Zum Hauptinhalt springen
Publikationssprachen:
Podcast PRIF TALK:

Beiträge nach Sprache filtern:

Midterms in den USA: Kostet Trumps Außenpolitik die Republikaner die Zwischenwahlen?

27. August 2026

Die Zwischenwahlen (Midterm Elections) gelten als Lackmustest für US-Präsidenten. Außenpolitik ist dabei üblicherweise kein wahlentscheidendes Thema – doch gilt das auch für die diesjährigen Midterms am 3. November? Inflation, Handelspolitik und Lebenshaltungskosten stehen im Fokus der Wähler*innen, doch in diesem Jahr kann keines der Themen unabhängig von Trumps Außenpolitik betrachtet werden. Die Republikaner haben nur eine kleine Mehrheit im Kongress, das Rennen ist eng. Is it just the economy, stupid?

Die Trumpsche Außenpolitik 2.0

Donald Trumps zweite Amtszeit ist außenpolitisch bislang durch beispiellose Ereignisse geprägt, die zwar an die erste Amtszeit anknüpfen, diese jedoch in Intensität und geographischer Reichweite übertreffen. Trumps Außenpolitik findet bei nur 34% der Gesamtbevölkerung Zustimmung und bewegt sich damit auf dem Niveau seiner allgemeinen Zustimmungsrate, die bei aktuell bei 32% liegt.

Trumps aggressives Auftreten gegenüber NATO-Partnern, insbesondere der Vorschlag der Annexion Grönlands, stoßen in den USA überwiegend auf Ablehnung. Nur 17% der US-Amerikaner*innen befürworten das Vorhaben, selbst unter Republikaner*innen sind es nur 40%. Einen militärischen Annexionsversuch unterstützen nur 4% aller Befragten und auch nur 8% der Republikaner*innen. Zwei Drittel der Bevölkerung befürchten Schäden an der NATO und den transatlantischen Beziehungen, doch nur 40% der Republikaner*innen teilen diese Ansicht. Trumps Regierung rechtfertigt das Vorhaben im Rahmen der sog. Donroe-Doktrin – dem Versuch, die westliche Hemisphäre unter amerikanische Kontrolle zu bringen – und somit der nationalen Sicherheitsstrategie 2025. Auch über die Grönlandfrage hinaus stellt der Präsident die NATO und US-Beistandsgarantien für die NATO-Partner zunehmend in Frage. Seine Argumentation, dass die Organisation den USA hohe Kosten, aber kaum Vorteile bringe, scheint knapp die Hälfte der US-Amerikaner*innen zu teilen: Nur 43% trauen – möglicherweise als Konsequenz der Trumpschen Rhetorik – der NATO-Sicherheitsgarantie. Dennoch befürwortete eine Mehrheit zum Zeitpunkt des letzten Gipfeltreffens in Ankara das Engagement ihres Landes in der NATO (s. Abb. 1); Mehrheiten in allen politischen Lagern halten die Partnerschaft mit Europa für einen Faktor der Stärke. Trotz wachsender Kritik haben viele US-Amerikaner*innen immer noch ein positives Gesamtbild der atlantischen Allianz – 75% der Demokraten und immerhin noch 42% der Republikaner.

Das Liniendagramm zeigt die Unterstützung der US-Wähler*innen für ein gleichbleibendes oder verstärktes Engagement der USA in der NATO nach Parteienpräferenz zwischen 1974 bis 2025. Während Wähler*innen der Republikaner bis in die 1990er die größten Zustimmungswerte hatten, stagnierte die Unterstützung der NATO seit den 2000ern zwischen 70 und 75%. Seit 2020 fiel sie ab auf knapp 55%.Demokrat*innen verzeichnen steigende Zustimmungswerte, von 57% im Jahr 1974 auf 92% im Jahr 2022. Zuletzt sank auch dieser Wert wieder leicht auf 86%. Unabhängige Wähler*innen bewegen sich ähnlich zum US-Durchschnitt zwischen 51% (1974) , knapp 70% (2002-2020), knapp 80% (2022) und 67% (2025).
Abb. 1 Engagement in der NATO. | Grafik: Global Affairs (18.08.2026)

Auch der Rückzug der USA aus 66 internationalen Organisationen im Januar 2026 trifft auf geringe Zustimmung: über 80% der Bevölkerung halten die Zusammenarbeit in internationalen Organisationen für ein wichtiges außenpolitisches Ziel, wobei auch hier der Anteil der Republikaner*innen deutlich niedriger ist (45%).

Ebenfalls im Namen der Donroe-Doktrin entführten am 3. Januar 2026 amerikanische Streitkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seine Frau, um ihn in New York vor Gericht zu stellen. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages bewertet diese Intervention als ungerechtfertigten Verstoß gegen das Gewalt- und Interventionsverbot und damit als völkerrechtswidrig. Die öffentliche Meinung in den USA ist geteilt. Ungefähr die Hälfte der Befragten befürwortet das Vorgehen abhängig von der Wahrnehmung des Operationsziels: wird Zugang zu Öl als Ziel identifiziert, liegt die Zustimmung bei nur 32%, während bei Bekämpfung von Drogenkriminalität 88% dem Vorhaben positiv gegenüber stehen – eine Meinung, die primär von Republikaner*innen vertreten wird. Diese zeigen grundlegend eine größere Zustimmung (87%) zum Umgang mit Venezuela als Unabhängige (37%) oder Demokraten (8%).

Die weitaus größte Unzufriedenheit der Wähler*innen entzündet sich jedoch nicht an Trumps Politik innerhalb der westlichen Hemisphäre, sondern an zwei Nahost-Themen: Trumps Unterstützung für Israel im Gaza-Krieg und sein zunehmend unbeliebter Krieg im Iran. Insbesondere der lauter werdende innenpolitische Streit über die Iran- und Israel-Politik wirft daher die Frage auf: Könnte Trumps Außenpolitik die Republikaner die Midterms kosten?

Midterms: ein Stimmungstest zur Innenpolitik?

Folgt man der Studienlage zu vergangenen US-Wahlen, so ist eigentlich nicht damit zu rechnen, dass selbst eine noch so unbeliebte Außenpolitik das Wahlergebnis stark beeinflussen könnte. Die in der Mitte der präsidentiellen Amtszeit gelegenen Wahlen gelten traditionell als wichtiger Stimmungstest zur innenpolitischen Performance der Regierung. Obwohl bei den Midterms nur Teile des Kongresses neu gewählt werden, verliert ein US-Präsident in den Zwischenwahlen nicht selten seine Kongressmehrheit und damit die Fähigkeit, „durchzuregieren“. In diesem Jahr ist es knapp: im Senat haben die Republikaner einen Vorsprung von drei Sitzen, im Repräsentantenhaus sind es fünf der 435 Sitze.

Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus scheint trotz gezielten Gerrymanderings zu Gunsten der Republikaner machbar. Die Auswirkungen der aktuellen Debatte um eine Einschränkung der Briefwahl sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch schwer absehbar. Im Senat jedoch müssten die Demokraten vier neue Sitze gewinnen, um die entscheidende Stimme des Vizepräsidenten in einer Pattsituation zu umgehen. CNN prognostiziert mehrere entscheidende Bundestaaten: North Carolina, Maine, Ohio und Alaska werden wohl an die Demokraten gehen. Überraschend hat auch der texanische Kandidat James Talarico gute Chancen, seinen republikanischen Gegner Ken Paxton zu schlagen und einen traditionell konservativen Staat für die Demokraten zu holen. In Michigan jedoch könnte der frisch gekürte demokratische Kandidat Abdul El-Sayed den demokratischen Sitz knapp an die Republikaner verlieren. Im Gegenzug versuchen die Demokraten, Iowa zu gewinnen. Das Rennen ist also eng, und keine Partei wird mit einer eindeutigen Mehrheit aus der Wahl hervorgehen. Im Generic Congressional Ballot liegen die Demokraten knapp vorne, in Swing Districts liegen sie knapp in Führung, dennoch wird auch das Repräsentantenhaus wohl nicht von einer blauen Welle überrollt werden.

Abb. 2: Demokraten führen knapp in Swing Districts. | Grafik: Montgomery, David (2026): Registered voters in swing districts prefer Democrats to Republicans for Congress. In: YouGov (04. August 2026)

Die Wirtschaft – Trumps vermeintliche Stärke – ist auch in diesem Jahr für viele Wähler*innen das wichtigste Thema. Seit seiner Amtsübernahme konnten die Demokraten ihren Vertrauensrückstand in Sachen Wirtschaftskompetenz aufholen. Auch an die positiven Umfragewerte seiner ersten Amtszeit kommt Trump nicht heran, ca. 60% der US-Amerikaner*innen – Trend zunehmend – bewerten sie als schädlich für die nationale Wirtschaft, auch wenn Republikaner erwartbar ein deutlich positiveres Bild haben als Demokraten. Die größte Sorge der Wähler*innen gilt den Kosten für Gesundheitsversorgung und Lebenshaltungskosten (z.B. Wohnraum, Konsumgüter, Elektrizität, Spritpreise) sowie dem Arbeitsmarkt. Insbesondere die Themen Handel, Wirtschaft und Inflation sorgen für schlechte Umfragewerte.

Abb. 3 – Trumps Zustimmungswerte nach Thema Silver Bulletin. | Grafik: Nate Silver (Stand: 12.08.2026)

Im Vergleich mit diesen Themen ist Außenpolitik auch in diesem Jahr für die meisten Wähler*innen zweitrangig: nur 4% betrachten sie als wichtigsten Faktor für ihre Wahlentscheidung. Zudem können beide Parteien auf ungefähr gleich viel Rückhalt für ihre außenpolitische Agenda verweisen. Auf den ersten Blick spricht also wenig dafür, dass die wachsende Ablehnung von Trumps Außenpolitik den Wahlausgang bestimmen könnte. Dennoch gibt es mögliche Zusammenhänge zwischen Außen- und Innenpolitik, die die Wahl dieses Mal mit beeinflussen könnten.

Erstens hat der Präsident mit seinen Interventionen in Venezuela und Iran ein zentrales Wahlkampfversprechen gebrochen: „No New Wars“. Allein der Irankrieg kostete die amerikanischen Steuerzahler*innen nach aktuellen Schätzungen bislang 37,5$ Milliarden. Verteidigungsminister Pete Hegseth musste deshalb den Kongress um eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets bitten, stößt dabei jedoch selbst in der eigenen Partei auf Gegenwind . Selbst Trumps treuste Anhänger*innen sehen den Krieg im Iran mit zunehmender Dauer kritisch,  prominente Unterstützer wie Tucker Carlson wenden sich deshalb von ihm ab. Dennoch: Seine persönlichen Beliebtheitswerte sowie die Zustimmung zu seiner Außenpolitik bleiben in der eignen Partei bei über 70%. Auch die vergleichsweise hohe Zustimmung zur Venezuela-Intervention im Januar spricht nicht dafür, dass Trumps Interventionismus als solcher ihn die Wahl kosten könnte.

Dass insbesondere der Irankrieg für den Präsidenten trotzdem politisch teuer werden könnte, liegt an einem zweiten, indirekten Wirkmechanismus: dem – messbaren und wahrgenommenen – Einfluss des Krieges auf die US-Wirtschaft und auf die Situation der amerikanischen Verbraucher*innen. Eine Mehrheit von 73% der Befragten gibt Donald Trump eine (Mit-)Schuld am Anstieg der Spritpreise. Viele befürchten zudem, dass der Krieg noch Monate oder sogar Jahre andauern könnte. Obwohl eine Mehrheit der Republikaner*innen (67%) den Krieg noch immer lohnenswert findet, sehen selbst Trumps eigene Anhänger*innen seinen Krieg deshalb zunehmend negativ. Bei unentschlossenen und unabhängigen Wähler*innen könnte der Krieg den Ausschlag für eine Stimme für die Demokraten geben.

Neben dem Irankrieg hat auch Trumps Zollpolitik spürbare wirtschaftliche Kosten für die US-Amerikaner*innen. Gestiegene Importkosten mögen zwar die Importmasse reduzieren und einer verbesserten Handelsbilanz dienen, doch durch Kostenweitergabe und Reduzierung des Angebots zahlen die Verbraucher*innen. Eine Mehrheit von 78% findet, dass die Regierung nicht genug tut, um Preise zu senken. Zugleich sehen 60% einen zu starken Fokus auf Zollpolitik, 64% lehnen neue Zölle ab.

Zu viel Außenpolitik?

Ein dritter möglicher Einflussweg von der Außen- zur Innenpolitik führt über Kriegskosten, Sparzwänge und Sozialpolitik: Zusätzlich zur Inflation kürzt die Regierung Gelder bei Unterstützungsleistungen wie Lebensmittelmarken (SNAP) und Unterstützungsleistungen für medizinische Versorgung (Medicaid). Der Krieg selbst sowie Wiederbeschaffungsvorhaben nehmen Haushaltsgelder in Anspruch, die folglich nicht für Bildung, Infrastruktur oder Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen. Diese Sorgen werden durch Demokratische Kandidat*innen, v.a. durch die Democratic Socialists (DSA) aufgegriffen. Der Wahlerfolg von Zohran Mamdani in New York verdeutlicht, dass viele Bürger*innen – zumindest in Ballungszentren – sich sozialere Politik wünschen. Doch auch im Bevölkerungsdurchschnitt wird den Demokraten eine deutlich höhere Kompetenz in Sachen Kostensenkung zugesprochen. Daraus ergibt sich ein enormes Wählerpotenzial für demokratische Kandidat*innen. Das DSA-Programm umfasst außenpolitisch einen Ansatz „for the working class, der die Reduzierung der Ausgaben für Militär und Waffenexporte, das Ende von Embargos und Sanktionen und die Anerkennung Palästinas fordert. Sozialpolitisch lockt das DSA-Programm mit universeller Krankenversicherung, bezahlbarem Wohnraum, Kinderbetreuung, kostenloser Bildung und kürzeren Arbeitszeiten. Die Überschneidung mit den Themen der zitierten Umfragen ist klar ersichtlich. Dennoch ist nicht ausgemacht, dass Menschen, die DSA-Forderungen inhaltlich teilen, auch DSA-Kandidat*innen wählen werden – denn das Label „sozialistisch“ polarisiert in den USA seit jeher stark. Es bleibt daher abzuwarten, ob diese neue Generation demokratischer Politiker*innen ein Erfolgsgarant oder Spaltapfel innerhalb der demokratischen Partei sein wird – insbesondere mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2028.

Die bevorstehenden Midterms verdeutlichen, wie außenpolitische Entscheidungen trotz innenpolitischem Fokus zu Faktoren werden können, die die Wahl zumindest mitentscheiden. In Zeiten von Inflation und zunehmender Frustration mit Lebenshaltungskosten, internationalem Engagement und politischem System, die einst Trump zum Sieg verhalfen, erscheint seine Fokussierung auf außenpolitische Abenteuer in den Augen vieler Wähler*innen fehlplatziert. Der Bruch seines Wahlkampfversprechens No New Wars, aber auch die vermeintliche Abweichung von America First könnte die Republikaner bei diesen Midterms insbesondere bei unentschlossenen und unabhängigen Wähler*innen teuer zu stehen kommen. Somit sind es nicht nur die Effekte der Außenpolitik, sondern vielleicht ein „zu viel“ an Außenpolitik, die sie bei diesen Wahlen zum entscheidenden Faktor machen könnte.

Autor*in(nen)

Lea Hinz

Lea Hinz

Lea Hinz ist Studentin an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg im Masterstudiengang Internationale Beziehungen und Angehörige der Bundeswehr. Ihre Forschungsinteressen umfassen insbesondere US-amerikanische Außen- und Interventionspolitik sowie Statebuilding- und Demokratisierungsprozesse. Im August 2026 absolvierte sie ein Praktikum im Programmbereich Internationale Sicherheit. // Lea Hinz is a student at Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, pursuing a master’s degree in International Relations, and a member of the German Armed Forces. Her research interests focus in particular on U.S. foreign and intervention policies, as well as state-building and democratization processes. In August 2026, she was an intern at Research Department International Security.
Caroline Fehl

Caroline Fehl

Dr. Caroline Fehl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Programmbereich „Internationale Sicherheit“ und forscht zu internationalen Normen, Institutionen und Organisationen in der Sicherheits- und Menschenrechtspolitik. Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen unter anderem auf der nuklearen Ordnung, den humanitären Folgen von Nuklearwaffen und der transatlantischen Sicherheitspolitik.  // Dr Caroline Fehl is Senior Researcher at the Research Department “International Security” and works on  international norms, institutions and organizations in international security and human rights. Her research interests include the nuclear order, the humanitarian consequences of nuclear weapons, and transatlantic security policy. | LinkedIn: Caroline Fehl