Auf dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft
Nur 10 Minuten mit dem Rad vom Regierungsviertel entfernt, bietet unsere Repräsentanz in Berlin ideale Bedingungen.

Frankfurt – Berlin / Berlin – Frankfurt

Vor drei Jahren öffnete das Berliner Büro der HSFK. Im Zwei-Mann-Betrieb geht es dort vor allem um Politikberatung, Wissenstransfer und Vernetzung.

Julian Junk und Anton Peez verbringen viel Zeit im ICE. Ein guter Tag ist, wenn das WLAN im ICE auf ihrer Strecke von Berlin nach Frankfurt und wieder zurück gut funktioniert. Gemeinsam kümmern sich die beiden um das Berliner Büro der HSFK, eine kleine, aber wichtige Außenstelle, die vor knapp drei Jahren eröffnet wurde. Junk leitet neben dem Berliner Büro auch die Forschungsgruppe „Radikalisierung“, Peez ist Doktorand und unterstützt ihn in allen Arbeitsbereichen.

Der Schritt, eine Dependance in Berlin zu eröffnen, hatte sich in den Jahren zuvor immer stärker aufgedrängt. Der Austausch und die Kontakte ins politische Berlin wurden immer wichtiger, um dem Selbstverständnis des Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Politik gerecht zu werden. Darüber hinaus war man auf der Suche nach flexibel nutzbaren Räumlichkeiten für Büroarbeit, Meetings und Veranstaltungen, um sich besser innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft oder mit Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaftscommunity zu vernetzen – nicht einfach in der immer dichter werdenden Stadt Berlin. Die Möglichkeit ergab sich schließlich direkt im Haus der Leibniz-Gemeinschaft in der Chausseestraße, das mit seiner Nähe zum Hauptbahnhof und zum Regierungsviertel ideale Bedingungen bietet.

Der Schritt nach Berlin hat sich schnell bezahlt gemacht. „Etwas, das wir erhofft, aber unterschätzt haben, war die symbolische Wirkung. Allein die Tatsache, dass wir in Berlin sind, ist schon ein deutliches Signal an viele Akteure hier, dass die HSFK an ihnen interessiert ist. Der kurze Weg zu uns ist im Hinblick auf Beratungs- und Kooperationsanfragen unschätzbar wichtig für uns geworden“, meint Julian Junk. Dass das Institut beispielsweise aus dem Bundesinnenministerium angefragt wurde, es im Bereich Extremismusprävention zu beraten, ist auch ein Erfolg der neuen Präsenz vor Ort, bekräftigt Anton Peez.

Themen verknüpfen, Impulse aufnehmen

Grundsätzlich seien die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der HSFK bereits gut in der Politik vernetzt, ob durch Kontakte in die jeweiligen Ministerien, Ausschüsse oder in die Fraktionen des Bundestags, stellt Junk klar. Seine Aufgabe als Leiter des Berliner Büros sei es eher, Themen zu verknüpfen, Impulse aus Berlin noch schneller aufzunehmen und weiterzuleiten, sowie insgesamt die Verbindung zwischen Wissenschaft und Politik zu bündeln und noch effektiver zu machen.

Dabei helfen auch neue Veranstaltungsformate wie „HSFK im Dialog“. Das sind keine öffentlichen Veranstaltungen, sondern Hintergrundgespräche zu spezifischen Themen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Ministerien oder des Bundestags. „Wir haben die Entscheidung getroffen, nicht ständig mit besonders großen Veranstaltungen präsent zu sein. Davon gibt es in Berlin genug und da erzeugt man auch relativ wenig Aufmerksamkeit“, sagt Junk. Stattdessen wolle man im kleinen Rahmen Impulse in die Politik bringen. Der Formatname „Dialog“ spiele dabei eine wichtige Rolle: „Wissenstransfer ist für uns dialogisch. Wir wollen hier ganz bewusst nicht auftreten als wüssten wir alles besser.“

Dass die Politikberatung in der Praxis Früchte trägt und politische Entscheidungen prägt, ist, wie immer in den Sozialwissenschaften, nicht einfach nachzuweisen. Durch die Beratungsprojekte in der Extremismusprävention oder in der Entwicklungszusammenarbeit erkennt Peez aber durchaus konkrete Policy-Empfehlungen aus der HSFK-Forschung in politischen Prozessen wieder. Doch auch in anderen, schwieriger zu durchschauenden Feldern ist er sich sicher, dass die Friedensforschung positiv einwirken kann: „Allein dadurch, dass wir manchmal Irritationen hervorrufen oder neue Gedanken einbringen.“

All das bedeutet aber nicht, dass die HSFK sich auf die Politik beschränkt und der Berliner Stadtgesellschaft verschlossen bleibt. So wird jedes Jahr im Juni die Vorstellung des Friedensgutachtens, der zentralen Publikation der wichtigsten deutschen Friedensforschungsinstitute, von zahlreichen öffentlichen Vorträgen und Diskussionen begleitet. 2020 war außerdem vorgesehen, anlässlich des 50-jährigen Bestehens der HSFK die öffentliche Jahreskonferenz des Instituts in der hessischen Landesvertretung in Berlin auszurichten, welche nun pandemiebedingt um ein Jahr verschoben wurde. Nicht zu vergessen sind die gemeinsamen Veranstaltungen der Leibniz-Gemeinschaft oder in Forschungsverbünden innerhalb und außerhalb von Leibniz, für den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Disziplinen nicht selten im Berliner HSFK-Büro Ideen sammeln.

„In Berlin wissen, wozu in Frankfurt geforscht wird“

Dass ihnen die Anwesenheit in Frankfurt bei all den Aufgaben in Berlin trotzdem sehr wichtig ist, bekräftigen beide. Nur durch die persönliche Verbindung zu allen Kolleginnen und Kollegen ließen sich die Vorteile beider Standorte so richtig ausschöpfen und kombinieren, so Junk und Peez. Das zeigte auch eine vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Studie zum Zusammenhang zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Frieden, die als Idee in einem Berliner Hintergrundgespräch entstand und mit Frankfurter Expertise erstellt wurde.

„Politikberatung, wie wir sie verstehen, hat zwei Impulse“, fasst Julian Junk zusammen. „Der eine ist die Beratungsanfrage von außen. Der andere ist, dass wir im Berliner Büro genau wissen, was in Frankfurt gewusst, wozu geforscht wird, wo spannende Projekte oder Publikationen zu finden sind. Die Idee ist nicht, einen Solitär in Berlin zu schaffen, sondern ganz stark mit dem Mutterschiff in Frankfurt verbunden zu bleiben und von dort auch die wesentlichen Impulse zu generieren. Bisher hat sich das ausgezahlt.“


Julian Junk ist Projektleiter im HSFK-Programmbereich „Transnationale Politik“, Leiter der Forschungsgruppe „Radikalisierung“ und leitet das Berliner Büro der HSFK. Seine Forschung beschäftigt sich mit Radikalisierungund Deradikalisierung in Deutschland und darüber hinaus, Sicherheitspolitik, internationalen Organisationen und der Friedenssicherung der Vereinten Nationen.

 


Anton Peez ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der HSFK sowie Mitgründer des Datenjournalismus-Projektes Einfacher Dienst. Er forscht zu Zwang, Compliance und Normen in den internationalen Beziehungen.

 

 


Dieser Beitrag ist Teil unseres Jubiläumsmagazins zum 50-jährigen Bestehen der HSFK. Das Magazin steht hier zum kostenlosen Download bereit (pdf, 5,42 MB).

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PRIF Redaktion

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Für diesen Beitrag ist die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) verantwortlich. Kontakt: Tel.: 069 - 959104-13, Mail: redaktion@hsfk.de

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