lucas Kori (2026): Von Regeln der Ausnahme: Wo humanit\u00e4re milit\u00e4rische Interventionen auftreten oder ausbleiben, PRIF Spotlight, 01\/2026, Frankfurt \/ M.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.prif.org\/spotlight0126-fn#c9015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zu den Fu\u00dfnoten.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sogenannte humanit\u00e4re milit\u00e4rische Interventionen verfolgen den erkl\u00e4rten Anspruch, Menschen im Zielland vor Gewalt zu sch\u00fctzen. Viele halten dieses Schutzverspechen f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig, erleben doch die meisten Konflikte keine humanit\u00e4re Intervention. Dieses Spotlight er\u00f6rtert, wo solche Operationen stattfinden oder ausbleiben. N\u00e4he zu westlichen Staaten und Vorkommen von Rohstoffen geben nicht den Ausschlag. 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