{"id":15792,"date":"2026-06-19T15:50:44","date_gmt":"2026-06-19T13:50:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.prif.org\/?p=15792"},"modified":"2026-06-22T13:44:28","modified_gmt":"2026-06-22T11:44:28","slug":"memorandum-of-miscalculation-was-das-us-iranische-rahmenabkommen-ueber-strategien-zur-begrenzung-von-nuklearwaffen-lehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.prif.org\/en\/2026\/06\/19\/memorandum-of-miscalculation-was-das-us-iranische-rahmenabkommen-ueber-strategien-zur-begrenzung-von-nuklearwaffen-lehrt\/","title":{"rendered":"Memorandum of Miscalculation: Was das US-iranische Rahmenabkommen \u00fcber Strategien zur Begrenzung von Nuklearwaffen lehrt\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><b><span data-contrast=\"auto\">Die US-Regierung und das iranische Regime haben ein Rahmenabkommen geschlossen, das die bewaffnete Auseinandersetzung beenden und neue Verhandlungen \u00fcber das iranische Atomprogramm einleiten soll. Der Vergleich eines m\u00f6glichen neuen \u201enuklearen Deals\u201c mit dem 2015 abgeschlossenen Abkommen offenbart die Fehlkalkulation der gegenw\u00e4rtigen US-Administration \u2013 aber auch die Grenzen aller Strategien zur Einhegung von Nuklearprogrammen.<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Die M\u00f6glichkeit einer \u201eiranischen Bombe\u201c besch\u00e4ftigt politische Entscheidungstr\u00e4ger*innen und Expert*innen schon seit <\/span><a href=\"https:\/\/thebulletin.org\/2025\/06\/a-simple-timeline-of-irans-nuclear-program\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">\u00fcber zwanzig Jahren<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">. 2002 wurde die Existenz unterirdischer Anlagen zur Anreicherung von Uran bzw. zur Produktion von Schwerwasser in Natanz und Arak bekannt. Seither stand Iran immer wieder im Verdacht, mit seinem offiziell zivilen Atomenergieprogramm das Ziel einer nuklearen Bewaffnung anzustreben. Dass Iran bis 2003 auch an der Entwicklung von Sprengk\u00f6pfen geforscht hatte, <\/span><a href=\"https:\/\/www.armscontrol.org\/issue-briefs\/2011-11\/iaeas-iran-report-assessment-implications\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">best\u00e4tigte die Internationale Atomenergieagentur<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> (IAEA) 2011.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Kenneth Waltz, Begr\u00fcnder der \u201eneorealistischen\u201c Denkschule der Internationalen Beziehungen, wollte in Irans m\u00f6glichem Streben nach nuklearer Bewaffnung <\/span><a href=\"https:\/\/www.acsu.buffalo.edu\/~fczagare\/PSC%20504\/Waltz.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">kein fundamentales Problem<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> sehen, glaubte er doch fest an die stabilisierende Kraft der nuklearen Abschreckung und der weltweiten Verbreitung von Nuklearwaffen. Diese Einsch\u00e4tzung teilten und teilen jedoch weder die \u00fcberwiegende Mehrheit der Analyst*innen noch westliche Regierungen. Entsprechend konzentrierte sich die Debatte der letzten 20 Jahre auf die Frage, mit welcher Strategie dem Risiko einer iranischen nuklearen Bewaffnung beizukommen sei: <\/span><a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/Nuclear-Multilateralism-and-Iran-Inside-EU-Negotiations\/Cronberg\/p\/book\/9780367607418\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Diplomatie<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.taylorfrancis.com\/chapters\/oa-edit\/10.4324\/9780429052989-13\/iran-kazuto-suzuki\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Sanktionen<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/pdf\/10.1080\/01402390.2019.1662401?casa_token=efHGqzjZ4F4AAAAA:_ExFu0AKZRPqRqjkI6cABlpu7kSo5fswysHUVGwG-ccLYHaWNC9TZ0FevP43TdOgsNiFelk9E2JuaqQk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">verdeckte Sabotage<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> \u2013 oder Androhung und Anwendung <\/span><a href=\"https:\/\/www.taylorfrancis.com\/chapters\/edit\/10.4324\/9780203113646-8\/effectiveness-legitimacy-use-force-prevent-nuclear-proliferation-martin-malin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">milit\u00e4rischer Gewalt<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">? Alle diese Strategien wurden seitdem angewandt, der offene Einsatz milit\u00e4rischer Gewalt jedoch erst von der der zweiten Trump-Regierung (gemeinsam mit Israel). Nachdem bereits 2025 Angriffe gegen iranische Nuklearanlagen erfolgten, kam es am 28. Februar 2026 zum offenen Krieg mit Iran, den das nun unterzeichnete <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Memorandum of Understanding<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\"> (MOU) beenden soll.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2 aria-level=\"2\"><span data-contrast=\"none\">Ein Testfall f\u00fcr unterschiedliche Strategien<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134245418&quot;:true,&quot;134245529&quot;:true,&quot;335559738&quot;:160,&quot;335559739&quot;:80}\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Der <\/span><a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/c4gy700j0eko\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Text dieses Rahmenabkommens<\/span><\/a> <span data-contrast=\"auto\">bietet somit die Chance, den Erfolg zweier unterschiedlicher Strategien direkt zu vergleichen: auf der einen Seite den Ansatz der <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Coercive Diplomacy<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\">, der 2015 unter F\u00fchrung eines EU-Verhandlungstrios zum Abschluss des <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Joint Comprehensive Programme of Action<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\"> (JCPOA) f\u00fchrte; auf der anderen Seite die Strategie Trumps, der in seiner ersten Amtszeit das JCPOA aufk\u00fcndigte und in seiner zweiten das iranische Atomprogramm mit milit\u00e4rischer Gewalt zu beenden suchte.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Im <\/span><a href=\"https:\/\/www.armscontrol.org\/factsheets\/joint-comprehensive-plan-action-jcpoa-glance\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">JCPOA<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> akzeptierte Iran Obergrenzen f\u00fcr die Urananreicherung; diese betrafen den Anreicherungsgrad (3,67% Uran-235), den maximal erlaubten Vorrat des so angereicherten Urans (300 kg) und die Art und Anzahl der zur Anreicherung betriebenen Zentrifugen. Dar\u00fcber hinausgehendes Material sollte verw\u00e4ssert, verarbeitet, exportiert bzw. unter IAEA-Aufsicht gestellt werden; vereinbart wurde auch ein Um- bzw. R\u00fcckbau von Teilen der Nuklearanlagen. Iran akzeptierte zudem ein striktes Inspektionsregime der IAEA. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA und ihre europ\u00e4ischen Partner zur Aufhebung der auf das iranische Atomprogramm bezogenen Sanktionen, die sie individuell und \u00fcber den UN-Sicherheitsrat verh\u00e4ngt hatten. Unterschiedliche Bestimmungen des Abkommens waren mit Auslaufdaten (<\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Sunset <\/span><\/i><i><span data-contrast=\"auto\">Clauses<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\">) zwischen 10 und 25 Jahren versehen.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Das JCPOA war das Produkt einer <\/span><a href=\"https:\/\/brill.com\/view\/journals\/iner\/26\/2\/article-p218_3.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i><span data-contrast=\"none\">Coercive Diplomacy<\/span><\/i><span data-contrast=\"none\">-Strategie<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, denn der Verhandlungserfolg wurde mit Hilfe umfangreicher Sanktionen gegen den Iran errungen. Nach Einsch\u00e4tzung vieler Expert*innen war das Abkommen insofern erfolgreich, als es eine iranische nukleare Bewaffnung \u2013 f\u00fcr seine Laufzeit \u2013 effektiv verhinderte. Die \u201eBreakout-Time\u201c, die Iran bis zum Bau einer Nuklearwaffe br\u00e4uchte, <\/span><a href=\"https:\/\/www.brandeis.edu\/crown\/publications\/middle-east-briefs\/pdfs\/101-200\/meb149.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">konnte von 2-3 Monaten auf ein Jahr verl\u00e4ngert werden<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">. Zu den Schw\u00e4chen des Deals von 2015 z\u00e4hlten die <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Sunset Clauses<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\"> und die Tatsache, dass andere Aspekte der aggressiven iranischen Au\u00dfenpolitik \u2013 insbesondere das Raketenprogramm, das System regionaler Milizen und die Einmischung in regionale Kriege \u2013 nicht beschr\u00e4nkt werden konnten. <\/span><span data-contrast=\"auto\">Denn die Verhandlungen blendeten Irans Rolle im regionalen Konfliktsetting bewusst aus, um Einigkeit \u00fcber r\u00fcstungskontrollpolitische Aspekte zu erzielen. Insbesondere Israel, dessen Existenzrecht Teheran bestreitet, kritisierte dies stets scharf.<\/span><span data-contrast=\"auto\"> Und auch Irans Bev\u00f6lkerung zahlte einen Preis f\u00fcr die JCPOA-Diplomatie: Die Sanktionen, die f\u00fcr den Verhandlungserfolg zentral waren, zogen zugleich schwerwiegende \u00f6konomische und humanit\u00e4re Konsequenzen (wie z.B. einen <\/span><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1186\/s12992-016-0168-6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Mangel an Medikamenten<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">) nach sich. Gleichzeitig wurde durch den erfolgreichen Deal ein menschenverachtendes Regime diplomatisch und \u00f6konomisch legitimiert und gefestigt.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2 aria-level=\"2\"><span data-contrast=\"none\">Von Coercive Diplomacy zum milit\u00e4rischen Zwang \u2013 und wieder zur\u00fcck<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134245418&quot;:true,&quot;134245529&quot;:true,&quot;335559738&quot;:160,&quot;335559739&quot;:80}\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Auch mit Verweis auf diese Schw\u00e4chen k\u00fcndigte die erste Trump-Regierung das JCPOA auf. Nachdem es trotz zahlreicher Rettungsversuche auch <\/span><a href=\"https:\/\/www.globalpolicyjournal.com\/articles\/conflict-and-security\/failed-negotiations-restore-iran-nuclear-deal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">unter Joe Biden nicht wiederbelebt<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> werden konnte, ging die zweite Trump-Regierung auf einen milit\u00e4rischen Konfrontationskurs zum iranischen Regime. Mit Blick auf das Nuklearprogramm lassen sich <\/span><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/09636419808429354\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">zwei unterschiedliche strategische Funktionen milit\u00e4rischen Zwangs<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> unterscheiden. Die erste ist eine Strategie der <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Coercion by Denial<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\">, die Iran die Fortsetzung seines Nuklearprogramms physisch unm\u00f6glich machen soll. Diese Strategie l\u00e4sst sich in den <\/span><a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2026\/04\/08\/in-truemmern-aber-tatsaechlich-zerstoert-eine-bestandsaufnahme-des-iranischen-nuklearprogramms\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Angriffen auf iranische Nuklearanlagen<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> erkennen sowie in Pl\u00e4nen, hochangereichertes Uran mittels einer Bodenoperation im Iran unter US-Kontrolle zu bringen. Das Scheitern dieser Strategie ist offensichtlich: <\/span><a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/us-intelligence-indicates-limited-new-damage-irans-nuclear-program-sources-say-2026-05-04\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Expert*innen und US-Diensten zufolge<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> konnten die Angriffe von 2025 das Atomprogramm vor\u00fcbergehend wieder auf eine Breakout-Zeit von ca. einem Jahr zur\u00fcckwerfen \u2013 also etwa auf den Stand nach dem JCPOA; daran \u00e4nderte sich auch w\u00e4hrend des laufenden Krieges nichts. <\/span><a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2026\/06\/12\/politics\/us-military-plan-uranium-iran-ground-troops\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Bodenoffensive<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> zur Ergreifung iranischen Urans sagte Trump angesichts zu hoher Risiken ab. Der Forschungsbefund, dass <\/span><a href=\"https:\/\/direct.mit.edu\/books\/oa-edited-volume\/6076\/chapter-standard\/5924459\/Counterproductive-Counterproliferation-Evaluating?guestAccessKey=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">\u201ekinetische Counterproliferation\u201c oft kontraproduktiv<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> ist, wird auch im Fall Iran best\u00e4tigt.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Zugleich zielte der US-Angriff auf Iran aber auch auf <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Coercion by Punishment<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\">, also den Versuch, Iran durch milit\u00e4rische \u201eBestrafung\u201c zum diplomatischen Einlenken zu zwingen. Die Androhung einer milit\u00e4rischen Eskalation stand seitens der USA schon immer im Raum \u2013 parallel zur auf Sanktionen gest\u00fctzten <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Coercive Diplomacy<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\">. <\/span><span data-contrast=\"auto\">Bereits 2013, vor dem Abschluss der JCPOA-Verhandlungen, warnte jedoch der realistische US-Theoretiker <\/span><a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/pdf\/41721008.pdf?casa_token=wY_hgMBU2vMAAAAA:aT98lPPFE0We_aJmiHMUESBo59CQiDWWPn7bvlU62tYKCPpKj2mWMfKEXCw008gROykd900bt_ScOlJunmPThq0UC0rR77uPTJo3KV3ZyiOTy04EF8aQBA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Robert Jervis<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, die Drohung mit einem milit\u00e4rischen Vorgehen gegen Irans Nuklearprogramm sei nur schwer glaubw\u00fcrdig zu machen: \u201eAs Tehran surely understands, Washington knows that the likely results include at least a small war in the region, deepened hostility to the United States around the world, increased domestic support for the Iranian regime, legitimation of the Iranian nuclear weapons program, and the need to strike again if Iran reconstitutes it. Given such high costs, Tehran might conclude that Washington\u2019s threat to bomb is just a bluff, and one it is willing to call.\u201d<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Dass sich Trump 2026 dennoch zum Angriff entschloss, scheint das \u201eBluff\u201c-Argument zu widerlegen. Dennoch erweist sich die 13 Jahre alte Warnung als weitsichtig. Denn gerade indem die Drohung wahrgemacht wurde \u2013 mit den damals bereits antizipierten hohen Kosten f\u00fcr die USA \u2013 verlor sie ihre Wirksamkeit. Das iranische Regime ging kaum geschw\u00e4cht aus dem Konflikt hervor und darf sich zugleich im Hinblick auf eine ebenfalls erstmals umgesetzte Drohung best\u00e4tigt f\u00fchlen: Die <\/span><a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2026\/06\/17\/us\/politics\/trump-iran-deal-nuclear-program-strait.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> f\u00fchrte zu weltweiten Wirtschaftsturbulenzen und <\/span><a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2026\/05\/06\/the-strait-of-hormuz-in-perspective-one-global-chokepoint-multiple-vulnerabilities-compounded-effects\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">humanit\u00e4ren Problemen<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> und setzte Trump unter erheblichen Druck, den Krieg schnell zu beenden. Der US-Pr\u00e4sident kann daher nicht beanspruchen, Iran mit milit\u00e4rischer Gewalt an den Verhandlungstisch gezwungen zu haben \u2013 obwohl er auch in den letzten Tagen f\u00fcr den Fall eines diplomatischen Scheiterns mit <\/span><a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/trump-says-iran-memorandum-understanding-is-not-final-2026-06-17\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">neuen Angriffen drohte<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">. Vielmehr signalisiert das MOU eine (vorl\u00e4ufige) R\u00fcckkehr zur alten, auf Sanktionen und wirtschaftliche Anreize gest\u00fctzten <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Coercive Diplomacy<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\">.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2 aria-level=\"2\"><span data-contrast=\"none\">Schlechte Aussichten: Nutzen und Kosten eines neuen Nuklear-Deals<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134245418&quot;:true,&quot;134245529&quot;:true,&quot;335559738&quot;:160,&quot;335559739&quot;:80}\">\u00a0<\/span><\/h2>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Das Resultat l\u00e4sst sich noch nicht final beurteilen<\/span><span data-contrast=\"auto\">, da das Rahmenabkommen innerhalb von 60 Tagen in weiteren Verhandlungen noch konkretisiert werden soll. Jedoch ist jetzt schon offenkundig, dass das MOU keines der im JCPOA ausgesparten Probleme adressiert.<\/span><span data-contrast=\"auto\"> Zum Nuklearprogramm enth\u00e4lt es nur vage Passagen: Iran bekr\u00e4ftigt seine (altbekannte) Zusicherung, keine Nuklearwaffen zu entwickeln; bereits angereichertes Uran soll unter IAEA-Aufsicht verd\u00fcnnt oder anderweitig entsorgt werden; in den Folgegespr\u00e4chen sollen innerhalb von 60 Tagen zudem das Thema Anreicherung und weitere \u201emutually agreed matters\u201c verhandelt werden; bis dahin soll der \u201eStatus Quo\u201c des iranischen Nuklearprogramms erhalten bleiben. Gerade wegen dieser Vagheiten l\u00e4sst sich der Raum dessen, was in den Nachverhandlungen maximal erreichbar scheint, jetzt schon abstecken. Denn <\/span><a href=\"https:\/\/x.com\/james_acton32\/status\/2067361010005012762?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">aus den Aussparungen des MOU l\u00e4sst sich herauslesen<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, wozu es eben noch keine Einigung gibt: Welches wie hoch angereicherte Uran wird Iran aufgeben? Wird das Land \u00fcberhaupt quantitative Obergrenzen f\u00fcr die Anreicherung akzeptieren, und wenn ja, welche und wie lange? Wird es ein effektives <\/span><a href=\"https:\/\/www.al-monitor.com\/originals\/2026\/06\/verification-key-us-iran-nuclear-talks-saudi-foreign-minister-says\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Verifikationssystem<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> geben?<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">\u00dcber diese Fragen wurde bereits in den viel l\u00e4ngeren JCPOA-Verhandlungen intensiv gerungen. Die k\u00fcnftigen Verhandlungen finden jedoch unter f\u00fcr die USA ung\u00fcnstigeren Vorzeichen statt, da Iran seine Verhandlungsmacht gest\u00e4rkt sieht und seit dem Ende des JCPOA technische Fortschritte in seinem Atomprogramm erzielt hat. Hinzu kommt \u2013 und auch darauf wies Jervis bereits 2013 hin \u2013 dass auch positive Anreize wie der eines Wiederaufbaufonds f\u00fcr Iran glaubw\u00fcrdig sein m\u00fcssen, um zum Verhandlungserfolg beizutragen. Um diese Glaubw\u00fcrdigkeit nach dem eigenen Ausstieg aus dem JCPOA wieder erreichen zu k\u00f6nnen, muss die Trump-Administration fr\u00fch und viel \u201eliefern\u201c.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Es \u00fcberrascht deshalb nicht, dass Kenner der Verhandlungsgeschichte mit einem Abkommen rechnen, das hinter dem JCPOA zur\u00fcckbleibt, wie z.B. <\/span><a href=\"https:\/\/x.com\/james_acton32\/status\/2067361010005012762?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">James Acton<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, Co-Director des Nuclear Policy Program am Carnegie Center oder <\/span><a href=\"https:\/\/x.com\/KelseyDav\/status\/2067301425223508052?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Kelsey Davenport<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, Director for Nonproliferation der Arms Control Association. <\/span><span data-contrast=\"auto\">Wie beide betonen, macht dies den Versuch, ein solches bescheideneres Abkommen abzuschlie\u00dfen, nicht falsch. Es verdeutlicht dennoch die Fehlkalkulation der Trump-Regierung.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Denn nicht nur werden am Ende des Krieges und der Nachverhandlungen schw\u00e4chere Begrenzungen des iranischen Programms stehen als sie im JCPOA bereits erreicht waren. Sondern auch die <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Kosten<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\"> dieses k\u00fcnftigen Abkommens w\u00fcrden ungleich h\u00f6her sein. Dies sind zun\u00e4chst die direkten Kosten des Krieges: verlorene Menschenleben, zerst\u00f6rte Infrastruktur und weltweite \u00f6konomische und humanit\u00e4re Folgen. Eine m\u00f6gliche indirekte Folge ist ein erh\u00f6htes <\/span><a href=\"https:\/\/www.chathamhouse.org\/2026\/03\/iran-war-risks-triggering-new-wave-nuclear-proliferation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Risiko nuklearer Proliferation<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">: Andere Staaten, die mit einer nuklearen Bewaffnung lieb\u00e4ugeln, k\u00f6nnten sich durch die Erfahrung Irans best\u00e4tigt f\u00fchlen, diesen Schritt zu gehen, denn eine nukleare Abschreckung h\u00e4tte Iran vor der US-Intervention gesch\u00fctzt. Diese Proliferationsdynamik ist allerdings keineswegs sicher, denn <\/span><a href=\"https:\/\/thebulletin.org\/2022\/06\/why-putins-betrayal-of-ukraine-could-trigger-nuclear-proliferation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">\u00e4hnliche Bef\u00fcrchtungen<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">, die nach dem Beginn des Ukrainekrieges ge\u00e4u\u00dfert wurden, haben sich <\/span><a href=\"https:\/\/www.ifri.org\/en\/studies\/future-nuclear-proliferation-after-war-ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">bisher nicht best\u00e4tigt<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\">. Zweitens z\u00e4hlt zu den indirekten Kosten des Krieges die Schw\u00e4chung des V\u00f6lkerrechts durch einen <\/span><a href=\"https:\/\/blog.prif.org\/2026\/03\/03\/attacking-iran-isnt-just-illegal-its-illegitimate-and-dangerous\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">auch in Deutschland<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> zu leise hingenommenen v\u00f6lkerrechtswidrigen Krieg. Drittens werden auch die Menschen im Iran wieder bezahlen. Das Regime geht ungeschw\u00e4cht und ideologisch verh\u00e4rtet aus dem Konflikt hervor. Gleichzeitig signalisieren die USA im MOU ihre Bereitschaft, <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">alle<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\"> Sanktionen gegen den Iran aufzuheben \u2013 also auch die, die aufgrund massiver Menschenrechtsverletzungen erlassen wurden. Trumps <\/span><a href=\"https:\/\/www.pbs.org\/newshour\/world\/read-trumps-full-statement-on-iran-attack\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span data-contrast=\"none\">Versprechen einer \u201ewohlhabenden und glanzvollen Zukunft\u201c f\u00fcr das iranische Volk<\/span><\/a><span data-contrast=\"auto\"> scheint vergessen \u2013 ebenso wie das, was eine Strategie der <\/span><i><span data-contrast=\"auto\">Coercive Diplomacy<\/span><\/i><span data-contrast=\"auto\"> ohne Gewaltanwendung bereits erreicht hatte.<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Regierung und das iranische Regime haben ein Rahmenabkommen geschlossen, dass die bewaffnete Auseinandersetzung beenden und neue Verhandlungen \u00fcber das iranische Atomprogramm einleiten soll. 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